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#FacesOfPhotography – Teil 94: Manu Brabo aus Gijòn

Manu Brabo ist Fotojournalist, der seine Geschichten international erzählt. Im Zuge der Pandemie arbeitet er nun ganz ungewohnt für ihn an Themen aus seinem Heimatland. Mehr darüber hat er den #FacesOfPhotography erzählt:

How are you doing?
I’m ok. Trying to figure it out in this new thing we’re living in.

A soldier of the Spanish Army stands within a train station tunnel while resupplying a comrade during a disinfection protocol in Lugones, Asturias, España. March 31, 2020.

What have you experienced photographically in the last weeks and months?
Lately I’ve been through different kind of projects related to COVID. From a more pure photojournalist approach but, and this is kind of new to me, in a more narrative and intimate way by following closely different characters. I’ve been shooting within hospitals, ambulances, geriatrics and stuff like that but also my father’s life during the deconfinment.

Pablo, an ambulance service paramedic, talks to a 89 years old woman with COVID symptoms while transferring her from the nursing home where she lives to the Central University Hospital of Asturias. Oviedo, Asturias, Spain. April 29, 2020.

What are you currently working on?
Right now I’m building projects here in my country. This is new to me, my whole career as a photojournalist have happen abroad. Still… it is time to get involve in other projects. Book, exhibitions, studing.

Santos, a paramedic, transports Jose Maria, a COVID-19 patient, from the ambulance to the neurological disease center where patients with mild COVID-19 symptoms from all of Asturias are held in quarentine. Langreo, Asturias, Spain April 23, 2020.

What do you think about the role of photography especially in these times?
It’s been a historical moment (still is) so I guess it’s kind of our task as photographers to capture it. This pandemia it´s gonna shape the society and photography will change with it. It’s in our hands to put it on the right mode and the right place.

On this picture, taken April 8, 2020: Priest Manuel Flaker stands at the gate of the graveyard next to the cart to transport the coffin before the inhumation of Mr. Marcial Souto, 82, in a graveyard outskirts of Leon. The priest and his assistant came as close friend’s of the family to support and Marcial’s son,Jose Manuel, the only one able to attend to the burial since Marcial’s wife is still recovering at home and his only daughter lives abroad, in Ireland.

What do you wish for your personal photographic future?
I just want to keep learning.

Website von Manu Brabo
Instagram-Feed von Manu Brabo
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#FacesOfPhotography – Teil 93: Carina Faust und Björn Lülf aus Schmallenberg

Carina Faust und Björn Lülf haben quasi gleichzeitig zum Beginn der Pandemie ihr neues Studio eröffnet. Mitten im Sauerland. Wie es dazu kam und was das in diesen Zeiten bedeutet, darüber haben die #FacesOfPhotography mit Björn gesprochen:

Das neue Studio ist eröffnet. Wie fühlt sich das – in diesen Zeiten – an?
Ein wenig verrückt ist es schon aber wir freuen uns mega! Der Blick geht nach vorne. Gestern ist gestern und lange vorbei!

Die Kombination aus Sauerland, eigenem Studio, Food- und Peoplefotografie ist ungewöhnlich – wie kam es dazu?
Wir haben uns beide schon immer mit Food beschäftigt. Zum einen stammen wir beide aus Gastro-Familien, sind gelernte*r Koch und Köchin und leidenschaftliche Gastgeber. Ich habe als Kind schon gerne den Feinschmecker meines Vaters gelesen und für meine Freunde Bratkartoffeln über dem Feuer gebraten.
In der Foodfotografie habe ich schon viele Jahre meinen Traumberuf gefunden. Ich entwickele Rezepte, bin Foodstylist und Fotograf.
Nach 10 Jahren in unserem alten Studio, wollten wir unser Schaffen auf ein neues Level heben. In allen Bereichen
neue Maßstäbe setzen! So entstand der Traum von unserer „Kleinen Freiheit“.
Ein kreativer Ort mit einer Hammer-Küche als Zentrum für Foodfotografie, Film, Mietküche und Eventlocation.
Wir werden somit jetzt auch wieder mehr Gastgeber, und das fühlt sich sehr gut an. Erfolg und Kreativität sind ja nicht an die Stadt gebunden.
Wir hoffen, dass wir in Zukunft viele Menschen mit unseren Ideen begeistern können. Ob hungrige Mägen oder leere Köpfe.

Macht sich die Krise bei Euch bemerkbar? Klar, auch wir haben mit den unterschiedlichsten Problematiken dieser Krise zu kämpfen und der Zeitpunkt war denkbar schlecht… Das Porträt-Geschäft ist etwa sofort weggebrochen und erholt sich nur langsam. Grundsätzlich hat die Zeit uns aber mal wieder gezeigt wie wichtig es für uns ist, breit aufgestellt zu sein und an langfristigen Kooperationen zu arbeiten. Gemeinsam werden wir das schaffen und ein wenig umdenken war für uns ohnehin längst überfällig.

Was denkt Ihr, was wird die Krise langfristig für die Fotografie bedeuten?
Die „gewonnene Zeit“ wurde von allen unterschiedlich genutzt und viele haben sich um die Baustellen gekümmert, die lange fertig sein sollten. Einige haben sich damit einen Vorsprung erarbeitet, andere haben ihr Gewissen beruhigt und wieder andere hat die Krise in eine Selbstständigkeit gedrängt.
Meinem Gefühl nach drängen ohnehin immer mehr Hobbyfotografen auf den Markt und der Bildstil verändert sich viel schneller als das früher war – ein Influencer ist plötzlich Fotograf und ein Fotograf ein Influencer. Die Entwicklung ist schnell und sprunghaft, Bildstile ähneln sich. Bilder sollen authentisch und natürlich sein – direkt aus dem Leben ohne lange Planung oder Bearbeitung.
Perfektionismus kann sehr lähmen. Wir allerdings finden das spannend und können davon nur profitieren und lernen.
Ob diese Entwicklung langfristig richtig ist und ob es die klassische Fotografie in Zukunft nicht mehr geben wird, wird sich zeigen. Für uns ist es aber wichtig voran zu gehen und sich mit allem Neuen auseinandersetzen um dann zu entscheiden, ob es gut ist oder nicht.



