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#FacesOfPhotography – Teil 101: wemake aus Stuttgart und Köln

wemake das sind die beiden Brüder Cornelius und Matthias Bierer. Aus Fotografie und Musik kommend machen sie heute zusammen Filme. Während des Lockdowns entstand das Stück »Tanzverbot«, in dem Sie die Endzeitatmosphäre dieser Zeiten verarbeiten. Was sie außerdem erlebt haben, dazu haben sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Matthias und Cornelius, was ist Euer Schwerpunkt?
Wir sind zwei Filmemacher: wir entwickeln Film-Konzepte, planen die Produktion, drehen, schneiden, machen die Postproduction, produzieren Sound und Musik, wir machen im Prinzip alles. Kampagnen, einzelne Filme, Werbespots, Dokumentarisches, Imagefilme, Kunst… Schön ist immer ein spannendes Thema, das wichtigste ist aber das Potential, etwas spannendes und interessantes daraus machen zu können. Deshalb suchen wir die Herausforderung durch unterschiedliche Herangehensweisen und nehmen uns die Zeit, auch Sachen auszuprobieren.
Wir sind immer daran interessiert die Inhalte und das Ziel des Film auf eine spannende und vor allem passende Art an den Zuschauer zu bringen. Da dies oft auf ganz unterschiedlichem Weg passieren muss, wird uns nicht langweilig.

Film, Fotografie, Musik – wie seid Ihr dahin gekommen, wo Ihr jetzt seid?

Unsere Schwerpunkte überschneiden sich im Bereich Film. Der eine gibt sich zusätzlich der Fotografie hin, der andere der Musik. Das können wir regelmäßig in die Filmprojekte integrieren. Zufällig angefangen haben wir vor einigen Jahren während des Studiums. Eine Sequenz aus Zeitrafferaufnahmen (ein Nebenprodukt der Fotografie) musste mit Musik unterlegt werden, die man bedenkenlos nutzen konnte. Das war unser erstes gemeinsames Projekt, mit dem wir auch direkt etwas Geld verdienen konnten. Der eine hat die Filmaufnahmen gemacht, der andere die Musik produziert. Geschnitten haben wir gemeinsam. Dass wir dort hingekommen sind, wo wir uns jetzt befinden, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass wir schon immer alles dafür getan haben, Projekte so umzusetzen, wie wir diese als passend und sinnvoll für das Thema erachtet haben. Zu Anfang sicher nicht der einfachste Weg, da so oft auch Projekte nicht zustande kamen – langfristig aber genau der richtige, da wir nun für genau diese Arbeitsweise angefragt werden.

Was habt Ihr beruflich in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt?
Nicht viel. Drehs wurden kurzfristig abgesagt, Projekte auf unbestimmt (oder nächstes Jahr) verschoben, einiges konnten wir geballt nachholen, manches wurde auch komplett gecancelt.
Natürlich ist hier immer etwas Ungewissheit mit im Spiel, laufende Kosten muss man auch ohne Einkommen decken, da wir diese Ungewissheit allerdings noch aus der Anfangszeit unserer Selbständigkeit kennen, waren wir zu Anfang wenigstens noch relativ entspannt. Diese Entspannung ist dann allerdings recht schnell verschwunden, allerdings nicht wegen Existenzsorgen, sondern aufgrund von Langeweile und dem Fehlen einer sinnvollen Aufgabe.

Ihr habt die „Zwangspause“ für ein freies Projekt genutzt – wie ist die Idee dazu entstanden, wie habt Ihr ihn umgesetzt und warum Tanz, wo Ihr doch eigentlich in ganz anderen Feldern unterwegs seid?
Wie viele andere Kreative wollten wir diesen neuartigen Zustand in dem sich mehr oder weniger die ganze Welt befindet, kreativ verarbeiten. Die Endzeitatmosphäre ausgestorbener Großstädte hat uns dabei sehr fasziniert, ein Drohnenvideo ohne Aussage – wie man diese zu Anfang des Lockdowns zuhauf sehen konnte – wollten wir allerdings nicht machen. Irgendwas musste auf diesen leeren Straßen passieren, am besten mit Bezug auf die Kreativbranche, die vom Lockdown erstmal sehr hart getroffen war. No-Budget-Projekte eignen sich noch mehr als bezahlte Projekte, neue Sachen auszuprobieren, Tanz schien uns ein passender Weg, dieses Thema aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Parallel zur Konzeption lief die Suche eines Tänzers, den wir über Instagram erreicht haben, und der sofort von der Idee begeistert war. Am nächsten Tag haben wir uns getroffen, tagsüber die Locations angeschaut und abends/nachts und früh morgens gedreht. Da wir aufgrund des Titels unseres Films eine sehr genaue Deadline hatten (Montag vor Ostern hatten wir die Idee, Karfreitag musste der Film fertig sein), haben wir direkt im Anschluss geschnitten und die Musik fertig gemacht. Das war alles sehr spontan und hätte irgendwo schief gehen können, dann hätte das Ergebnis nie jemand gesehen. Das Gegenteil ist allerdings passiert, wir hatten sehr gutes Timing und auch etwas Glück (z.B. mit dem Polizeiauto und dem Graffiti an der U-Bahnwand, das eine Woche später entfernt wurde).


