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#FacesOfPhotography – Teil 133: Giulia Marthaler aus Zürich

Giulia Marthaler hat ein Kochbuch realisiert und hat dank der Entschleunigung ihren fotografischen Blick wieder geschärft. Darüber und über mehr hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Giulia, wie geht es Dir?
Knapp ein Jahr nach dem kompletten Lockdown fühle ich mich heute wieder frisch, voller Tatendrang und Zuversicht. Doch diese unbestimmte Zeit lange Flaute ist eine Herausforderung und unterscheidet sich stark von den gewohnten Wellen.

Wie ist aktuell die Lage in der Schweiz?
Wir sind mitten in der zweiten Welle im Shutdown und es herrscht eine Art verhaltene Stimmung des Abwartens. Die Leute sind »coronamüde«, wie wohl überall auf der Welt auch.

SK 2017/02 Apfel&Zimt

Welche Auswirkungen der Pandemie hast Du beruflich gespürt?
Nach Anordnung des Lockdowns im Frühling 2020 flatterte eine Jobabsage nach der anderen rein. Projekte, die bereits ins Detail geplant waren, wurden gecancelt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Das war eine unangenehme Erfahrung: Termine aus dem Kalender zu löschen, empfand ich als sehr deprimierend. Andererseits blieb mir nichts anderes übrig, als anzunehmen, was ist und das Beste daraus zu machen.

Hattest Du Zeit und Muße an freien Themen zu arbeiten?
Ich nutzte die Gelegenheit, mich der Überarbeitung meiner Website zu widmen. Dank der allgemeinen Ruhe konnte ich relativ störungsfrei und fokussiert an dem seit Jahren vor mir hergeschobenen Task arbeiten. Ausserdem startete ich schon vor dem Lockdown ein freies Kochbuchprojekt, welches wir nach der ersten Schockstarre weiterführten. Ich schätze es sehr, während dieser außerordentlichen Zeit ein Projekt am Laufen zu haben, das mir Sinn und Energie gibt.
Ich genoss es zudem, wieder mehr Zeit fürs Kochen zu haben oder um all die spannenden Websites anzuschauen, die ich mir »für später« gespeichert hatte…

Hat sich Deine Fotografie generell mit der Pandemie verändert?
Inhaltlich nicht. Jedoch ist meine ursprüngliche Sensibilität für die alltäglichen Details wieder erwacht. Insofern hat die auftragsfreie Zeit ihr Gutes, als dass ich meinen fotografischen Blick wieder schärfen konnte, um achtsam und bewusst meine Umgebung wahrzunehmen.

Siehst Du langfristige Auswirkungen auf die Branche?
Die langfristigen Auswirkungen in der Kreativbranche schreibe ich eher der Digitalisierung als der Pandemie zu. Zu nennen wären da Inhouseproductions, die gesunkene Wertschätzung für Bilder, Zufriedenheit der Endkunden mit mässig qualitativer Arbeit…
Womöglich erfährt die Branche langsam eine Abflachung dieser Welle. Trotz oder gerade wegen der massiven Bilderflut, gibt es das Bewusstsein, dass authentische Bilder zentral sind für Kommunikation und Verkauf.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, weiterhin mit inspirierenden Menschen gemeinsame Projekte und Ideen zu verwirklichen und mich dabei von Freude und Neugierde leiten zu lassen.

Website von Giulia Marthaler
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#FacesOfPhotography – Teil 132: Andreas Krufczik aus Berlin

Andreas Krufczik hat die Zeit genutzt, um einen Dokumentarfilm zu realisieren. Darüber hinaus ist er froh, weiter fotografisch arbeiten zu können. Was ihm außerdem durch den Kopf geht, daüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Andreas, wie geht es Dir?
Mir geht es sehr gut. Natürlich fehlt auch mir mehr und mehr der persönliche, soziale Umgang.
Ich würde sehr gerne auch mal wieder ausgiebig durch eine Fotoausstellung flanieren. Auch wenn ich es toll finde, das Museen und Einrichtungen digitale Ausstellungen anbieten. Ein Foto und erst recht eine ganze Ausstellung will aber an der Wand betrachtet werden. Das wird sich ja hoffentlich bald ändern.