Was ist Euer persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Unsere Eitelkeiten hinten anzustellen und etwas von dem was wir richtig gut machen in die Welt tragen.

Website von Carina Faust und Björn Lülf – Unsere kleine Freiheit
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#FacesOfPhotography – Teil 92: Ezequiel Scagnetti aus Buenos Aires

Vor zwei Jahren ging Ezequiel Scagnetti zurück in sein Heimatland Argentinien. Er hatte zuvor viele Jahre in Belgien gelebt und seinen Lebensunterhalt als Corporate-Fotograf bestritten. Als Fotograf arbeitete er auch in seiner neuen Heimatstadt Buenos Aires – bis die Pandemie ihren Lauf nahm. Was die derzeitige Situation für ihn bedeutet, erzählt er den #FacesOfPhotography:

Ezequiel, how are you?
I’m fine.

How have you and your photography been since the beginning of the crisis?
I personally felt into depression several times, but now I’m ok. Here in Buenos Aires we are enduring a strict 5-month period of lockdown, we are not allowed by law to work, neither to travel, make sports or something.
My business finished the same day the government started the lockdown, 20 March 2020, as they decided to allow to work only “essential people”, businesses or services, like supermarkets, policemen, doctors and so on.
After two weeks I decided, forced by the situation, to re-launch my web design business, something that I used to do only for specifics clients that wanted a complete rebranding of their companies, including photography, video, web design, logo, etc.
I started actively chasing clients by creating a dedicated website and applying specific digital marketing strategies.
After four months I have seven clients (two in the USA, thee in Belgium and two here in Argentina) and some leads waiting to decided to purchase my services. Currently I’m creating a website for a factory in Buenos Aires province.
It was a drastic change of business, after years of corporate photography and in less than two weeks I became a web designer and marketing strategist. 

I was, fortunately, prepared to jump into this business with a significant set of skills – I’m a SquareSpace Certified Instructor since 2018 – and the fact of running a 20-year old photography career plus many years of art studies, helped a lot in the creation of the web sites.

Will the pandemic change photography?
I don’t think so. I believe that when the vaccine for COVID-19 arrives, we will all go back to normal or back to a kind of “new normal”. It can take some time, I mean months, but not years.

What does photography mean to you personally?
My profession, my career, my business. Photography is just a part of my life, I have family, kids, friends, sports occupying most of my daily life.

What is your personal photographic wish for the future?
It might be to go back to travel photography, and explore the Fine Art field by combining both, travel and art.

Website von Ezequiel Scagnetti (Fotografie)
Website von Ezequiel Scagnetti (Webdesign)
Facebook-Profil von Ezequiel Scagnetti
Instagram-Feed von Ezequiel Scagnetti
LinkedIn-Kanal von Ezequiel Scagnetti
Website von Babylonia – belgisches Kollektiv, dem auch Ezequiel Scagnetti angehört

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#FacesOfPhotography – Teil 91: Silvia Steinbach und Christian Ahrens aus Köln

Silvia Steinbach und Christian Ahrens sind als Industriefotograf*innen-Duo Ahrens+Steinbach unterwegs und schauen dank einer relativ stabilen Auftragslage in Corona-Zeiten optimistisch in die Zukunft. Was sie dort sehen und was sie sich dafür wünschen, darüber haben sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Wie geht es Euch?
Silvia: Es geht uns gut.
Christian: Wir sind Fotografen und leben das Fotografenleben. Das ist gut so und das wird auch so bleiben.

Was macht die Fotografie?
Silvia: Sie findet weiterhin statt, wird weiterhin gebraucht und ist und bleibt eines der vitalsten Medien überhaupt. Corona-bedingt sind die Aufträge natürlich schon etwas zurückgegangen und just jetzt im Juli kommt anscheinend auch das Sommerloch noch hinzu. Aber alles in allem hatten wir auch in den letzten Monaten eine ganz gute Auftragslage und schauen optimistisch nach vorne.
Christian: Die zusätzliche Zeit nutzen wir gerne für Fortbildung und für auftragsfreies Fotografieren, ich bin viel unterwegs für meine freien Projekte und arbeite mich gerade in das Fujifilm GFX-Mittelformat-System ein. Die Fotografie steht nicht still, man kann immer etwas Cooles machen.

Was hört Ihr zum Thema Fotografie von Kundenseite?
Silvia: Nach der ersten Lockdown-Phase haben wir recht schnell angefangen, den Kontakt zu unseren Kunden wieder aufzunehmen, um mal zu hören, wie es ihnen geht, wie der Alltag organisiert ist und wie es in den jeweiligen Unternehmen so läuft. Unsere Ansprechpartner haben sich über diese Anrufe sehr erfreut gezeigt, es war ja für alle eine schwierige Zeit, und es tat gut, sich auszutauschen.
Christian: Dabei wurde auch immer schnell deutlich, dass die Unternehmen und unsere Kontaktpersonen eigentlich darauf brennen, wieder so richtig loszulegen, die eigenen Projekte voranzutreiben und wieder Handlungsspielraum zu bekommen. Für den Herbst empfangen wir jedenfalls durchaus positive Signale. Vorausgesetzt natürlich, dass es keine zweite Welle und keine neuen Einschränkungen geben wird. Das hoffen wir genauso wie unsere Kunden.