Wie schätzt Ihr die zukünftige Lage insgesamt für die Branche ein?

Da die einzelnen Tätigkeiten innerhalb der Branche sehr unterschiedlich sind, lässt sich dazu von unserer Seite kaum eine Aussage treffen. Viele hat es sicherlich hart getroffen, einige berufliche Existenzen sind aktuell mit Sicherheit gefährdet. Wir würden schon sagen, dass sich auch noch einiges verändern wird, aber Veränderung ist grundsätzlich nicht immer schlecht. Wir sind davon überzeugt, dass auch in Zukunft Geschichten in Form von Film erzählt werden müssen. Dafür ist eigentlich jetzt ein sehr guter Zeitpunkt.

Was ist Euer persönlicher beruflicher Wunsch für die Zeit die da kommen mag?
Wir können diesem Break durchaus etwas Positives abgewinnen. Die Zwangspause hat mit Sicherheit auch dafür gesorgt, dass Dinge hinterfragt und in Zukunft anders angegangen werden.
Anfragen die mit den Worten “wir benötigen einen Film” losgehen, aber nicht drinsteht, warum und mit welchem Ziel, haben wir in letzter Zeit kaum erhalten. Die Firmen, die hauptsächlich einen Film machen lassen wollen, weil das quasi dazugehört und der Konkurrent ja auch einen hat, sind vermeintlich die, die diesen Punkt aufgrund von Einsparungen grade als erstes von der Liste gestrichen haben. Wir würden uns wünschen, dass Kunden noch ein kleines bisschen mutiger werden, was die passende Umsetzung betrifft. Dann macht es allen noch mehr Spaß, dem Kunden, uns und am Ende auch dem Zuschauer.

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#FacesOfPhotography – Teil 91: Silvia Steinbach und Christian Ahrens aus Köln

Silvia Steinbach und Christian Ahrens sind als Industriefotograf*innen-Duo Ahrens+Steinbach unterwegs und schauen dank einer relativ stabilen Auftragslage in Corona-Zeiten optimistisch in die Zukunft. Was sie dort sehen und was sie sich dafür wünschen, darüber haben sie mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

Wie geht es Euch?
Silvia: Es geht uns gut.
Christian: Wir sind Fotografen und leben das Fotografenleben. Das ist gut so und das wird auch so bleiben.

Was macht die Fotografie?
Silvia: Sie findet weiterhin statt, wird weiterhin gebraucht und ist und bleibt eines der vitalsten Medien überhaupt. Corona-bedingt sind die Aufträge natürlich schon etwas zurückgegangen und just jetzt im Juli kommt anscheinend auch das Sommerloch noch hinzu. Aber alles in allem hatten wir auch in den letzten Monaten eine ganz gute Auftragslage und schauen optimistisch nach vorne.
Christian: Die zusätzliche Zeit nutzen wir gerne für Fortbildung und für auftragsfreies Fotografieren, ich bin viel unterwegs für meine freien Projekte und arbeite mich gerade in das Fujifilm GFX-Mittelformat-System ein. Die Fotografie steht nicht still, man kann immer etwas Cooles machen.

