Archiv der Kategorie: Interview

#FacesOfPhotography – Teil 9: Götz Schleser aus Berlin

Angesichts der Coronakrise stehen viele Fotografen wie aus dem Nichts vor dem beruflichen Nichts – eine Auftragsflaute historischen Ausmaßes bedroht akut Existenzen. So auch die des Berliner Fotograf Götz Schleser, der für die #FacesOfPhotography ein sehr intimes und gleichzeitig symbolträchtiges Selbstbild ausgewählt hat:

Götz, warum hast Du genau das Bild für die #FacesOfPhotography ausgewählt?
Nackt, schutzlos, verwundbar, eiskaltes Wasser… In etwa so fühlt sich mein Berufsleben gerade an.

Was ist die Geschichte Deines Bildes?
Es ist eines meiner privaten Bilder, das ich noch nie veröffentlicht habe. Das Bild hatte ich längere Zeit im Kopf und bin an einem Samstag im Februar bei – 8 Grad und einer Wassertemperatur von 4 Grad an die Ostsee gefahren und habe mich fotografiert. Meine Füße waren, als ich aus dem Wasser kam, knallrot.

Was bedeutet die Fotografie für Dich?
Mich macht es glücklich, wenn ich arbeite. Vor allem dann, wenn ich ein Bild so umsetzen kann, wie ich es im Kopf habe, das spüren auch die Menschen die ich fotografiere. Sie merken, daß ich das liebe was ich tue und so komme ich zu den Bildern die ich möchte. So macht es mich glücklich, drei bis vier richtig gute Bilder im Jahr zu fotografieren.

Wo wärst Du eigentlich in dieser Woche?
Ich hätte einen Workshop in Essen gegeben. Und ich war für ein Portraitshooting in Hamburg und Dresden gebucht.

Was denkst Du, wie sind die Auswirkungen der Krise für den fotografischen Markt?
Da ich Portraitfotograf bin, also von Angesicht zu Angesicht arbeite, sind mir über Monate 100 Prozent meine Aufträge, Workshop, Seminare und Vorträge abgesagt worden. Das geht aber nicht nur mir so – die Situation bringt mich und viele andere Kollegen gerade an den Rand des finanziell Machbaren.
Ich hoffe aber, das wir das mit vereinten Kräften schaffen. Es ist jetzt schon zu merken, daß die Kreativen nicht untätig zu Hause sitzen, sondern die Bilder machen, die sie schon immer machen wollten. Es werden neue Plattformen zur Bildvermarktung ins Netz gestellt, alle  arbeiten – ich freue mich auf die kreative Explosion nach der Krise und damit wird die Wertschätzung jeglicher kreativen Arbeit  hoffentlich steigen.

Was wünschst Du Dir für jetzt und für die Zeit nach der Krise?
Ich wünsche mir sehr, dass jetzt alle Kreativen – Agenturen, Grafiker, Musiker, Bildredakteure, Fotografen, Illustratoren, Filmer, Audio – zusammen rücken, gemeinsam geilen Scheiß raushauen und die Gemeinschaft nach der Krise bleibt.

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#FacesOfPhotography – Teil 7: Stefan Falke aus New York City

#FacesOfPhotography: Der Fotograf Stefan Falke, gebürtiger Paderborner, lebt mit seiner Frau Christine in New York City und arbeitet für internationale Zeitschriften, Film Studios und Firmenkunden. Wir wollten von ihm wissen, welche Auswirkungen die Krise auf seine Stadt, auf ihn und auf die Fotografie hat:

Stefan, wie ist die Stimmung in New York City?
Ganz schlecht. Es hängt ein Gefühl von »doom« in der Luft. Im Central Park werden Notzelte aufgebaut, ein gigantisches Krankenhausschiff der Armee fährt in den Hafen ein, die Supermarktkassierer/innen tragen Atemschutzmasken, man geht sich aus dem Weg, fährt allein im Fahrstuhl, lebt isoliert, das kulturelle Leben liegt flach. Der New Yorker, von Natur aus eher unruhig und immer in Bewegung, kommt damit nicht gut zurecht. Gleichzeitig überall das Gefühl der Solidarität.

Woran arbeitest Du zur Zeit?
Ich fotografiere zur Zeit New York City während der Krise. Ich hatte einige Aufträge aus Europa und arbeite frei für meine Agentur laif. Es geht mir um die Leere der Stadt und um Menschen die nach wie vor zur Arbeit kommen. Vor allem Paketzusteller und Fahradkuriere fallen auf. Die neuen Helden. Natürlich arbeiten die richtigen Helden in den Krankenhäusern und Altersheimen undsoweiter, aber der Zugang ist natürlich zu Recht schwer und ich möchte dort nicht auch noch bei der schwierigen Arbeit stören. Das ruhige New York zieht mich magisch an, vor allem bei hartem Sonnenschein. Schon seltsam wie visuell reizvoll die Apokalypse sein kann.

© Stefan Falke / laif

Dein Bild zeigt…
… mich in unserer Wohnung im 17. Stock eines Hochhauses in Manhattan’s Stadtteil Chelsea. Das Foto auf meinem Labtop hatte ich gerade gestern fotografiert, es zeigt die Ankunft des Krankenhausschiffes der US-Armee im Hafen von New York; die Polizei verbreitet ein bisschen Volksfeststimmung indem sie mit einer aus dem Auto gehaltener US-Flagge das Ereigniss feiert.