Was denkt Ihr, was sich in der Fotografie verändern wird?
Christian: Die Fotografie in all ihren Spielarten ändert sich ja fortlaufend, ästhetisch, technisch, inhaltlich und natürlich auch im geschäftlichen Bereich. Ob Corona hier langfristig etwas ändern wird, weiß ich nicht. Wird es in Zukunft weniger Veranstaltungen geben oder nur noch Hochzeiten im Autokino? Ich glaube das nicht. Und die Unternehmen werden natürlich auch in Zukunft Kommunikation betreiben wollen und müssen.
Ansonsten besteht natürlich jede Menge Veränderungspotenzial. Obwohl die digitale Technik sehr weit fortgeschritten ist, wird sie sich trotz schrumpfendem Markt ziemlich stürmisch weiter entwickeln. Wenn das Megapixel- und High-ISO-Rennen irgendwann ausgereizt sein wird, werden sich die Hersteller vermutlich auf die fast unbegrenzten Möglichkeiten in der Software stürzen – wie das ja bei den Mobilphone-Kameras jetzt schon zu beobachten ist. Das wird weiterhin vieles vereinfachen, aber es wird die Fotografie selbst nicht wirklich verändern, nur den Weg zum fertigen Bild.
Silvia: Und was Bildaussage, Bildwirkung, Ästhetik undsoweiter angeht, da wird es so sein, wie es schon immer war: Die Bildsprachen werden sich entsprechend der gesellschaftlichen Prozesse entwickeln und verändern, Moden werden kommen und gehen, aber am Ende des Tages zählt weiterhin, ob das Bild den Betrachter berührt, es Emotionen weckt, Informationen transportiert oder etwas sichtbar macht, was bisher in dieser Form nicht gesehen wurde?

Woran arbeitet Ihr aktuell?
Silvia: Für uns ist es jetzt wieder an der Zeit, ein neues fotografisches Projekt aufzusetzen, an dem wir uns reiben und in dem wir uns entwickeln wollen. Dabei streben wir wieder ein „Win-Win-Win“ Modell an, bei dem es einerseits darum geht, sich fotografisch richtig auszutoben, gleichzeitig neue Kunden und Kontakte zu gewinnen und auch einen Medienpartner ins Boot zu holen, der ebenfalls von dem Projekt profitieren wird.
Christian: Was wird das sein und wie wird es im Detail aussehen? Das erzählen wir gerne im kommenden Frühjahr!

Was ist Euer persönlicher fotografischer Wunsch für künftige Zeiten?
Silvia: Ich wünsche mir, dass in die verschiedenen Fotografie-Märkte eine neue Professionalität einzieht oder sich verstärkt. Das gilt sowohl für die Auftraggeberseite als auch für die Fotografen. Ich wünsche mir, dass Kunden anspruchsvoller werden und der kommunikativen Kraft der Fotografie einen höheren Stellenwert einräumen. Dass ihnen noch mehr bewusst wird, dass Bilder etwa in der Unternehmenskommunikation kein notwendiges Übel sind, sondern von zentraler Bedeutung für den Erfolg einer Idee, einer Kampagne oder für die erfolgreiche Kommunikation von Werten. Ich sehe auch eine Entwicklung in diese Richtung, und wir stellen fest, dass beispielsweise billige und aussageschwache Stockfotografie in der Unternehmenskommunikation auf dem Rückzug ist und individuelles und zum jeweiligen Kunden authentisch passende Bildaussagen an Bedeutung gewinnen.
Christian: Auf Fotografenseite wünsche ich mir ein neues Selbstbewusstein und professionelleres Handeln, vor allem auch im Hinblick auf den Wert der Fotografie. Bei den jetzt nachrückenden Generationen sehe ich da ganz gute Ansätze, zum Beispiel einen nicht mehr rückwärtsgewandten Blick auf vermeintlich „goldene Zeiten“ und eine unsentimentale Haltung gegenüber aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten. Technisch ist Fotografie so einfach wie noch nie zuvor, aber als Profi in diesem Markt zu bestehen, ist durchaus eine Herausforderung – mehr vielleicht als früher. Hier sind auch die Hochschulen und andere Ausbildungsstätten gefordert, dass sie Fotografie nicht nur technisch, inhaltlich und ästhetisch ausbilden, sondern die jungen Leute auch fit für den Markt machen. Auch die Fotografenverbände sehe ich hier in der Pflicht.
Insgesamt: Ich wünsche mir eine gute und vitale Zukunft für professionell ausgeübte Fotografie!

Website von Ahrens+Steinbach
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Xing-Eintrag von Silvia Steinbach
Xing-Eintrag von Christian Ahrens

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#FacesOfPhotography – Teil 90: Alexandra Lechner aus Frankfurt

Alexandra Lechner ist auf mehreren Ebenen in der Fotografie zuhause: Sie arbeitet sowohl als Corporatefotografin als auch als Kuratorin und Festivalmacherin. Mit diesem facettenreichen Blick hat sie mit den #FacesOfPhotography über die Krise und die daraus resultierenden fotografischen Fragen und Folgen gesprochen:

Wie bist Du bis hierher fotografisch durch die Krise gekommen?
Seit Mitte März sind alle Aufträge abgesagt oder auf längere Sicht verschoben. Es blieb nur ein kleiner Auftrag – für Architekturfotografie. Den konnte ich dank bestem Frühlingswetter und genauer Beachtung von Kontaktbeschränkungen durchführen. Inzwischen bessert sich die Situation ganz langsam. Erste kleine Shootings sind gelaufen, für September steht ein größeres Projekt an. Es könnte gerne sehr viel mehr. Aber da ich überwiegend mit Menschen on Location in Unternehmen arbeite, ist eben noch nicht so viel möglich. Auch weil viele Kunden noch überwiegend im Homeoffice arbeiten, es keine echten Meetings gibt oder Außenstehende nicht auf Firmengelände oder ins Gebäude dürfen.
In der Zeit des Lockdowns – und auch jetzt – bin ich dennoch nicht unbeschäftigt. Zusammen mit zwei BFF-Kollegen habe ich Ende März die Blogaktion „Out oft he Blue“ initiiert. Mit dem Blog haben wir es BFF-Fotografinnen und Fotografen ermöglicht, Bilder und Stimmungen aus ihrer Corona-Perspektive zu posten – und damit sichtbar zu bleiben. Aus dieser Aktion heraus hat sich bei mir eine freie Porträt-Arbeit entwickelt, die ich unter dem Titel „Traumbrillen“ Ende April fotografiert habe. Dabei ging es um das, was wir vermisst haben, als wir alle zuhause bleiben sollten. Die „Traumbrillen“ spielen mit schönen Erinnerungen – Orten, Emotionen, Gerüchen, positiven Impulsen. Auf diese Serie habe ich sehr emotionales und schönes Feedback von Kunden und aus meinem Netzwerk bekommen. Überhaupt, Kommunikation und Austausch ist in dieser Zeit für mich sehr wichtig geworden.