Was hört Ihr zum Thema Fotografie von Kundenseite?
Silvia: Nach der ersten Lockdown-Phase haben wir recht schnell angefangen, den Kontakt zu unseren Kunden wieder aufzunehmen, um mal zu hören, wie es ihnen geht, wie der Alltag organisiert ist und wie es in den jeweiligen Unternehmen so läuft. Unsere Ansprechpartner haben sich über diese Anrufe sehr erfreut gezeigt, es war ja für alle eine schwierige Zeit, und es tat gut, sich auszutauschen.
Christian: Dabei wurde auch immer schnell deutlich, dass die Unternehmen und unsere Kontaktpersonen eigentlich darauf brennen, wieder so richtig loszulegen, die eigenen Projekte voranzutreiben und wieder Handlungsspielraum zu bekommen. Für den Herbst empfangen wir jedenfalls durchaus positive Signale. Vorausgesetzt natürlich, dass es keine zweite Welle und keine neuen Einschränkungen geben wird. Das hoffen wir genauso wie unsere Kunden.

Was denkt Ihr, was sich in der Fotografie verändern wird?
Christian: Die Fotografie in all ihren Spielarten ändert sich ja fortlaufend, ästhetisch, technisch, inhaltlich und natürlich auch im geschäftlichen Bereich. Ob Corona hier langfristig etwas ändern wird, weiß ich nicht. Wird es in Zukunft weniger Veranstaltungen geben oder nur noch Hochzeiten im Autokino? Ich glaube das nicht. Und die Unternehmen werden natürlich auch in Zukunft Kommunikation betreiben wollen und müssen.
Ansonsten besteht natürlich jede Menge Veränderungspotenzial. Obwohl die digitale Technik sehr weit fortgeschritten ist, wird sie sich trotz schrumpfendem Markt ziemlich stürmisch weiter entwickeln. Wenn das Megapixel- und High-ISO-Rennen irgendwann ausgereizt sein wird, werden sich die Hersteller vermutlich auf die fast unbegrenzten Möglichkeiten in der Software stürzen – wie das ja bei den Mobilphone-Kameras jetzt schon zu beobachten ist. Das wird weiterhin vieles vereinfachen, aber es wird die Fotografie selbst nicht wirklich verändern, nur den Weg zum fertigen Bild.
Silvia: Und was Bildaussage, Bildwirkung, Ästhetik undsoweiter angeht, da wird es so sein, wie es schon immer war: Die Bildsprachen werden sich entsprechend der gesellschaftlichen Prozesse entwickeln und verändern, Moden werden kommen und gehen, aber am Ende des Tages zählt weiterhin, ob das Bild den Betrachter berührt, es Emotionen weckt, Informationen transportiert oder etwas sichtbar macht, was bisher in dieser Form nicht gesehen wurde?

Woran arbeitet Ihr aktuell?
Silvia: Für uns ist es jetzt wieder an der Zeit, ein neues fotografisches Projekt aufzusetzen, an dem wir uns reiben und in dem wir uns entwickeln wollen. Dabei streben wir wieder ein „Win-Win-Win“ Modell an, bei dem es einerseits darum geht, sich fotografisch richtig auszutoben, gleichzeitig neue Kunden und Kontakte zu gewinnen und auch einen Medienpartner ins Boot zu holen, der ebenfalls von dem Projekt profitieren wird.
Christian: Was wird das sein und wie wird es im Detail aussehen? Das erzählen wir gerne im kommenden Frühjahr!

Was ist Euer persönlicher fotografischer Wunsch für künftige Zeiten?
Silvia: Ich wünsche mir, dass in die verschiedenen Fotografie-Märkte eine neue Professionalität einzieht oder sich verstärkt. Das gilt sowohl für die Auftraggeberseite als auch für die Fotografen. Ich wünsche mir, dass Kunden anspruchsvoller werden und der kommunikativen Kraft der Fotografie einen höheren Stellenwert einräumen. Dass ihnen noch mehr bewusst wird, dass Bilder etwa in der Unternehmenskommunikation kein notwendiges Übel sind, sondern von zentraler Bedeutung für den Erfolg einer Idee, einer Kampagne oder für die erfolgreiche Kommunikation von Werten. Ich sehe auch eine Entwicklung in diese Richtung, und wir stellen fest, dass beispielsweise billige und aussageschwache Stockfotografie in der Unternehmenskommunikation auf dem Rückzug ist und individuelles und zum jeweiligen Kunden authentisch passende Bildaussagen an Bedeutung gewinnen.
Christian: Auf Fotografenseite wünsche ich mir ein neues Selbstbewusstein und professionelleres Handeln, vor allem auch im Hinblick auf den Wert der Fotografie. Bei den jetzt nachrückenden Generationen sehe ich da ganz gute Ansätze, zum Beispiel einen nicht mehr rückwärtsgewandten Blick auf vermeintlich „goldene Zeiten“ und eine unsentimentale Haltung gegenüber aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten. Technisch ist Fotografie so einfach wie noch nie zuvor, aber als Profi in diesem Markt zu bestehen, ist durchaus eine Herausforderung – mehr vielleicht als früher. Hier sind auch die Hochschulen und andere Ausbildungsstätten gefordert, dass sie Fotografie nicht nur technisch, inhaltlich und ästhetisch ausbilden, sondern die jungen Leute auch fit für den Markt machen. Auch die Fotografenverbände sehe ich hier in der Pflicht.
Insgesamt: Ich wünsche mir eine gute und vitale Zukunft für professionell ausgeübte Fotografie!

