Archiv der Kategorie: #FacesOfPhotography

#FacesOfPhotography – Teil 141: Rodrigo Cruz aus León

Rodrigo Cruz‘ Wunsch ist es, auch in Zukunft noch fotografische Aufträge zu bekommen – die Magazine in Mexiko sind entweder dank Digitalisierung auf deutlich mehr Videoproduktionen umgestiegen oder schlicht nicht mehr existent. Was die Fotografie ihm bedeutet und wie er die Rolle der Fotografie in der Pandemie einschätzt, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Rodrigo, how are you
I’m well, fortunately with good health and waiting for the activities to be fully reactivated.

A couple and other people during a soccer game in Boca Colorado, a town formed by mining activity.

What is the current situation in Mexico?
At the beginning of the year the situation was very complicated, there were many infections of COVID-19, the newspapers gave information that the hospitals were full and people were desperately looking for oxygen tanks for their relatives, but now several cities have begun to reactivate activities.

A man watches through a hole the movements of the U.S. Border Patrol and overnight waits patiently for the right moment to jump up the wall that separates Mexico from the United States, in Tijuana, Mexico.

What means photography for you?
I’m a visual artist and photography was the medium that I chose and that has allowed me to see more deeply the world in which I live, it’s something that I do with passion every day. Even after many years, I’m still fascinated by the moment when all the compositional elements and emotions come together and an image is created.

A child looks out through back window of a bus. Many children are recruited from their communities to work with low salaries in agricultural fields of Culiacan, Mexico.

How do you see the role of photography in these times?
The role of photography continues to be to communicate, to preserve in each photograph a fragment of history, it’s an art form, the only difference is that now millions of people carry out this activity on a daily basis.

Indigenous families stay during all night at the cemetery to celebrate Day of Dead in Cochoapa el Grande, Guerrero.

Has the pandemic changed photography?
Each specialty within photography has been affected in some way, it seems to me that we will have to take more precautions when working in public spaces, the way of approaching people will have to be modified for the health of ourselves and the people we are going to photograph. As time goes by, I hope we return to what it was before.

The Fire Walk is the celebration held by the indigenous communities of Michoacán every February 1 to celebrate the Purépecha New Year.

What is your personal photographic wish for the future?
My wish is to continue having work as a photographer, at least in Mexico several magazines have disappeared and others have made the complete transition to digital, video production has undoubtedly increased and I have perceived firsthand that photography assignments have been seen reduced.

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#FacesOfPhotography – Teil 140: Klaus Einwanger aus Rosenheim

Klaus Einwanger hat den pandemiebedingten Umsatzeinbruch bei seinen Kunden erlebt und auch selber zu spüren bekommen. Gleichzeitig hat er aktiv sein Portfolio erweitert und arbeitet parallel an zwei Buchprojekten. Wie sein Blick auf die Unsicherheit im Markt ist und was er zum Thema »Unterbietungskampf« denkt, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Klaus, wie geht es Dir?
Ehrlich gesagt sehr, sehr gut. Damit meine ich nicht unbedingt die aktuelle Auftragslage oder den betriebswirtschaftlichen Aspekt, das könnte durchaus besser sein.
Die Pandemie-Zeit war und ist für mich eine Zwangspause, die ich persönlich sehr gut nutze.
Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie, bin selbst viel in den Bergen unterwegs und habe parallel in meinen Geschäftsbereichen viel umgeworfen, neu strukturiert und neu gedacht. Zusätzlich habe ich mir viel Zeit für den BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.) nehmen können, um dort die Gründung der BFF Service UG und den Aufbau der BFF Akademie zu unterstützen. Hier übernehme ich nun für zwei Jahre ehrenamtlich das Amt des Geschäftsführers – auch absolut spannend.

Du bist im Bereich Foodfotografie – was hat sich entsprechend bei Dir in den vergangenen Wochen und Monaten getan?
Viele unserer Kunden haben unter der Pandemie sehr gelitten. Geschäftsbereiche wurden aufgelöst oder zusammengelegt, viele Mitarbeiter entlassen und aufgrund hoher Umsatzeinbrüche wurden auch Werbebudgets dramatisch gekürzt. Zu vielen unserer Kunden haben wir einen sehr persönlichen, wunderbaren Kontakt und ich muss sagen, dass uns das sehr trifft.
Betriebswirtschaftlich bedeutet das für uns, dass viele der ansonsten immer wiederkehrenden Themen nicht mehr beauftragt wurden.

Hat die Pandemie in Deinem Bereich inhaltlich, stilistisch und wirtschaftlich etwas verändert?
Inhaltlich würde ich sagen, dass es für immer mehr Kunden immer wichtiger ist, parallel zu werblichen Fotoproduktionen auch Content für wenig zusätzliches Budget zu bekommen.
Dadurch, dass die schnelle digitale Kommunikation immer bedeutender wird und zusätzliches Filmmaterial immer wesentlicher, begleiten wir heute viele Produktionen auch filmisch.
Stilistisch kann ich von meiner Seite aus sagen, dass wir viel experimentiert haben – vom Markt her erkenne ich aber aktuell keine Veränderungen – nur mehr Unsicherheit.
Wirtschaftlich passiert leider gleichzeitig zu mehr Anforderungen genau das von mir vor Monaten schon Befürchtete und Proklamierte – viele Kollegen haben aus einer aktuellen Not heraus aufgehört betriebswirtschaftlich und nachhaltig zu kalkulieren.
So hat ein Unterbietungskampf begonnen, von dem am Ende keiner profitiert, meiner Meinung nach auf lange Sicht auch nicht der Kunde.



Wie schätzt Du die aktuelle Lage in der Fotografie insgesamt ein?

Fotografie war und ist in einem extremen Wandel. Das ist und bleibt spannend.
Ich denke, dass wir einen immer größeren Drift erleben werden. Eine Aufspaltung in zwei Bereiche. Die Fotografie als Kunstform die stark ist in ihrer Aussage und Wirkung. Und die bilderschaffende Fotografie um »das Tägliche« zu vermitteln.
Für diese Bildschaffenden wird Fotografie eine Teilleistung der Erstellung eines Motives sein, gemischt mit vielen weiteren Techniken, die hier immer noch mehr und verstärkt zum Einsatz kommen werden.