Was macht der Job in diesen Zeiten?
Im ersten Lockdown sind von jetzt auf gleich erst einmal alle Jobs gecancelt worden. Das war natürlich nicht so schön. Es gab mir aber die Zeit mich um Liegengebliebenes zu kümmern. Aber irgendwann war mein Archiv aufgeräumt, die Webseite aktuell, meine Software auf dem neusten Stand und das Equipment gepflegt. Dann wurde es schnell öde.
Glücklicherweise war da aber noch das eine Projekt, das ich schon eine Weile mit mir rumtrug. Ich fotografiere schon seit einiger Zeit an einem freien Projekt im Spreewald. Bei einem meiner Streifzüge durch diese schöne Landschaft, lernte ich den letzten Kahnbaumeister kennen. Er baut die Kähne, noch auf die traditionelle Art, ganz aus Holz. So richtig, mit Holzplanken über Feuer biegen undsoweiter. Es ist sehr faszinierend, ihm beim Arbeiten zuzusehen. Jeder Handgriff sitzt. Alles läuft so routiniert ab und mit einer Leichtigkeit, daß man fast denken möchte, jeder könne so einen Kahn bauen.
Ich überlegte lange, wie ich diese Virtuosität, das Handwerk, die Kultur aber auch die Landschaft in Bilder übersetzten kann. Ich entschied mich schlussendlich gegen die Fotografie und für einen Film. Also einen Dokumentarfilm. Die Grenzen im Genre »Dokumentarfilm« sind ja erfreulich weit gesteckt. Mit diesem Projekt möchte ich gerne auch sehr weit gehen. Vielleicht eine Art moderne Heimatdoku. Wenig Pathos, viel Raum für das Publikum diese Einheit aus Kultur, Handwerk und Landschaft zu erfahren.
Ich tat mich mit einem befreundetem Kameramann zusammen, wir bemühten uns um ein Sponsoring für ordentliche Kameratechnik und arbeiten seitdem daran.
Das ist sehr aufregend und auch fordernd. Ich habe dokumentarische Fotografie studiert. So kenne ich das intensive und langfristige Arbeiten an einem Projekt schon. Die Erzählweise beim Filmen ist aber schon gänzlich eine Andere als beim Fotografieren. Mal ganz abgesehen von der Technik! Die ist auch kaum mit der Technik in der Fotografie zu vergleichen. Seitdem hat die Ödnis ihr Ende gefunden – ein Glück!
Seit Juli und August ging es dann auch wieder mit den Jobs los. Das ist zwar alles auf einem niedrigerem Niveau als vorher aber das passt schon.

Was ist die Fotografie für Dich?
Nun ja, ich könnte hier ganz pathetisch schreiben, es sei mein Lebenselixier, Leidenschaft undsoweiter. Tatsächlich brauche ich diese immer wiederkehrende Herausforderung zu erkennen, was ich vor meiner Linse habe. Dieses Zusammenspiel zwischen dem Objekt, der Persönlichkeit, der Situation, mir und meiner Kamera. Zu sehen wie sich ein Bild entwickelt und wie sich Bild für Bild zu einer Serie zusammenfügt. Das ist schon toll!
Und es macht mir halt auch riesig Freude zu sehen wie sich meine Fotografie insgesamt immer weiter entwickelt. Ich denke es ist diese Spannung die ich brauche.

Wird sich die Fotografie im Zuge der Pandemie verändern?
Irgendwie läuft es ja trotz der Pandemie. Es fühlt sich zur Zeit nur ein wenig so an, als wolle man im  ersten Gang 50km/h fahren.
Alles in allem geht es uns weitaus besser als vielen anderen in ihren Branchen. Ich bin sehr froh das ich arbeiten kann! Ich glaube aber kaum, daß sich die Branche wesentlich verändern wird. Vielleicht hat sich der Trend, hin zu Social Media seit der Pandemie noch mehr verfestigt. Ich will aber keine allzu überzeugte Aussagen wagen.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Viel und vor allem schönes Licht. Dort wo ich es brauche und so wie ich es brauche.

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#FacesOfPhotography – Teil 131: Leoni Marie Hübner aus Hamburg

Leoni Marie Hübner ist Berufseinsteigerin und ein Intensitäts-Junkie. Wie sie es in Pandemie-Zeiten schafft, trotz aller Beschränkungen ebenjene Intensität in ihrer Arbeit zu erreichen, darüber – und über noch mehr – hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Marie, wie geht es Dir?
Insgesamt gut, würde ich sagen. Eigentlich wie immer – es gibt Tage oder Wochen, die mir schwerer vorkommen als andere, aber all in all geht es mir wirklich gut!
Ich habe ein tolles Zuhause (eine sehr familiäre WG), einen tollen Freundeskreis, der auch mit pandemiekonformer Kommunikation Halt gibt, und bis jetzt hatte ich auch keine ernsthafte finanzielle Not.

Kosakenkaffee im Lockdown, Hamburg, März 2020

Was ist die Fotografie für Dich?
Für mich persönlich bedeutet Fotografie die Ermöglichung von Begegnung. Natürlich fasziniert mich Fotografie auch intellektuell noch auf vielen anderen Ebenen. Aber wenn es darum geht, weshalb ich es mache, was Fotografie mir bedeutet, dann ist es das Fotografieren selbst. Wenn es passiert, dass mein Gegenüber und ich uns aufeinander einlassen können und wir eine Form wortloser Kommunikation finden. Das ist eine Intimität und Intensität, die ich auch aus Musik und Tanz kenne, die mich schon immer angezogen hat. Ich bin ein kleiner Intensitäts-Junkie.

