Archiv der Kategorie: #FacesOfPhotography

#FacesOfPhotography – Teil 118: Tobias Habermann aus Hamburg

Für die Autofotografie von Tobias Habermann bedeutete der Anfang der Pandemie erstmal den beruflichen Stopp. Im Gespräch mit Producern, Agenturen und Kunden allerdings entwickelte sich bald eine neue, eine konzeptionellere Arbeitsweise. Mehr darüber und auch darüber, was sein größter fotografischer Wunsch ist, erzählt er bei den #FacesofPhotography:

Tobias, wie geht es Dir?
Ich kann vollen Herzens behaupten, dass es mir gut geht!
Da bin ich recht pragmatisch. Wenn es mir und besonders den Menschen in meinem Umfeld gut geht, sie gesund sind, dann passt es schon. Alles andere findet sich.

Wie ist es Dir jobmäßig in den letzten Monaten ergangen?
Ich denke es erging mir ähnlich wie den meisten meiner Kollegen.
Ab März ging erst einmal der Vorhang auf unbestimmte Zeit runter. Mein Portrait beschreibt im Grunde den Startpunkt des Ganzen. Es wurde Ende Januar 150 Kilometer nördlich des Polarkreises aufgenommen. Wir waren, nach einem arbeitsreichen Jahr 2019, auf einer 2-wöchigen Produktion für Porsche in Finnland unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt war von Pandemie noch keine Rede. Der Mundschutz diente bei minus 30 Grad einzig und allein dem Erhalt der Sprechfähigkeit. Bei der Zwischenlandung in Helsinki fielen uns jedoch viele asiatische Passagiere auf, die in langen Schlangen an den diversen Flughafenapotheken anstanden. Seltsam, dachte man sich… Die Erklärung dafür kam erst ein paar Wochen später.
Bis Ende Februar/Mitte März war ich noch gut mit Postproduktion und der Planung für kommende Jobs beschäftigt, bis klar wurde, dass es wohl nicht ganz so reibungslos weitergehen würde. Viele Jobs wurden auf unbestimmte Zeit verschoben – einige sogar abgesagt.
Anfangs gab es natürlich den Gedanken sich durch die »geschenkte Freizeit« endlich einmal um geplante freie Projekte, neue Fertigkeiten, oder um die Sichtung lange beiseite gelegter Arbeiten kümmern zu können.
Eine Woche später – die Kita wurde geschlossen – war schnell klar, dass meine Prioritäten in erster Linie der Familie, speziell meiner kleinen Tochter, gelten sollten.
So seltsam es vielleicht auch klingen mag, aber den ersten Lockdown habe ich tatsächlich sehr genossen. Während meine Frau im Homeoffice saß, waren meine Tochter und ich unterwegs in allen öffentlichen Grünflächen der Stadt, haben gebastelt, viel gelesen und eine tolle Zeit miteinander gehabt.
Ab Mitte des Jahres ging es dann wieder verhalten los und es gab auch wieder etwas Luft für freie Arbeiten, oder die Fortführung von Langzeit-Projekten, wie meiner Serie »Clouds«.
Momentan befinden wir uns nun im zweiten Lockdown und beinahe ein Jahr in der Pandemie. Der Lockdown fühlt sich, obwohl ja schon trainiert, seltsamer Weise doch anstrengender an als der erste. Alleine die Schließung der Kita ist für uns momentan ein Balance-Akt. Oft passiert es, dass ich erst gegen 16-17h ins Büro komme und dann natürlich einen ganz normalen Arbeitstag vorfinde.
Da es den meisten so geht, kann man sich natürlich damit arrangieren. Die Joblage allerdings wird gerade merklich besser. Da Projekte bei mir aber selten regional stattfinden, kann man sich dann überlegen ob man die Notbetreuung in Anspruch nimmt, oder der Partner Urlaub einreichen muss.
Den Luxus Anfragen abzusagen, können sich die meisten, spätestens nach dem ersten Lockdown, nur selten noch leisten.
Die Stimme im Kopf jedenfalls, unbedingt wieder richtig arbeiten zu können, wird allerdings lauter.

Du bist fotografisch vor allem im Autobereich unterwegs: Wie reagieren Deine Kunden auf die Pandemie im Hinblick auf Marketing, Werbung, Fotografie?
Im Grunde reagierten meine Kunden wie beinahe alle Großkonzerne reagiert haben. Etats wurden bis auf Weiteres eingefroren und Produktionen gestoppt. Nachvollziehbar. Jeder musste sich erst einmal sammeln, Optionen sondieren und die eventuellen Risiken abzuwägen lernen. Es fanden viele Gespräche mit Producern, Agenturen und Kunden statt, wie man unter diesen Bedingungen überhaupt noch Jobs durchführen könnte.
Da es sich im Autobereich meist um reiseintensive Produktionen handelt, diese aber nicht wirklich möglich waren, wurden Konzepte kurzerhand geändert um sie in Studioumgebung, im eigenen Land, oder auch per CG zu realisieren. Das habe ich persönlich durchaus begrüßt, da ich mich so vor allem konzeptionell stark einbringen konnte.



Du bist auch CGI-Director – wie sind Deine Pandemie-Erfahrungen in diesem Bereich?

Diesen Bindestrich wollte ich eigentlich schon lange abändern. Es müsste mittlerweile eher CGI und Director heissen – da der Bereich Bewegtbild immer mehr Raum gewinnt und CGI im Grunde als gegebenes Beiwerk verstanden wird.
Eine wirklich Trennung von einem Shoot on Location und der Integration eines gerenderten Bildteils gibt es in der aktuellen Autofotografie eigentlich nicht mehr.
Zu Anfang der Pandemie kam mir tatsächlich der Gedanke, dass CGI nun wohl wesentlich mehr zum Zuge kommen würde als zuvor – bei mir zumindest kann ich das im Nachhinein nicht unterschreiben. Denn da für die meisten CG-Produktionen immer noch Locations, Models und ein gewisses Team benötigt wird, unterlagen auch diese Jobs den üblichen Schwierigkeiten. Bemerkbar waren allerdings die wesentlich höheren Lizenzerträge durch Bildagenturen, die sich auf Hintergründe und HDR-Spähren spezialisiert haben.

Wie ist Deine persönliche Prognose für die Fotografie generell sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich?
Es wird sich wohl nicht viel ändern.
Ich hoffe jedoch, dass wir einige der Erkenntnisse »herüber retten«, die sich durchaus als Chancen aufgetan haben. Inhaltlich zum Einen, dass man im Automobilbereich – nicht allein aus der Not heraus, weil es das Budget nicht hergibt – wieder lernt, den Fotografen mehr in den kreativen Prozess einzubinden und den Mut zu haben Produktionen auch mit verhältnismäßig »kleinem Besteck«, aber gutem Konzept, zu realisieren.
Wirtschaftlich kann das für Fotografen, auf den Tag gerechnet, natürlich durchaus bedeuten, dass man einfach mehr arbeiten »muss« als bei großen Kampagnen.
Die dafür gewonnene Freiheit in der Umsetzung, die Reduktion auf das Wesentliche, die kurzen Entscheidungswege und das lebendigere Ergebnis zahlen sich, für mich zumindest, aus. Dafür liebe ich diesen Beruf und kann mir ehrlich nicht viel Schöneres vorstellen.