Hattest Du Zeit und Muße für freie Arbeiten?
Ja, tatsächlich habe ich die Zeit auch dafür genutzt. Ich habe zwei Arbeiten, die vor Corona entstanden sind, editiert. Mit Unterstützung von Leica habe ich mein Projekt `written in their faces´ in NewYork, London und Tokio umgesetzt. Ein weiteres ist regional entstanden. Aus beiden Themen sollen Bücher entstehen.
Während der Corona Zeit habe ich auch weiter werbliche Studioarbeiten produziert, um aktiv mein Portfolio zu erweitern.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Persönlich möchte ich weiterhin wieder mehr international arbeiten, für Werbung und freie Themen. Mich fotografisch weiterentwickeln und ganz viel Spaß dabeihaben.
Weitere außergewöhnliche Menschen treffen. Spannende Projekte anstoßen oder ein Teil von ihnen sein. Für die professionelle Fotografie selbst wünsche ich mir nach Corona ein Wertschätzungsrevival.

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#FacesOfPhotography – Teil 139: Laura Zalenga aus Rotterdam

Laura Zalenga wünscht sich einen offeneren Umgang untereinander und auch in der öffentlichen Darstellung. Und sie arbeitet an zwei ehrenamtlichen Projekten. Über ihre Gedanken zu der Zeit in der wir leben hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Laura, wie geht es Dir?
Ziemlich gut. Aber ich will auch nicht verschweigen, dass die Antwort in den letzten
Monaten oft hätte heißen können: »einmal Winterschlaf bitte, bis die Welt wieder…« – ja
was eigentlich? Normal war sie ja nie. Und »wie vor der Pandemie« ist auch nicht wirklich
das, was ich mir wünsche. Dann wären wir ja wieder nur so klug wie davor. Und wenn es
eine große Hoffnung gibt dann doch, dass wir und die Welt aus einer solchen Krise etwas
lernen.
Aber heute ist heute. Die Sonne scheint in die Isolation, die Vögel zwitschern und seit ich
auch endlich die viel gepriesene Morgenroutine für mich entdeckt habe, kommen wieder
mehr gute Tage, Motivation und Inspiration vorbei. Ich genieße das jetzt einfach mal.

Woran arbeitest Du derzeit?
Ich arbeite gerade an zwei neuen, großen Projekten, die nur teilweise mit Fotografie zu tun
haben und nicht beziehungsweise nur ehrenamtlich bezahlt sind. Das klingt erst mal
vielleicht nicht so überzeugend, aber beide Projekte sind Bildungsprojekte zu wichtigen
sozialen Themen, die noch zu wenig besprochen werden. Und zu einhundert Prozent hinter einem Projekt stehen zu können, weil es komplett den eigenen Werten entspricht, ist doch quasi unbezahlbar. Möglich ist dieser Schritt aber nur, weil ich in der Ausnahmesituation des
letzten Jahres bemerkt habe, mit wie viel weniger Geld ich tatsächlich auskommen kann
(aus der privilegierten Position heraus, niemanden außer mich selbst versorgen zu
müssen).

Selbstportrait im Mohn, Mai 2020.

Wie waren die letzten Wochen und Monate für Dich beruflich?
Ich glaube, der Ablauf war ja für viele ähnlich. Anfang letzten Jahres so viele Absagen, wie
sonst im restlichen Leben zusammengezählt noch nie gehabt, dann renoviert, die »freie
Zeit« und die Verlangsamung kurz genossen, und dann schleichend panisch geworden.
Seit ich mich nach dem Architekturstudium 2014 als Fotografin selbstständig gemacht
habe, hatte ich immer ohne Akquise genug Aufträge. Das nimmt man schnell als gegeben
hin. Bis es sich schlagartig ändert. Der rationale Teil des Verstandes sagt dann natürlich,
es liegt an der Pandemie, dass die Auftragslage quasi nicht vorhanden ist, aber der fiese
andere Teil schreit laut: »Deine Arbeiten sind einfach nicht mehr gut genug.« Vor allem,
wenn man bei gefühlt allen anderen trotz der schwierigen Zeiten von vielen großen, tollen
Aufträgen zu sehen bekommt. Da kostet es ganz schön Energie, die Zweifel am eigenen
Können klein zu halten.
Aber klar, man rafft sich auf. Auch ich habe an meiner Website gearbeitet, alte Bilder
aussortiert und neu bearbeitet, meine sozialen Kanäle ein bisschen gepflegt, versucht dort
die Nachrichten endlich mal abzuarbeiten (mäßig erfolgreich), ein paar Kollaborationen mit
befreundeten Künstler*innen gemacht, einen Onlinekurs aufgenommen, Papierkram
erledigt und all diese Dinge.
Ein beeindruckendes, kreatives Projekt umgesetzt habe ich aber nicht. Schiele ein
bisschen neidisch auf all jene, die das scheinbar leichtfüßig nebenher machen. Ja, damit
meine ich auch den Kollegen Hobmaier. Fies gut die Serie – so viel mehr als das Wort
‘Selfies’ im Titel verspricht. Danke für sehr viel schmunzeln.

Kollaboration mit Jewelrycouture-Künstlerin Luise Zücker. Model: Eva Zalenga. März 2021

Hat sich Dein Blick auf die Fotografie allgemein und auf Deine Fotografie im Besonderen
geändert?