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#FacesOfPhotography – Teil 72: David Klammer aus Köln

David Klammer schätzt die Entschleunigung in diesen Zeiten und arbeitet weiter an seinem Langzeitthema Hambacher Forst. Worüber er sonst nachdenkt, darüber hat er mit den #FacesOfPhotography gesprochen:

David, wie geht es Dir?
Kurze Frage, lange Antwort: zwischen Verzweiflung und Euphorie. Diese erzwungene Entschleunigung führt ja zu verstärkter Selbstbeobachtung, Rückblicke auf das bisherige Leben und Fragen, wie sich die Zukunft gestalten lässt.

Wie ist es Dir fotografisch wirtschaftlich seit Beginn der Krise ergangen?
Null Jobs seit April, zum Glück habe ich die Soforthilfe erhalten. Und es stehen keine größeren Investitionen bevor. Das Auto ging gerade durch den TÜV…

Du arbeitest weiter an Deinem Langzeitthema über den Hambacher Forst – wie wirkt sich die Krise dort aus?
Im Hambi geht das Leben fast so weiter wie vorher. Dort ist man ja immer schon mit Gesichtsmaske unterwegs. Und draußen ist die Ansteckungsgefahr auch viel geringer. Es gibt dort inzwischen auch Desinfektionsmittel und Gummihandschuhe. Und Wohngemeinschaften dürfen sich ja auch in Coronazeiten zusammen aufhalten. Also alles rechtens im Hambi!
Viel mehr wirkt sich aus, dass der Hambacher Wald im Bewusstsein der Bevökerung als gerettet gilt und aus der Öffentlichkeit verschwindet. Da kommt inzwischen weniger Support von außen an, seien es Lebensmittel oder andere Dinge.

Spürst Du selber eine Veränderung in Deiner Fotografie?
Wieder das Wort Entschleunigung: Für eine kommende Auftrags-Reportage werde ich mir eine Mittelformatkamera, eine Fuji GFX ausleihen. Die zwingt mich, wie zu analogen Zeiten die Rollei, langsamer zu fotografieren. Vielleicht sogar mit Stativ.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?
Geschichten, die sich nicht um Corona drehen. Und auch wieder mehr Portrait-Jobs.

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#FacesOfPhotography – Teil 11: Florian W. Müller aus Köln

Florian W. Müller aus Köln – Entdecker und Reisender durch (fast) alle fotografischen Disziplinen – erzählt in der Strecke #FacesOfPhotography, warum ihn die Krise in die heimische Dunkelkammer getrieben hat. Und auch darüber, wie er die Auswirkungen auf den fotografischen Markt einschätzt und was er sich für die Zukunft wünscht:

»Normalerweise bin ich für meine Bilder viel in der Welt unterwegs. Sei es für freie Projekte oder Auftragsarbeiten, mein Aktionsradius kennt keine Grenzen – dafür noch viele blinde Flecken. Daher fühlte sich die jetzige Situation anfangs an wie ein Hemmschuh. Ich hatte eine schöne Anfrage für eine Photography-Masterclass und einen Job in Taiwan, sollte in Essen und in Zingst über meine Arbeit sprechen und habe zur Zeit Bilder in einer Ausstellung, die jetzt niemand anschauen kann.

Auf der anderen Seite bietet diese Art der Klausur neue Möglichkeiten: Ich schreibe an Konzepten, die ich Kunden vorstelle, habe den Kopf frei, um neue Ideen zu entwickeln und kann endlich weiter an meiner Webseite arbeiten. Da entsteht gerade etwa ein kleiner Shop, in dem unter anderem mein handgefertigter, ausgezeichneter und limitierter Singularity-Kalender verkauft wird.