Hast Du einen ganz persönlichen fotografischen Wunsch?
Mein größer Wunsch ist, das Fotografie – wie alle anderen Künste auch – möglichst schnell wieder in die Öffentlichkeit treten kann. Ich wünsche mir Ausstellungen, Diskussionen, Treffen und all das was eine lebendige Kulturlandschaft ausmacht. Wieder zu reisen wäre natürlich auch ganz schön… Ich freue mich darauf.

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#FacesOfPhotography – Teil 117: Barbara Wolff aus Berlin

Barbara Wolff fotografiert seit 2018 ihre Heimatstadt Berlin. Im Februar 2020 blieb durch den ersten Lockdown mit ebenjenen Bildern eine Ausstellung nahezu ungesehen. Ihre Antwort darauf hat sie im vergangenen Herbst herausgebracht – ein Buch mit dem Titel »Metropolis, Berlin«. Darüber und über die Bedeutung der Fotografie für sie ganz persönlich hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Barbara, wie geht es Dir?
Ich kann nicht sagen, dass es mir wunderbar geht. Die ganze Weltlage hat mich von Anfang an sehr beschäftigt – global wie in meinem persönlichen Leben. Es hat sich ja so vieles geändert! Mein täglicher Rhythmus ist auch ein anderer geworden, der Tag ist jetzt strukturierter. Ich achte sehr bewusst darauf, dass es eine Balance gibt zwischen Arbeit – Kommunikation – Bewegung, aber auch Genuss – Freude – Entspannung. Manchmal gelingt es. Das war mir »vorher« nicht so bewusst. Da haben Termine, Events, Begegnungen die Tage einfach ausgefüllt.

Was ist die Fotografie für Dich?
Die Fotografie ist mein Leben. Seit vielen Jahren arbeite ich als Vermittler zwischen Fotoindustrie und Fotografen, auch als Lehrende im Bereich Fotografie, und – immer wichtiger geworden – an eigenen Projekten und Themen. »Es sind die Bilder, die bleiben«. Das war auch der Titel meiner letzten Ausstellung 2020 in Berlin.

Du hast 2020 ein Buch herausgebracht – was hat es damit auf sich?
Seit 2018 habe ich meine Berlin-Bilder der Metropolis-Serie auf Instagram gepostet. In meinen Fotografien geht es nicht um die klassischen Stadtansichten, es geht um meine Sicht auf Berlin. Die Bilder erzählen von Bewohnern und ihrem urbanen Umfeld. Die »Likes« und die wachsende Anzahl der Follower hat meine Arbeit sehr beflügelt.
Ein Teil der Aufnahmen wurden in der Ausstellung »Es sind die Bilder, die bleiben« bei Lunik Berlin gezeigt. Die Vernissage war am 28. Februar 2020. In der Nacht davor gab es die ersten Corona Hotspots in Berliner Clubs, aber das haben wir erst eine Woche später erfahren. Und dann war ja alles zu. Nach meiner ersten Sprachlosigkeit habe ich weiter meine Stadt Berlin fotografiert, jetzt hatten sich die Motive verändert und meine Wahrnehmung auch.
Als die geplante Ausstellung in Arles sowie eine Präsentation in Paris – beides mit der Collection Regard Berlin – abgesagt wurden, habe ich das Buch »METROPOLIS, BERLIN« gemacht.

War 2020 ein gutes Jahr für Fotobücher?
Das kann ich nicht global beantworten. Mein Buch war meine Antwort auf abgesagte Ausstellungen 2020. Es erschien mir als einzig mögliche Präsentationsform. Ein Buch in der Hand zu halten ist letztendlich doch ein intensiveres Erlebnis als eine Online-Präsentation, natürlich auch für die Fotografin selbst. Vor Corona hatte ich daran nicht gedacht, ein Buch zu machen. Ich habe viel Unterstützung von Lunik Berlin erhalten, eher bekannt für Foto- und Filmproduktionen. Lunik hat sich mit dem Publishing Bereich ein neues Feld erschlossen – und ich hatte einen Partner, der mich bei der Produktion sowie im Vertrieb toll unterstützt hat.

Hat die Pandemie Deine Fotografie beziehungsweise Deinen Blick auf die Fotografie generell verändert?

Ja, das hat sie. Mir ist noch mehr bewusst geworden, was Fotografie für mich eigentlich bedeutet – nämlich Zeugnis über seine Zeit abzulegen. Die Pandemie hat mir auch gezeigt, wie wertvoll auf einmal all die Fotografien werden, die auf den grenzenlosen Reisen entstanden sind. Für mich war etwa das Jahr 2019 ein Reisejahr. Die Bilder, die in Amazonia, Brasilien entstanden sind, sind jetzt kostbare Schätze für mich.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Im Moment arbeite ich an einer Ausstellung mit den Metropolis-Bildern in der Collection Regard Berlin. Ich fertige dafür klassische Baryt Vergrößerungen an. Ich hoffe, die Ausstellung kann auch mit Besuchern stattfinden. Das setzt voraus, das wir die Pandemie überwinden.

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Das Buch Metropolis Berlin von Barbara Wolff

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#FacesOfPhotography – Teil 116: Peter Bialobrzeski aus Hamburg

Trotz diverser Absagen und Verschiebungen hat Peter Bialobrzeski mit Lehre, eigenen Projekten und Ausstellungskonzeptionen reichlich zu tun. Darüber und über die Veränderungen, die diese Zeiten für die Fotografie mit sich bringen, hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Peter, wie geht es Dir?
Mir geht es gut, mir ist es noch nie besonders schwer gefallen, mich ungewöhnlichen Situationen zu stellen.

Was hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten bei Dir beruflich getan?
Natürlich sind eine Reihe von Ausstellungen, Residencies und Projekte abgesagt oder auf »nach Corona« (whenever that will be) verschoben worden. Trotzdem fotografiere ich weiter an zwei Projekten, konzipiere eine Reihe von Publikationen. Die Veröffentlichung von »Give my Regards to Elizabeth« mitten in der ersten Pandemiewelle war sogar ein großer Erfolg, was die Presseresonanz und die Zahlen angeht. Bis auf wenige Exemplare ist der Titel ausverkauft.

Woran arbeitest Du derzeit?
Im Augenblick co-kuratiere und konzipiere ich zwei große Ausstellungsprojekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Eins davon ist eine große Jubiläumsausstellung zum 40ten Geburtstag der Fotoagentur laif.

Was denkst Du – was für Auswirkungen haben diese Zeiten auf die Fotografie?
1. Inhaltlich, 2. stilistisch 3. wirtschaftlich.

Ich glaube, weil die Fotografie nun kein handelndes Subjekt sein kann, wird sie so weiter machen wie bisher, Prozessoren werden besser, Software wird KI gestützt, es wird mehr gelächelt, Himmel ausgetauscht (have a look at Photoshop 2021). Die künstlerische Fotografie wird noch akademischer, textlastiger, das »gute« Bild, weil generisch (s.o) immer unwichtiger. Das kann man gerade gut in Berlin betrachten. Während die Ausstellung bei Sprüth/Magers von Andreas Gursky in ökonomisch spekualativen Selbstzitaten verharrt, fordert der junge Magnum Fotograf Max Pinckers in der Robert Morat Galerie die Betrachterin intellektuell heraus.