Robin, Hamburg, Mai 2018

Was waren und sind die Auswirkungen der Pandemie auf Deine Fotografie?
Da ich meist (noch) in einem sehr kleinen, persönlichen Rahmen arbeite, waren die Auswirkungen bisher bei Jobs und freien Projekten eher organisatorischer Art. Wir mussten alle noch flexibler sein als sonst, da es immer passieren kann, dass jemand spontan ausfällt oder das ganze Projekt verschoben wird, weil sich die Regelungen geändert haben. Oder die Quarantäne-Zeiten nach Rückkehr aus dem Ausland müssen eingeplant werden.
In der praktischen Umsetzung habe ich aber auch versucht darauf zu achten, dass alle sich wohlfühlen. Zum Beispiel habe ich ein Gitarrenquartett fotografiert und gefilmt – da haben wir schon geschaut, ob es nicht eine künstlerische Lösung gibt, bei der nicht alle vier Musiker*innen zu lange gleichzeitig anwesend sein müssen. Oder anstatt einen Filmemacher im Studio zu fotografieren, sind wir seine liebsten Filmsets und Locations in Hamburg abgelaufen und haben dort, draußen, Porträts gemacht. Es gibt immer eine Lösung und oft fand ich es sehr befruchtend, mal etwas anders machen zu müssen.
Das erste Jahr war also auch irgendwie auf- und anregend. Ich fotografiere aber vor allem Kunstschaffende, die jetzt nochmal Geld in die Hand genommen haben, um über visuelle Konzepte präsent zu bleiben, wenn sie schon nicht auf die Bühne können. Wer weiß wie lange das so geht.

links: Filmemacher Lennard Eberlein, Hamburg, April 2020 | rechts: gitarrenquartett2020, Hamburg, Juli 2020

Hattest Du Zeit und Muße für freie Arbeiten?
Auf jeden Fall. In den Winter-Lockdowns könnte ich sie am besten gebrauchen, aber ausgerechnet in diesen Zeiten gestaltet sich das natürlich besonders schwierig. Letzten Sommer, als alle wieder losgelegt haben, habe ich kein Projekt abgelehnt, habe die Monate kaum einen Tag frei gemacht, einfach weil es so guttat und auch bei allen die Ideen übersprudelten. Das war eine tolle Zeit!

Pro Bono Projekt für Vagabunt Hamburg, Juli, 2020

Was denkst Du: Wird sich die Branche unter dem Eindruck der Pandemie langfristig verändern?
Mein Eindruck ist, dass es davon abhängt, wie lange die Pandemie am Ende angehalten hat. Wäre sie morgen vorbei, würde sich sicherlich ganz schnell alles wieder zum Alten wenden. Wenn sie noch 2-3 Jahre bleibt, wird das sicherlich etwas mit den Menschen und ergo mit der Branche machen. Es werden nur noch wenige sich halten können, denke ich.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeit, die kommen wird?
Ich bin Berufseinsteigerin – ich wünsche mir, dass ich trotz Pandemie Fuß fasse und weiter mit Fotografie meinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Instagram-Feed von Leonie Marie Hübner

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#FacesOfPhotography – Teil 130: Ruslan Asanov aus Plóvdiv

Neben seinem Job als Fotograf organisiert Ruslan Asanov Fotoreisen – die Pandemie hat ihn beruflich schwer getroffen. Darüber und über das, was die Pandemie für die Fotobranche in Bulgarien und allgemein bedeutet, hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Ruslan, how are you
I’m great, while still breathing.

What is the current situation in Bulgaria?
We have the lightest lockdown version here in Bulgaria among all European countries, so it is quite OK, considering, that it is still pandemic. It’s possible to travel all-around the country without any restrictions and our daily personal duties are almost the same as before-the-COVID era. Some business branches are heavily affected, because Bulgarian economy has quite a big dependence on tourism and hospitality sphere.

How do you live through the pandemic photographically and job-wise?
I run tourist company, aiming photography trips to Europe and Asia, and the biggest problem for me is the lack of travel abroad with impossibility to invite other photographers from abroad to Bulgaria. Whole 2020 was lost as a business opportunity and all trips since March, 2020 so far are cancelled. Fortunately, I have some other business projects out of the tourism sphere, that help me to withstand this situation, but many companies are just bankrupting, because it is hard to get through the lockdown within our weak Bulgarian economy.

Are you working on free topics?
Being carried away by the landscape photography, I was always spending most of my photography time on free topics, enjoying the nature and looking for the new interesting places or catching different light at the locations, that I’ve been shooting many times. Passioned in the landscape photography are practically always on free topics.

Will the pandemic experience change photography and the photographic business?
Any experience, that happens in our history, always more or less changes things in our life. This recent pandemic will definitely change the photography. We can already see the new wave of online photography instruments and acceptance of this idea by the commercial photographers, who started making income this way.

What is your photographic wish for in the future?
We are »social animals« and It would be great for me to travel again, without any restrictions, gaining new social experience meeting new people in new photography locations all over the world.