Du bist neben der angewandten Fotografie auch im Bereich Ausstellungen / Kuratierung tätig – welche Beobachtungen hast Du hier gemacht?
Ich bin seit vielen Jahren als Festivalmacherin und Kuratorin unterwegs. Es begann 2004 mit der Gründung der Darmstädter Tage der Fotografie, die sich seitdem zu einem der großen Fotoevents in Deutschland entwickelt haben. Seit 2010 arbeite ich auch im Kuratorenteam der Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain mit, die nächstes Jahr zum 4. Mal stattfinden wird.
Im April hätten die 11. Darmstädter Tage der Fotografie (DTDF) starten sollen. Die Vorbereitungen für die Ausstellungen und das Symposium liefen auf Hochtouren, alle Künstler und Redner waren eingeladen, die Ausstellungsorte bis ins Detail geplant, der Katalog in Arbeit. Dann kam der Stopp – und damit die Überlegung: Was jetzt? Die spannendste Frage war (oder ist noch immer): Kann ein Fotofestival, das vom lebendigen Austausch und Netzwerken lebt, in ein Format übersetzt werden, das ohne echte Begegnungen auskommt? Die DTDF stehen mit dieser Frage ja nicht alleine da. Ich finde es sehr interessant zu beobachten, wie andere Ausstellungsmacher mit Onlineformaten und Onlineausstellungen experimentieren. Da sehe ich viel kreatives Potential. Ich bin gespannt, was davon in Zukunft in Ausstellungen und Symposien einfließt. Vielleicht entstehen andere künstlerische Formate, die Fotografie oder Bilder als Medium freier denken als das gerahmte Bild im Ausstellungsraum. Gleichzeitig habe ich beim Anschauen der Online-Formate für mich festgestellt, dass zumindest mir persönlich der ganz normale Blick auf das gehängte Werk sehr fehlt. Glücklicherweise sind ja nun wieder einige Ausstellungen zu sehen. Das sauge ich dann förmlich auf.
Für die DTDF haben wir uns entschieden, das Festival im Oktober im bewährten Format stattfinden zu lassen – natürlich mit einem veranwortungsvollen Hygienekonzept. Für RAY 2021 laufen die Planungen weiter. Wir denken digitale, alternative Formate mit. Für den Fall dass es erneut zu Einschränkungen kommen wird.

Was denkst Du, welche Folgen wird die Krise für die Fotografie – wirtschaftlich, inhaltlich, stilistisch – haben?
Ich denke, dass die aktuelle Situation wie ein Katalysator ist und viele Aspekte, die auch schon vorher in der Diskussion waren, noch stärker hinterfragt werden müssen. Bezogen auf die angewandte professionelle Fotografie denke ich an Fragen wie: Was ist Fotografie wert, was Honorare oder Nutzungsrechte? Welche Art von Fotografie brauchen Agenturen, Unternehmen und Verlage? Wie verschiebt sich der Markt? Eine andere Frage: Was zeigt Fotografie – und wie? Gerade in der Zeit des Lockdowns habe ich die klassische, fröhliche, superheile-Welt-Werbefotografie als seltsam aus der Zeit gefallen empfunden. Aber wie sieht Werbefotografie – und auch Unternehmensfotografie – zukünftig aus? Und zu guter Letzt stellt sich die grundlegende Frage: Was deckt der Begriff „Fotografie“ ab? Welche technische Basis, welche bildgebenden Verfahren, werden genutzt – und wie gehen wir „Bildermacher“ damit um? Ich finde es enorm wichtig, sich darüber jetzt auszutauschen – als Fotografen untereinander, aber auch mit Auftraggebern und der Zielgruppe.

Und ganz praktisch: Worauf müssen und können sich Fotograf*innen im schlechtesten und im besten Fall vorbereiten?
Mit Bildern, in welcher Form auch immer, werden weiterhin Geschichten erzählt, Inhalte und Botschaften transportiert. Darin liegt das Potenzial für uns Profifotografen. Neben der technischen Umsetzung ist es sehr wichtig, als Fotografin oder Fotograf eine eigene Haltung zu entwickeln, einen persönlichen Zugang zu den Themen der Auftraggeber zu finden. Jeder Kunde verdient eine passende individuelle Note statt optischer Gleichförmigkeit. Wenn alle Ergebnisse gleich aussehen, entscheidet nur noch der Preis.
Das bedroht die wirtschaftliche Selbstständigkeit in der Werbe- und Unternehmensfotografie, aber auch bei den journalistisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Corona zeigt, wie schnell es finanziell eng wird, wenn keine Aufträge eingehen und die laufenden Kosten trotzdem weiterlaufen. Schon heute können Fotoschaffende oft keine großen Rücklagen bilden, obwohl sie gut und viel arbeiten. Darum denke ich, dass die Qualität der Arbeit wichtig ist, um als Fotografin oder Fotograf erfolgreich bleiben. Nicht nur die technische Qualität, sondern auch die Kreativität. Außerdem sind die persönlichen und sozialen Kompetenzen im Umgang mit den Kunden für mich sehr wichtig.

Was ist Dein ganz persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeit, die kommt?
Corona hat mich reichlich unter Druck gesetzt. Und auch sonst ist die Zeit oft knapp. Ich würde mir manchmal mehr Muße wünschen, um Ideen für die Umsetzung von Aufträgen oder für freie Projekte reifen zu lassen. Mehr Zeit und wirtschaftlicher Freiraum, um etwas mehr experimentieren zu können – und damit vielleicht zu unerwarteten Ergebnissen zu kommen: Das wäre schön. Ein anderer Wunsch ist: Durch den intensiven Austausch unter uns Fotografinnen und Fotografen ist während der letzten Monate ein Gefühl der Verbundenheit entstanden. Ich hoffe, das bleibt – und hilft dabei, unsere Interessen noch besser zu vertreten.

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BFF-Auftritt von Alexandra Lechner

*Das Bild von Alexandra hat Helma Töpper fotografiert.