Was denkst Du, was ist die Aufgabe der Fotografie in diesen Zeiten?
Die Fotografie hat jetzt die gleiche Aufgabe wie sonst auch: Dokumentieren, zeigen was andere eventuell nicht sehen können. Gute Laune verbreiten wo es möglich ist und Tatsachen aufzeigen wo sie wichtig sind.

© Stefan Falke / laif

Was für Auswirkungen auf die Fotografie-Branche wird die Krise in New York / in den USA haben?
Ich glaube nichts wird mehr sein wie es war nachdem die Welt diese Katastrophe überwunden hat. Wirtschaftlich wird die Fotografie-Branche genauso am Boden liegen wie alle anderen auch. Es gibt natürlich große Chancen für viele von uns wenn es wieder weitergeht, aber einige werden bis dahin aufgegeben haben. Das hatten wir ja schon zu Zeiten der Digitalisierung, aber jetzt ist das eine ganz andere Dimension. Die Frage ist natürlich auch wohin dann mit der ganzen Kreativität und dem Fotojournalismus, die Medienlandschaft wird sich wieder einmal verändert haben, zahlende Kunden vor allem im Printmedienbereich werden noch seltener zu finden sein als vor Corona. Neue Bezahlmodelle müssten für uns im Online-Bereich gefunden werden. Denn da spielt die (Fotografie-) Musik bald mehr als zuvor.

Welchen fotografischen Wunsch hast Du für die Zeit nach der Krise?
Das alles so bleibt wie es mal war. Scherz beiseite, ich hoffe ich werde weiterhin in der Lage sein meinen Beruf (meine Berufung) mit der Kamera auszuführen um bald die wirtschaftliche und kulturelle Wiederauferstehung zu dokumentieren und positiveren Geschichten nachzugehen als es momentan der Fall ist.

© Stefan Falke / laif

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#FacesOfPhotography – Teil 6: Sebastian Vollmert aus Hamburg

In Teil sechs unserer Serie #FacesOfPhotography stellen wir Sebastian Vollmert aus Hamburg vor – er arbeitet als People- und Architekturfotograf, vornehmlich im Corporate-Bereich, aber auch einige Reiseveranstalter gehören zu seinen Kunden…:

Sebastian, was zeigt Dein Bild?
Als Fotograf, der normalerweise mehr im Ausland arbeitet als in Hamburg, bin ich gerade sehr viel zu Hause und spiele Lehrer für die Kinder.
Entsprechend dokumentiere ich gerade unsere Homeoffice/ Homeschooling Situation – unsere Kinder haben etwa auch den Hintergrund von meinem Bild gemalt.
Da Gesichtsmasken gerade vor allem in Krankenhäusern gebraucht werden, nutzen wir lieber die individuell und in der Nachbarschaft – in diesem Fall von Matilde Frank – hergestellten Masken aus festem Stoff. Wir haben alle eine.

Wenn wir uns eine Welt ohne Corona vorstellen – an welchem Auftrag würdest Du gerade arbeiten?
Ich hätte gerade ein Shooting für TUI auf Gran Canaria.

Was ist Dein fotografischer Wunsch für die Zeit nach der Krise?
Ich freue mich auf spannende, neue Projekte und die wiedergewonnene Freiheit, an trubelige Orte reisen zu können. Vor allem aber freue ich mich auf das echte Leben und vielfältige Begegnungen mit Menschen. Davon lebt Fotografie.

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#FacesOfPhotography – Teil 5: Jan Hosan aus Neuwied

Jan Hosan aus Neuwied ist Industrie- und Wissenschafts-Fotograf seit vielen Jahren und das mit ungebrochener Neugierde und Leidenschaft. Die Zwangspause nutzt er, um seine Technik zu verfeinern und Lichtideen und neues Equipment zu testen – um seinen Kunden noch bessere Qualität anbieten zu können, wenn die Krise vorbei ist.

Jan, wo wärst Du eigentlich in dieser Woche?
Hm, da muss ich kurz nachdenken… Stuttgart, München und Nürnberg. Und in der nächsten Woche wäre ich in Bingen, Kaiserslautern und Frankfurt… Alles abgesagt. Auch der Großauftrag in China – gecancelled. Nach Schweden komme ich natürlich auch nicht mehr. Von gut gebucht bin ich jetzt auf null.

Was machst Du anstattdessen.
Ich arbeite. Nach wie vor jeden Tag von 7 bis 7. Ich habe schließlich keinen Urlaub.
Ok, ich mache vielleicht tagsüber ein paar mehr Pausen als sonst und fahre mit meiner Tochter Fahrrad oder habe sie einfach bei mir in meinem Studio.
Aber ich nutze die Zeit für Dinge, die sonst im Alltag zu kurz kommen: Gerade teste ich analoges Material, Filme, Entwicklung und Co. für einzwei freie Arbeiten, die mir vorschweben. Für meine Aufträge teste ich neue Lichtsetups, versuche mich an Dauerlicht, teste neue Optiken durch und noch einiges mehr.
Außerdem verwende ich Zeit zur Kundenpflege und klingele einfach mal bei einigen durch und lasse von mir hören…

Kannst Du der Situation etwas positives abgewinnen?
Ja, unbedingt. Bei meinen Tests kann ich auch mal etwas gewagtere Settings wagen und kann Ideen durchspielen. In meinem Berufsalltag gehe ich bei allen Aufträgen fotografisch eher auf Nummer sicher und probiere wenig aus, das bedauere ich manchmal. Jetzt kann ich mir das Wissen draufschaffen und gestärkt und mit verbesserter Qualität in die neuen Aufträge gehen.

