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#FacesOfPhotography – Teil 151: Dawin Meckel aus Frankfurt am Main

Im vergangenen Jahr ist Dawin Meckel aus familiären Gründen von Berlin nach Frankfurt gezogen. Obwohl er die Hauptstadt vermisst, hält Hessen doch einige Vorteile für seinen Job bereit. Welche das sind und wofür die Fotografie für ihn ganz generell in diesen Zeiten steht, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen.

Dawin, wie geht es Dir?
Ich bin froh, dass es meiner Familie und mir gesundheitlich gut geht und wir bisher wohlbehalten durch die Pandemie gekommen sind. Da unser älterer Sohn Asthma hat, sind wir besonders vorsichtig, treffen nur wenige Leute und sind oft in der Natur unterwegs. Nachdem ich zu seinem Schutz inzwischen beide Impfungen erhalten habe, bin ich nun wieder mit einem besseren Gefühl auf Jobs unterwegs. Vergangenen Sommer sind wir von Berlin zurück in die alte hessische Heimat nördlich von Frankfurt gezogen, aufgrund der besseren Luft für unseren Sohn und der Anbindung an unsere Familien, haben nun allerdings festgestellt, dass wir Berlin doch mehr vermissen als gedacht.

Wie ist es Dir beruflich in den vergangenen Wochen und Monaten ergangen?
Letztes Jahr hatte ich trotz der Pandemie erfreulicherweise ganz gut zu tun. In den ersten drei Monaten dieses Jahres herrschte dann doch Flaute, aber langsam kommt wieder Wind in die Segel und ich freue mich, arbeiten zu können.

Woran arbeitest Du aktuell?
Für die KfW Bank habe ich diverse Start-ups fotografiert, etwa eins in Bad Homburg, das ein Medikament gegen Hepatitis D entwickelt hat. In den letzten Wochen war ich in Thüringen und Bayern und habe dort Mitarbeiter zweier Unternehmen aus der Stahl- und Servicebranche portraitiert. Das Tolle an meinem neuen Zuhause ist, dass man – zumindest geographisch gesehen – mittendrin ist und viele Orte schnell erreichen kann, allein schon in den sechs an Hessen angrenzenden Bundesländern. Das ist tatsächlich ein Vorteil gegenüber Berlin.



Hat die Pandemie Deinen Blick auf die Fotografie und die Branche verändert?

Nicht wirklich, ich denke und hoffe, dass der Hunger nach Bildern umso größer sein wird, wenn die Pandemie überstanden ist.

Was kann Fotografie generell? Und in diesen Zeiten?
Was die Fotografie nicht zuletzt auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, den Fluss der Zeit anhalten, den Blick auf einen Moment fokussieren und ihm Bedeutung verleihen zu können. Zukunftsforscher gehen davon aus, dass die Pandemie bei jenen Menschen, die sie unbeschadet überstehen, schnell in Vergessenheit geraten wird. Umso wichtiger ist es, dass uns Bilder an diese Ausnahmesituation erinnern werden, unter der viele Menschen zu leiden hatten.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich freue mich darauf, mir meine neue alte Heimat auch auf fotografischen Wegen zu erschließen, sowohl im Rahmen freier Projekte als auch in beruflicher Hinsicht. Da haben Hessen und die benachbarten Bundesländer, nicht zuletzt da ich viel für Unternehmen aus dem Mittelstand und der Industrie arbeite, doch einiges zu bieten!

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#FacesOfPhotography – Teil 113: Alex Schwander aus Frankfurt

Alex Schwander glaubt fest daran, dass – wenn auch eventuell nach einer längeren Pause – die Jobs wieder mehr werden. In der Zwischenzeit portraitiert er seine Fotograf*innen-Kolleg*innen wo auch immer er sie trifft. Mit den #FacesOfPhotography hat er darüber gesprochen, ebenso über die Zukunft und auch darüber, was die Fotografie ihm bedeutet:

Alex, wie geht es Dir?
Schön, dass du fragst! Ist ja wirklich in der gegenwärtigen Zeit schon fast eine berechtigte Frage und nicht nur Floskel. Man freut sich geradezu über diese Frage.
Nun, tatsächlich geht es mir sehr gut. Ich hatte, zusätzlich zu dieser Covid-19-Sache, diesen Sommer noch eine persönliche gesundheitliche Notsituation, die aber überstanden ist. Momentan fühle ich mich gut mit meiner zweiten Chance, am Leben teilzunehmen. Corona war zwischenzeitlich zweitrangig. Viele Dinge wurden mir ab diesem Ereignis bewusster, andere waren nicht mehr so wichtig, um darauf Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden. Wesentliches wurde entscheidend und wichtig.