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#FacesOfPhotography – Teil 89: Moritz Küstner aus Hannover

Als mit Beginn (und Verlauf) der Krise alle Jobs von Moritz Küstner abgesagt wurden, hat er die Zeit genutzt und sein bislang größtes freies Projekt in Buchform gebracht – die Kickstarter-Kampagne dazu ist gestartet. Darüber und über die Zukunft des Fotobuches allgemein (und einiges mehr) hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Wie bist Du bis hierher persönlich und fotografisch durch die Krise gekommen?
Ich habe die Krise anfangs als Chance wahrgenommen. Als Chance, mir endlich wieder Zeit zu nehmen für eigene Projekte und zu überlegen, was mir in der Fotografie wichtig ist und was ich mit meiner Fotografie erreichen will. Ich merke immer wieder, dass mir für solche Gedanken im normalen Job-Alltag kaum Zeit bleibt. In dem Zuge plante ich auch mehrere freie Projekte.
Allerdings wurde unser familiärer Alltag durch die fehlende Betreuung meiner beiden Kinder komplett auf den Kopf gestellt. Als Selbstständiger war ich der flexiblere Part von uns beiden Eltern, also habe ich große Teile der Betreuung übernommen. Deshalb musste ich recht bald feststellen, dass ich mit zwei Kindern zu Hause kaum freie Kapazitäten für kreative Schaffensprozesse hatte.
An einer freien Geschichte über die Auswirkung der Corona-Krise auf die Drogenszene in Hannover habe ich gemeinsam mit dem befreundeten Journalisten Gerd Schild angefangen zu arbeiten. Es tat mir gut, weiter zu fotografieren. Und auch mein lange geplantes Buchprojekt „Silence is the Sound of Fear“ habe ich geschafft voranzubringen.

Du hast die Zeit für ein erstes eigenes Buchprojekt genutzt – was hat es damit auf sich?
Schon Anfang des Jahres hatte ich begonnen, an meinem Buch „Silence is the Sound of Fear“ zu arbeiten. Das Buch beleuchtet die Entwicklungen auf der Krim, seit der Annexion der Krim durch Russland, und beschäftigt sich besonders mit dem Leben der Krimtataren, einer muslimischen Minderheit. Die Fotos dazu waren in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Das war die längste Zeitspanne, über die ich bisher an einem Thema gearbeitet hatte. Ich wollte das Projekt gerne in Form eines Buches veröffentlichen, um ihm damit für mich persönlich einen geeigneten Abschluss zu geben und auch all den Inhalten, den festgehaltenen politischen Entwicklungen und persönlichen Schicksalen gerecht zu werden.
Häufig bleiben bei mir die eigenen Herzensprojekte, wie eine solche Buchveröffentlichung, liegen, wenn die tägliche Auftragsfotografie mich einnimmt. Als mit Ausbruch von Corona aber dann alle Aufträge abgeblasen wurden, bekam dieses Projekt oberste Priorität. So schaffte ich es endlich, gemeinsam mit den Grafiker Sven Lindhorst-Emme und der Bildredakteurin Cale Garrido, die Bildauswahl und Buchgestaltung abzuschließen. Jetzt fehlt nur noch die vollständige Finanzierung, an der ich gerade mithilfe der Kickstarter Kampagne arbeite, damit im August das Buch beim Kettler Verlag erscheinen kann.

Inwieweit denkst Du haben Themen außerhalb von Corona jetzt und in Zukunft – auch in Buchform – eine Chance?
Ich finde es extrem wichtig, dass hinter dem „Großthema Corona“ bestimmte Themen nicht in Vergessenheit geraten. Vieles ist untergegangen in der Krise und muss jetzt aktiv wieder auf die Bildfläche geholt werden. Themen wie Polizeigewalt und Rassismus haben es dank #blacklivesmatter geschafft, wieder an medialer Präsenz zu gewinnen.
Zugleich hat Corona ja bei einigen Menschen einen Sinneswandel bewirkt: Weg von der Schnelllebigkeit des Alltags, von schnellem Konsum hin zu mehr Bewusstheit und Selbstreflexion. Wenn wir Glück haben, könnte dieser Bewusstseinswandel auch für journalistische Nischenthemen und für das Medium Buch, eine Chance bergen.
Ich hoffe, dass sich die Menschen (mehr) Zeit nehmen zum Lesen und zur Auseinandersetzung mit anderen Lebensrealitäten. Wenn jetzt etwas mehr Menschen die Möglichkeit wahrnehmen, über andere Vorstellungen eines guten Lebens oder über fremde Schicksale nachzudenken, ist sehr viel gewonnen. Und Journalismus (ob in Buchform oder nicht) kann einen Teil dazu beitragen.

Und wie ist es Deiner Meinung nach mit der Fotografie allgemein?
Es ist ja insgesamt auffällig, dass die visuelle Ebene in den meisten Medien und auch in der Kommunikation einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Die Gewichtung von Text und Bild in Zeitungen, Zeitschriften etc. verschiebt sich, Kurznachrichten lösen schon lange den Brief und inzwischen auch die Mail ab. Smileys, GIFs, Grafiken und eben auch Fotos dominieren unseren medialen Alltag. Deshalb gehe ich eigentlich davon aus, dass die Fotografie weiterhin ein wichtiges Medium bleibt.

Zuguterletzt: Was wünscht Du Dir fotografisch für die Zeit, die da kommen mag?
Ganz persönlich wünsche ich mir, frei von existentiellen Ängsten arbeiten zu können, also genügend Aufträge für meinen Lebensunterhalt und Fördermittel für die Realisierung meiner freien Projekte zu erhalten. Momentan steht da die Realisierung meines Buches an erster Stelle.
Allgemein denke ich aber, dass die Fotografie in der Zukunft viel diverser werden muss, um uns neue Sichtweisen fernab von unserer Realität oder Blase aufzeigen zu können. Damit Journalismus uns nicht nur Antworten liefert auf die Muster, die wir schon kennen, müssen auch die Bilder von Fotograf*innen gesehen werden, die eine andere Herkunft, Geschlechtsidentität und ethnische Zugehörigkeit haben oder aus anderen sozialen Schichten stammen als wir selbst. Wenn das gegeben ist, können Bilder uns auf besonders direkte Art helfen, einen Zugang zu Themen zu gewinnen und uns neue Betrachtungsebenen zu erschließen.