Was bedeutet die Fotografie für Dich?
Die Fotografie bedeutet mir wahnsinnig viel, ohne könnte ich nicht leben. Sie ist mein Antrieb – beruflich sowieso, aber auch privat: Ich arbeite immer an einigen freien Serien. Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.

Was wünschst Du Dir für die Zeit nach der Krise?
Das meine Kunden die Zeit gut überstehen und auch weiterhin in qualitativ hochwertiges Fotomaterial investieren. Aber ich bin ganz positiv, habe das Gefühl, dass einige schon mit den Hufen scharren und loslegen wollen. Es geht mir ähnlich!

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#FacesOfPhotography – Teil 3: Alberto Giuliani aus Pesaro

Als wir in der letzten Woche den ersten Aufruf für unser neues Projekt #FacesOfPhotography starteten, meldete sich quasi sofort der Fotograf Alberto Giuliani. Er schickte uns – neben seinem Selbstbild – ein PDF mit seiner jüngsten Strecke: Portraits der Ärzte und Pfleger*innen, die in dem Krankenhaus seiner Heimatstadt arbeiten, dem italienischen Pesaro.

Die Bilder verschlagen uns immer noch den Atem und wir haben großen Respekt vor dieser wichtigen Arbeit – sie ist ein Zeitzeugnis, sie ist hochemotional und sie scheint in diesen Tagen für uns wie ein Blick in die Zukunft.

Darum haben wir sie auch sofort in einer email an den Stern weitergeleitet.
Gestern ist die Strecke erschienen.

Wir haben Alberto gebeten, uns zu erzählen, was er gesehen, gefühlt und warum er fotografiert hat.

Was war Deine Motivation für die Strecke?
Das Schwierigste, was man in dieser Zeit akzeptieren muss, sind Ohnmacht und Unsicherheit. Mit diesen unglaublichen Ärzten und Pfleger*innen an vorderster Front zu stehen war eine Möglichkeit, gemeinsam mit ihnen gegen die Angst zu kämpfen, die hier jeder hat. Ich wollte erzählen, was vor sich geht.

Wie bist Du in das Krankenhaus gekommen und was hast Du vorgefunden?
Der Zugang, den ich hatte, ist wirklich außergewöhnlich – das Krankenhaus steht in der Stadt, in der ich geboren wurde. Und das ich mittendrin sein konnte war möglich, weil die Menschen mich kennen und die befreundeten Ärzte mir vertrauen. Sie alle wollen zeigen, wie schwierig ihre Arbeit in diesen Tagen ist und so hatte ich an einem Tag alle Genehmigungen, die ich für diese Arbeit brauchte.
Es war beeindruckend, Räume und Zimmer voller Patienten zu sehen. Das gesamte Krankenhaus verwandelte sich in eine einzige riesige Intensivstation.
Fotografiert habe ich die Spuren auf den Gesichtern der Ärzte und Pfleger*innen, die die Masken nach 12-Stunden-Schichten ohne Trink- oder Toilettenpausen hinterlassen haben.
Sie sind müde und gestresst. Ich habe gesehen, wie Ärzte und Krankenschwestern wegen der Müdigkeit und dem Gefühl der Hilflosigkeit weinen.

Wie hast Du Dich gefühlt und wie fühlst Du Dich jetzt?
Ich fühle mich nicht mutig. Ich versuche einfach nur, auf beste Art und Weise zu erzählen, was um mich herum geschieht und das mit meinen Mitteln: Der Fotografie.
Das Krankenhaus ist nur einen Block von meinem Haus entfernt. Ich habe viele Freunde, die dort arbeiten und eines ist ganz sicher: Es ist ganz anders, als eine traurige und schwierige Geschichte wie aus dem Krieg, von Katastrophen oder ähnlichem fernab von zu Hause zu erzählen. Denn dabei weißt Du immer, dass Du in Dein warmes und sicheres Zuhause zurückkehren wirst. Das ist dieses Mal anders.

Wie wirst Du an dem Thema weiterarbeiten?
Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Ich sehe die Bilder als den Anfang eines neuen Projekts über die »unsichtbaren Feinde« und möchte gerne in dieser seltsamen Periode ein komplexeres Werk aufbauen… Ich werde die Ereignisse und die Gefühle – meine und die meiner Familie – weiter verfolgen.

Last but not least: Was kann die Fotografie in einer Zeit wie dieser erreichen?
Die Fotografie kann als ein Werkzeug Erinnerungen festhalten und denen Gerechtigkeit widerfahren lassen, die mit jedem Atemzug kämpfen. Und für den Fotografen ist sie ein Werkzeug, um der Angst zu entfliehen und sich nützlich zu fühlen.

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Elementarteilchen und Detektoren – Jan Hosan fotografiert beim CERN

Was passiert, wenn Mensch Elementarteilchen kollidieren lässt? Es können und es werden Antworten auf die fundamentalen Fragen nach den Gesetzmäßigkeiten des Universums gefunden.

Um genau das zu ermöglichen, wurde Mitte der 1950er Jahren in der Nähe von Genf das CERN*, die Europäische Organisation für Kernforschung (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) gegründet, das heute mit 22 Mitgliedstaaten eines der größten und renommiertesten Zentren für physikalische Grundlagenforschung der Welt ist.