Was haben diese Zeiten für Auswirkungen auf die fotografische Lehre beziehungsweise welche sollten/könnten sie haben?
In der Lehre haben wir im Sommersemester 20 komplett mit digitalen Tools gearbeitet. Es hat sich gezeigt, das stabile Gruppen, die sich vorher kennen und vertrauen, sehr gut miteinander arbeiten konnten. Wir haben über Teams miteinander geredet und gesponsert von Picdrop in Berlin ein hervorragendes Tool zur Verfügung gehabt, mit dem man parallel Bilder besser als mit Screenshares betrachten konnten.
Was daraus folgt: Alle sind eher bereit sich zu Zwischenpräsentationen auch digital zu treffen, ein digitaler Jour Fixe in verschiedenen Arbeitsgruppen ist fast schon zum Standard geworden. Trotzdem versuchen wir natürlich so viel wie möglich auch analoge Treffen zu haben. Jedem wird gerade klar, wie wichtig das gemeinsame stehen am Tisch mit Bildern vor der Nase ist.

Verändert sich Deiner Meinung nach etwas durch die Pandemie für fotografische Berufseinsteiger?
Bestimmt, was kann ich aber nicht beurteilen, es war noch nie leicht, man brauchte immer auch Glück, wahrscheinlich braucht man noch mehr davon und Disziplin, Fleiß und eine Gute Portion Besessenheit.

Was ist die Fotografie für Dich?
Sehr wichtig!

Und zuguterletzt: Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Noch ein, zwei gute Ideen haben…

Website von Peter Bialobrzeski

* Das Portrait von Peter stammt von der Kochi Biennale.

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#FacesOfPhotography – Teil 115: Bernd Opitz aus Hamburg

Bernd Opitz reist eigentlich mit großen Teams für ebenso große Produktionen um die Welt. Das ist – mit einer kurzen Pause – schon seit Monaten nicht mehr ohne weiteres möglich. Was er daraus für die Zukunft der Branche ableitet und wofür er die Zeit ansonsten genutzt hat, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Was ist Dein fotografischer Schwerpunkt?
Ich bin People-, Interior- und Lifestyle-Fotograf. Meine ganze Leidenschaft steckt im Umgang mit Menschen, am liebsten arbeite ich auf einer spannenden Location und wenn dann noch viel Ausgelassenheit und Lebensfreude am Set ist, bin ich total happy.
Angefangen hat alles bei mir mit Portraits für die Musikpresse und Stilife-Fotografie und tatsächlich schöpfe ich daraus auch heute noch viel Nutzen. Aber natürlich ist über die Jahre noch viel mehr dazu gekommen, was im Job hilft, etwa der Umgang mit CGI Projekten, Hybrid-Shootings, sowie auch viel Bewegtbild und Film. Das macht mir alles in Summe mächtig Spaß und erweitert natürlich mein fotografisches Spektrum.

Wie ist es Dir jobmäßig in den letzten Wochen und Monaten ergangen?
Das ist eine gute Frage. Ich hab mit meinem Team noch bis Mitte März voll durch gearbeitet und auch danach noch soviel mit der Postproduktion und Nachbereitung der Jobs zu tun gehabt, dass eigentlich erst mal alles schien wie immer. Dazu kam dann noch ein Büroumzug und unendlich viel Aufräumaktion und Kistenpacken. Aber als ich dann Mitte Mai mal zur Ruhe kam, fiel natürlich schon auf, dass viele große Projekte aus Frühjahr und Sommer verschoben worden waren. Die kleineren gingen weiter, aber alles, was mit großen Teams und viel Reisetätigkeit verbunden war, fiel erst mal raus.
Bei meinen Jobs sind wir schnell mal bei 20 – 25 Leuten im Team (Digital-Operator, Assistenten, Kameramann und Focus puller, Producer, Stylisten, Hair&Make Up, Modelle) dazu Kunden und Agentur.
Und zur Hälfte des Jahres arbeite ich eigentlich auch immer im Ausland – auch das geht ja gerade nicht gut.. .Das finde ich schon sehr bedauerlich, zumal auch einfach tolle Projekte geplant waren. Die meisten sind erst einmal aufs nächste Jahr verschoben worden.
Seit Mitte September geht es zwar wieder »normaler« zu, aber ab November könnte es mit dem nächsten Lockdown natürlich wieder ruhiger werden.

Die Strecken „You Can’t See It“ und „Strike Back“ sind in der Coronazeit entstanden – was steckt dahinter?
»You Can’t See It« ist während der Coronazeit entstanden. Es geht um Seh-Gewohnheiten – man sieht etwas und erwartet etwas anderes. Der Kopf sagt grün, das Auge pink.
Die Serie soll uns bewusst machen, daß es eine andere Welt hinter der rein Sichtbaren gibt.
Ist etwas, was wir nicht sehen, automatisch auch nicht da?
Im Moment, zu Zeiten der Corona Pandemie, wo wir miteinander und gesellschaftlich sowie sozial und politisch um die richtigen Entscheidungen ringen, ist die Frage der Wahrheit und Sichtbarkeit vielleicht aktueller denn je.
»Strike Back« habe ich 2019 begonnen, sie geht eigentlich immer weiter und ist allgegenwärtig. Es geht um den Umgang mit der Umwelt und unseren natürlichen Ressourcen.
Und den täglichen Missbrauch. Dabei geht die Menschheit immer davon aus, der Natur überlegen zu sein. Was wäre, wenn sich diese aber wehren würde und zurück schlagen würde? Und tut sie das nicht vielleicht auch schon… genau jetzt?
So kann eine einzelne Plastiktüte stellvertretend verstörende Systemkritik üben.

Hat die Krise Veränderungen in die Branche gebracht?
Das denke ich schon. Viele Agenturen erzählen von verunsicherten Kunden, von der Angst, Entscheidungen zu treffen, von sehr langen Kommunikationsprozessen, die am Ende dann aber nicht wirklich zu irgendeinem Ergebnis führen, sondern nur an den Kräfte aller zehren. Dazu scheint der Preisdruck immer größer zu werden und Etats immer kleiner und zersplitterter.
Das wird wahrscheinlich auf allen Seiten Opfer fordern. Leider.
Eine Transformation der Branche, die ansonsten fünf Jahre gebraucht hätte, hat sich nun in fünf Monaten vollzogen. Da hat die Corona-Pandemie alles beschleunigt.
Man sieht jetzt schon klar, welche Kunden sich mutig und stark an die Zukunft wagen.
Ich denke, das werden dann auch die Gewinner sein. Und die werden uns Kreative und unsere Arbeit auch weiter brauchen und buchen.

Wie ist Deine Vermutung für die Entwicklung der Branche für die kommende Zeit?
In der Umsetzung : Wir werden in Zukunft noch leaner arbeiten müssen: Kleinere Teams, weniger Reiseaufwand, noch effizientere Verzahnungen am Set. Die Digitalisierung kann dabei helfen.
In den Inhalten: Es wird noch mehr Nachfrage nach Content geben. Stories werden immer wichtiger, Emotionen tragen Bildwelten.