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*Das Bild von Moritz hat Mario Wezel fotografiert.

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#FacesOfPhotography – Teil 88: Paulina Hildesheim aus Berlin

Die Handlungsunfähigkeit ganz am Anfang der Krise hat sich bei Paulina Hildesheim bald ins Gegenteil verkehrt – sie arbeitet an eigenen Projekten, hat einige Aufträge. Auf dieser Grundlage schwankt sie zwischen vorsichtigem Optimismus und dennoch immer wieder Sorge. Darüber und über mehr hat sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Paulina, wie geht es Dir?
Mir persönlich geht es sehr gut. Ich habe großes Glück, dass ich bisher insgesamt ganz gut durch die Krise gekommen bin. Es haben sich immer mal wieder Möglichkeiten ergeben, im Auftrag zu arbeiten. Außerdem habe ich sehr schnell und unbürokratisch Soforthilfe bekommen. Und ich bin die letzten Monate sehr viel draußen gewesen, insbesondere in meinem Garten. Ein Kleingarten am Berliner Stadtrand, der sich in Zeiten der Pandemie als noch viel wichtiger als je zu vor entpuppt hat. Ich bin sehr dankbar für diesen Rückzugsort.
Im Großen und Ganzen schwanke ich aber doch immer wieder zwischen vorsichtigem Optimismus und Sorge. Diese Krise ist eine Chance, denn sie zeigt uns, wo wir in Zukunft genauer hinsehen sollten. Das Virus und seine Folgen treffen leider viele besonders hart, die es schon vorher nicht leicht hatten und verschärft die soziale Ungerechtigkeit. Die Folgen dessen werden sicher noch einige Jahre lang spürbar sein.

Was macht die Fotografie?
Fotografisch habe ich diese Zeit auf eine spezielle Art und Weise als sehr intensiv wahrgenommen.
Ganz zu Anfang war ich wie erschlagen von der täglichen Nachrichtenlage, habe eigentlich den ganzen Tag über nur Nachrichten konsumiert und mich handlungsunfähig gefühlt.
Ich glaube, so ging es vielen. Mir ging es dann besser, als ich begonnen habe, jeden Tag zu fotografieren. Oft sehr unspektakuläre Dinge, die ich in meiner Wohnung oder im Garten gefunden habe, Kleinigkeiten und Alltägliches. Durch das Fotografieren hat sich auch meine Wahrnehmung der Situation verändert. Soziale Isolation, Distanz, Lockdown, das alles fühlte sich dadurch etwas greifbarer an.


Und es kamen ja auch immer mal wieder Aufträge dazu und ich konnte mich einem freien Projekten widmen, das ich schon länger aufgeschoben hatte. Langweilig war mir also wirklich nicht. Inzwischen ist auch wieder etwas mehr zu tun. Mal sehen, wie die nächsten Monate so werden…

Was ist Dein fotografischer Schwerpunkt?
Ich fotografiere für redaktionelle Auftraggeber und Unternehmen. Außerdem arbeite ich an eigenen, konzeptionellen Arbeiten.

Woran arbeitest Du aktuell?
Ich arbeite an einem Buchlayout, editiere die Bilder der letzten Monate, bringe sie mit denen, die immer wieder dazukommen in Zusammenhang. Außerdem recherchiere ich für zukünftige Projekte.

Was denkst Du, wie wird sich die Krise auf die Fotografie – wirtschaftlich und inhaltlich – auswirken?
Ich habe das Gefühl, dass die langfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen in vielen Bereichen noch lange nachwirken werden. Aber ich habe in den letzten Monaten auch viel Solidarität beobachtet und erlebt, zwischen KollegInnen und von AuftraggeberInnen. Das sollten wir uns beibehalten. Die Corona-Krise hat viele wichtige Themen aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Ich wünsche mir, dass die Geschichten, die zurzeit medial keinen Platz finden bald wieder erzählt werden können.


Was ist Dein fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Ich glaube, ich wünsche mir einfach nur, dass ich weiterhin das Glück habe, diesen Beruf ausüben zu können. Es ist einfach ein unglaublich toller Beruf. Wenn ich Menschen treffe oder Orte besuche, um sie zu fotografieren, lerne ich auch jedes Mal etwas dazu. Manche Begegnungen wirken lange nach. Ohne Fotografie würde ich wahrscheinlich zu vielen Situationen überhaupt keinen Zugang bekommen.

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#FacesOfPhotography – Teil 87: Jewgeni Roppel aus Hamburg

Jewgeni Roppel hat in und während der Krise einige eigene Geschichten fotografiert und eine ungewöhnliche Idee für zwei Ausstellungen in Hamburg und Berlin nicht nur entwickelt sondern auch in diesen nicht ganz einfachen Zeiten umgesetzt. Über all das und noch mehr hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Jewgeni, wie geht es Dir?
Mir geht es soweit ganz gut, persönlich wie auch beruflich. Ich bin froh in Hamburg zu sein, in unserem Künstlerhaus zu leben und jetzt auch mit meiner Freundin zusammen zu wohnen. Die Corona-Phase konnte ich dadurch gut überstehen

Wie ist es Dir fotografisch seit Beginn des Shutdowns ergangen?
Ich war genauso betroffen wie viele andere Fotografen. Die letzten paar Jobs waren für DIE ZEIT und haben den Corona-Bezug.
Danach habe ich zusammen mit Autoren proaktiv eigene Geschichten und Interview-Serien gemacht, die natürlich auch mit Covid-19 in Verbindung stehen – mit Christoph Wöhrle habe ich etwa Jöran Steinsieck, den Manager von Roberto Blanko mit Sicherheitsabstand getroffen und ihn in seiner Wohnwagen-Quarantäne auf einem kurzen Abschnitt seiner Reise begleitet. Er hatte die Symptome und hat sich von seiner Familie distanziert. Diese Geschichte haben wir dann im Cicero Magazin untergebracht.

Dann habe ich mit Lesley Sevriens zusammen um die 30 Menschen portraitiert und interviewt zu den Themen: Leben, Liebe und Familie in den Zeiten von Corona. Diese Geschichten haben wir dann auch untergebracht.