Fiene Wollstadt

Wie ist es Dir – jobmäßig betrachtet – in den letzten Wochen und Monaten ergangen?
So wie wahrscheinlich viele andere Kollegen auch hatte ich ganz plötzlich ab Mitte März keine Jobs mehr – und ganz viel Zeit. Entweder wurden bereits geplante Aufträge verschoben oder gar ganz gestrichen, da keiner so genau wusste, wie es weitergeht oder was in naher Zukunft passiert. Das war eine seltsame Situation, begleitet von einem noch seltsameren Gefühl, dass man plötzlich ohne schlechtes Gewissen einfach mal zuhause bleiben durfte. Endlich Zeit für persönliche Dinge und Projekte. Endlich mal Archiv aufräumen, Sachen ausmisten, Mappe überarbeiten, Website neu gestalten, etc. Nun, es kam anders als gedacht. Aber es war auch mal ganz schön, etwas durchzuatmen und herunterzufahren. Natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl, verbunden mit Angst, dass sich zu viele Dinge ändern könnten, die mein bisheriges berufliches Leben erfreulich gemacht haben.

Florian W. Müller

Wie lief der Job zwischen Lockdown eins und Lockdown light?
Tatsächlich ging es bei mir schlagartig ab September wieder weiter. Als wären meine Kunden aus einem kurzen festen Schlaf erwacht und dabei fiel ihnen ein, dass sie wohl ab März vergessen hatten, mich anzurufen.
Der September war damit belegt, all die aufgeschobenen Jobs nachzuholen. Und es kamen sogar neue dazu. Also nicht so schlecht für den Wiedereinstieg.

Was ist Deine persönliche Prognose für die kommenden Wochen?
Ich muss aber meine September- und Oktobereuphorie wieder etwas relativieren. So kontinuierlich läuft es dann doch nicht weiter. Ich spüre noch Zögern und Unsicherheit auf Kundenseite, gleich wieder voll loszulegen.
Meine Prognose für die kommenden Wochen bleibt ungewiss. Es ist nicht sicher einzuschätzen, wie es weiter geht. Ich glaube, dass viele Jobs auf das Notwendigste reduziert werden. Aber es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem die Situation sich bessert und die Anfragen wieder ansteigen. Glaub ich fest dran.

Stefan Hobmaier

Was denkst Du: Wie werden die Auswirkungen der Krise auf die Fotobranche sein?
Ich glaube tatsächlich, dass es weitergehen wird. Vielleicht wird es anders sein, aber es wird weiter gehen.
Die Vorgehensweise und das Verhalten innerhalb der Branche wird sich ändern, aber das passiert ohnehin seit vielen Jahren, entweder geschuldet durch technische Neuerungen oder durch eine Verschiebung innerhalb der Auftragsstrukturen.
Einige Kollegen müssen wahrscheinlich ihr Konzept ändern und laufen Gefahr ihr Geschäft oder ihr Studio abzuspecken oder gar zu schließen, weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein wird und man Mitarbeiter plötzlich nicht mehr bezahlen kann. Ich habe das auch vor Corona schon beobachten können. Bei vielen Kollegen und auch bei mir ändert sich schlagartig die Auftragslage durch Veränderung auf Kundenseite. Persönliche Beziehungen zum Kunden ändern sich. Leider ist das Ganze heutzutage auch extremen Sparmaßnahmen geschuldet, die leider oft kurzfristig gedacht sind und sich langfristig nicht wirklich als Einsparung erweisen.
Das ist also kein alleiniges Corona-Krisen-Phänomen. Ich bin glücklicherweise in einer Situation ohne große Studio- und Personalkosten arbeiten zu können, so dass ich im Krisenfall ganz gut runterfahren kann, um eventuell eine gewisse Zeit auszuhalten. Winterschlaf sozusagen. Geht natürlich nicht ewig.