Was ist Fotografie für Dich?
Leidenschaft, Freude, Spannung, Abenteuer, Lebensinhalt, Technik, Liebe, Herz, Zukunftsmusik, Kommunikation, Gedächtnis, pure Freude.


Was ist Dein ganz persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsch mir weiterhin, tolle Kampagnen und Bilder und Filme machen zu können! Ich wünsch mir weiterhin einen lebendigen Austausch mit Kunden und Agenturen, mit Bildbegeisterten und Bildbesessenen. Eine gute Auftragslage, gesunde und mutige Kunden, eine gesunde und mutige Branche, die keine Existenzängste fürchten sondern nur Schaffenskräfte freisetzen muss.

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#FacesOfPhotography – Teil 114: Vidhyaa Chandramohan aus Abu Dhabi

Vidhyaa Chandramohan konnte durch die Krise keine Aufträge mehr fotografieren, hat sich anstattdessen ausführlich ihren freien Arbeiten gewidmet. Darüber und was ihr die Fotografie bedeutet, hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

How are you and how is the current situation in Abu Dhabi?
I am doing great; things are getting back to normal; the Abu Dhabi government has taken several precautionary measures to prevent the residents, and several programs have been postponed to 2021.

How have you been – concerning your job – in the last weeks and months?
Yes, it’s a very tough time, I was unable to travel countries for any projects, but worked on my personnel projects and published some. Hopefully this situation will change around the world and believe once we get the vaccine for COVID-19, things will be back to normal.

Will the crisis change photography?
The crisis may change the world up and down, reaching into every aspect of our lives, but not creativity, so as a photographer we can always find ways to explore various things, this is only for now, slowly things will be back to normal.

Did you work on free topics or are you planning something?
I am planning to work on conservation related stories around the UAE and Middle East, my goal is to explore the UAE of a world of new relationships, new opportunities, new beginnings and, most importantly, new stories.

Emirati women are ­»pushing the boundaries to break stereotypes« in Falconry – Many women are not practicing falconry in the Middle East , these are few Emirati female falconers from UAE are indication of the boldness, the initiative and independence of Arab women. Perhaps the falcons were a symbol to these women of limitless freedom, as well as of power at Abu Dhabi, UAE.

How was your photographic journey so far?
In the year of 2014, I started working as a freelancer in the leading news agency in Abu Dhabi and everyday i am exploring and learning something new in this field. In 2017 I signed for a Diploma in Photography project with Danish Media and Journalism at Amsterdam, after completing the course, I was induced to work on Documentary projects which helps me to understand various subjects, apart from photography too. Throughout the journey there were ups and down, I always take failure as an experience and learn from that.

What does photography mean to you?

Photography is part of my life, it’s a kind of meditation in my everyday life, I can’t imagine my life without Photography and it’s everything to me.

Home quarantine – a range of emotions during the covid-19 pandemic.

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#FacesOfPhotography – Teil 113: Alex Schwander aus Frankfurt

Alex Schwander glaubt fest daran, dass – wenn auch eventuell nach einer längeren Pause – die Jobs wieder mehr werden. In der Zwischenzeit portraitiert er seine Fotograf*innen-Kolleg*innen wo auch immer er sie trifft. Mit den #FacesOfPhotography hat er darüber gesprochen, ebenso über die Zukunft und auch darüber, was die Fotografie ihm bedeutet:

Alex, wie geht es Dir?
Schön, dass du fragst! Ist ja wirklich in der gegenwärtigen Zeit schon fast eine berechtigte Frage und nicht nur Floskel. Man freut sich geradezu über diese Frage.
Nun, tatsächlich geht es mir sehr gut. Ich hatte, zusätzlich zu dieser Covid-19-Sache, diesen Sommer noch eine persönliche gesundheitliche Notsituation, die aber überstanden ist. Momentan fühle ich mich gut mit meiner zweiten Chance, am Leben teilzunehmen. Corona war zwischenzeitlich zweitrangig. Viele Dinge wurden mir ab diesem Ereignis bewusster, andere waren nicht mehr so wichtig, um darauf Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden. Wesentliches wurde entscheidend und wichtig.

Fiene Wollstadt

Wie ist es Dir – jobmäßig betrachtet – in den letzten Wochen und Monaten ergangen?
So wie wahrscheinlich viele andere Kollegen auch hatte ich ganz plötzlich ab Mitte März keine Jobs mehr – und ganz viel Zeit. Entweder wurden bereits geplante Aufträge verschoben oder gar ganz gestrichen, da keiner so genau wusste, wie es weitergeht oder was in naher Zukunft passiert. Das war eine seltsame Situation, begleitet von einem noch seltsameren Gefühl, dass man plötzlich ohne schlechtes Gewissen einfach mal zuhause bleiben durfte. Endlich Zeit für persönliche Dinge und Projekte. Endlich mal Archiv aufräumen, Sachen ausmisten, Mappe überarbeiten, Website neu gestalten, etc. Nun, es kam anders als gedacht. Aber es war auch mal ganz schön, etwas durchzuatmen und herunterzufahren. Natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl, verbunden mit Angst, dass sich zu viele Dinge ändern könnten, die mein bisheriges berufliches Leben erfreulich gemacht haben.

Florian W. Müller

Wie lief der Job zwischen Lockdown eins und Lockdown light?
Tatsächlich ging es bei mir schlagartig ab September wieder weiter. Als wären meine Kunden aus einem kurzen festen Schlaf erwacht und dabei fiel ihnen ein, dass sie wohl ab März vergessen hatten, mich anzurufen.
Der September war damit belegt, all die aufgeschobenen Jobs nachzuholen. Und es kamen sogar neue dazu. Also nicht so schlecht für den Wiedereinstieg.

Was ist Deine persönliche Prognose für die kommenden Wochen?
Ich muss aber meine September- und Oktobereuphorie wieder etwas relativieren. So kontinuierlich läuft es dann doch nicht weiter. Ich spüre noch Zögern und Unsicherheit auf Kundenseite, gleich wieder voll loszulegen.
Meine Prognose für die kommenden Wochen bleibt ungewiss. Es ist nicht sicher einzuschätzen, wie es weiter geht. Ich glaube, dass viele Jobs auf das Notwendigste reduziert werden. Aber es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem die Situation sich bessert und die Anfragen wieder ansteigen. Glaub ich fest dran.

Stefan Hobmaier

Was denkst Du: Wie werden die Auswirkungen der Krise auf die Fotobranche sein?
Ich glaube tatsächlich, dass es weitergehen wird. Vielleicht wird es anders sein, aber es wird weiter gehen.
Die Vorgehensweise und das Verhalten innerhalb der Branche wird sich ändern, aber das passiert ohnehin seit vielen Jahren, entweder geschuldet durch technische Neuerungen oder durch eine Verschiebung innerhalb der Auftragsstrukturen.
Einige Kollegen müssen wahrscheinlich ihr Konzept ändern und laufen Gefahr ihr Geschäft oder ihr Studio abzuspecken oder gar zu schließen, weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein wird und man Mitarbeiter plötzlich nicht mehr bezahlen kann. Ich habe das auch vor Corona schon beobachten können. Bei vielen Kollegen und auch bei mir ändert sich schlagartig die Auftragslage durch Veränderung auf Kundenseite. Persönliche Beziehungen zum Kunden ändern sich. Leider ist das Ganze heutzutage auch extremen Sparmaßnahmen geschuldet, die leider oft kurzfristig gedacht sind und sich langfristig nicht wirklich als Einsparung erweisen.
Das ist also kein alleiniges Corona-Krisen-Phänomen. Ich bin glücklicherweise in einer Situation ohne große Studio- und Personalkosten arbeiten zu können, so dass ich im Krisenfall ganz gut runterfahren kann, um eventuell eine gewisse Zeit auszuhalten. Winterschlaf sozusagen. Geht natürlich nicht ewig.