Theoretisch könnte entsprechend in den 27 Kilometern des unterirdischen Teilchenbeschleunigers des CERN, im LHC (Large Hadron Collider), ein alles verschlingendes Schwarzes Loch entstehen. Theoretisch könnte auch das Geheimnis der Ursuppe gelüftet werden. Ganz praktisch wurde hier etwa das Higgs-Boson als kleinstes bislang bekanntes Teilchen entdeckt und transformierte 2012 damit von der Theorie in die Realität.

Auf Entdeckungen eines solchen bewußtseinerweiternden Ausmaßes hoffen die Forscher am CERN natürlic, aber auch ganz anderen Fragestellungen zu den Naturgesetzen und den kleinsten Bestandteilen der Materie werden mit Hilfe der vier Detektoren, die in 100 Metern Tiefe entlang des Teilchenbeschleunigertunnels platziert sind, nachgegangen.

Auf den Spuren der Wissenschaftler waren fotogloria-Fotograf Jan Hosan und fotogloria-Chef Mike Gamio in der Schweiz beim CERN zu Gast und haben Bekanntschaft unter anderem mit ALICE (A Large Ion Collider Experiment) – siehe Titelbild – gemacht, dem Detektor in dem die beim Übergang zwischen Quark-Gluon-Plasma und normaler Materie produzierten Teilchen (aus denen sich letztendlich die heutige Materie zusammensetzt) vermessen werden.

Wir wollten wissen, was genau Jan daran so spannend findet, wie Mike es geschafft hat, dass sie beim CERN empfangen wurden und was Teilchenbeschleuniger bei den beiden auslösen:

Jan, warum wolltest Du beim CERN fotografieren?
In den vergangenen Jahren habe ich oft beim European XFEL (X-Ray Free-Electron Laser Facility) in Hamburg und beim GSI (Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung) in Darmstadt fotografiert und habe mich in dem Zuge mit Teilchenbeschleunigern beschäftigt – ich finde das Thema einfach ultraspannend.

Und CERN… Nun, das LHC mit seinen vier Detektoren ist die absolute Oberliga in der physikalischen Grundlagenforschung. Ich war schlicht neugierig auf die schiere Größe und hatte eigentlich nur den ganz großen Wunsch, das alles einfach mal nur zu sehen zu dürfen. Ganz ehrlich, mir hätte es auch gereicht, einfach nur einen Blick darauf werfen zu dürfen, aber dann kam von Mike die Nachricht, dass ich sogar fotografieren darf. Krass, da war ich schon platt. Damit hatte ich nicht gerechnet, das war für mich ein Gefühl wie ein Sechser im Lotto!

Mike, wie hast Du es geschafft, dass Ihr dort rumlaufen und sogar fotografieren durftet?
Das war eine etwa ein halbes Jahr andauernde Mischung aus Hartnäckigkeit, präzisen Formulierungen zu unserem Vorhaben, Jans und unserem fotogloria-Portfolio, der grundsätzlich sehr freundlichen Offenheit des CERN und natürlich meinem unbändigen Charme. Alles Weitere ist Berufsgeheimnis.

Wie war der erste Blick in das Innere des LHC?
Bevor wir diesen ersten Blick erleben durften, mussten wir vom Haupteingang des CERN eine halbe Stunde über Landstraßen bis zu einem der vier Detektoren, dem CMS (Compact Muon Solenoid)  fahren. Nach einer kurzen Einweisung in der Schaltzentrale sind wir dann mit einem Aufzug 95 Meter tief in die Erde gefahren, das war schon sehr beeindruckend.

Aber wir hatten das erste Highlight des Tages noch vor uns und das war einfach unglaublich. Nach mehreren Treppen und Gängen durch eine enge Industrieanlage standen wir auf einmal oben vor dem  Detektor, und der war einfach nur gigantisch, und wir beide sprachlos. Man steht vor dieser Anlage, von der man jahrelang nur Fotos gesehen hatte und davon träumte, sie mal zu sehen… und plötzlich ist man da. Man steht da und weiß nicht wohin man schauen soll, es sind so viele Eindrücke und man versteht an sich nichts von dem, was dort passiert, nur dass es etwas Großes und Wichtiges ist, an dem geforscht wird. Dieser erste Blick wird lange in unseren Erinnerungen bleiben!

Mike, was begeistert Dich an derlei Technik und Wissenschaft?
Mich fasziniert vor allem die Begeisterung der Menschen die in derlei Forschungsanlagen arbeiten. So auch im CERN: Egal welches wissenschaftliche Experiment wir besucht haben, wir haben immer Leute getroffen, die für Ihre Forschung wirklich brennen, gerne darüber erzählen und diese Forschung auch zeigen wollen. Selbst wenn ich nur immer nur wenig und manchmal mehr verstehe von dem, was dort wirklich passiert, höre ich total gerne zu und lasse mich mitreißen.