Bernd Opitz

Hattest und hast Du Luft und Muße für freie Arbeiten?
Ich habe vor einiger Zeit eine Serie angefangen und fotografiere meine Kollegen vom BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.), wann immer ich sie treffe. Meist auf Veranstaltungen oder Ausstellungen des BFF. Manchmal fahre ich auch extra zu meinen Auserwählten. Wobei – die Serie hat sich im Laufe der Zeit ergeben. Es macht große Freude, die Kollegen abzulichten und auf einmal als Modell zu sehen und mehr oder weniger posen zu lassen. Meist fällt mir zu den jeweiligen Köpfen spontan eine Bildidee ein, die ich in relativ kurzer Zeit umsetze. Oft ohne Alternative, was das Motiv angeht. Das ist auch besser, sonst wird die spätere Auswahl anstrengend. Ich entscheide sehr schnell, welches das finale Motiv sein wird. Eine Art Training, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Das ist oftmals sehr wichtig, da in meinem Auftragsgebiet der Portraitfotografie manchmal wenig Zeit bleibt, Alternativen auszuprobieren.

Jens Görlich

Was ist sie für Dich, die Fotografie?
Immer noch Magie und Leidenschaft.
Ich bin seit genau 30 Jahren als selbständiger freiberuflicher Fotograf unterwegs.
Es gab unterschiedliche Jahre während dieser Zeit. Gute und schlechte. Wie wahrscheinlich bei vielen Kollegen.
Dennoch habe ich nie meine Leidenschaft für die Fotografie verloren. Ich brenne wie am ersten Tag. Sicher haben sich Vorgehensweisen im Laufe der Jahre verändert. Techniken haben sich entwickelt. Man muss ständig nachjustieren und anpassen. Das ist aber auch gut so, sonst rostet man ein. Nicht alle Veränderungen waren und sind gut, dennoch bin ich froh, viele miterlebt zu haben. Ich komme noch aus der analogen Welt und durfte einiges kennenlernen, was heute als verstaubt und überholt belächelt wird. Für mich war es die Basisarbeit zu meiner heutigen Kenntnis und Erfahrung, wovon meine Auftraggeber gerne profitieren.

Olaf Heine

Was wünschst Du Dir persönlich fotografisch für die Zukunft?
Ich wünsche mir mehr Mut und Entscheidungsfreude von Seiten meiner oder der Auftraggeber. Mehr Rückgrat und Leidenschaft Projekte umzusetzen. Nur wenige halten ihren Kopf hin, wenn es darum geht, eine gewagte Entscheidung zu treffen. Gerne wird Verantwortung abgegeben. Oft fehlen mir die sogenannten „Eier“ oder der sprichwörtliche „Arsch in der Hose“ der Pseudo-Verantwortlichen. Am Ende will keiner der sein, der es zwar gewagt aber letztendlich versemmelt hat.
Die Branche funktioniert überwiegend budget-orientiert, Controller entscheiden über die Auswahl von Kreativen und ersticken somit oft ein Projekt schon im Keim. Ich wünsche mir mehr Mut und „Komm, wir wagen mal was total Verrücktes“. Am Ende entscheidet wahrscheinlich der, der das Projekt weder kennt, noch irgendein Gespür für das richtige Motiv hat.

Rui Camillo

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#FacesOfPhotography – Teil 90: Alexandra Lechner aus Frankfurt

Alexandra Lechner ist auf mehreren Ebenen in der Fotografie zuhause: Sie arbeitet sowohl als Corporatefotografin als auch als Kuratorin und Festivalmacherin. Mit diesem facettenreichen Blick hat sie mit den #FacesOfPhotography über die Krise und die daraus resultierenden fotografischen Fragen und Folgen gesprochen:

Wie bist Du bis hierher fotografisch durch die Krise gekommen?
Seit Mitte März sind alle Aufträge abgesagt oder auf längere Sicht verschoben. Es blieb nur ein kleiner Auftrag – für Architekturfotografie. Den konnte ich dank bestem Frühlingswetter und genauer Beachtung von Kontaktbeschränkungen durchführen. Inzwischen bessert sich die Situation ganz langsam. Erste kleine Shootings sind gelaufen, für September steht ein größeres Projekt an. Es könnte gerne sehr viel mehr. Aber da ich überwiegend mit Menschen on Location in Unternehmen arbeite, ist eben noch nicht so viel möglich. Auch weil viele Kunden noch überwiegend im Homeoffice arbeiten, es keine echten Meetings gibt oder Außenstehende nicht auf Firmengelände oder ins Gebäude dürfen.
In der Zeit des Lockdowns – und auch jetzt – bin ich dennoch nicht unbeschäftigt. Zusammen mit zwei BFF-Kollegen habe ich Ende März die Blogaktion „Out oft he Blue“ initiiert. Mit dem Blog haben wir es BFF-Fotografinnen und Fotografen ermöglicht, Bilder und Stimmungen aus ihrer Corona-Perspektive zu posten – und damit sichtbar zu bleiben. Aus dieser Aktion heraus hat sich bei mir eine freie Porträt-Arbeit entwickelt, die ich unter dem Titel „Traumbrillen“ Ende April fotografiert habe. Dabei ging es um das, was wir vermisst haben, als wir alle zuhause bleiben sollten. Die „Traumbrillen“ spielen mit schönen Erinnerungen – Orten, Emotionen, Gerüchen, positiven Impulsen. Auf diese Serie habe ich sehr emotionales und schönes Feedback von Kunden und aus meinem Netzwerk bekommen. Überhaupt, Kommunikation und Austausch ist in dieser Zeit für mich sehr wichtig geworden.

Du bist neben der angewandten Fotografie auch im Bereich Ausstellungen / Kuratierung tätig – welche Beobachtungen hast Du hier gemacht?
Ich bin seit vielen Jahren als Festivalmacherin und Kuratorin unterwegs. Es begann 2004 mit der Gründung der Darmstädter Tage der Fotografie, die sich seitdem zu einem der großen Fotoevents in Deutschland entwickelt haben. Seit 2010 arbeite ich auch im Kuratorenteam der Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain mit, die nächstes Jahr zum 4. Mal stattfinden wird.
Im April hätten die 11. Darmstädter Tage der Fotografie (DTDF) starten sollen. Die Vorbereitungen für die Ausstellungen und das Symposium liefen auf Hochtouren, alle Künstler und Redner waren eingeladen, die Ausstellungsorte bis ins Detail geplant, der Katalog in Arbeit. Dann kam der Stopp – und damit die Überlegung: Was jetzt? Die spannendste Frage war (oder ist noch immer): Kann ein Fotofestival, das vom lebendigen Austausch und Netzwerken lebt, in ein Format übersetzt werden, das ohne echte Begegnungen auskommt? Die DTDF stehen mit dieser Frage ja nicht alleine da. Ich finde es sehr interessant zu beobachten, wie andere Ausstellungsmacher mit Onlineformaten und Onlineausstellungen experimentieren. Da sehe ich viel kreatives Potential. Ich bin gespannt, was davon in Zukunft in Ausstellungen und Symposien einfließt. Vielleicht entstehen andere künstlerische Formate, die Fotografie oder Bilder als Medium freier denken als das gerahmte Bild im Ausstellungsraum. Gleichzeitig habe ich beim Anschauen der Online-Formate für mich festgestellt, dass zumindest mir persönlich der ganz normale Blick auf das gehängte Werk sehr fehlt. Glücklicherweise sind ja nun wieder einige Ausstellungen zu sehen. Das sauge ich dann förmlich auf.
Für die DTDF haben wir uns entschieden, das Festival im Oktober im bewährten Format stattfinden zu lassen – natürlich mit einem veranwortungsvollen Hygienekonzept. Für RAY 2021 laufen die Planungen weiter. Wir denken digitale, alternative Formate mit. Für den Fall dass es erneut zu Einschränkungen kommen wird.