Bernd Opitz

Hattest und hast Du Luft und Muße für freie Arbeiten?
Ich habe vor einiger Zeit eine Serie angefangen und fotografiere meine Kollegen vom BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.), wann immer ich sie treffe. Meist auf Veranstaltungen oder Ausstellungen des BFF. Manchmal fahre ich auch extra zu meinen Auserwählten. Wobei – die Serie hat sich im Laufe der Zeit ergeben. Es macht große Freude, die Kollegen abzulichten und auf einmal als Modell zu sehen und mehr oder weniger posen zu lassen. Meist fällt mir zu den jeweiligen Köpfen spontan eine Bildidee ein, die ich in relativ kurzer Zeit umsetze. Oft ohne Alternative, was das Motiv angeht. Das ist auch besser, sonst wird die spätere Auswahl anstrengend. Ich entscheide sehr schnell, welches das finale Motiv sein wird. Eine Art Training, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Das ist oftmals sehr wichtig, da in meinem Auftragsgebiet der Portraitfotografie manchmal wenig Zeit bleibt, Alternativen auszuprobieren.

Jens Görlich

Was ist sie für Dich, die Fotografie?
Immer noch Magie und Leidenschaft.
Ich bin seit genau 30 Jahren als selbständiger freiberuflicher Fotograf unterwegs.
Es gab unterschiedliche Jahre während dieser Zeit. Gute und schlechte. Wie wahrscheinlich bei vielen Kollegen.
Dennoch habe ich nie meine Leidenschaft für die Fotografie verloren. Ich brenne wie am ersten Tag. Sicher haben sich Vorgehensweisen im Laufe der Jahre verändert. Techniken haben sich entwickelt. Man muss ständig nachjustieren und anpassen. Das ist aber auch gut so, sonst rostet man ein. Nicht alle Veränderungen waren und sind gut, dennoch bin ich froh, viele miterlebt zu haben. Ich komme noch aus der analogen Welt und durfte einiges kennenlernen, was heute als verstaubt und überholt belächelt wird. Für mich war es die Basisarbeit zu meiner heutigen Kenntnis und Erfahrung, wovon meine Auftraggeber gerne profitieren.

Olaf Heine

Was wünschst Du Dir persönlich fotografisch für die Zukunft?
Ich wünsche mir mehr Mut und Entscheidungsfreude von Seiten meiner oder der Auftraggeber. Mehr Rückgrat und Leidenschaft Projekte umzusetzen. Nur wenige halten ihren Kopf hin, wenn es darum geht, eine gewagte Entscheidung zu treffen. Gerne wird Verantwortung abgegeben. Oft fehlen mir die sogenannten „Eier“ oder der sprichwörtliche „Arsch in der Hose“ der Pseudo-Verantwortlichen. Am Ende will keiner der sein, der es zwar gewagt aber letztendlich versemmelt hat.
Die Branche funktioniert überwiegend budget-orientiert, Controller entscheiden über die Auswahl von Kreativen und ersticken somit oft ein Projekt schon im Keim. Ich wünsche mir mehr Mut und „Komm, wir wagen mal was total Verrücktes“. Am Ende entscheidet wahrscheinlich der, der das Projekt weder kennt, noch irgendein Gespür für das richtige Motiv hat.

Rui Camillo

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#FacesOfPhotography – Teil 112: Enno Kapitza aus München

Mit seiner Serie »Aufhellungen« hat Enno Kapitza während des ersten Lockdowns konsequent jeden Tag eine kleine Geschichte, Anekdote, Begegnung vor allem im Bild, aber auch per Wort erzählt. Nach 50 Folgen beendete er die Serie und ging in einen arbeitsreichen Sommer.
Vor ein paar Tagen nun, hat er die »Aufhellungen« wieder aufgenommen. Warum das für ihn auch eine Überwindung war, woran er außerdem arbeitet und worüber er im Bezug auf die Fotografie nachdenkt, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Enno, wie geht es Dir?
Heute morgen – es ist Dienstag, der 3. November – wache ich auf mit der Nachricht eines Terroranschlags in Wien, den bevorstehenden US Wahlen mit ungewissem, schicksalhaftem Ausgang, einem kalten, verregnetem Novembertag und der omnipräsenten Corona-Krise.
Und dennoch. Mir geht es gut. Ich bin gesund, nur ein Bänderriss hat mich die letzten Wochen lahmgelegt. Nichts dramatisches.
Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft. Komischerweise mehr denn je.

Morgenlicht. Blick auf die Alpen von einem Voralpenberg südlich von Lenggries

Wie ist es Dir in den letzten Monaten beruflich ergangen und was bedeutet in dem Zusammenhang der erneute Lockdown (light)?
Schon kurz vor Ende des ersten Lockdowns zeichnete es sich ab, dass ich einen sehr intensiven Arbeitssommer vor mir hatte. Das gipfelte dann in einen goldenen September. Kurzfristige, aber auch von langer Hand geplante Projekte standen an. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in so kurzer Zeit so viel und so viel verschiedenes fotografiert habe.
Der Lockdown light ist schwer einschätzbar in seiner Tragweite. Jobabsagen hatte ich deshalb noch keine, aber dafür auch keine neuen Anfragen. Und eines meiner Standbeine, die Reisefotografie und Reportagen im Ausland, ist seit März weggefallen.

Neugeborenes in der Zeit des Lockdowns – Frauenklinik München

Zum ersten Lockdown hast Du die Serie »Aufhellungen« ins Leben gerufen. Nun, nach einer Pause geht es damit weiter – was hat es damit auf sich?
Der erste Lockdown war eine ungekannte, globale Krisensituation. Kontaktsperren, Ausgangsverbote, Shutdown der Wirtschaft, alle Jobs von heute auf morgen storniert.
Seit einigen Jahren war ich immer dankbarer geworden für alles, was ich als freier Fotograf erleben durfte. Die Kamera hatte mir unzählige Türen geöffnet. Zu Menschen, Geschichten, Ländern und Herzen. Schicht um Schicht hat sich das in mir aufgetragen. In einem guten Sinne.
Ich fing an die Fotos zu sammeln, über die ich Geschichten erzählen konnte, die Mut machen, ablenken, verbinden und zeigen, dass man nicht alleine auf der Welt ist.
Ich schreibe schon immer gerne. Die tägliche Morgenroutine ein Foto auszusuchen und einen Text dazu zu verfassen hat mir in der Zeit einen konstruktiven Rahmen gegeben.
Nach fünfzig Beiträgen hatte ich viel gutes Feedback bekommen. Es war ein schönes Gefühl, dass ich mit meiner Arbeit etwas bewegen konnte. Eine Frau hat mir sogar Prints abgekauft, die jetzt bei ihr zu Hause hängen und die ihr täglich Kraft geben, wie sie mir neulich erst wieder schrieb.
Die zweite Serie anzufangen, war eine Überwindung. War es doch das Eingeständnis, dass die Krise wieder da ist, vielleicht sogar noch dramatischer als im Frühjahr. Ich weiß auch nicht, ob ich das wieder so lange durchhalten kann. Noch gibt es mir wieder diesen mantrahaften Rahmen. Dennoch, ich bekomme wieder schöne Rückmeldungen und Dank. Die positive Energie alleine ist es schon wert.