Website von Ruslan Asanov
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#FacesOfPhotography – Teil 129: Ralf Gellert aus Hamburg

Ralf Gellert realisiert trotz des Lockdowns eine große Produktion und wünscht sich eine Auseinandersetzung mit Fotografie und nicht mit »Likes«. Darüber und noch über einzwei Themen mehr hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Ralf, wie geht es Dir?
Mir geht es soweit ganz gut. Obwohl… ich denke gerade darüber nach, mir selber die Haare zu schneiden. Mal schauen, wie es mir danach geht…

Was macht der Job aktuell?
Aktuell habe ich gerade das Glück, dass eine schöne Produktion trotz Lockdowns stattfindet. Da stecke ich gerade in den Vorbereitungen.

Wie waren jobmäßig die letzten Monate?
Auftragsmäßig wurden leider einige Jobs kurzfristig abgesagt. Dadurch entsteht aber auch viel Freiraum, mich mit meiner Fotografie auseinanderzusetzen, neue Wege zu gehen, Konzepte zu entwickeln und liegengebliebene Ideen umzusetzen.

Was ist die Fotografie für Dich?
Für mich bedeutet Fotografie in erster Linien einen authentischen Moment zu beobachten, zu finden und diesen in stiller Form zu dokumentieren.



Was macht die Pandemie mit der Fotografie generell?

Wirtschaftlich gesehen stellt sich die Pandemie sicherlich als weitere große Herausforderung für jeden einzelnen Fotografen / Fotografin dar. Andererseits bietet sie aber auch die Chance der Selbstreflexion und Auslotung neuer kreative Wege.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch?

Das es weiterhin eine leidenschaftliche und nachhaltige Auseinandersetzung mit der Fotografie gibt und nicht mit »Likes«!

Website von Ralf Gellert
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#FacesOfPhotography – Teil 128: Anne Ackermann aus Speyer

Was sich für Anne Ackermann fotografisch im Zuge der Pandemie verändert hat und an welchen zwei Buchprojekten sie derzeit arbeitet, darüber hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Anne,wie geht es dir?
Danke, es geht mir gut. Ich vermisse definitiv das Reisen, halte mich aber mit einigen spannenden Projekte beschäftigt und bin bisher zum Glück gut und vor allem gesund durch die Zeit gekommen.

Woran arbeitest Du aktuell?
Gerade habe ich den Dummy zu meinem ersten Buch fertig gestellt, das hoffentlich im Herbst erscheint. Es heißt »This life is a mix of poison and honey« und beschäftigt sich mit der idealen Rolle der Frau in Albanien. Außerdem arbeite ich immer noch an einem sehr persönlichen Projekt, »The most beautiful memory. Recollecting my father«.
Dazu kommen (zum Glück wieder mehr) Aufträge in Deutschland und zaghafte Reiseplanungen.

Stillleben aus The most beautiful memory. Recollecting my father.

Was haben die letzten Monate beruflich und fotografisch für dich bereit gehalten?
Durch das Wegfallen von Reisen und Aufträgen hatte ich mehr Zeit, mich um freie Projekte zu kümmern, für die ich wohl sonst keine Muse gehabt hätte. So konnte ich dank Stipendien an besagten zwei Buchprojekten frei arbeiten. Meine Zeit im Lockdown habe ich außerdem als Teil des Kollektivs »The Journal Collective« bei Instagram dokumentiert.
Ich habe mich generell Themen geöffnet, die geographisch und emotional näher an mir dran liegen. Das war auf jeden Fall eine gute Strategie und hat mich verändert.
Man muss sich an die Lage anpassen und kreativ damit umgehen, alles andere bringt nichts.

Was kann Fotografie?
Fotografie ist für mich immer eine Sprache und meine Art, die Welt besser zu verstehen. Dabei interessiert mich aber nicht nur das einzelne möglichst perfekte Bild, sondern vielmehr die Geschichte, die ich mit den Bildern erzählen kann. Ich nutze Fotografie auch oft als Tool, um über das nachzudenken, was mich beschäftigt. Und auch, um Dinge für mich zu verändern, indem ich mich etwa frage, wie man Begebenheiten, Zustände, Situationen und Menschen noch darstellen und fotografieren könnte, neu und anders und trotzdem wahr.

Portrait meiner Mutter in ihrem Pool

Hat und wird die Pandemie die Fotografie verändern?
Ich denke schon, dass es die Fotografie lokaler gemacht hat und Kunden eher überlegen, ob man wirklich einen Fotografen einfliegen lassen muss und die damit verbundenen Risiken in Kauf nimmt. Das ist klimatechnisch und auch generell überhaupt keine schlechte Idee, denn es gibt an vielen Orten sehr gute lokale Fotografen. Was nicht bedeutet, dass ich Reisen nicht vermissen würde…

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, weiterhin produktiv zu bleiben und irgendwann meinen Radius auch wieder etwas erweitern zu dürfen. Ich wünsche mir, dass bald wieder mehr persönliche und unbeschwerte Begegnungen mit Menschen möglich sind, denn diese Nähe zu anderen ist für mich auch ein essentieller Bestandteil von Fotografie und Storytelling, wie ich sie verstehe.