Jan, was war die fotografische Herausforderung, die es zu meistern galt?
Zuallererst einmal war ich einfach nur absolut beeindruckt, es war der Wahnsinn, das alles zu sehen. Ich musste mich schon ziemlich disziplinieren, damit ich den Blick losreißen und mich auf Kameraufbau, Bildausschnitt und Co. konzentrieren konnte. Und selbst dann war es ungeheuer schwer für mich, ein Bild zu machen: Die Detektoren haben so viele Details, es gibt so viele Blickpunkte, unzählige Möglichkeiten…

Und dann die Belichtungszeit… Eigentlich habe ich jeweils mindestens 10 Sekunden belichtet, aber da die Detektoren unbedingt Menschen als Bezugsgröße brauchen, waren in allen Bildern die Personen derart verwischt, dass das nicht ausgesehen hat. Ausgewählt habe ich jetzt tatsächlich die Bilder, die ich eigentlich als Tests gemacht habe…

So oder so bin ich glücklich mit dem Ergebnis – wer hätte gedacht, dass ich eines Tages Bilder von ALICE habe oder vom CMS…** Wenn ich allerdings einen Wunsch frei hätte, würde ich gerne noch einmal zum CERN fahren und dort mit meinem jetzigen Wissen autark sowohl den Beschleuniger also auch alle vier Detektoren fotografieren.

 

* Für mehr Informationen über CERN bitte HIER entlang.

** Für mehr Informationen über den Teilchenbeschleuniger LHC und die Detektoren und ihre Funktionsweisen betreibt das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY die Informationsseite Weltmaschine.

*** Nach einer klassischen Ausbildung zum Werbefotografen arbeitete Jan Hosan in Studios in Österreich und der Schweiz. Sein Handwerk – die Industriefotografie – schließlich mehr als beherrschend, eröffnete er 2006 sein eigenes Studio. Seitdem setzt er die Ideen seiner internationalen Kunden um – mit einem hochprofessionellen und den speziellen Anforderungen angepassten Equipment und immer mit seinem eigenen Blick. Jan Hosan ist neben der Industriefotografie auf Technologie-, Medizin und Wissenschafts-Fotografie spezialisiert. Er lebt in Neuwied und arbeitet weltweit.

**** fotogloria vertritt  Jan Hosan und seine Industriefotografie exklusiv und weltweit. Über fotogloria können Sie ihn gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de

*****Den Termin realisiert und vor Ort begleitet hat Mike Gamio von Fotogloria, Text und Interview stammen aus der Feder von Edda Fahrenhorst, ebenfalls fotogloria.

Sprechen mit Simon Puschmann über »Wastelands«

Müll ist ein allgegenwärtiges Thema, auf allen Kontinenten und in allen Städten der Welt. Um das zu belegen – und vor allem das Bewusstsein dafür zu schärfen – hat der Hamburger Fotograf Simon Puschmann das Projekt »Wastelands« erdacht: In den Metropolen der Welt  sammelt er für 90 Minuten Müll und macht einen »Knolling Shot«

Warum und wie er das macht gibt es im Gespräch mit fotogloria-Chefin Edda Fahrenhorst zu erfahren:

P.S.: Mehr über die Arbeit »Wastelands« und über Simon Puschmann gibt es auf seiner Website zu sehen.

Frank Herfort für inside:tesa in der Eremitage in St. Petersburg

Geklebt wird überall. Und gerne mit Produkten aus dem Hause tesa. So auch in einem der altehrwürdigsten Museen der Welt, der Eremitage in St. Petersburg. Ebenjenes sollte dokumentiert werden, für das Mitarbeitermagazin inside:tesa und gemeinsam mit der Hamburger Agentur plan p.

Ohne Übertreibung kann man sagen, dass fotogloria-Fotograf Frank Herfort den Auftrag mit allergrößtem Vergnügen angenommen hat – denn: WFrank Herann darf man schon mal in den Backstage-Bereich der weltberühmten Eremitage!

fotogloria: Du hast über fotogloria für das Mitarbeitermagazin inside:tesa fotografiert – worum ging es dabei und was genau sollte fotografiert werden?
Frank Herfort: Das Shooting sollte die tesa-Produkte im Kunsteinsatz der eigenen Transport- und Verpackungsabteilung der Eremitage in Russland zeigen, also den Verpackungsprozess von Kunstwerken. Dabei stand im Fokus: Die Vielfältigkeit der tesa Klebebänder, beim Verpacken von sehr teuren Gemälden und Skulpturen für Wanderausstellungen und von Kunstwerken, die zu Besuch in der Eremitage waren und nun an die Besitzer zurück gehen.

Wie hast Du Dich auf das Shooting vorbereitet und was hast Du dafür eingepackt? 
Ich habe mit den tesa Mitarbeitern vor Ort telefoniert und gefragt, was die besondere Herausforderung am Verpacken von Kunst ist und habe eine kleine Google-Reise durch die Eremitage gemacht.

Hattest Du bei der Motivauswahl und -Aufbau freie Hand oder gab es ein Briefing von Kundenseite?
Es gab einen kurzen Text mit Themen, die auf den Bildern zu sehen sein sollten, aber eigentlich hatte ich freie Motivwahl. Die Atmosphäre, der besondere Ort und der Kunstkontext sollten zu sehen sein.

Wie bist Du bei dem Shooting vorgegangen und hast das beste fotografische Resultat erreicht?
Am Anfang waren die Mitarbeiter schon eher irritiert und konnten gar nicht verstehen, warum ein Fotograf zuschaut, wie sie die Bilder einpacken und dass auch noch fotografiert. Obwohl sie mitten im größten Kunstraum Russlands arbeiten und einem der bekanntesten Kunstorte der Welt, habe ich weder eine Faszination dafür, noch ein erhöhtes Kunstinteresse bei den Mitarbeitern feststellen können – für sie ist es ein Job wie jeder andere auch… Mit ein paar Inszenierungen und mehreren Erklärungen kam ich dann aber doch noch zu meinen Bildern.