Von einem Waldbrand gezeichneter Berghang nahe München.

Hattest und hast Du Zeit und Gelegenheit darüber hinaus an freien Projekte zu arbeiten?
Im ersten Lockdown habe ich viel fotografiert, erst sehr konzeptlos. Stimmungen, Details, Athmosphäre, Masken am Boden, Absperrbänder.
Bis ich dann in unserem Wald Veränderungen bemerkte und die „Waldheime“ fotografierte. Das ZEIT Magazin hat es veröffentlicht und im Schloss Rochsburg hängt noch bis diese Woche eine große Ausstellung.
Parallel arbeite ich seit letztem Jahr an einem persönlichen Fotoprojekt über meine Eltern.
Dafür war ich mit meinem Vater in Schlesien und meiner Mutter und Tante (die mir ebenfalls sehr nahesteht) in ihrer Heimat Japan.

Lockdown, München.

Was denkst Du, was macht die Krise mit der Fotografie allgemein – wirschaftlich, inhaltlich, stilistisch?
Die Krise hat schon allgemein so vieles verändert, nichts wird mehr so sein, wie es früher war. Was dramatisch klingt, zeigt sich möglicherweise aber nur in kleinen Details, minimalen Verschiebungen, unmerklichen Stimmungslagen.
Was die Fotografie selber angeht wird die Krise auch hier ein Beschleuniger sein. Tendenzen werden sich schneller zu Realitäten wandeln. Honorare werden noch knapper kalkuliert werden, inhaltliche Relevanz wird lange noch an der Krise bemessen werden, was aber auch dazu führen kann, dass mehr Tiefe, Bedeutung und Emotionalität die Oberhand gewinnen könnten.
Stilistisch wird es immer schwieriger sein nicht vom Bildertsunami aus Instagram und der extrem hohen Taktung weggespült zu werden. Daher glaube ich, dass die persönliche Handschrift immer wichtiger sein wird und nicht der Versuch einem Trend zu folgen, der morgen schon wieder von vorgestern gewesen sein wird.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeit, die da kommen wird?
Fotografie und deren Rezeption werden immer selbstverständlicher, breiter, beliebiger und die Kommunikation mit ihr scheint schon fast zu einer neuen, globalen Sprache geworden zu sein.
Ich wünsche mir, dass in dieser neuen Umgangssprache, diesem visuellen Esperanto die Poesie und Literatur sich stets weiter entwickelt und Anerkennung behält.

Aus der Serie »Waldheime«.

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*Das Foto von Enno hat Ulrike Frömel gemacht.

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#FacesOfPhotography – Teil 111: Uta Gleiser aus Hamburg

Uta Gleiser nutzt(e) die Zeit – in der sie leider deutlich weniger Aufträge hat(te) – um an ganz verschiedenen freien Projekten zu arbeiten. Darunter ein Magazin, eine eigenes Archiv und noch so einiges mehr – mehr dazu bei den #FacesOfPhotography:

Uta, was tut sich in Zeiten der Krise in der Food-Fotografie?
Die momentane Zeit ist für alle nicht ganz so einfach. Freischaffende haben noch weniger vermeintliche Sicherheit als vorher, aber so langsam fangen Produktionen im Bereich Food wieder an. Einige Magazine mussten zwangsläufig erst einmal runterfahren und produzierten im eigenen Unternehmen. Firmen versuchen derzeit mit ihren Budgets zu haushalten, die sie normalerweise für neue Aufnahmen investiert hätten. Da fallen leider Aufträge erst einmal weg oder werden auf das nächste Jahr verschoben. Da das Leben aber nicht aufhört, bin ich voller Zuversicht, dass es stetig wieder bergauf gehen wird. Zusätzlich habe ich das große Glück in einem großen Mietstudio Untermieterin zu sein. Dort gibt es viel Platz und Licht für Aufträge mit Abstand und viel Raum für Kreativität.
Food ist nach wie vor sehr gefragt, Essen ist Genuss, daher wird dies wohl auch immer ein Markt sein.

Wie sieht Dein Alltag derzeit aus, an welchen Projekten arbeitest Du?
Mein Alltag ist gerade eine bunte Mischung, die ich ehrlicherweise gar nicht so schlecht finde. Es gibt ein paar Aufträge für Magazine, die sehr viel Laune machen. Außerdem arbeite ich für einen kleinen Verlag in Hamburg, für den ich häufiger im Umland unterwegs bin. Das ist eine sehr schöne Abwechslung und zeigt mir immer wieder, was es alles Tolles vor der eigenen Haustür gibt.
Eigene Projekte gibt es auch ein paar, schließlich ist jetzt die Zeit um sich mit seiner Kreativität etwas auszutoben und einfach mal zu machen, was man möchte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit einem befreundeten Paar, einem Foodstylisten und einer Stylistin, arbeite ich freien Arbeiten. Zuletzt haben wir eine Serie über Sauerteig-Brot fertig gestellt. Wie toll wenn man als Team gut zusammen passt und alle sich nach Lust und Laune einbringen können.
Mit einer befreundeten Fotografin aus Koblenz arbeite ich seit ein paar Monaten an einer Seite, auf der wir freie Aufnahmen und Projekte von uns anbieten werden. Eine Art Bilddatenbank, bei der es Einzelfotos und ganze Serien aus dem Bereich Food, Interior und Travel geben wird. Alles sehr zeitaufwändig, aber wir haben beide genügend freie Strecken aus den Bereichen Food, Travel und Interior, die derzeit ungenutzt auf unseren Festplatten liegen.
Zuguterletzt habe ich seit einiger Zeit den Wunsch, ein eigenes Independent-Magazin im Bereich Kulinarik um zusetzten. Es soll um Culinary-Stories im weitesten Sinne gehen und auf englisch erscheinen. Dazu gehören Produzenten und Restaurants genau so wie Keramikerinnen und jemand, der Tischwäsche aus Leinen herstellt. Eben alles, was bei einem schmackhaften Abend auf dem Tisch steht.
Dies ist allerdings ein Projekt, das ich nicht alleine umsetzen kann und möchte. Über die letzten Jahre habe ich so viele tolle Kolleginnen und Kollegen via Instagram kennen gelernt und würde mich für ein solches Magazin freuen, wenn dort einige von ihnen ihre Arbeiten präsentieren – uasi ein Netzwerk an »Gleichgesinnten«, die ihre Geschichten zeigen.
Um erst einmal einen Anfang zu schaffen, arbeite ich gerade an der Webpräsenz von »One Slice of Onion«, die in Form eines Online-Magazines erscheinen wird. Dies soll dann der Vorreiter für eine Print-Version werden.