Ich habe für mich Wichtiges erkannt. Was mich im letzten Jahr runtergezogen hat, waren
tatsächlich nicht die Geldsorgen an sich, sondern mittelmäßig spaßige, unverschämt
schlecht bezahlte Aufträge von großen Firmen anzunehmen, weil ich dachte, ich gehe
sonst unter. Das macht auf so vielen Ebenen unglücklich.
Also, keine Ausreden mehr: Ich darf keine schlecht bezahlten Jobs annehmen. Tolle
Projekte dann eben im Notfall pro bono. Ist eigentlich so selbstredend, wie »don’t eat
yellow snow«, aber eben auch schwierig, wenn einem beständig gesagt wird, dass man als
Künstler*in über jeden Cent froh sein sollte.
Ich habe auch bemerkt, dass ich mir nicht mehr einreden lassen will, dass ich jedes Jahr
mehr verdienen muss, mehr neue große Namen auf der Kundenliste haben muss, mehr
produzieren muss, kreativer sein muss, mehr Reichweite generieren muss, mehr bekannte
Gesichter vor der Linse haben muss…
Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass auch wenn keines dieser Dinge glückt, alles gut ist,
solange ich mir nicht weismachen lasse, dass es eine Katastrophe sei, und in Panik
verfalle. Ich tagträume davon mein Jahr – wenn überhaupt – daran zu messen, ob ich
hinter meinen Arbeiten stehen kann und wie viel Spaß ich hatte.

Selbstportrait mit Spiegel im Wohnzimmer, Januar 2021.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass man mehr über die eigenen Misserfolge oder Stagnation reden
kann ohne, dass es als Versagen oder Jammern angesehen wird. Natürlich nicht nur in
der Fotografie, sondern auch ganz allgemein.
Nur von wenigen (Kreativen) habe ich im letzten Jahr öffentlich gelesen, wie viel Druck
zum Beispiel herrscht die »freie Zeit« kreativ zu nutzen – dabei lässt es sich gerade mit
einem Kopf voller Sorgen nur ganz schlecht kreativ sein.
Die seltenen ehrlichen Einblicke in Energielosigkeit und Kämpfe ums kreative Überleben
haben mir persönlich geholfen etwas Druck rauszunehmen. Und sie haben mich
anerkennend auf die Personen blicken lassen, über den Mut zur ehrlichen – statt
marketing-tauglichen – Selbstdarstellung. Es geht nicht darum jede Sorge und jeden
schlechten Tag mit der Welt zu teilen. Es geht um eine ehrliche Balance. Dauererfolgreiche
Immer-Optimist*innen sind sicher toll anzusehen, aber eben so unrealistisch
und daher als Vorbild meiner Meinung nach sehr ungesund.
Ich will das in Zukunft auch versuchen, mit der weniger geschönten öffentlichen
Kommunikation. Vielleicht können wir ehrliche Vulnerabilität ja normalisieren und als das
sehen, wovon sie zeugt: Stärke.

Website von Laura Zalenga
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Ein Jahr #FacesOfPhotography – Stefan Hobmaier aus München

Stefan Hobmaier hat am 24. März 2020 mit seinem Selbstportrait das Projekt #FacesOfPhotography eröffnet – wie es ihm damals, ganz am Anfang der Pandemie ging, können Sie HIER nachlesen.

Zum Jahrestag des Projektes haben wir ihn gebeten, sich noch einmal vor und hinter die Kamera zu begeben – das Foto sehen Sie oben. Und wie es ihm ein Jahr später geht, das hat er uns ebenfalls verraten:

Stefan, wie geht es Dir?
Mir geht es sehr gut. Derzeit baue ich mir in Berlin einen neuen Lebensmittelpunkt auf und
das ist natürlich sehr schön und spannend. Den sicheren Hafen München zu verlassen ist
ein Wagnis und gerade jetzt noch mehr. Aber: Ein neuer Reiz und eine neue
Herausforderung in einer offenen Stadt helfen mir auch dabei wieder kreativer und freier
zu arbeiten. München bleibt natürlich für Jobs erhalten, da ich meine kleine Bürowohnung behalte und per ICE oder Auto nach wie vor schnell im Süden bin.

Ein Jahr Pandemie – was hast Du beruflich erlebt?
2020 hat sich für mich glücklicherweise nach einem kurzen Auftragsloch ab Mitte Mai
wieder sehr gut angefühlt. Es kamen schöne und umfangreiche Aufträge, gerade in der
Werbung. Im Grunde habe ich zwar viel weniger Tage insgesamt gearbeitet, der
Umsatzeinbruch war aber nicht so dramatisch wie befürchtet.
2021 ging bei mir eher schleppend los, das ist aber zumindest im Januar und Februar
nicht ungewöhnlich. Spannend wir dann eher wie sich das Jahr ab Ostern entwickelt.

Wenn Du Dich unter Deinen KollegInnen umhörst – was hörst Du?

Hier ist ein ganz deutlicher Riss zu vernehmen: Der eine Teil hat gut bis sehr gut
gearbeitet und das scheint gerade bei den KollegInnen der Fall gewesen zu sein, die im
People-, Werbe- und Corporatebereich arbeiten oder auch viel Bewegtbild anbieten.
Der andere Teil hat teils dramatisch zu kämpfen. Gerade redaktionell arbeitende
FotografInnen sind sehr betroffen und der Autobereich hatte einige Monate nahezu
Stillstand durch die schwer möglichen Reisen.
Generell hat die Pandemie bezeigt, dass die Schnelllebigkeit in unserem Beruf noch
zunimmt und sich alle darauf einstellen sollten.

Wie ist Deine Prognose für die Branche, für die Fotografie?
Momentan finde ich es schwierig eine kurzfristige Prognose abzugeben. Langfristig würde
ich aber sagen, dass sich schon vor Corona absehbare Entwicklungen noch beschleunigt
haben: Mehr Bewegtbild, Spezialisierung, Digitalisierung, Social Media, digitale Akquise
statt Mappentermine…
Auch thematische Veränderungen sieht man verstärkt, hin zu mehr Nachhaltigkeit,
Gendergerechtigkeit oder sozialen Themen. Corona wird die Gesellschaft noch weiter
verändern und wir als FotografInnen können hier auch dazu beitragen den Wandel positiv
zu gestalten.