Luis mit Tulpen aus der Serie Small Suns

Website von Anne Ackermann
Instagram-Feed von Anne Ackermann

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#FacesOfPhotography – Teil 127: Rui Camilo aus Wiesbaden

Rui Camilo hat den ersten Pandemie-Stillstand wortwörtlich als solchen für sich genutzt, um dann mit frischen Gedanken Projekte fertig zu bringen, neue Kunden aktiv anzusprechen und mit ein paar Freunden einen eigenen kleinen Verlag zu gründen. Darüber und noch mehr hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Rui, wie geht es Dir ?
Danke, sehr gut. Die Pandemie hat zwar einiges durcheinander gewirbelt, aber Aufs und Abs gab es schon immer und man lernt damit umzugehen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Was haben die vergangenen Wochen und Monate für Dich beruflich bedeutet?
Der erste Lockdown bedeutete tatsächlich Stillstand. Zum Glück wurden die meisten Jobs nur verschoben und nicht abgesagt. Und zum Glück bin ich relativ breit aufgestellt und wenn von einem Kunden nichts mehr kommt, klopft meist ein anderer an. Ich habe aber auch aktiv Kunden kontaktiert und Vorschläge gemacht welche Projekte gerade jetzt in dieser Zeit gut umgesetzt werden könnten. Damit bin ich meistens auf offene Ohren gestoßen.

Hattest Du Zeit und Muße für freie Arbeiten?
Das durch die Pandemie entstandene Vakuum habe ich nicht gleich versucht, mit freien Arbeiten zu füllen, sondern erst einmal inne zu halten. So dramatisch eine Zeit des völligen Stillstands sein kann, so selten und kostbar kann sie auch sein. Aus eigenem Antrieb gönnt man sich so eine Zeit in der Regel nicht. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie und wohin meine fotografische Reise weitergehen soll, habe an neuen Ideen und Themen gearbeitet.
Vor allem habe ich alte Projekte fertig gestellt, wie mein Buchprojekt »32 hours« das ich hoffentlich bald drucken kann, entweder zusammen mit einem Verlag oder im Eigenverlag. Und ich habe mit ein paar Freunden das Online-Projekt »Chromfeld« entwickelt – ein echtes Corona-Baby, das jetzt im Februar offiziell online gehen wird.
Chromfeld wurde nicht als eine Geschäftsidee mit einem explizit merkantilen Ziel geboren, sondern ist aus dem Wunsch entstanden für sich, für andere und für die Fotografie etwas zu machen. Einen Raum und Experimentierfeld für zeitgenössische Positionen in Bild und Text zu bieten. Daher auch das relativ breite Spektrum das von Interviews über Buchrezensionen bis hin zu selbst verlegten Monografien und dem Verkauf von Prints und Editionen geht. Das soll allen Beteiligten die Chance bieten auch in einer Zeit wie wir sie jetzt durchleben noch ein paar Einnahmen aus Bild- und Editionsverkäufen zu generieren. Von jedem Verkauf soll auch ein bestimmter Prozentsatz in einen Topf kommen der am Ende des Jahres durch alle aufgeteilt wird, so das Fotografen die das Pech hatten, nichts oder nur wenig zu verkaufen wenigstens einen kleinen Anteil bekommen. Carsten Riffel und Holger Lindner sind in diesem Projekt meine Partner. Holger hat eine Werbeagentur und kümmert sich mit seinem Team um die Seite und alles Technische, Carsten hat ein Profilabor, das etwa die Prints für die Deutsche Börse Photography Foundation, die Leica Galerie LA, die Darmstädter Tage der Fotografie sowie Künstler wie Thomas Höpker, Elliot Erwitt produziert, macht für uns die Prints und ist mit mir zusammen verantwortlich für die Inhalte.
Langweilig wurde mir also nicht, und ich konnte alles entspannt angehen, was ja meistens nicht möglich ist.

Was ist die Fotografie für Dich?
Da Fotografie mich immer begleitet, fühlt sie sich gar nicht an wie ein Beruf im klassischen Sinne. Vor allem gibt sie mir die Möglichkeit, mich in anderen Welten und Wirklichkeiten zu bewegen und diese zu erfahren. Menschen und ihre Sichtweisen kennenzulernen. Das bedeutet für mein Leben eine unglaubliche Bereicherung. Gleichzeitig wird sie zur künstlerischen Reflexion des Erlebten und bringt mich dazu mich noch tiefer mit dem einen oder anderen Thema zu beschäftigen.

Hat die Pandemie Deine Fotografie verändert?
Nicht unbedingt meine Fotografie, eher meine Arbeitsweise. Ich habe es genossen, Projekte mal ohne Zeitdruck anzugehen und habe mir vorgenommen das in die Nach-Pandemie-Zeit rüberzuretten. Allerdings wird sich zeigen ob nicht etwas Druck am Ende das Salz in der Suppe ist.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft ?
Die Möglichkeit zu haben, mehr eigene Projekte zu verwirklichen und meiner nicht kommerziellen Fotografie viel mehr Raum geben.

