#FacesOfPhotography – Teil 108: Sonja Hofmann aus Hamburg

Euphorisch hat Sonja Hofmann das Jahr 2020 begrüßt. Was dann folgte, erschütterte (auch) die Fotografie-Branche und fordert bis heute ein hohes Maß an Flexibilität, Geduld und eigene Ideen – eine solche hatte sie schon vor der Krise und wagt jetzt damit eine Crowdfunding-Kampagne. Mehr darüber und über ihren Blick auf die Fotografie allgemein hat sie den #FacesOfPhotography erzählt:

Was ist Dein fotografischer Schwerpunkt?
Food, Food, Food! Bei mir dreht sich am Set alles ums Essen und die Dinge, die es dazu braucht! Dabei ist immer das Ziel, das Essen lecker zu fotografieren. Von authentisch bis inszeniert, im Studio, aber auch draußen im Wald fotografiere ich für Magazine, Werbe- und Corporate-Kunden sowie Food-Verpackungen, konzipiere eigene Projekte und nehme regelmäßig an Ausstellungen im In- und Ausland teil.

Wie bist Du bis hierher durch die Krise gekommen?
Wie bei so vielen war der Blick 2019 ins Jahr 2020 mit Euphorie und Tatendrang geprägt. Sogar die goldenen 20iger wurden überall zum Motto des Jahreswechsel gemacht… Tolle Zahl, tolles Jahr! So der Ausblick.
Heute ist unsere Situation gänzlich anders als erwartet. Ein sehr hohes Maß an Flexibilität ist gefordert, um die unterschiedlichsten Auswirkungen der Pandemie zu meistern. Stornierungen und der anfängliche totale Auftragseinbruch, zusammen mit teils sehr erschütternden Berichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, sowie aus unserer Fotografenbranche im allgemeinen, waren und sind schockierend.
Für mich persönlich taten sich durch die ungewollt »gewonnene« Zeit auch neue Möglichkeiten auf. So habe ich nach der mehrmonatigen Testphase im letzten Jahr meinen Requisitenverleih – Cameracuisine – im Ablauf optimieren, Requisiten fotografieren und die Auswahl vergrößern können. Außerdem habe ich einige Fotostrecken realisieren können, für die zuvor die Zeit fehlte. Und ich habe mich auf unser „24 Kekse bis Weihnachten“ – Projekt konzentrieren können.

Apropos »24 Kekse bis Weihnachten«: Du hast die letzten Wochen für ein Cowdfunding-Projekt genutzt – was hat es damit auf sich?
Ursprünglich als Weihnachtskarte geplant, wurde aus unserem freien Projekt ein ganzes Buch. Es hat den Titel »24 Kekse bis Weihnachten – Das Plätzchen-Backbuch zum Aufhängen« und liegt mir sehr am Herzen.
Durch Corona wurde das Projekt dann schlagartig ausgebremst – abgesagte Buchmessen, home office, Kurzarbeit. Die Buchpräsentation wurde immer schwieriger. Schnell war klar: Flexibel sein, andere Wege gehen!
Möglich wurde dies durch die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung der Hamburg Kreativ Gesellschaft und der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, durch deren Unterstützung wir unseren Film produzieren konnten.
Nach 5 Tagen hatten wir gemeinsam mit der Crowd schon die Hälfte geschafft und die Unterstützung von allen Seiten fühlt sich in diesen Zeiten großartig an!
Am 27. Oktober 2020 endet übrigens die Bestellzeit in unserem Crowdfunding und natürlich freuen wir uns über jede*n Besucher*in und noch mehr über jede*n Käufer*in.

Was denkst Du: Werden freie Projekte wie Deines im Laufe der Krise zunehmen?
Der Wunsch danach bestimmt, die finanziellen Möglichkeiten sind insgesamt aber eher eingeschränkter als zuvor, denke ich – das Team finanziert sein Projekt auf eigene Kosten und eigenes Risiko. Da wird in Krisenzeiten zweimal überlegt.
Förderungen, wie die, die wir von der Kreativgesellschaft bekommen haben, sind eine tolle Unterstützung und dienten dazu, externe Kreative aus Hamburg für die Realisation der Crowdfunding-Kampagne buchen zu können. Das Projekt beziehungsweise die Druckkosten und die Projektkreativen sind in diesem Funding davon ausgenommen. Dennoch ist es eine großartige Unterstützung, ohne die unsere Kampagne heute bestimmt anders aussehen würde.
Für die Förderung ausgewählt zu werden war zudem sehr motivierend, da es auch eine Bestätigung ist, ein tolles Konzept und Backbuch kreiert zu haben!

Wie steht es Deiner Meinung nach um die Fotografie allgemein?
Sie unterliegt einem starken Wandel. Nicht nur die kreativen Möglichkeiten für die Fotografen ändern sich, auch die Bedürfnisse von Kunden, Agentur und Magazinseite stellt uns alle vor neue Herausforderungen.
Es dringen immer mehr Hobbyfotografen in den Markt, die sich die Frage nach dem Wert ihres Fotos, Nutzungsrechten und angemessener Bezahlung selten stellen. Den Namen am veröffentlichten Bild zu lesen ist für sie so besonders, dass sie nicht realisieren, dass die Nennung alleine keine angemessenes Honorar ist.
Auch die Themen in der Fotografie sind dem Wandel der Zeit ausgesetzt. Das wurde besonders zum Anfang der Pandemie deutlich. Heile-Welt-Kampagnen zu sehen wirkte sehr befremdlich. Das liegt an Vorlaufzeiten der Produktionen zum einen, zum anderen aber auch an einem starren System, das nicht flexibel auf große, plötzlich eintretende Veränderungen reagieren kann. Es macht aber auch die unterschiedlichen Arbeitsfelder in der Fotografie deutlich, da die Fotografie etwa im Bildjournalismus eine gänzlich andere Aufgabe hat und Sprache spricht. Zugleich entstehen an anderer Stelle spontan spannende kreative Bildstrecken.
Zudem ist Bewegtbild immer mehr gefragt. Die Schnelllebigkeit beeinflusst die Qualität der Fotografie und als Konsequenz auch die Wahrnehmung professioneller Fotografen sehr stark. Verwunderlich ist oftmals, gerade im Foodbereich, was einem da alles in der Flut an Bildern aufgetischt wird. Oftmals frage ich mich, wer danach noch was essen will.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zeit die da kommen mag?
Ich freue mich auf eine experimentelle Zusammenarbeit für eine Fotostrecke für eine Ausstellung im Mai nächsten Jahres. Dort dann zusammen unbeschwert mit anderen in der Ausstellungen sein zu können, auf Festivals dabei zu sein und ohne Einschränkungen im Studio arbeiten zu können ist, denke ich, der Wunsch aller.

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*Das Portrait von Sonja hat übrigens Jörg Rothhaar fotografiert.

Natürlich können Sie auch gerne über Fotogloria Kontakt zu Sonja aufnehmen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de