Welcher Moment war der Beste beim Shooting? 
Der schönste Moment war, als Sie mir nach ca. 40 Minuten Arbeit an einem Bild, eine Tür öffneten und dort das toll eingepackte Pferd zeigten. Da schlägt das Fotografenherz schon schneller. Endlich was visuell interessanteres.

Welches ist Dein Lieblingsbild aus dem Shooting und warum?
Mein Liebingsbild ist natürlich dann auch ein Bild wie alle Mitarbeiter diese eingepackte Pferd durch die Gegend tragen.

Und zuguterletzt: Wie war die Zusammenarbeit mit fotogloria?
Wie immer ausgezeichnet und professionell.

* Für mehr Informationen über plan p. bitte HIER entlang.

** Ihr Unternehmen, Ihre Agentur, Ihr Magazin hat nationale oder internationale Themen und Sie suchen einen Fotografen vor Ort, der Ihre Qualitäts-Standards erfüllt? Wir finden für Sie den passenden Fotografen für jeden Bereich der Unternehmenskommunikation und für jede Ihrer Ideen – und das in jedem Land, jeder Region und jeder Stadt. Eben die Corporatefotografie International von fotogloria: international@fotogloria.de oder 040 609 42 906 -0

*** Mehr Infos zu der Internationalen Fotografenvermittlung von fotogloria finden Sie HIER.

**** Mehr Infos zu der nationalen Fotografenvermittlung von fotogloria finden Sie HIER.

 

Lars Heidemann – mit dem Magazin bike im Geisterwald

Schnee liegt zwar keiner mehr (und es wird auch hoffentlich keiner mehr erwartet), aber das hält – so oder so – den „richtigen“ Fahrradfahrer nicht davon ab, bei jedem Wetter über Stock und Stein zu fahren. Und das am liebsten mit einem Rad aus der hauseigenen Werkstatt, also den landschaftlichen Gegebenheiten, dem Fahrer und seiner Bastelleidenschaft optimal angepasst.

Und da es davon quer durch Deutschland viele interessante Konstruktionen und Konstrukteure gibt, hat das Magazin „bike“ extra dafür eine wiederkehrende Rubrik mit dem Namen „Leserbike“ eingeführt.

Für diese Rubrik und zu Schneezeiten war Lars Heidemann im Geisterwald Nienhagen unterwegs und wir haben ihn dazu befragt:

fotogloria: Du hast über fotogloria für das Magazin »bike« fotografiert – worum ging es dabei und was genau sollte fotografiert werden?
Lars Heidemann: Bei dem Shooting ging es darum, ein Leser-Bike und seinen Konstrukteur möglichst anschaulich und detailliert in seiner „natürlichen Umgebung“ zu zeigen. Die Wahl der Location fiel auf den Gespensterwald in Nienhagen bei Rostock, einer landschaftlich sehr spannenden Gegend. In der Fahrradszene ist es äußerst beliebt, die Bikes zu individualisieren und den spezifischen Ansprüchen des jeweiligen Einsatzgebietes anzupassen. In den Bildern sieht man ein Fat Bike, das speziell für den Küstenwald an der Ostseeküste konstruiert wurde. An dem Fahrrad war eigentlich kein Teil von der Stange. Daher lautete der Auftrag, neben einem Porträt vom Konstrukteur mit seinem Fahrrad auch die vielen Details zu zeigen, wie die Spezial-Federung aus Carbon, Schaltung, Rennlenker oder die dicken Reifen.

Wie hast Du Dich auf das Shooting vorbereitet und was hast Du dafür eingepackt?
Im Vorfeld gab es eine genaue Absprache mit dem Bildredakteur der bike, Georg Grieshaber,  über Art und Anzahl der gewünschten Bilder. Außerdem habe ich mich mit dem Leser kurzgeschlossen und wir haben Ort und Termin für das Shooting vereinbart. An Technik hatte ich eigentlich nicht viel dabei, da ich kein großer Freund von aufwendiger Lichttechnik bin und am liebsten mit vorhandenem Licht arbeite. Da ich allein unterwegs war und es zu Fuß ein ganzes Stück in den Wald hinein ging, wäre viel Gepäck auch hinderlich gewesen. Daher hatte ich nur eine 5D Mark IV mit 24-70/2.8 L II und einem 70-200/2.8 L II Objektiv mit. Dazu noch mein treues altes Manfrotto Stativ und für sehr schlechte Lichtverhältnisse ein LEDPanel mit Stativ, das ich letztendlich nicht brauchte (eine dünne Schneedecke und Nebel hatten für
sehr schönes Licht gesorgt).

Wie bist Du bei dem Shooting vorgegangen und hast das beste fotografische Resultat erreicht?
Für das Hauptbild, also dem Porträt von Konstrukteur mit Fahrrad im Gespensterwald, sind wir eine ganze Weile in den Wald hinein gelaufen, bis wir eine schöne Lichtung direkt an der Steilküste gefunden haben. Hier gab es viel Licht, den Buchenwald auf der einen und die spiegelglatte, vernebelte Ostsee auf der anderen Seite. Dann haben wir uns so langsam an das Endresultat herangetastet. Sehr viel Spielraum gab es aufgrund der strengen Vorgaben des Bildredakteurs leider nicht. Mit dem Resultat bin ich aber sehr zufrieden, weil es alles zeigt, worum es bei Konstruktion des Bikes ging. Auch das vermeintlich schlechte Wetter, was wir nicht planen konnten, hat am Ende zu einer interessanten Atmosphäre beigetragen. Im Anschluss habe ich dann alle Details fotografiert, wobei mir der Fachmann genau sagen konnte, was die Besonderheiten sind, die die Leser interessieren.