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#FacesOfPhotography – Teil 126: Mattia Balsamini aus Venedig

Mattia Balsamini reist für seine Aufträge durch Italien und hat das Jahr der Pandemie für ein Buch genutzt, das demnächst erscheinen wird. Darüber, über die Rolle der Fotografie und darüber, wie er arbeitet, hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Mattia, how are you?
I’m happy to say I’m doing relatively good. Last year I moved from Milan to my hometown near Venice. It is a place very dear to my heart. I did this right before the beginning of this radical crisis and change we are still facing, and I found a more balanced pace between urgency and calmness. I decided a smaller town, for now, suits absolutely the situation. At the moment I travel nationally for work, but I put all the international trips temporarily on hold.

What is the current situation in Italy?
Italy decided to give a »grade”« to all regions – red, orange or yellow. Depending on a set of parameters like hospital performance, quantity of patients and many other factors, a region is allowed to be relatively functional or basic in full lockdown. Traveling is basically allowed only for work or urgent matters. Luckily as a freelance I am often in this situation yet of course I cannot stop thinking about the impact we will be having in the upcoming years.

How do you see the role of photography in these times?
Photography can be a mean of communication as it has always been. It can perform at different levels, from informative, to leisure, from social to eye candy. All of this in the realm of being culturally relevant and educative. For me during last year first lockdown experience it has brought out an introspective side of my interests. I focused on making my interest in forms, colors and atmospheres the subject itself of my photography. This exercise helped making sense of older images in my archive that I kept going back to. Almost a year later a my first book about this process is about to be published. I worked with publishing house Skinnerboox on a »In Search of Appropriate Images” – we are working to make it available around mid March 2021.

What means photography for you personally?
My approach to the photographic medium stems from a contrast between two ways of representing the subjects that attract me. On the one hand, the need to understand what is in front of me, a fascination with the beauty and content usefulness of a didactic representation of things – I believe also dictated by the editorial and commercial context for which I often make commissions. On the other hand, there is the need for abstraction of reality – a sort of inability to accept things as they are, intervening and forcing a gaze that is always painstakingly new for me towards familiar subjects. Sometimes it can happen that these two strands meet fortuitously, producing the images I’m most interested in. Over the past seven years, working on editorial assignments, alongside my personal work, I have decided to partially demystify the situations related to the commercial work I was carrying out, many of which related to experimentation, new technologies, industrial and highly automated processes. I used the photographic medium to break down what I was looking at, working on the aesthetics of functionality, looking for simpler and at the same time magical and mellow concepts, more easily associated with my childhood memories.

What have you personally experienced job-wise in the last weeks and months?
I’ve experienced a rollercoaster of emotion from being still and wanting to be active, then I’ve active while perhaps some of us were forced to be still, then I’ve been pretty work free and worried and then things started to pick up again. Basically it has been the same up and down as usual in this type of career, but with larger excursions. I plan to stay extremely flexible and focused on quality but most importantly on interest.



What is your personal photographic wish for the future?

I want to keep producing work that matters to me – as it is clearly the only ethically sustainable method. And I hope my interest match the needs of commercial and editorial commissioners to keep making this job possibile.

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#FacesOfPhotography – Teil 125: Joerg Schwalfenberg aus Hamburg

Joerg Schwalfenberg befasste sich in den letzten Wochen viel mit dem Thema Film, eine Neukunde bescherte ihm außerdem einen großen Auftrag. Wie es ihm darüber hinaus geht und warum er in der Corporate Fotografie so gut aufgehoben ist, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Joerg, wie geht es Dir?
Grundsätzlich geht es mir gut. Die Pandemie zerrt allerdings schon an allen möglichen Nervenenden. Aber ich versuche mich nicht negativ davon beeinflussen zu lassen, sondern auch die positven Dinge zu sehen, die die Entschleunigung mit sich bringt.

Was sagt die Joblage zu den letzten Wochen und Monaten? Und aktuell?
Mitte März wurde eine größere Produktion dann doch ganz kurzfristig abgesagt. Dann ging es erst mal auf Null runter. Ein paar treue Kunden haben mir dann nach ca. 4-6 Wochen doch den ein oder anderen Job gegeben. So langsam kommen mehr Anfragen wieder rein.
Es geht bergauf. Dankbar bin auch für eine große Produktion mit einem Neukunden. Das hat das Jahr doch halbwegs gut zu Ende gehen lassen.

Woran hast Du in der Zeit gearbeitet?
Ich habe mich weiter mit Video beschäftigt, Die Lernkurve ist steil und es macht viel Spaß. Das passt super in meine Corporate Fotografie und ist eine echte Bereicherung. Zu freien Arbeiten bin nicht wirklich gekommen. Das hatte ich mir schwer vorgenommen, da ich dachte ich hätte jetzt viel Zeit. Der Alltag mit Homeschooling und der Umstellung auf ein viel intensiveres Familienleben hat von der Zeit nicht viel übrig gelassen. Das war aber auch eine sehr positive Erfahrung die ich jetzt auch nicht missen möchte.
Meine Serie »demoltion« setze ich weiter fort. In ihrer ganzen Ästhetik hat sie natürlich viel destruktives, was ganz gut die Zeit jetzt widerspiegelt. Es werden alte Strukturen eleminiert um neue zu schaffen. Das ist für mich wiederum der positve Teil dieser Arbeit.