Danach kam noch eine Arbeit über das Innenleben auf der Reeperbahn.Ich hatte also die ganze Zeit etwas zu tun. Es gab neue Geschichten, nur musste man diese selbst angehen und sie dann anbieten. Ich habe gemerkt das man eine Geschichte oft erst fotografieren muss, um sie zu verkaufen. Vorher gab es irgendwie wenig Interesse. Als die Bilder dann da waren, war es konkret und dann wollten die Redaktionen es haben.
Die vier Ausstellungen die ich noch vor mir hatte, mussten anders gedacht oder verschoben werden. Dadurch hatte ich etwas mehr Zeit für mich und meine Freundin die ihr Theater-Engagement gekündigt hat und zu mir nach Hamburg gezogen ist. Wir haben zuhause gekocht und das ganze Hamburger Umland mit dem Fahrrad erkundet. Dafür hatte ich vorher nie wirklich Zeit.

Wie läuft es jetzt mit deinen Ausstellungen und wie ist es mit Eurer Galerie?
Unsere Galerie 21 im Künstlerhaus Vorwerkstift musste geschlossen bleiben. Eine Fotografie-Ausstellung, die ich kuratieren sollte, habe ich in den Außenraum verlagert.
Die Plakatwände waren voll mit Events die abgesagt wurden oder abgelaufen waren. Ich habe dann die Fotografie Ausstellung von dem ukrainischen Duo Viacheslav Poliakov & Elena Subach mit 80 verschiedenen Motiven auf 200 Blueback Plakaten in zwei Größen bestellt und diese in der gesamten Sternschanze und Karoviertel wild plakatiert. Normalerweise haben Plakate an manchen Stellen eine Lebensdauer von nur ein paar Stunden. Durch den Shutdown konnten die Plakate 2-4 Wochen hängen und hatten dadurch eine größere Sichtbarkeit.

Das Gleiche habe ich dann ein paar Wochen später in Berlin in Kooperation mit der Volksbühne und dem POST WEST Festival gemacht. Das Theater-Festival sollte Ende Mai stattfinden. Durch die Corona-Beschränkungen durfte das Haus aber nicht öffnen. Ich wurde gefragt, ob ich meine Ausstellung in einer digitalen Version zeigen kann, das fand ich aber langweilig und schlug deshalb wieder eine Plakat-Aktion im Außenraum vor.
Alle Beteiligten fanden die Idee super! Die Marketing Abteilung hat noch was draufgelegt und wir hatten um die 3.500 Euro für die Umsetzung. Die Ausstellung hieß: »Staged Realities« kuratiert von mir und Maya Hristova und unserer Plattform für Osteuropäische Fotografie: »OSTLOOK« und »EEP Berlin«.
Ausgestellt wurden 46 Motive von 11 Künstlern in drei Größen auf 400 Flächen in ganz Berlin. Verteilt auf Werbetafeln, Litfaßsäulen und Plakatwänden.

Wo siehst Du die Aufgabe der Fotografie in diesen Zeiten?
Die Fotografie bekommt natürlich als Medium der Dokumentation und Manipulation mehr an Bedeutung in diesen Zeiten. Die Aufgabe sollte sein, sich bewusst zu sein über die Wahrnehmung und die Beeinflussung, die durch die eigene subjektive Bildschaffung entsteht, vor allem auf dem journalistischen Gebiet.

Was bedeutet Dir persönlich die Fotografie?
Mit der Fotografie kann man Geschichten erzählen und vor allem Geschichten erzeugen. Deshalb ist es für mich ein Informations- sowie Inspirations-Medium, mit dem man die Wirklichkeit reflektieren oder in seiner eigenen Sprache erzeugen kann. Mir persönlich ist die Atmosphäre und das Gefühl oder die Seele eines Ortes oder eines Menschen sehr wichtig. In meinen persönlichen Projekten sowie in meinen Auftragsarbeiten versuche ich etwas davon widerzuspiegeln. Dabei interessiert mich oft das Existenzielle.

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* Das Foto von Jewgeni hat Isabell Giebeler gemacht.

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#FacesOfPhotography – Teil 86: Florian Jaenicke aus München

Für Florian Jaenicke ist die Fotografie ein wunderbares Mittel, um sich den großen Fragen des Lebens zu nähern. Darüber und über noch mehr hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Was ist Dein fotografischer Schwerpunkt?
Ich habe mich schon immer für Menschen interessiert und folgerichtig liegt mein fotografischer Schwerpunkt bei der Portraitfotografie. Aber ich mache auch Reisereportagen und Architekturfotografie.

Was hast Du beruflich in den letzten Wochen und Monaten erlebt?

Mir ging es sicher so wie den meisten: alle Reisen wurden gecancelt, Jobs verschoben oder zurückgezogen. Einen Tag vor dem Lockdown erschien mein Buch »Wer bist Du?« im Aufbau Verlag. Der Verlag und ich haben lange überlegt wie wir darauf reagieren sollen: Alle Bemühungen auf den Herbst schieben oder mit der Pressearbeit weitermachen? Wir haben uns für letzteres entschieden, da das Buch inhaltlich gut zur Krise passt – es handelt davon, wie man einen Weg findet mit einer Krisensituation umzugehen. Und weil wir glauben, dass sich im Herbst alles stapeln wird und es auch nicht leichter wird auf das Buch hinzuweisen. Also habe ich viel Pressearbeit gemacht und mich natürlich auch zu Hause um meine Familie gekümmert, denn Schulen und Einrichtungen waren geschloßen. Es war alles sehr anstrengend, aber wenigstens hatte ich deswegen kaum Zeit für Zukunftsängste.

Wird die Krise die Fotografie verändern?
Ich glaube die Krise wird die Fotografie an sich nicht wirklich verändern. Das aber Corona einen Einfluss auf die Wirtschaft hat und damit auf die Bereitschaft, Fotografie angemessen zu honorieren, liegt auf der Hand.
Dabei ist die Bedeutung der Fotografie in letzten Jahren eher gestiegen, da die Darstellung in den sozialen Medien für alle immer wichtiger geworden ist. Ein Trend, der durch die Pandemie nur noch verstärkt wurde.