Hat die Pandemie Deinen Blick auf die Fotografie verändert?
Ja, auf jeden Fall. Verschiedene freie Projekte und der intensive Austausch mit anderen
Kreativen und KollegInnen haben mir gezeigt worum es mir in meiner Arbeit eigentlich
geht: Geschichten erzählen und Menschen damit bewegen.
Ein gutes Beispiel wäre hier das Projekt »ES IST OKAY« von Designerin Lisa Gumprich,
wofür ich die Motive fotografiert habe. Die freie Kampagne gibt während der Pandemie
Mut und Hoffnung und ist bis Ende März deutschlandweit auf digitalen Außenflächen zu
sehen.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch?
Ich möchte offen, neugierig und kreativ bleiben.

Website von Stefan Hobmaier
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P.S.: Aus seinen Coronaselfies, die er im ersten Lockdown fotografiert hat ist übrigens der Kalender 16 Punkt entstanden

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#FacesOfPhotography – Teil 138: Suzan Pektaş aus Istanbul

Nach einer Phase der Konfusion und Unsicherheit hat Suzan Pektaş die durch die Pandemie entstandenen Freiräume offensiv für ihre Fotografie genutzt. Sie hat ein Buch herausgebracht, arbeitet bereits am nächsten und bereitet eine neue freie Arbeit vor. Über all das und noch mehr hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Suzan, how are you?
In those unpredictable days, I try to stay well by being active, producing, writing, photographing, assembling things and so on. I push myself to see the good and the beauty that resides in this chaotic environment. I close my eyes to see the light and pull it out of the darkness into my work. If I can’t find the light, I move on and come back later.


What is the current pandemic-related situation in Turkey?

The situation in Turkey is no different than the rest of the World. In a sense, the pandemic reminded us all that we are on board of the same ship and no different than one and other. This has a good side and a bad side. The good side is that we are not much different, the bad side is that neither of us stand close to the good. I was expecting that the awareness that raised globally during the first months of the pandemic would be lasting. I was expecting that we would be more patient, more innovative and creative, more respectful to each other as well as to the planet but I am proven wrong. I have been reading a lot of news about gender crimes towards women, hate crimes to minorities, tortured and killed animals and so on. I am afraid the hope I had in the first days of the pandemic was a dream and the humankind will go on from where he/she has left before the pandemic. I wish we did hold on life itself with love, which everyone seemed to embrace just a year ago. It looks like a missed opportunity for us all.

How does the situation affect photography and photographers in Turkey in general?
We are going through times that will have a lasting impact on the future. The political unrest that is somewhat a characteristic of our geography, has not been into our lives as much as it is now. It may be due to an increased awareness, but anyhow we continue to create with an ever-increasing passion and pace, building digital alternatives for creating, interacting and sharing. As the saying »Art is for hard times« goes, this situation boosted creativity and activity, maybe, in an unprecedented way. We had fairs, festivals, auctions, competitions, exhibitions all in digital media. We use this opportunity to revitalize the belief and hope in art for all the good it will bring. I believe, this period will have its own memory and impact the future of arts. Online digital media has come into arts permanently and will accompany classical media even after the pandemic. The online platforms that connected artists, who used to have their own closed circles, will be actively used from now on. And this increased interaction will have a lasting and positive effect on all forms of art. Art is a strong hold on life and that’s what I held on. During the first months of the pandemic, I was very concerned, confused and uncertain. I questioned to find a meaning in existence in such a world. Those were my tidal days. Then, I gradually grasped the control. I focused on the changes. The new life practices we built offered me open spaces and escape points, which I used all for photography. And it fed me back. I already had the first maquette of my book and the pandemic gave the time to concentrate on it further. Some of the images in my recently published book were shot during this period. I had the chance to closely watch the physical and spiritual changes that my daughter and I went through. It was a unique experience in this respect.



How and what are you currently working on photographically?

I have an ongoing project since 2017 about a young immigrant African woman living in Istanbul, Naomi. I have been accompanying her in different settings ranging from Sunday masses to boat parties. I want to tell her story from inside, crisscrossing with my personal immigration story. During the course of the project, we built a strong connection and the project evolved into a collaborative creation, a joint narrative about Naomi. I am currently making arrangements and editing. I plan to publish a book on this specific project.
There is also a new photo research project about a mining town in Turkey which had its heydays more than a 100 years ago. It will be an inter-disciplinary work focusing on the relations and mutual interactions of society, individuals and environment. We will seek to uncover the traces of the past in today. It’s a very new project and we are currently in preliminary research phase.

What is your personal photographic wish for the future?
I am constantly pushing myself to think differently, to work with new mediums and collaborate with other artists to involve new dimensions into my work. I want my work to have depth and a transforming momentum. Moving forward from this point of view, I aim to be more productive in a collaborative and inter-disciplinary setting. I, also, have long been dreaming of spending some private secluded time in an artist residency. Now, it looks more feasible than ever and I hope to realize this.

Website von Suzan Pektaş
Instagram-Feed von Suzan Pektaş

P.S.: Die Arbeiten von Suzan sind ab dem 28. Mai 2021 in der Leica Galerie in Zingst zu sehen.

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#FacesOfPhotography – Teil 137: Jörg Gläscher aus Leipzig

Mit seinen Corona-Diaries hat Jörg Gläscher sehr persönlich und visuell sehr unterschiedlich auf die Auswirkungen der Pandemie reagiert. Was ihm die vergangenen Wochen und Monate darüber hinaus gebracht haben, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Jörg, wie geht es Dir?
Mir geht es sehr gut, ich habe mich ein mein Hamburger Exil begeben und arbeite viel an eigenen Projekten.

12 Monate Pandemie – wie bist Du bis hierher beruflich durchgekommen?
Während des ersten Lockdowns hatte ich beruflich gar nichts zu tun, alle Aufträge wurden storniert, aber ich habe gute und mitdenkende Kunden, die mir deutlich signalisierten, daß diese nur aufgeschoben seien. Über den folgenden Sommer konnte ich dann alle Aufgaben und noch mehr abarbeiten und so ging ich mir einem guten Polster in den zweiten Lockdown. Davon lebe ich jetzt und kann mich meinen eigenen Projekten widmen.