Was denkst Du, welche Folgen wird die Krise für die Fotografie – wirtschaftlich, inhaltlich, stilistisch – haben?
Ich denke, dass die aktuelle Situation wie ein Katalysator ist und viele Aspekte, die auch schon vorher in der Diskussion waren, noch stärker hinterfragt werden müssen. Bezogen auf die angewandte professionelle Fotografie denke ich an Fragen wie: Was ist Fotografie wert, was Honorare oder Nutzungsrechte? Welche Art von Fotografie brauchen Agenturen, Unternehmen und Verlage? Wie verschiebt sich der Markt? Eine andere Frage: Was zeigt Fotografie – und wie? Gerade in der Zeit des Lockdowns habe ich die klassische, fröhliche, superheile-Welt-Werbefotografie als seltsam aus der Zeit gefallen empfunden. Aber wie sieht Werbefotografie – und auch Unternehmensfotografie – zukünftig aus? Und zu guter Letzt stellt sich die grundlegende Frage: Was deckt der Begriff „Fotografie“ ab? Welche technische Basis, welche bildgebenden Verfahren, werden genutzt – und wie gehen wir „Bildermacher“ damit um? Ich finde es enorm wichtig, sich darüber jetzt auszutauschen – als Fotografen untereinander, aber auch mit Auftraggebern und der Zielgruppe.

Und ganz praktisch: Worauf müssen und können sich Fotograf*innen im schlechtesten und im besten Fall vorbereiten?
Mit Bildern, in welcher Form auch immer, werden weiterhin Geschichten erzählt, Inhalte und Botschaften transportiert. Darin liegt das Potenzial für uns Profifotografen. Neben der technischen Umsetzung ist es sehr wichtig, als Fotografin oder Fotograf eine eigene Haltung zu entwickeln, einen persönlichen Zugang zu den Themen der Auftraggeber zu finden. Jeder Kunde verdient eine passende individuelle Note statt optischer Gleichförmigkeit. Wenn alle Ergebnisse gleich aussehen, entscheidet nur noch der Preis.
Das bedroht die wirtschaftliche Selbstständigkeit in der Werbe- und Unternehmensfotografie, aber auch bei den journalistisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Corona zeigt, wie schnell es finanziell eng wird, wenn keine Aufträge eingehen und die laufenden Kosten trotzdem weiterlaufen. Schon heute können Fotoschaffende oft keine großen Rücklagen bilden, obwohl sie gut und viel arbeiten. Darum denke ich, dass die Qualität der Arbeit wichtig ist, um als Fotografin oder Fotograf erfolgreich bleiben. Nicht nur die technische Qualität, sondern auch die Kreativität. Außerdem sind die persönlichen und sozialen Kompetenzen im Umgang mit den Kunden für mich sehr wichtig.

Was ist Dein ganz persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeit, die kommt?
Corona hat mich reichlich unter Druck gesetzt. Und auch sonst ist die Zeit oft knapp. Ich würde mir manchmal mehr Muße wünschen, um Ideen für die Umsetzung von Aufträgen oder für freie Projekte reifen zu lassen. Mehr Zeit und wirtschaftlicher Freiraum, um etwas mehr experimentieren zu können – und damit vielleicht zu unerwarteten Ergebnissen zu kommen: Das wäre schön. Ein anderer Wunsch ist: Durch den intensiven Austausch unter uns Fotografinnen und Fotografen ist während der letzten Monate ein Gefühl der Verbundenheit entstanden. Ich hoffe, das bleibt – und hilft dabei, unsere Interessen noch besser zu vertreten.

Website von Alexandra Lechner
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Instagram-Feed von Alexandra Lechner
LinkedIn-Kanal von Alexandra Lechner
Xing-Eintrag von Alexandra Lechner
BFF-Auftritt von Alexandra Lechner

*Das Bild von Alexandra hat Helma Töpper fotografiert.