Was bedeutet Dir persönlich die Fotografie?
Ich bin als Kind zweier Grafiker, die beide leidenschaftlich Buchprojekte – meist über sakrale Architektur – fotografierten, aufgewachsen. Deshalb war Fotografie von Kleinauf immer um mich herum und hat mich entscheidend geprägt. Insofern fasse ich es als ein großes Privileg auf, dass der Beruf mir die Gelegenheit gibt, mich mit der Welt und meinem Leben darin, auseinanderzusetzen. So schreibe ich, ganz nebenbei, meine eigene fotografische Biografie.
Mir war es immer wichtig ein breites Spektrum an fotografischen Themen bearbeiten zu können, denn es ist nach wie vor wunderbar in verschiedene Lebenswelten eintauchen zu dürfen; heute einen Politiker zu fotografieren und kennenzulernen und morgen einen Obdachlosen. Denn von allem und jedem kann ich etwas für mein eigenes Leben lernen. Nicht jeder Job verspricht aufregend zu werden aber es ist wirklich in all den Jahren fast nie vorgekommen, dass ich nicht persönlich einen Gedanken oder eine Idee für mein eigenes Leben aus den Begegnungen mitnehmen konnte.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeiten, die da kommen werden?

Ich wünsche mir Kollegialität unter den Fotograf*innen und insgesamt mehr Mut, kontroversere, gesellschaftlich relevante Projekte zu realisieren.
Im Jahr 2008 (dem Jahr der Finanzkrise) saß ich mit zwei Kollegen an einem Tisch und wir besprachen, wie man auf den Druck unserer Kund*innen auf die digitale Fotografie umzustellen, reagieren sollte. Wir kontaktierten alle uns bekannten Kolleg*innen und innerhalb weniger Wochen entstand ein Verteiler von ca. 500 Fotograf*innen. Es war eine sehr anstrengender Prozess, an dessen Ende aber ein gemeinsamer Brief an alle Redaktionen in Deutschland mit der Forderung einer Vergütung für die Bearbeitung und Verwaltung der digitalen Daten stand, die heute selbstverständlich ist. Dieses Beispiel zeigt, dass es möglich ist die Situation der Fotograf*innen zu verbessern, wenn alle an einem Strang ziehen und sich nicht gegenseitig unterbieten.
Wirklich wichtige Themen finden immer Ihren Weg in die Öffentlichkeit und rechnen sich auch für die, die sie veröffentlichen.
Ich glaube, das die großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wer bist Du? Wie wurde ich zu dem der ich bin? Was macht unser Zusammenleben aus? Was ist Liebe? Wie leben die Anderen und wie funktioniert unsere Welt? nie endgültig beantwortet werden und die Fotografie eine wunderbare Möglichkeit bietet, sich diesen Fragen zu stellen.
Es gibt nie den Moment wo alles erzählt und gesehen wurde, deshalb wird es auch immer Geschichten und Bilder geben.

Ab dem 18. Juli und bis zum 20. September diesen Jahres ist Florians Ausstellung seiner Fotokolumne »Wer bist Du?« in der Lounge des Münchner Stadtmuseum zu sehen.

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*Das Foto von Florian hat Frank Bauer gemacht.

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#FacesOfPhotography – Teil 85: Jordi Busque aus Barcelona

Jordi Busque ist Astrophysiker und Fotojournalist. „Gestrandet“ in seiner Heimatstadt wartet er darauf, seine Freundin irgendwann nach Monaten wieder sehen zu können. Und er wünscht sich, wieder zu reisen… Aber die Zeit des strengen spanischen Lockdowns hat er gut genutzt. Das und einiges mehr hat er den #FacesOfPhotography erzählt:

How have you and your photography been doing in the last weeks and months?
Luckily nobody in my family has got Covid-19 but still the lock-down has been a challenge. Me and my girlfriend have been „trapped“ in different countries and have no idea when we will be able to see each other in person. I usually spend most of my time in Latin America working on different stories but the lock-down caught me visiting my family in Catalonia, so I have been unable to return to work the usual way. Here the lock-down has been very strict (for several months it was forbidden to be outside home except to go buy food). I really enjoy being outside in nature, doing long term hiking and camping, so it has been a challenge to be indoors for so long. Still, thanks to the Internet, I’ve been able to keep active. I’ve been spending this time doing research for future stories, writing for future articles and book projects, and pitching stories about science (I’m an astrophysicist) using photographs that I had already taken. I have also started to learn Arabic, which has been in the back of my head for some time. Doing stories in South America has shown me how better positioned I am to go deep in comparison to, say, an American photographer who would only speak English. So I am trying to add new languages to improve my ability as a photojournalist. And in order to satisfy my need for nature and as a way of doing something to keep my mood positive in the midst of so much bad news, I started sprouting tomato seeds and now I have planted them in my mom’s house garden.

How much is the photographic industry in Spain generally affected by the crisis?
I think it is quite bad, but it was so before the crisis anyway. The thing that has gotten really worse is for photography related to promoting the country as a tourist destination, for obvious reasons. I’ve also heard of photojournalists being rejected to work in public hospitals because they didn’t want the horrible images happening there to go public. Also this obsession the media have of going mono-thematic have not helped. It seems the only stories worth publishing now are about the virus.

What do you think, how does the future of the industry look like?
I’m not very optimistic. There are a lot of talented photographers and this is really good, but the opportunities to sell our stories have been shrinking for many years. And it’s difficult to imagine that the coming general economic crisis will increase those. The only thing we can do is to give our best and try to be imaginative to create new opportunities.

And that of photography in general?
The future of photography looks quite good. I think there are a lot of talented photographers and no shortage of stories to be told. Technology has also improved a lot so even with inexpensive cameras you can take technically good images. A problem that I’ve been seeing for a long time is a tendency for many photographers to converge in style. So I think the landscape of possibilities is still mostly unexplored, so photographers who like exploring in that sense they have a bright future I believe.

What do you wish for your photographic future?
I wish that soon we can travel again safely. Personally a big part of the joy of my job is to travel and know all these different worlds, and then use photography and text to explain them. It also would be good for publications to become more wide and diverse in their subject matters, and also be more about who publishes the story better rather than who publishes the story first.

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