 

Fotografisch hast Du an der Zeit an Deinen Diaries gearbeitet – was hat es damit auf sich?
Die Diaries entstanden aus dem Wunsch heraus, auf die Pandemie und die freie Zeit im ersten Lockdown zu reagieren. Ich stand auf Hamburgs Straßen und fand, das Bilder von leeren Städte nicht mein Gefühl von Krise, und diese Krise an sich schon gar nicht, widerspiegeln könnten. So entwickelte ich die Diaries, eine Serie die sich mit Ängsten Sehnsüchten und Träumen in Stadt und Land beschäftigt und die ich im Selbstverlag als Diary Magazine heraus bringen. Nr. 4 ist fertig. Darin beschäftige ich mich mit Piktogrammen, Landart im Sachsenwald und Skulpturen.
Nicht jede Arbeit in der Serie bezieht sich auf den Corona-Virus, aber sie sind in dieser Zeit entstanden und somit zumindest davon geprägt. Die Magazine verkaufen sich gut, kosten 10 € und tragen sich selbst.

Ganz allgemein zur Deiner Fotografie in der Pandemie: Welches Erlebnis, welcher Gedanke dazu war für Dich bislang am eindrücklichsten?
Das klingt vielleicht komisch, aber die Pandemie hat mich fotografisch befreit. Sie gab mir Zeit, durch Ihre apokalyptische Dramatik gab sie mir ein Thema und mein privates Umfeld gab mir die Sicherheit und die Bestätigung Dinge zu tun, die ich schon lange nicht mehr getan habe. Im Moment gehe ich morgens mit meiner Kamera in den Wald und arbeitete an Bild-Serien und Skulpturen.

Was denkst Du – wie wird sich die Pandemie im weitesten Sinne auf die Fotografie auswirken?
Die Pandemie wirkt sich wie ein Katalysator aus, manche Dinge beschleunigen sich, manche Dinge verschwinden. Aber es werde auch neue Dinge entstehen. Fotografie oder die Arbeit damit war nie einfach, oder selten ein Selbstgänger, man muss ständig an sich arbeiten und sich neuen Bedingungen und Ideen stellen.



Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir nicht mehr auf Infektionszahlen und Inzidenzwerte zu schauen, denn damit schauen wir auf indirekt auf gestorbene Menschen.
Ich wünsche mir wieder mit Menschen unbedarft über Kunst zu kommunizieren, ohne Maske , ohne Abstand und sehr deutlich unter 1,5 Meter.

Website von Jörg Gläscher
Instagram-Feed von Jörg Gläscher
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#FacesOfPhotography – Teil 136: Franziska Gilli und Barbara Bachmann aus Hannover und Bozen

Die Fotografin Franziska Gilli und die Reporterin Barbara Bachmann mussten mit Beginn der Pandemie umdisponieren und ganz neue Ideen entwickeln – um ihr erstes gemeinsames Buch herauszubringen. Darüber und was die aktuelle Situation für beide ansonsten bedeutet, haben sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Wie geht es Euch?
Uns geht es gut. Das letzte Jahr war turbulent, mit allen Höhen und Tiefen, hat einiges verlangsamt oder verhindert, aber anderes auch ermöglicht. Wir sind dankbar, gesund zu sein und dafür, dass der Frühling bald beginnt.

Was haben die vergangenen Wochen und Monate jobmäßig für Auswirkungen gehabt?
Franziska Gilli: Hinsichtlich meiner Auftragslage sieht es da ähnlich aus wie bei vielen Kolleg:innen. Obwohl ich relativ breit aufgestellt bin und für verschiedene Branchen arbeite, im redaktionellen und Unternehmensbereich ebenso wie Kulturbereich, brach teilweise nahezu alles weg. Zum Glück gab es aber zwischen den Lockdowns eine Phase der Erholung. Gemeinsam mit Barbara Bachmann nutzte ich die Zeit, um ein eigenes Projekt weiter voranzubringen, an dem wir seit drei Jahren gearbeitet haben.
Barbara Bachmann: Durch die Pandemie sind für mich, wie für viele andere Kolleg:innen, bereits geplante Recherchereisen im europäischen Ausland plötzlich weggefallen. Ich musste umdisponieren, näher denken. Ich lebe in Italien und habe auch vorher schon viel hier gearbeitet. Das hat sich im letzten Jahr noch einmal verstärkt. Das war gar nicht schlimm, denn es gibt in diesem Land sehr viele spannende Geschichten zu erzählen und von Seiten deutschsprachiger Medien auch großes Interesse dafür.

Aus: »Hure oder Heilige« – Nationale Demonstration der Bewegung »Non Una Di Meno« anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen.

Ihr habt jüngst ein Buch herausgebracht — was hat es damit auf sich?
Vor kurzem erschien bei Edition Raetia unser erstes gemeinsames Buch »Hure oder Heilige — Frau sein in Italien«. In unserer journalistischen Arbeit haben wir uns immer wieder unabhängig voneinander mit dem Frauenbild in Italien beschäftigt. Daraus ist der Wunsch entstanden, gemeinsam tiefer zu gehen und diesem Thema ein Buch zu widmen. Uns trieb die Neugier, das eigene, so vielfältige Land zu erforschen, in dem auch wir gelernt haben, Frauen zu sein. Denn, so haben wir mit den Jahren verstanden, in wenigen Ländern Europas sind derart festgefahrene weibliche Stereotype so weit verbreitet wie in Italien.
Das Buch ist ein Aufgreifen von heutigen und historischen Gegebenheiten. Ein Wiedergeben von Glück und Trauer, Stärke und Schwäche, Mut und Rückzug. Fotografie und Text sind miteinander verwoben. Wir bewegen uns manchmal gemeinsam, manchmal getrennt zwischen zwei Polen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich doch bedingen: die Hure und die Heilige, Maria Magdalena und die Jungfrau Maria. Diese beiden zentralen Frauenrollen des katholischen Glaubens prägen Italien seit zwei Jahrtausenden. Sie sind nicht neu – Feministinnen wehren sich schon lange dagegen –, aber sie sind noch immer aktuell. Ihnen halten wir viele verschiedene Bilder aus der Realität entgegen. Wir machen Frauen zu Protagonistinnen, junge und alte, Analphabetinnen und Universitätsdozentinnen, als Frauen geborene und sich als solche definierende, aus Sizilien wie aus dem Piemont stammende. Auf unserer Reise durch das Land haben uns viele Frauen und auch Männer die Türen zu ihrem Leben, ihren Erfahrungen und Ansichten geöffnet. Das Spannende an diesem Thema war, dass wir rein theoretisch mit allen Bürger:innen des Landes reden konnten, alle haben gesellschaftliche Prägungen erfahren, die uns etwas über das Frauenbild im Land erzählen.