Und ich habe Zeit endlich Zeit mich einem Projekt zu widmen, was Zeit, Geduld und Muße erfordert: Platin/Palladium Drucke. Im Februar hatte ich das Vergnügen und die Ehre zwei Tage lang im Senckenberg Entomologischen Institut in Brandenburg Insekten zu fotografieren. Die Bilder, die dabei entstanden sind, waren für mich der Motor die Idee der kostbarsten analogen Ausbelichtung zu forcieren. Und das ist verhältnismäßig aufwändig. Ich habe einen UV-Licht-Belichtungskasten gebaut, mich in die Theorie dieser Technik gekniet (danke an dieser Stelle an Christian Klant, das wandelnde Lexikon zu historischen Techniken) und die ersten Versuche gestartet. Das hätte ich in normalen Zeiten ewig vor mir hergeschoben.

Das erste Bild dieser neuen Serie, die den Namen »Samsa« trägt, ist fertig und ich find’s großartig. So entstehen absolute Unikate. Das Ganze ist zeitraubend, schön und eröffnet abseits vom digitalen Workflow eine neue, intensive Perspektive auf die eigenen Arbeiten.

Hätte nicht gedacht, dass ich mir nochmal die Nächte in der Dunkelkammer und an der Badewann um die Ohren schlagen würde.«

Wir wollten von ihm aber auch wissen, wie er die aktuelle Lage beurteilt:

Florian, was denkst Du, wie sind die Auswirkungen der Krise für den fotografischen Markt?
Einerseits werden viele Kollegen gerade an den Rand ihrer beruflichen Existenz gedrückt und ich hoffe, dass mit eigenen Reserven und den Unterstützungen ein Überleben für jeden Einzelnen machbar ist. Das ist traurig und bescheuert, da niemand etwas für diese Misere kann.

Auf der anderen Seite entsteht gerade eine große Welle der Kreativen, also über die Bildmacher hinaus – wie auch von Euch bei Fotogloria – um der Welt zu zeigen, dass es uns noch gibt und dass wir und unser Schaffen für eine funktionierende, kreative und großartige Welt absolut notwendig sind.

Außerdem fühle ich gerade ein tolles Zusammenrücken und ein Schulterschluss ohne Konkurrenzdenken. Beim BFF laufen die Drähte heiß um den Kolleg*innen den Weg zu Hilfe und Unterstützung zu zeigen. Darüber hinaus kann ich mich im Netzwerk des BFF gerade jetzt mit Kolleg*innen austauschen, ich habe dadurch nicht das Gefühl alleine durch diese ungewisse Zeit zu schippern.

Darüber hinaus wird es auch mehr virtuelle Ausstellungen geben und Plattformen für die eigenen Werke. Das ist auch toll und mit Sicherheit ein vorgezogener Blick in die fotografische Zukunft.

Was wünschst Du Dir im fotografischen Sinn für die Zeit nach der Krise?
Das der positive Effekt – siehe oben – anhält und ausgebaut wird. Dass Kunden schnell wieder mutig werden und unser Know How und unser Können schnell wieder einsetzen. Dass dieser kreative Flow, der Mut und die teilweise verrückten Ideen anhalten. Ganz persönlich, dass ich bald wieder reisen kann und dass viele Konzepte, über denen ich gerade brüte ihren Weg auf die Welt finden.

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LinkedIn-Auftritt von Florian W. Müller
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BFF-Seite von Florian-W.Müller
Behance-Portfolio von Florian W. Müller

Außerdem bespielt Florian W. Müller den Fotografie-Podcast »Shuttertalk«

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Das BESTE Bild von… Florian Müller

Losgehen mit einer Bildidee, sich trotzdem von einem anderen Motiv überraschen lassen und dann das BESTE Bild mit nach Hause bringen – Florian Müller und seine Geschichte:

Wo und wann ist Dein bestes Bild entstanden?

Im Januar 2015 im Bergischen Land. Auf einem verschneiten Feld im Nebel.

Wie ist es entstanden?
Ich war auf der Suche nach einem kleinen Wäldchen auf einem Feld im Nebel. Ursprünglich wollte ich die Ahnung dieses Wäldchens, auftauchend aus dem alles gleichmachenden Nebel aufnehmen. Eine Art visuell-poetische Übersetzung von Melancholie und Einsamkeit; aber auch Ruhe, Stille und Friedlichkeit vermittelnd. Ich hatte längere Zeit auf diese Kombination Schnee/Nebel gewartet und bin nach entsprechender Wettermeldung losgezogen. Im Gepäck: Stativ, Nikon D800E, diverse Festbrennweiten (50, 35, 85mm). Auf dem Weg zum Wäldchen tauchte plötzlich diese Gruppe eingepackter Heuballen aus dem Nebel auf.