Was denkst Du, was wird die Zukunft der Fotografie allgemein bringen?

Es wird schwieriger werden sich in der Masse der vielen (auch guten) FotografInnen zu behaupten. Die Technik wird immer perfekter. Die Honorare fallen weiter. Leider wird die Wertschätzung unserer Arbeit immer geringer.
Networking ist der wichtigste Part, um in dem Job zu überleben. Solange ich meine Leidenschaft mit der Fotografie ausleben darf, werden immer neue Perspektiven und Projekte entstehen. Unabhängig von einer allgemeinen Entwicklung.

Was ist Dein persönlicher fotogtrafischer Wunsch für die Zeit, die da kommen wird?
Für mich bedeutet es, weiter auf mehrere Bereiche innerhalb der Fotografie zu setzen, meinen Kunden Konzepte und Ideen zu präsentieren. Ich möchte nicht in eine Schublade passen, sondern in viele. Das bewegte Bild wird für mich deutlich wichtiger werden.
Diese Vielfalt heißt für mich Abwechslung und die Möglichkeit, meinen Kunden Gesamtkonzepte (und einen durchgängigen Stil) anbieten zu können. Deswegen bin ich in der Corporate-Fotografie sehr gut aufgehoben und freue mich auf und an meine/r Arbeit.
Meine Kunden schätzen das an mir. Am meisten würde es mich allerdings freuen, dass Reisen wieder mit der Fotografie verbinden zu können.

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#FacesOfPhotography – Teil 124: Frank Linders aus Hamburg

Für Frank Linders‘ Herz sind freie Arbeiten von immenser Bedeutung, so hat er die vergangenen Wochen und Monate auch dafür genutzt. Ebenfalls hat er als einer von vier Autor*innen an einem Buch über das Thema Selbstportrait gearbeitet. Darüber, warum er CO2-Bepreisungen in der Fotobranche für erstrebenswert hält und was er sich ganz persönlich für seine fotografische Zukunft wünscht, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Frank, wie geht es Dir?
Lieben Dank für die Frage. Mir geht es gut. Ich bin gesund, habe stets glückliche Lebensmittel daheim und kann einfach mein Ding machen. Aber weil wir alle selbstverständlich als Gemeinschaftslebewesen in ständiger Wechselwirkung mit der Gesellschaft sind, ist meine Gesundheit auch zu einem gewissen Grad abhängig von der Gesellschaft, die meines Erachtens eine solche Krise für ihre Rettung dringend benötigte. Die Pandemie, so schlimm und furchtbar dieser Zustand, das menschliche Leid und die wirtschaftlichen Folgen sind, lehrt uns eine Menge. Wir müssen die menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten, die das geistig entleerte Leistungssubjekt der Konsumgesellschaft durch die Digitalität verloren hat, wieder trainieren und nach vorne blicken. Denn die bereits präsente Klimakrise wird alle Krisen, die Menschen auf diesem Planeten bereits durchlitten, in den Schatten stellen. Und ich befürchte, daß dies nur sehr wenigen unter uns wirklich bewußt ist.

Was ist die Fotografie für Dich?
Ich bin mit der Fotografie verheiratet, weil es höhere Wesen befohlen haben. Bevor ich abends das Licht ausschalte, schaue ich meine geliebte Hasselblad 503 CW und die Sinar P2 an, wünsche beiden eine gute Nacht und schlafe sanft mit einem glücklichen Lächeln ein, um mit einem breiten Grinsen wieder zu erwachen.

Hattest Du Zeit und Muße für eine freie Arbeit?

Jaaaaa! Freie Arbeiten sind für das Herz, für mein Herz, von großer Bedeutung und immenser Wichtigkeit! Vor allem habe ich zwei audiovisuelle Werke kreiert und produziert, die ich in zwei verschiedenen BFF-Ausstellungen gegen Ende des Jahres präsentierte. Zunächst fand die Triebwerk 2020 Ausstellung im Rahmen des EMOP als Open-Air-Gallery am Brandenburger Tor statt. Und zwar zeitgleich zum 30sten Tag der Deutschen Einheit! Hierfür wollte ich unbedingt niemand geringeres als Dr. Karamba Diaby portraitieren, der sich als Bundestagsabgeordneter aus Halle/ Saale unter anderem für mehr Zusammenhalt einsetzt. »NEUN FRAGEN AN DR. KARAMBA DIABY« ist ein interessantes Interview zum Thema »Close by – Das Miteinander in 2020«. Das war wahrlich ein absolutes Highlight und eine ganz wunderbare, herzliche Begegnung mit ihm.
Als ein ebenso tolles Erlebnis empfand ich die vier Wochen später in Köln gezeigte BFF-JUMP #09 Show zum Thema »fragil/e«. In »GETESTET« lernt der aus Spanien stammende und in Berlin lebende Künstler Alejandró im Frühjahr 2020 via Onlinedating die junge Wissenschaftlerin Luisa aus Hamburg kennen. Als nach dem Lockdown die ersten Hotels wieder öffnen, verbringen die beiden zusammen sehr viel Zeit im Bett. Im Herbst jedoch wird das erneute Wiedersehen von der Ernsthaftigkeit eines Schwangerschaftstests überschattet, den Luisa soeben gemacht hatte. Während des Gesprächs über unerwartete Zukunftsfragen bemerken sie, mit welch` wichtigen Entscheidungen sie in dieser sehr fragilen, höchst unsicheren Situation plötzlich konfrontiert sind.
Eine weitere Herzensangelegenheit, in das ich sehr viel Zeit und Energie investierte, ist ein im Mai erscheinendes Buch zum Thema Selbstportraits, bei welchem ich einer von vier Autor*innen bin. Ohne zu wissen, warum, habe ich irgendwann in meiner Jugend mit Selbstportraits begonnen und mache das bis heute. Für das Buch habe ich das versucht zu ergründen und mich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Um all das für neugierige Leser*innen spannend und mit Humor schreiben zu können, war der noch anhaltende Lockdown dabei sehr hilfreich für mich.