Aus: »Hure oder Heilige« – beim »Miss Italia«-Casting prüft die Jury, ob die Mädchen kameratauglich sind.

Wie steht Ihr generell zu dem Medium Buch in diesen Zeiten?
Wir wollten genau dann in eine letzte intensive Erarbeitungsphase für unser Buch starten, als die ersten Zonen rund um Mailand vor einem Jahr abgeriegelt wurden. Vieles war plötzlich nicht mehr realisierbar. Also mussten wir umdisponieren, neue Ideen finden. Letztendlich hat uns die Pandemie geholfen, denn sie hat Probleme in der Gleichstellung sichtbarer gemacht und mehr Sensibilität in der Bevölkerung für die Thematik geschaffen. Im Dezember 2021 waren in Italien 98% aller neu arbeitslos gemeldeten Personen Frauen. Seit Januar ist »Hure oder Heilige« nun im Buchhandel erhältlich, aber wir haben es selbst noch nicht einmal im Buchladen aufliegen sehen. Die Laufkundschaft fehlt durch den Lockdown, dafür passiert mehr online. Wir planen eine Wanderausstellung mit Material aus dem Buch und eine kleine Präsentationstour, aber wieviel wir davon pandemiebedingt wirklich umsetzen können, müssen wir erst abwarten. Tendenziell haben wir aber den Eindruck, die Menschen kaufen sich zurzeit lieber ein Buch, als einen Online-Event zu besuchen.

Aus: »Hure oder Heilige« – die »Suore Pie Operaie dell’Immacolata Concezione« (Barmherzige Arbeiterschwestern der Unbefleckten Empfängnis) haben ihr Leben dem Ziel verschrieben, ein lebendiges Abbild der Jungfrau Maria zu sein.

Hat die Pandemie Euren Blick auf Eure Arbeit verändert? Verändert sie generell die Fotografie?
Franziska Gilli: Der Blick auf meine Arbeit beziehungsweise meine Arbeit selbst verändert sich auch ohne Pandemie denke ich stetig. Die Pandemie hat die sowieso schon schwierige finanzielle Situation in unserem Beruf aber noch deutlich verhärtet. Darüber habe ich zu Beginn der Pandemie viel nachgedacht. Und irgendwann für mich beschlossen: ich mache weiter und zwar so lange, wie es für mich in Ordnung ist. Die Fotografie hat diese Krise sicherlich inhaltlich verändert und ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.
Barbara Bachmann: Die Pandemie hat mir einmal mehr gezeigt, wie sehr ich es liebe, auf Recherche zu sein. Und wie essentiell das für meine Arbeit ist. Eine Reportage kann nicht am Schreibtisch entstehen, sie beruht auf erlebten Tatsachen. Sie liefert Beobachtungen und Einordnungen, zoomt wie ein Kameraobjektiv heran. Sie erzählt in Szenen und erschafft Bilder durch Sprache. Schön finde ich es, mit Fotograf:innen gemeinsam unterwegs zu sein.

Aus: »Hure oder Heilige« – Nationale Demonstration der Bewegung „Non Una Di Meno“ anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen.

Was ist Euer persönlicher fotografischer und textlicher Wunsch für die Zukunft?
Franziska Gilli: Weitermachen zu können ist sicherlich der grundlegendste Wunsch. Weiterhin genug Aufträge zu haben, die mich fordern, mich immer wieder Neues erleben lassen, und die aber auch genug Raum für freie Projekte lassen.
Barbara Bachmann: Die Freiheit und Zeit zu haben, an Langzeitprojekten zu arbeiten, im In- wie Ausland. Wieder reisen zu dürfen und Menschen begegnen zu können wie vor der Pandemie.

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Female Photoclub-Portfolio von Franziska Gilli
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#FacesOfPhotography – Teil 135: Peter Nitsch aus Bangkok

Peter Nitsch hat in den Monaten der Pandemie die Stille wiederentdeckt und aus ihr heraus ein Buch aus seinem Langzeitprojekt »Tango in The Big Mango« realisiert. Worüber er sonst nachdenkt und was die Kultur- und Kreativwirtschaft für die Bruttowertschöpfung bedeutet, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Peter, wie geht es Dir?
Danke, jetzt wieder besser. Ich hatte sechs Wochen mit mehreren eingeklemmten Nerven zwischen dem zweiten und fünften Lendenwirbel gerungen – dehnen, schreien, dehnen, schreien, dehnen, Entspannung. Dadurch habe ich auch wieder gelernt mich an vermeintlich kleinen Dingen, wie das Packen der Kameratasche, was ohne Schmerzen nicht möglich war, zu erfreuen und zu schätzen.

Aus: »Tango In The Big Mango’« – a Baudelaire-like photo documentary about Bangkok.