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#FacesOfPhotography – Teil 59: Andreas Reeg aus Darmstadt

Andreas Reeg sieht als eine der Aufgaben der Fotografie in der heutigen Zeit die Sensibilisierung für Situationen und Schicksale. In seiner eigenen Arbeit hat er den „Arzt der Armen“ durch einige Stunden der Krise begleitet. Was er dabei erlebt hat und was sein persönlicher fotografischer Wunsch ist, hat er den #FacesOfPhotography erzählt:

Andreas, wie geht es Dir?
Danke, mir und meiner Familie geht es gut. Trotz der auftragsarmen Zeit habe ich volle Arbeitstage, wenn auch in reduzierterem Tempo, und mit mehr Pausen, die zur Freude von uns allen der Familienzeit zugute kommen. Vieles was sonst noch neben den Jobs geschah, füllt jetzt den Tag aus. Projektförderanträge, Newsletter, Webseitenoptimierung, die Steuer… Es gibt irgendwie immer was zu tun.

Was hast Du wirtschaftlich seit Beginn der Krise erlebt?
Bis in den April hinein hatte ich noch Aufträge. Meistens redaktionelle Portraits „mit Abstand“, was ich anfangs extrem seltsam fand, da es ja meist darum geht, eine Nähe zu den Portraitierten herzustellen. Dann gab es aber auch Momente, in denen ich diese Distanz gar nicht so schlecht fand, da ein besonderer gegenseitiger Respekt den Raum ausfüllte, der irgendwie etwas Verbindendes hatte. Eine interessante Erfahrung. Aber zurück zur eigentlichen Frage. Da ging es mir ähnlich wie den meisten anderen Kolleg*innen. Mein Kalender war bereits bis Juni mit schönen Jobs gefüllt und dann wurde alles komplett abgesagt. Die 1.500 € Soforthilfe, die ich erhielt waren da nur ein kleiner Trost. Glücklicherweise hatte das Jahr mit sehr viel Arbeit begonnen, was mich jetzt etwas abfedert. Ein Teil der Aufträge wurde auf August verschoben und gerade kommen wieder erste Anfragen für aktuelle Jobs. So bin ich weiterhin optimistisch, dass es ab Sommer wieder langsam bergauf geht.

Prof. Dr. Gerhard Trabert, Mainz. Warten auf Patienten. Personen mit Fieber können einen Corona Test machen lassen.

Du hast an dem Thema „Pandemie, ganz unten“ gearbeitet – wie kam es dazu?
Die Zeit beauftragte die Autorin Caterina Lobenstein und mich, den Arzt Gerhard Trabert zwei Tage lang zu begleiten, um zu zeigen, wie sich die Corona-Pandemie auf den ärmsten Teil der Bevölkerung in Deutschland auswirkt. Gerhard Trabert versorgt seit über 20 Jahren arme und wohnungslose Menschen in Mainz und er ist mit seinem Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“ die zur Zeit einzige Streetworker-Organisation, die seit dem Shutdown, von Armut betroffene Menschen in Mainz versorgt. Viele andere Einrichtungen für Wohnungslose wurden im Zuge der Pandemie geschlossen. Somit wurde die Situation für schutzlose Menschen noch prekärer. 2017 erschien mein Buch ARZT DER ARMEN über Gerhard Trabert und seine Patienten. Das erste Bild und die Idee zum Buch sind damals ebenso im Rahmen eines Auftrages für DIE ZEIT entstanden. Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Redaktion mich wieder beauftragte um diese wichtige Geschichte mit zu erzählen.

Arztmobilsprechstunde in der Mainzer Innenstadt.