Wird sich in dem Bereich etwas – stilistisch, wirtschaftlich, inhaltlich – mit der Krise ändern oder hat sich schon geändert?
Ob sich wirtschaftlich etwas ändern wird? Ich denke, dass dies nicht die richtige Frage ist, es wird eher darum gehen, in welchem Umfang sich etwas ändern wird. Da es die Gastronomie während dieser Krise sehr hart getroffen hat und auch weiter trifft – und damit sicher auch Unternehmen, die diese beliefern – wird wirtschaftlich noch einiges wegbrechen.
Stilistisch ändert sich ja immer wieder etwas in der Fotografie, ebenso im Bereich Food. Gerade sind eher knallige Fotos mit harten Licht und bunten Farben gefragt. Es gibt vieles was ich in der Fotografie spannend und toll finde. Wenn manches allerdings zum Trend wird und man die sehr ähnlichen Aufnahmen überall entdeckt, bin ich eher gelangweilt. Da ich ausschließlich mit Tageslicht arbeite und meinen eigenen Blickwinkel habe, bleibe ich gerne bei meinem eigenen Stil, der sich durch persönliche Entwicklung immer weiter verändert. Wer weiß… vielleicht werden meine Aufnahmen irgendwann auch bunt und schrill?
Inhaltlich wird sich bestimmt einiges ändern, auch wenn ich glaube dass es noch ein wenig dauern wird, bis es sichtbar wird. Während der letzten Monate haben viele Menschen mehr Zeit gehabt, sich um andere Dinge zu kümmern und ihre dazu gewonnene »Freizeit« sinnvoll genutzt. Es wurde mehr gebacken, gekocht und sogar selber angebaut. Das Bewusstsein für Lebensmittel und für das, was wir auf dem Teller haben, hat sich dadurch sicherlich ein wenig geändert. Dies wird dann hoffentlich auch inhaltlich zeigen.

Was ist Deine fotografische Hoffnung / Dein fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Meine fotografische Hoffnung ist, dass es im Bereich der Food-Fotografie noch mehr Geschichten gibt, die etwas tiefer gehen. In den einschlägigen Magazinen geht es meist um die Köche und Rezeptfotos. Was leider oftmals hinten runter fällt, sind die Produzenten und die Produkte. Um eine Geschichte rund zu machen, würde ich mich freuen wenn diese mit ins Boot geholt werden. Für mich persönlich bekommen Themen wie Saisonalität und Regionalität eine immer größere Gewichtung. Viele Menschen haben scheinbar den Bezug zu dem, was sie essen, verloren und wissen nicht wo es herkommt, wie es wächst, geschweige denn, wie lange es benötigt, um reif oder fertig zu sein. Ich liebe das Prinzip »Farm to Table«. Nicht nur, dass ich diese Themen fotografisch als sehr dankbar finde, sondern auch weil ich sie spannend finde und jedes mal etwas dazu lerne.
Mehr Food-Reportagen zu fotografieren, wäre mein ganz eigener fotografischer Wunsch. Dies verbindet nicht nur meine Leidenschaft fürs reisen, sondern auch die Food-Fotografie mit Landschaftsaufnahmen, Menschen, Architektur und Interior. Eine Mischung, für die ich brenne und von der ich nicht genug bekommen kann. Ich liebe Reportagen, da man nie genau weiß, wie es vor Ort aussehen wird und wie man mit den Menschen vor der Kamera zurecht kommt. Man muss mit dem arbeiten, was vor Ort ist und macht das Ganze für mich spannend. Im Vergleich zu Werbekunden und Unternehmen sind diese Jobs recht schlecht bezahlt, allerdings nehme ich soviel von diesen Begegnungen und Erlebnissen mit, dass ich es mir gerne leiste!

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#FacesOfPhotography – Teil 110: Vassilis Triantis aus Amsterdam

Sein Langzeitprojekt in Europa und den USA konnte Vassilis Triantis in diesem Jahr nicht fortsetzen. Anstattdessen hat er den Lockdown und die Zeit danach intensiv für neue Ideen, neue Strecken genutzt. Mehr dazu hat der den #FacesOfPhotography erzählt:

Vassilis, how are you doing?
I am well considering the circumstances. Trying to keep optimistic that soon we will be able to regain the good aspects of our pre-COVID era and live along with the learnings that came with it.

What have the past weeks and months meant for you photographically?
Some things had to stop or come to a pause. I am shooting a long term ongoing project in the USA and Europe and this year I was not able to continue with all the travel bans imposed. However, that gave me time to research more on the project and re-shape some ideas but also come up with new ones of what to photograph and how. At the same time, I am participating in the FUTURES platform and the annual physical meeting and ensuing exhibition in Amsterdam was cancelled. The program of the platform moved online and was organised very well, still I missed the physical interaction with the rest of the artists and the organisers that would bring so much more in terms of informal discussions and creativity.
We were lucky enough to have the technological means to stil connect and communicate but there are certain limits to the virtual that cannot be compensated.
On the other hand, due to the pandemic and all that was happening around, I found lots of inspiration to start a new project called »1 1/2 Life«. So photography never stopped, just the way I dealt with it changed.



Did you work on a topic during the lockdown? And since then?

Indeed, the socio-political and emotional turmoil of the pandemic brought many ideas forth especially in the beginning, where the situation hit us like a cannonball. First thing I did was to grab my camera and start photographing randomly in order to keep myself and my mind off the gloomy atmosphere that settled by the media and the isolation. Slowly, ideas were translated into images and I started photographing more constructively and more targeted. I refused to document empty streets, or burdened hospitals in Amsterdam as I felt that such scenes are experienced by everyone and I did not want to appropriate or direct other people’s experiences. It would be redundant as well. I wanted to form more of a photographical essay related to what is the pandemic, how it came upon as, what led to the burden of the health care system globally, what is the impact on a social level and how we are going to walk out of it.
Therefore I started photographing the project “1 1/2 Life” which is a combination of text and images depicting my research and personal ideas on the above topics. Having a scientific background, I tried to familiarise the viewer through photography with scientific aspects of the pandemic, but also ideas on what is happening to public and private space, the consequences on social discussion and the abolishment of urban as a political and social platform but also the opportunities we gained into resetting our way and pace of life. The whole project was shot during the first wave of lockdown here in Amsterdam.
But as I mentioned before as well, being more at home and having more time to myself, many ideas came along about current and new projects. Some of these ideas already started taking shape. On the other hand, I am also planning some exhibitions for next year as well as looking into possibilities in publishing my first photo books with two projects that I completed in 2020.



Are the experiences of the pandemic decisive for your photography and photography in general?

I think the way we deal with Art in general will change. Until the time we will be able to regain physical contact, our interaction remains online and that has a big impact on what, how and why we photograph. Beyond that, experiencing photography and discussions around photography have moved also a lot to digital platforms. That has put constraints on the tangible character of photography. Viewing exhibitions, creating new bodies of work had to be reshaped. I think the learnings from this whole situation will not allow us to move back to what we had before. Which is not necessarily a bad thing altogether. Since many festivals moved online, we had the opportunity to view more than before. Portfolio reviews and discussions became more accessible online. I think many of those aspects are here to stay and can give a new boost to artists, curators and audiences altogether. We were forced to find new creative ways to expand and we should use those. However, all this should be in balance and should augment the physical experience of photographing and enjoying photography and not replace it.