Wie ist – mit Blick auf die Pandemie – die aktuelle Lage in Bangkok und Thailand?
Von den Infektionszahlen aus gesehen ist die Lage gut in Bangkok. Seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr waren bis dato 27.000 Menschen infiziert. Aktuell sind es etwa 80 neue Infizierte pro Tag in ganz Thailand. Ich glaube das liegt auch daran, dass Thailand eines der wenigen Länder war, die sofort nach Ausbruch einen Einreisestopp verhängt hatten. Danach wurde dieser dahingehend gelockert, das man nur einreisen darf, wenn man sich 14 Tage in selbstbezahlte – für Ausländer – Quarantäne begibt. Bis heute ist diese Regelung in Kraft. Demnächst soll aber die Einreise erleichtert werden. Wenn man eine Covid-19 Impfung vorweisen kann, würde die Quarantäne wegfallen.

Warum bist Du Fotograf?

Für mich ist Fotografie Erinnerungskultur. Ich mochte schon immer gerne Biografien lesen und Menschen beobachten. Von beiden kann man viel für sich und über sich selbst lernen. Fotografie vereint für mich beides in einem und gibt mir die Möglichkeit Menschen und ihre Lebensweisen kennenzulernen.

Aus: »Tango In The Big Mango’« – a Baudelaire-like photo documentary about Bangkok.

Wie sieht die Fotografieszene in Thailand aus?
Die Fotografieszene Thailand und speziell Bangkok ist auf jeden Fall sehr lebendig und vielschichtig. In Südostasien ist fotografieren und fotografiert werden in jeglicher Form im Alltag integriert – man fotografiert nicht nur sondern lässt sich auch gerne fotografieren. Neben kommerzieller Fotografie ist in Thailand die Straßenfotografie weit verbreitet. Portraitfotografen bin ich eher selten begegnet, dafür aber vielen Bloggern, die gerne mit einer Leica Q2 sich selbst oder ihr Essen fotografieren.

Wie schätzt Du die Auswirkungen der Pandemie auf die Fotografie generell ein?
Die Folgen der Coronavirus-Pandemie hat der Kreativbranche die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg beschert. So würde es die Politik ausdrücken, wenn die Fotografie die Autobranche wäre, um dann im Anschluss einen Investitionsschub anzubieten. Doch seit Ende der 1980er Jahre entwickelte sich die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige der Weltwirtschaft. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung (Bruttowertschöpfung) in Deutschland betrug im Jahr 2019 106,4 Milliarden Euro (Anteil am BIP: 3,1 Prozent). Das muss man sich vor Augen halten. Damit übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft laut BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) in Sachen Wertschöpfung inzwischen andere wichtige Branchen wie die chemische Industrie und Energieversorger. Nur der Fahrzeugbau erzielt mit aktuell 162,1 Milliarden Euro eine deutlich höhere Bruttowertschöpfung. Da liegt für mich der Hase im Pfeffer! Meiner Meinung nach ist die Fotografie Kulturpolitisch völlig unterbewertet. Aber wer als Fotograf Glück hatte, so wie ich, der konnte das durch die Pandemie entstandene Vakuum erst einmal für sich nutzen und inne halten. Die Stille wieder zu entdecken war für mich die wertvollste Erkenntnis der Pandemie.

Aus: »Tango In The Big Mango’« – a Baudelaire-like photo documentary about Bangkok.

Wie ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Das aus der Pandemie-Zeit herüber gerettete »mehr Zeit haben« um eigene Projekte zu verwirklichen. Dieses Zeit-Vakuum war für mich äußerst befreiend. So konnte ich auch mein Langzeit Projekt »Tango in the Big Mango« mit Hilfe von Kickstarter-Unterstützern als Fotobuch realisieren und im Anschluß den Verlag Hatje Cantz als Herausgeber gewinnen. Demnächst wird noch eine Collector’s Edition im Acrylschuber mit signiertem Print bei Chromfeld erscheinen.

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#FacesOfPhotography – Teil 134: J. Konrad Schmidt aus Berlin

J. Konrad Schmidt ist im vergangenen Jahr viel Auto gefahren, hat treue Kunden noch weitaus mehr schätzen gelernt und für sich selber ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit bemerkt. Und auch wenn er weniger Energie in freie Arbeiten setzt, so setzt er sich umso mehr als Leiter der Initiative Bild für faire und zügige Corona-Hilfen ein. Darüber und über noch einiges mehr hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Wie geht es Dir?
Von den vielen Dingen, die ich sehr vermisse und gerade nicht tun soll, abgesehen? Bestens!

Wie hast Du beruflich die letzten Monate erlebt?

Ich fuhr im letzten Jahr 13.000 Kilometer mehr Auto als im Jahr davor. Das sagt viel. Flüge fanden nicht mehr statt. Sicher fühlte man sich dabei schon gar nicht. Ich hatte treue Kunden, gute Freunde, gute Produktionen und bleibende Momente in 2020. Wenige aber dennoch. Ich komme durch. Viele andere nicht. Man sollte zufrieden sein, auch wenn das »zufrieden sein müssen« und das »ist jetzt halt so« langsam schon sehr belastet und nervt. Wir haben einen Beruf, in dem wir »nein« als Antwort nicht akzeptieren dürfen. Nun ist das anders. Früher wurde aus A recht bald B und aus B danach C. Aktuell ist A im Lockdown und B wird sich nicht ergeben. Für Jemanden, der die sich stetig entwickelnde Zukunft durch viel Arbeit immer als Naturgesetz empfand, ist es – sagen wir mal – neu…

Und fotografisch?
Mein Bedürfnis nach Sicherheit ist gestiegen. Damit sank aber auch mein bekannter »Leichtsinn«, freie Arbeiten zu machen. In den Jahre vor der Pandemie war alles »im Fluss«. Man denkt gerade viel nach über Werte, über Sinn und Unsinn. Einen Plan B habe ich dennoch nicht finden können zwischen Netflix und dem Hausputz. Es muss weiter gehen und das wird es auch! Ich freue mich darauf!