Welche war Deine intensivste Erfahrung?
Mit Gerhard Trabert während der Arztmobilsprechstunde unterwegs zu sein ist voller intensiver Momente. Den emotional eindrücklichsten erlebten meine Kollegin und ich während Traberts Sprechstunde in einer Containersiedlung. Ich möchte dazu gerne einen Ausschnitt aus Caterina Lobensteins Text zitieren:
»Der nächste Patient hat zwei frisch genähte Schnitte am Bauch. Ein perforiertes Magengeschwür. „Daran hätten Sie sterben können“, sagt Trabert. Als er die Wunde reinigen will, rennt plötzlich unter Gebrüll ein bärtiger Hüne auf das Gelände, mit Gitarre auf dem Rücken und Stachelarmband am Handgelenk. „Ihr Huren!“, schreit er. „Ihr Homos!“ Trabert verdreht die Augen. Der Mann hat neulich in der Containersiedlung randaliert und hat seitdem Hausverbot. Doch weil die übrigen Heime wegen der Pandemie keine Neuen aufnehmen, weiß er nicht, wohin. Der Mann schreit und kratzt sich unaufhörlich. „Ich hab Stress, ihr Huren!“, brüllt er. „Ich hab’n Schub!“ 
“Der ist völlig betrunken“, sagt Trabert. „Aber wahrscheinlich hat er recht.“ Der Mann leidet an Schuppenflechte, und psychische Belastung beschert ihm heftige Krankheitsschübe. „Das kennt jeder, der bei Stress Herpesbläschen bekommt“, sagt Trabert. „Nur dass der Stress der Leute hier existenziell ist: Woher kriege ich was zu essen? Wo schlafe ich heute Nacht?“ Der Hüne wankt auf Trabert zu. „Normalerweise würde ich ihn einfach in den Arm nehmen“, sagt Trabert. Damit ließen sich selbst die aggressivsten Patienten besänftigen. „Aber das geht ja jetzt nicht mehr.“ Er reicht dem Hünen eine Salbe. „Danke, Herr Professor“, sagt der und zieht davon.« Den Ganzen Artikel gibt es hier zu lesen: DIE ZEIT Nr. 20/2020

Was denkst Du, was ist die Aufgabe der Fotografie gerade in diesen Zeiten?
Ein großer Wert liegt sicherlich in der Dokumentation für nachfolgende Generationen, aber vor allem in intensiven Fotoprojekten, die uns im Jetzt für die Situation, für Schicksale sensibilisieren, unser Verhalten im besten Falle positiv beeinflussen und dadurch den Verlauf der ganzen Sache mit zum Guten beeinflussen. Andrea Frazzettas Portraits von norditalienischen Ärzten, Pflegern und Krankenhausbeschäftigten ist hierfür ein starkes Beispiel, das mich sehr berührt hat und mir neben all den Zahlen, das erschreckende Ausmaß der Krise in Italien, emotional klar gemacht hat.

Ablegen der Schutzkleidung.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Meine freien Projekte zu sozialen Themen bedeuten mir viel und ich wünsche mir weiterhin die Zeit, diese neben meinen Aufträgen realisieren zu können. Und natürlich wünsche ich mir wieder den alten Umfang an Fotoaufträgen zurück, für die ich sehr dankbar war und die mir neben dem Spaß an den vielen Begegnungen, den Lebensunterhalt für mich und meine Familie einbrachten. Ich fühlte mich schon immer privilegiert, von Fotografie leben zu können und mit ihr die Möglichkeit zu haben, wichtige Themen nach draußen kommunizieren zu können. Dieses Privileg will ich weiterhin für Menschen und gesellschaftlich relevante Themen einsetzen, die wenig Aufmerksamkeit erhalten, diese aber verdienen.

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Seminarreihe mit Mike Gamio und Alex Karst

Bildrechte, Fotografenbuchung, Bildermarkt – gemeinsam mit Alex Karst von der Hamburger Agentur »Die Bildbeschaffer« bieten wir eine neue und deutschlandweite Seminarreihe an, bei denen wir Ihnen anhand von Beispielen aus unserer täglichen Agenturpraxis das geballte Wissen über ebenjene Themen vermitteln möchten.

Was erwartet den Seminarteilnehmer?

Mike Gamio: Von mir bekommt der Teilnehmer sehr praxisnahe Infos und Erfahrungsberichte rund um das Thema Auftragsfotografie. Anhand von Projekten und Aufträgen aus der nahen Vergangenheit erläutere ich einige wichtige Aspekte, die man beachten muss, wenn ein Unternehmen, egal ob groß oder klein, einen Fotografen beauftragen will.

Alex Karst: Mein Part ist es, Bildrechte verständlich zu erklären ohne Paragrafen zu nennen. Die Grundzüge des Urheber- und Persönlichkeitsrechts, Hausrecht und die Panoramafreiheit veranschauliche ich anhand vieler Beispiele, damit die Teilnehmer die Grundlogik verstehen und lernen, wie sie im Alltag bildrechtliche Themen in den Griff bekommen. Welche Arten von Vereinbarungen sollte ein Unternehmen in petto haben und was sollte drinstehen? Praxis-orientiert. Am liebsten anhand der Beispiele der Teilnehmer.