Welches ist Dein Lieblingsbild aus dem Shooting und warum?
Mein Lieblingsbild ist das ausgewählte Porträt, also das eigentliche Hauptbild des Auftrags, weil es im Vorfeld viele wackelige Faktoren gab, wie das Wetter, unbekanntes Porträt-Model, unbekannte Location usw. Am Ende hat aber alles gut funktioniert und das Bild ist für mich auch ein Stück weit Erinnerung an einen wirklich interessanten Einblick die Welt der Fahrrad-Schrauber.

Und zuguterletzt: Wie war die Zusammenarbeit mit fotogloria?
Wie erwartet war die Zusammenarbeit mit fotogloria hochprofessionell und absolut reibungslos im gesamten Prozess. Viel mehr braucht man dazu gar nicht schreiben, außer, dass ich mich auf eine weitere Zusammenarbeit natürlich sehr freue.

 

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»Großartig, gefährlich, einzigartig« – Jan Michael Hosan fotografiert im Super-Kamiokande

Neutrinos bevölkern das Weltall, sie bewegen sich – trotz einer sehr geringen eigenen Masse – höchstwahrscheinlich so schnell wie das Licht und werden auch durch feste Materie nicht aufgehalten, sondern durchdringen ebenjene mühelos.

Neutrinos gelten als Boten aus dem Sonneninneren und als Frühwarner vor einer Supernova – sie zu verstehen heißt also, einen guten Teil der energetischen Zusammenhänge des Kosmos zu verstehen. Das besagt jedenfalls der derzeitige Wissens- und Glaubensstand der Astrophysik.

Einen Haken gibt es allerdings dabei: Um Eigenschaften, Masse und die Energie der Neutrinos untersuchen zu können, muss man sie zuerst einmal ausfindig machen. Denn durch die genannten Eigenschaften sind sie kaum auffindbar. Um die Teilchen dennoch aufzuspüren gibt es rund um die Welt so genannte Neutrinodetektoren.

Einer davon steht in Japan, genauer gesagt in Hida, in der Präfektur Gifu. Tief unter der Erde – um möglichst wenig kosmischer und damit die Messung verwirrender Strahlung ausgesetzt zu sein – ist ein Stahltank mit einem Durchmesser von 39,3 Metern und einer Höhe von 41,4 Metern eingelassen. Die Wände sind ausgekleidet mit 13.000 goldschimmernden Photomultipliern (die in der Lage sind, auch noch die kleinste Menge an Licht zu messen) und aufgefüllt ist der Detektor mit ca. 50.000 Tonnen höchstreinem Wasser (also frei von allen Spurenelementen, Bakterien etc.).

Dieser Detektor – übrigens weltweit der größte unterirdische seiner Art – ist in der Lage, Neutrinos zu beobachtet, so geschehen etwa am 24. Februar 1987, als die Supernova »SN 1987A«  in der Großen Magellanschen Wolke stattfand. Drei Stunden bevor das sichtbare Licht der Supernova die Erde erreichte, wurde ein starker Neutrino-Ausstoß von verschiedenen Neutrino-Observatorien festgestellt: Im Kamiokande-Detektor wurden elf Neutrinos gemessen.

Im Spätsommer diesen Jahres wurde der Detektor nach 16 Jahren Dauerbetrieb das erste Mal wieder für Wartungsarbeiten geöffnet – als einer der ganz wenigen Fotografen weltweit durfte fotogloria-Fotograf Jan Michael Hosan Bilder aus dem Innern des Super-Kamiokande mitbringen und wir haben mit ihm über dieses besondere Erlebnis gesprochen:

fotogloria: Jan, wie bist Du auf das Thema gekommen?
Jan Michael Hosan: Tatsächlich habe ich auf recht banalem Wege das erste Mal vom Super-Kamiokande gehört – vor vielen, vielen Jahren las ich einen Kriminalroman, in dem der finale Kampf zwischen Gut und Böse im Kamiokande stattfand. Die Beschreibung des Detektors war so gut und plastisch, dass ich eigentlich nur aus Scherz einmal nachgeschaut habe, ob es das wirklich gibt oder ob der Ort der Phantasie des Autors entspringt und siehe da: Es gab ihn wirklich. Ich wusste sofort, dass ich dort fotografieren wollte.