For the time that will come: What is your photographic wish?

As I just said, I hope to learn from the hardship the pandemic brought upon and to use it to expand our horizons but not replace the actual and the physical. I would like to see more people being exposed to photography, and having more photographic voices coming up and democratising the medium, but also cherish the absence of visiting exhibitions, festivals an talking with each other face to face.
Personally speaking, I am investing more right now in producing photo books for the two projects I finished but also planning exhibitions for 2021. I cannot wait of course to go back to the USA and continue on the project I started there, but let’s see how the pandemic will progress and how we adapt to that as well. We have to take one step at a time.

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Futures-Portfolio von Vassilis Triantis

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#FacesOfPhotography – Teil 109: Christian Klant aus Berlin

Als der Lockdown begann, wurde Christian Klant über Nacht zum ausschließlichen Vater und Hausmann. Danach folgte ein Sommer der Reisen und Workshops. Darüber und noch über vieles mehr haben die #FacesOfPhotography mit ihm gesprochen:

Was bedeutet Dir die Fotografie?
Oh, die Fotografie. Die bedeutet mir eine ganze Menge. Sie ist mein Beruf, meine Leidenschaft und mein künstlerisches Medium zugleich. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert davon, wie vielfältig die Fotografie sein kann und dass es selbst nach vielen Intensiven Jahren doch immer wieder Neues zu entdecken und zu lernen gibt. Wunderbar ist es auch, sich mit Menschen auszutauschen, die die gleiche Leidenschaft teilen.

Was hast Du fotografisch in den letzten Wochen und Monaten erlebt?
Es war eine rasante Achterbahnfahrt. Bei mir sind fast schon traditionell die ersten zwei Monate des Jahres sehr ruhig. Diese Zeit nutze ich dazu Ruhe zu tanken, Neues auszuprobieren, freie Projekte zu entwickeln oder auch einmal etwas zu machen, was weniger mit Fotografie zu tun hat.
Ab März geht es dann wieder los. Und das ging es dann auch. Schlagartig und unerwartet in vielerlei Hinsicht. Ich habe die Wolke kommen sehen, mit Regen gerechnet. Aber das Gewitter, das dann kam war anders, als gedacht.
Alle – und ich meine wirklich alle – meiner Brot-und-Butter-Jobs wurden abgesagt. Mit der Schließung der Kitas bin ich fast über Nacht zum Hausmann geworden. Zuerst habe ich versucht, morgens ab 4:00 Uhr und abends ab 22:00 Uhr an einem Plan B zu arbeiten. Nach einer Woche habe ich realisiert, dass das weder gesund noch zielführend ist. Glücklicherweise konnte meine Frau – sie ist Osteopathin – ihre Praxis weiter geöffnet halten und fast normal weiterarbeiten. Ich habe mich dann damit arrangiert, bis auf weiteres alle fotografischen und beruflichen Ambitionen ruhen zu lassen.
Das war eine gute Entscheidung und im Nachhinein waren die Monate, die ich so eng mit unserer Tochter verbringen konnte, ein Geschenk und hat uns beiden viel gegeben.
Hin und wieder habe ich mir dann einen Tag „frei genommen“ und bin in der Dunkelkammer verschwunden oder habe einen Tag mit meiner Plattenkamera im Wald verbracht. Das hatte einen wahrhaft therapeutischen Wert für mich.
Im Juli war ich dann vier Wochen auf Tour. Für ein freies Projekt in Slowenien, Klettern in Österreich, Workshop und freie Arbeit in Frankreich. Es war eine wahre Befreiung wieder reisen zu können.

»Mein persönliches „Corona-Bild“. Ich habe es gemacht, als ich das erste Mal alleine im Lockdown im Wald verschwunden bin. Es spiegelt für mich das Fragile in unserer Gesellschaft wider, das sich gerade mit und durch Corona gezeigt hat und immer noch zeigt.«

Woran arbeitest Du aktuell – frei und als Job?
Auch, wenn der ein oder andere normale Job wieder stattgefunden hat, hat der Lockdown und seine Nachwirkungen einen Prozess beschleunigt, den ich in den letzten Jahren selbst angestoßen habe: Es ging immer mehr hin zur analogen Fotografie und immer weniger um digitale Arbeiten. Letzteres nutze ich inzwischen nur noch für Reportagen oder das ein oder andere Portrait.
Meine Leidenschaft mit großen Plattenkameras und dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren freie Arbeiten zu realisieren, hat einen großen Einfluss auf die Art meiner Aufträge mitgebracht.
Man sagt mir nach, dass ich mir einen Expertenstatus erarbeitet habe. Es gab viele Anfragen für Workshops. So viel wie in diesem Jahr habe ich noch nie unterrichtet. Workshops in Frankreich, der Schweiz und Deutschland haben unerwartet durch Corona entstandene Lücken gefüllt. Weitere in den Niederlanden und England sind geplant. Letzte Woche habe ich einen Vortrag für die Royal Photographic Society gehalten, mehrere Artikel über meine Arbeit sind erschienen und ich habe die Eröffnungsrede für eine Ausstellung gehalten. Mit Kollegen vom BFF planen wir einen Podcast rund um das Thema freie und künstlerische Fotografie.
Langweilig ist anders.
Das größte Projekt, welches mich aktuell beschäftigt ist ein Forschungsauftrag vom Rijksmuseum in Amsterdam. Ich habe die Ehre herauszufinden wie Gustave Le Gray (einer der bekanntesten Fotografen aus den Anfängen der Fotografie) gearbeitet hat. Hier kann ich meine Erfahrung in wissenschaftlicher Arbeitsweise und meine Expertise hin historischen Verfahren verbinden. Dieses Projekt wird mich bis zum Ende des Jahres beschäftigen.

Wie schätzt Du die analoge Fotografie auch im Kontext der Krise für die Zukunft ein?
Ich bin der Meinung, dass in erster Linie die Qualität einer fotografischen Arbeit entscheidend ist. Die Technik selbst ist sekundär.
Wenn die Technik – ob analog oder digital – aber beginnt eine Verbindung mit dem Bildinhalt, mit der Vision des Fotografen einzugehen, dann gewinnt sie an Bedeutung. In der klassischen Auftragsfotografie werden analoge Techniken nur eine Nischenrolle spielen. Wer diese Nische jedoch findet und proaktiv bespielt, der kann auch dort erfolgreich sein. Das ist gerade mein Hobby.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die kommenden Monate und Jahre?
Für Galerien und internationale Messen wünsche ich mir, dass sie eine gesunde Balance zwischen physischen Events und der klugen und innovativen Nutzung digitaler Möglichkeiten finden. Für mich persönlich wünsche ich mir, ein Teil davon zu sein.
In der kommerziellen Fotografie wünsche ich mir, Projekte mit Menschen zu realisieren die den Mut haben, die eingetretene Pfade zu verlassen, gemeinsam mit Qualität zu überraschen und zu Punkten.

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