Für wen hast Du Dein bestes Bild gemacht?
Für ein privates Projekt. Für Ausstellungen und als Kunstwerk in limitierter Edition.

Warum ist genau dieses Bild Dein bestes Bild?
Was mich faszinierte, war das Material – kein Kunststoffüberzug, sondern feines, grünes Gewebe, was an Stoff erinnerte. Außerdem die Formen, wie Gesichter oder Skulpturen. Die Verpackung, der Stoff, die fast schon erhabene Präsenz mitten im Nichts. Für mich war sofort der Gedanke an Christo da. Natürlich abstrakter, nicht etwas Imposantes wurde verhüllt, sondern etwas Profanes. Trotzdem wurde der gewöhnliche Heuballen für mich durch die Verhüllung zu etwas Kunstvollem transformiert. Die Phrase, dass Kunst im Auge des Betrachters entsteht, wird hier augenzwinkernd realisiert und durch den Titel »Not Christo« fast brutal dem Betrachter entgegengeschleudert .
Für mich war das Entdecken des Motivs ein schöner »Ach Guckmal-Moment«. Auf der Suche nach etwas ganz anderem fand ich dieses Ensemble und war fasziniert. Der Engländer nennt diesen Moment »Serendipity« – Finden wonach man gar nicht sucht. Prima Sache. Dass sich dieses Bild auch noch an anderer Stelle großer Beliebtheit erfreut, ist ein weiterer schöner Nebeneffekt: Es hat bei den International Color Awards 2016 den ersten Platz in der Kategorie „Still Life“ gemacht und ist zur Zeit als Finalkandidat bei den diesjährigen Awards der Association of Photographers nominiert.

Und zuguterletzt: Gibt es etwas an dem Bild, was Du im Nachhinein doch noch gerne verändern würdest?
Nö.

photokina 2014 – Ausstellung »Butterfly« in Köln zu sehen

In Zingst war sie DER Publikumsmagnet – die Open-Air-Ausstellung »Butterfly« von fotogloria-Fotograf Jan Michael Hosan. Kein Wunder also, dass im Anschluss die weltgrößte »Leitmesse rund ums Bild« – die photokina 2014 – Interesse an der Schau gezeigt hat. Und so ist nun die Ausstellung, die im Rahmen des siebten Umweltfotofestivals »horizonte zingst 2014« konzipiert, von Jan-Michael Hosan fotografiert und von Klaus Tiedge kuratiert wurde, in Köln zu sehen – mit allen 30 Motiven, wieder Open Air und wieder in der beeindruckenden Größe von drei mal drei Metern für jedes Bild. Der Standort: Der Zugang zum Südeingang der photokina.

Und nicht nur das gibt es von fotogloria auf der photokina zu sehen: mit dabei ist auch fotogloria-Fotografin Anna Mutter mit einer kleinen Kollektion Ihrer Strecke »Abendrot«. Zu sehen – und das erste Mal auch als Prints mit einer kleinen Auflage zu kaufen – sind die Bilder in der »photokina sales gallery« bei der Galerie STP, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der »Erlebniswelt Fotografie Zingst«.

© Anna Mutter _ fotogloria _ Seniorenclown

Apropos »Erlebniswelt Fotografie Zingst«: Seit vielen Jahren ist das engagierte Zingster Fotografie-Team als Stammgast auf der photokina dabei. Mit wachsendem Programm. So ist auch diese Jahr die Vielfalt der Angebote einen Besuch wert, Ein Programmpunkt ist übrigens auch die Preisverleihung des Wettbewerbs »Heartbeat of Nature«, bei der fotogloria mit in der Jury saß (HIER geht es zum Erlebnisbericht).

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Zusammen gefasst: Die Reise zur photokina ist obligatorisch für Fotografieinteressierte, der Besuch bei den Zingstern und ihren Programmpunkten sehr empfehlenswert. Viel Spaß!

P.S.: Wer es nicht zur photokina schafft: Natürlich gibt es alle Bilder von Jan-Michael Hosan und Anna Mutter jetzt schon und auch noch nach der großen Messe in der fotogloria-Datenbank zu sehen – und zu kaufen. Anruf oder email genügen – info@fotogloria.de | 040 609 42 906 -0