Zwischen Deiner Entdeckung und dem Ortstermin liegen ein paar Jahre – war es so schwer, eine Genehmigung zu bekommen?
Oh ja. Genauer gesagt: Ich habe das Thema immer vor mit hergeschoben, habe recherchiert und gelesen, habe halbherzig versucht, Kontakte zu knüpfen, wusste aber eigentlich gar nicht so recht, wo genau ich anfangen soll nachzufragen. Und dann habe ich irgendwann Mike Gamio von fotogloria vom Kamiokande erzählt und er sagte nur: »Lass‘ mich mal versuchen« und ein halbes Jahr später durfte ich rein – es ist mir immer noch ein Rätsel, wie er DAS geschafft hat…

Was hat Dich in Hida erwartet?
Zuerst einmal ein sehr, sehr netter deutscher Wissenschaftler namens Kai Martens, der mir bei einem Drink am Vorabend genau erklärt hat, wie man sich im Kamiokande bewegt, wie es dort aussieht etc. Die Vorbereitung war Gold wert, denn ich war nicht nur extrem nervös, sondern sich in einer solchen Umgebung richtig zu bewegen ist einfach zwingend notwendig, da nicht ganz ungefährlich und vor allem zeitlich sehr limitiert.

Am eigentlichen Tag habe ich dann sechs bis sieben Stunden gewartet, immer wieder hieß es, dass es jetzt klappt und dann wurde doch nichts draus. Aber dann auf einmal musste alles sehr schnell gehen: Ab in den Reinraum, die Anzüge anziehen und… Damit fing das Problem an: Ich habe erstmal zwei Anzüge gesprengt, da mir die japanischen Größen einfach viel zu klein sind. Am Ende wurde aus irgendeiner Ecke ein XXL-Anzug gezogen, in den ich gerade so hineinpasste. Man stelle sich vor, dass das Ganze beinahe an meiner Kleidergröße gescheitert wäre…

Na jedenfalls ging nach dem Ankleidekrimi dann die eigentliche Reise los: Ich fand mich in einer sehr kleinen Materialgondel wieder und wurde darin sitzend an einem – nach meinem Empfinden – sehr dünnen Seil abgeseilt. In der Theorie wusste ich ja, dass der Detektor in 1.000 Metern Tiefe liegt, war aber am Morgen schon sehr tief zur Basisstation in den Berg gefahren und dachte, dass es nicht noch tiefer gehen könnte. Es konnte. Etwa zehn bis 15 Minuten ging die Fahrt, es ging tiefer und immer tiefer Es war ziemlich dunkel, die Geräusche wurden mehr und mehr verschluckt und ich dachte irgendwannm dass es nicht mehr weiter gehen kann, es fühlte sich an, als wäre ich in das große Nichts geraten – das war unheimlich, angsteinflößend und zeitgleich sehr, sehr spannend und dabei golden schimmernd.

Die Minuten zogen sich auf jeden Fall sehr lange dahin, bis wir am Ende ein kleines Floß erreichten, auf dem ich dann mitnichten festen Boden unter den Füßen hatte, sondern auf schwankendem Untergrund stand und wusste, dass das Wasser rundherum sicher kein Badewasser ist, sondern meiner Haut sofort alle Mineralstoffe entziehen würde, sollte ich hineinfallen.

Was war die größte fotografische Herausforderung?
Alles. Das ganze Drumherum. Ich war emotional so sehr herausgefordert, dass ich mich wirklich konzentrieren musste, um überhaupt Bilder zu machen. Und dass auch noch mit der äußerst knappen Zeit im Nacken, denn ich wusste, dass ich nur eine halbe Stunde fotografieren durfte. In großer Dunkelheit, mit dem ständigen Gefühl, zu stören und dabei aber mit einem mitgebrachten Bild im Kopf, dass ich eigentlich sofort wieder vergessen musste, weil ich dank des schwankenden Untergrunds nicht mal mehr ein Stativ aufstellen konnte.

Ich musste also alle Schwierigkeiten so schnell wie möglich überwinden, mein ganzes Können zusammennehmen und improvisieren. Ich habe letztlich natürlich auf jegliche Beleuchtung verzichtet, habe alle Bilder aus der Hand geschossen, war dankbar und glücklich darüber, dass meine Kamera 6.000 ISO schafft und habe dann zuhause das Hauptbild aus 5 Motiven zusammengesetzt. Und das hat sogar funktioniert, ohne dass ich die Einzelbilder allzusehr in Photoshop quälen musste.

Bist Du zufrieden mit dem Ergebnis?
Fotografisch? Nun, da wäre noch mehr möglich gewesen. Theoretisch.
Praktisch nicht, dafür habe ich das Beste herausgeholt und bin total happy.

Mit dem Erlebten? Der Besuch im Super-Kamiokande war eine unglaubliche Ehre und ich verbeuge mich in Dankbarkeit vor den Wissenschaftlern, die mir das ermöglicht haben.

*Für mehr Informationen über den Super Kamiokande bitte HIER entlang.

** Nach einer klassischen Ausbildung zum Werbefotografen arbeitete Jan Michael Hosan in Studios in Österreich und der Schweiz. Sein Handwerk – die Industriefotografie – schließlich mehr als beherrschend, eröffnete er 2006 sein eigenes Studio. Seitdem setzt er die Ideen seiner internationalen Kunden um – mit einem hochprofessionellen und den speziellen Anforderungen angepassten Equipment und immer mit seinem eigenen Blick. Jan Hosan ist neben der Industriefotografie auf Technologie-, Medizin und Wissenschafts-Fotografie spezialisiert. Er lebt in Neuwied und arbeitet weltweit.

*** fotogloria vertritt  Jan Michael Hosan und seine Industriefotografie exklusiv und weltweit. Über fotogloria können Sie ihn gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de

****Den Termin realisiert hat Mike Gamio von fotogloria, Text und Interview stammen aus der Feder von Edda Fahrenhorst, ebenfalls fotogloria.