Neugierig geworden? Mehr Infos zu der Seminarreihe gibt es HIER.

*Mike Gamio (rechts) ist Mitinhaber und Geschäftsführer von fotogloria und Alex Karst (links) ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Agentur »Die Bildbeschaffer«.

** Wenn Sie auch weiterhin die Fotografen für Ihre Unternehmenskommunikation über fotogloria buchen möchten: Wir finden für Sie den passenden Fotografen für jeden Bereich, in jedem Bundesland, jeder Region und in jeder Stadt. Für Informationen, Honoraranfragen und Terminabsprachen – eben die ganze Bandbreite der Fotografenvermittlung in Deutschland von fotogloria – schicken Sie uns gerne und jederzeit eine email an info@fotogloria.de oder rufen Sie uns an unter 040 609 42 906.

*** Mehr Infos zu der Fotografenvermittlung in Deutschland finden Sie HIER

 

 

Georg Knoll feiert Ritterfest für GEOlino

Wenn Menschen sich in Gewänder werfen und zu Ritter, Hofdamen und Knappen werden, dann ist Ritterfest. Und das ist natürlich besonders für Kinder eine spannende Sache – kein Wunder also, dass Geolino einen Fotografen auf die Marksburg mitten ins Mittelalter schickt. Und fotogloria-Fotograf Georg Knoll hat den Job auch richtig gerne erledigt!

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Über fotogloria können Sie Georg Knoll gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.

Horizonte-Countdown 2014 | Rainer Drexel

»Es  soll möglichst eine Vielzahl fotografischer, zeitgemäßer Phänomene aufgezeigt werden.« heißt es im Pressetext zu der Gruppenausstellung »One World«, die – ebenso wie das siebte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst« – am 24ten Mai startet.

In diesem Jahr sind 12 fotogloria-Fotografen und ihre Arbeiten in den Ausstellung mit dabei und sorgen genau für diese Vielfältigkeit. Und heute stellen wir Ihnen Rainer Drexel und seine Arbeit »Aufenthaltsorte« vor. Viel Vergnügen!

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WAS
Bänke die ich an verschiedenen Orten der Welt immer nachts Fotografiere.

WO
Frankfurt, Busstation in der Unterführung Galluswarte.
New York, Brooklyn, Coney Island Beach, Boardwalk W
Budapest, Ludwig Museum
Frankfurt, Weseler Werft, Osthafen

WARUM
Aufenthaltsorte: Die erzählte Zeit in der einen, unseren Welt
Warum sieht man keine Menschen, warum nachts?
Menschenleer, weil nur unbeeinflusst vom zufälligen Gebrauch des Aufenthaltsortes, die eigene Zeitenreise zum subjektiven Erleben werden kann. Und es ist Nacht, intimer Raum der Erinnerung, der Gedanken und Empfindungen Platz nehmen und Zeit nehmen.
Realität und Fiktion, aussen und innen, Zeit und Raum. Die leere Parkbank ist nicht wirklich leer. Sie bietet sich an als Auditorium, Zuschauerraum im Theater der erzählten, der vergehenden Zeit. Die Bühne ist statisch, Kulisse für die Phantasie, die Erinnerung an erlebte Augenblicke. Der engagierte Betrachter kann sich in die Bilder begeben, die Zeit vergessen und sich über die  Sichtachse in die Kulisse hinein zoomen. Parkbänke sind Aufenthaltsorte mit Aussicht und der bedarfsorientierten Möglichkeit zu sozialer Interaktion.

WIE
KB Nikon D300 und D700 Nachtaufnahmen mit Belichtungszeiten zwischen 4 und 30 Sekunden bei Blende 8-16

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WER
Freier Fotojournalist, geboren und aufgewachsen in München. Lebt mit Familie in Frankfurt am Main. Arbeitet an freien Langzeitprojekten und für Firmen und Zeitschriften.