Hat sich Deine Fotografie – in stilistischen oder wirtschaftlichen Belangen – im Zuge der Pandemie verändert?
Nein, absolut nicht. Die gesellschaftliche Entwicklung, die wir seither beobachten, hat mich sogar bestärkt, meinen Weg der extremen Langzeitbelichtungen gegen alle Widerstände weiterzugehen. Mein Lebensthema war, ist und bleibt das Sein in der Zeit. Damit verbunden sind beispielsweise die veränderte Zeitwahrnehmung des modernen Menschen, der Verlust an Geduld, die Wertigkeit der leisen Dauer, das laute und begrenzende Jetzt. Gerne gebe ich aber zu: Während des ersten Lockdowns im Frühling 2020 habe ich mir durchaus die Frage gestellt, wie meine Fotografien zukünftig gelesen werden könnten. Kein Schiff auf der Elbe. Kein Flieger am Himmel. Kein Leben in den Städten und autofreie Straßen. Doch schnell war klar, daß genau diese Erfahrung der Energielosigkeit das Gegenteil meiner Arbeiten ist. Meine Bilder brauchen gerade die pulsierende Energie aller Existenzen, sie ästhetisieren das Verschwinden und sind dabei voll positiver Lebendigkeit.

Was denkst Du, was bedeutet die Pandemie für die Branche allgemein?
Im allgemeinen betrachtet, bin ich sehr zuversichtlich. Nahezu optimistisch. Das Leben kommt zurück und wird intensiver, hoffentlich auch bewusster und weniger egoistisch gelebt werden. Der gewachsene Zusammenhalt muss verstetigt werden. Werbung und damit Kommunikation für Unternehmen und deren Produkte bleibt selbstverständlich als zentrales Instrument erhalten und entwickelt sich weiter. Weil Intelligenz heute genauso wie früher nicht gleichmäßig verteilt ist, wird es weiterhin viel visuellen Müll geben aber eben auch Raum für Exklusivität und kommunikative Höchstleistungen, die dem Rezipienten wirklich etwas mitzuteilen haben. Tatsächlich langweilen mich die Auswirkungen der Pandemie für die Branche jedoch, weil ich sie nicht nur als etwas temporäres betrachte, sondern auch als etwas, was wir gemeistert haben werden. Bedeutender und von generationsübergreifender Dauer hingegen sind die Konsequenzen, die sich aufgrund der existentiellen Klimaveränderungen ergeben. Auch Film- und Fotoproduktionen müssen auf Zero Emission runter. Der Begriff Kosteneffizienz muss um die Umwelt- und Klimafolgen einer Produktion erweitert werden. Ein KVA sollte ab sofort eine CO2-Bepreisung beinhalten, die sich an der Berechnung des IPCC orientiert. Jeder einzelne Posten einer Medienproduktion muss auf Basis von fairen und ökosozialen Bedingungen kalkuliert und natürlich dann auch so umgesetzt werden. Wenn jeder Mensch eine Verantwortung hat, dann auch jede*r Fotograf*in und jedes Unternehmen.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Ich bin Existentialist und Minimalist. Daher ist mein primärer, fortwährender Wunsch die Unabhängigkeit von allem, was mir bei exzellentem Kaffee nicht gelingt. Bevor ich ein schlechtes Bild mache, mache ich lieber gar keines. Ich wünsche mir, daß ich meine kindlich-naive Neugierde behalte. Ich wünsche mir, daß, egal was passiert, egal, was von außen auf mich einwirkt, ich mir meine brennende Leidenschaft, das innere Feuer, bewahre. Ich wünsche mir Content, der auch wirklich Inhalte transportiert. Ich wünsche mir realitätsnahe medienorientierte Bildung, die die Digitalität einbezieht, ohne zur Deformation des Gehirns beizutragen. Ich wünsche mir ein Ende des rasenden Stillstands und einen bewußteren Umgang mit der Eigenzeit des Anderen. Und ich wünsche mir, daß sich alle, die nicht professionell, fair und ökosozial produzieren, einen anderen Job suchen.

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