Was ist die Initiative Bild?
Viel! Wir sind unfreiwillig zum vereinigten Kritiker der wenig gut funktionierenden Corona-Hilfspakete geworden. Die Antworten der hohen Beamten in den Ministerien und der Repräsentanten einer ehemaligen deutschen Volkspartei fallen leider zumeist eher ernüchternd aus. Das Verständnis von Berufspolitikern für die Arbeit von Soloselbstständigen lässt klar zu wünschen übrig. Wir arbeiten hart daran, das zu ändern. Und ich kann nur jedem ernsthaft raten, sich gerade in Zeiten wie diesen Verbänden anzuschließen, die die eigenen Interessen fördern und vertreten, denn: »Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte«. And dinner is served…

Der Blick auf die Branche: Was wird die Pandemie ändern?
Leider zeigt sich gerade, wer gut aufgestellt, gut organisiert und breit vernetzt ist und wer nicht. Es zeigt sich auch, wer Verbindlichkeit, Sicherheit und Vertrauen ausstrahlen kann. Am Ende haben wir auch schon vor der Krise nichts anderes verkauft als Produktionssicherheit. Die Bedeutung dieses Begriffes ist in diesen Zeiten nun immens gestiegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ändern wird sich vieles – aktuell findet ein Umdenken statt: Viele können jetzt erst recht nicht mehr von dem Job leben und geben auf – werden Lehrer, verlassen die großen Städte. Die Downside von dem was wir vorher als Alltag „hingenommen“ haben, wird nun so unübersehbar, das man handeln muss und das tun viele. Aber es ist auch eine gute Zeit, teurer zu werden. Die Komplexität des Jobs hat spürbar zugenommen. Die Risiken auch. Dem sollte man Rechnung tragen.

Wird die Pandemie auch etwas an der Fotografie ändern?
Nicht wirklich. Auch all die Zeitungsartikel, die von einer besseren neuen Welt sprechen vergessen oft, das es vorher besser war als jetzt! Ich mache mir extrem viele Gedanken über die Arbeiten, die ich zeige. Das war so und wird auch so bleiben.

Wie ist Deine persönliche fotografische Prognose?
Es war wichtig für uns zu spüren, das unsere Kunden gegen alle Widerstände in der Krise dennoch Bilder BRAUCHTEN! Dieses Gefühl hatte man vorher oft nicht. Mit den Kunden, mit denen ich in der Krise gearbeitet habe, bin ich definitiv enger zusammen gerückt und das ist toll so. Das wird bleiben. Ansonsten… Der Winter kann gehen und dann schauen wir mal. 2021 sollte auch jeden Fall bitte aufregender werden, als die Zeit jetzt…

Und Dein fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Aus A soll wieder B werden. Nur so macht es Sinn.

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#FacesOfPhotography – Teil 133: Giulia Marthaler aus Zürich

Giulia Marthaler hat ein Kochbuch realisiert und hat dank der Entschleunigung ihren fotografischen Blick wieder geschärft. Darüber und über mehr hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Giulia, wie geht es Dir?
Knapp ein Jahr nach dem kompletten Lockdown fühle ich mich heute wieder frisch, voller Tatendrang und Zuversicht. Doch diese unbestimmte Zeit lange Flaute ist eine Herausforderung und unterscheidet sich stark von den gewohnten Wellen.

Wie ist aktuell die Lage in der Schweiz?
Wir sind mitten in der zweiten Welle im Shutdown und es herrscht eine Art verhaltene Stimmung des Abwartens. Die Leute sind »coronamüde«, wie wohl überall auf der Welt auch.

SK 2017/02 Apfel&Zimt

Welche Auswirkungen der Pandemie hast Du beruflich gespürt?
Nach Anordnung des Lockdowns im Frühling 2020 flatterte eine Jobabsage nach der anderen rein. Projekte, die bereits ins Detail geplant waren, wurden gecancelt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Das war eine unangenehme Erfahrung: Termine aus dem Kalender zu löschen, empfand ich als sehr deprimierend. Andererseits blieb mir nichts anderes übrig, als anzunehmen, was ist und das Beste daraus zu machen.

Hattest Du Zeit und Muße an freien Themen zu arbeiten?
Ich nutzte die Gelegenheit, mich der Überarbeitung meiner Website zu widmen. Dank der allgemeinen Ruhe konnte ich relativ störungsfrei und fokussiert an dem seit Jahren vor mir hergeschobenen Task arbeiten. Ausserdem startete ich schon vor dem Lockdown ein freies Kochbuchprojekt, welches wir nach der ersten Schockstarre weiterführten. Ich schätze es sehr, während dieser außerordentlichen Zeit ein Projekt am Laufen zu haben, das mir Sinn und Energie gibt.
Ich genoss es zudem, wieder mehr Zeit fürs Kochen zu haben oder um all die spannenden Websites anzuschauen, die ich mir »für später« gespeichert hatte…

Hat sich Deine Fotografie generell mit der Pandemie verändert?
Inhaltlich nicht. Jedoch ist meine ursprüngliche Sensibilität für die alltäglichen Details wieder erwacht. Insofern hat die auftragsfreie Zeit ihr Gutes, als dass ich meinen fotografischen Blick wieder schärfen konnte, um achtsam und bewusst meine Umgebung wahrzunehmen.

Siehst Du langfristige Auswirkungen auf die Branche?
Die langfristigen Auswirkungen in der Kreativbranche schreibe ich eher der Digitalisierung als der Pandemie zu. Zu nennen wären da Inhouseproductions, die gesunkene Wertschätzung für Bilder, Zufriedenheit der Endkunden mit mässig qualitativer Arbeit…
Womöglich erfährt die Branche langsam eine Abflachung dieser Welle. Trotz oder gerade wegen der massiven Bilderflut, gibt es das Bewusstsein, dass authentische Bilder zentral sind für Kommunikation und Verkauf.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, weiterhin mit inspirierenden Menschen gemeinsame Projekte und Ideen zu verwirklichen und mich dabei von Freude und Neugierde leiten zu lassen.

Website von Giulia Marthaler
Instagram-Feed von Giulia Marthaler
LinkedIn-Kanal von Giulia Marthaler

Natürlich können Sie auch gerne über Fotogloria Kontakt zu Giulia aufnehmen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de