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#FacesOfPhotography – Teil 71: Frederik Busch aus Hamburg

Frederik Busch wünscht sich, dass wir statt der immergleichen Bilder, Geschichten und Sterotypen mehr Diversität abbilden. Darüber und warum die Fotografie mehrere Bedetungen für ihn hat, darüber spricht er bei den #FacesOfPhotography:

Wie geht es Dir?
Danke der Nachfrage, es geht mir ganz gut: Ökonomisch stabil, gesundheitlich gut,
emotional ist die momentane Situation eine Belastung. Insbesondere weil einige Freund*innen und Familienmitglieder zu den besonders betroffenen Risikogruppen gehören.

Wie ist es Dir beruflich seit Beginn des Shutdowns ergangen?
Offen gesagt ganz gut. Die Bild- und Buchverkäufe laufen weiter wie bisher.
Meine Angebote in der Jugend- und Erwachsenenbildung laufen ebenfalls weiter, weil die Institutionen und Bildungsanbieter glücklicherweise eine Pufferfunktion übernehmen konnten. Mein Umsatz ist geringer als im Vorjahr, aber bislang ist die Situation nicht existenzbedrohend.

Woran arbeitest Du derzeit?
Aktuell arbeite ich wie immer an mehreren Projekten gleichzeitig:
Es gibt ein Buchprojekt. Der Arbeitstitel ist „Berlin 9497“ Mitte der 90er lebte ich in Berlin und arbeitete neben dem Studium im Queeren Nachtleben. Meine Kamera war meistens mit dabei. Momentan wühle ich mich durch die knapp 3000 gescannten Negative und fange an, eine Struktur in das Material zu bringen. Ich schreibe auch meine Erinnerungen an die Situationen, Orte und Menschen auf. Voraussichtlich wird es wieder ein Buch mit Bildern und Texten.
Gleichzeitig arbeite ich mit der Autorin Julia Penner an einem Drehbuch für eine
TV Serie. Da geht´s um eine bunte Gruppe von Drag-Performer*innen, die sich immer wieder zusammenraufen müssen, um Angriffe abzuwehren und die Schließung ihres Clubs zu verhindern.
Im Mai war ich für das Queer Festival Heidelberg zum zweiten mal Juryvorsitzender des Fotografiewettbewerbs „Breaking Gender Stereotypes“. Das war eine großartige Erfahrung und ich bin sehr froh über die gelungene Ausstellung, die fotografische Arbeiten aus der ganzen Welt online und im öffentlichen Raum sichtbar macht.
Mit meinen Kolleg*innen von der Jugendbildung Hamburg habe ich in den letzten Wochen ein Video-Studio aufgebaut und begonnen, Videos zu drehen. Wir arbeiten also gerade an der Digitalisierung von Bildungsangeboten.
Im Sommer werde ich in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sein, schreiben, und mich fotografisch mit der sich verändernden Landschaft und ihren Bewohner*innen beschäftigen.

Was denkst Du: Wird die Krise die Fotografie verändern?

Ja, ich denke schon. Die Covid-19-Pandemie verändert die ganze Welt, und wir können die langfristigen Folgen noch nicht absehen. Eben mal für einen Auftrag, eine Recherche, eine Ausstellungseröffnung oder für ein Festival um die halbe Welt fliegen – ich bin mir nicht sicher, ob das in der Vergangenheit sinnvoll war, und ob es in der Zukunft wieder so einfach möglich sein wird.

Was bedeutet Dir die Fotografie?
Fotografie hat für mich persönliche viele Bedeutungen. Die Fotografie ist seit langer Zeit ein fester Bestandteil meines Lebens, sie ist fest in meiner persönlichen und beruflichen Identität verankert. Die Fotografie ist aber auch ein wichtiges politisches Instrument, eine Waffe, mit der wir Einfluss auf gesellschaftliche Veränderungen nehmen können. Und natürlich ist die Fotografie ein künstlerisch nutzbares Medium und eignet sich hervorragend dazu, relevante Themen mit einem persönlichen Blick zu untersuchen und in Buchform zu erzählen.

Was ist Dein persönlicher fotografischer Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir sehr, dass wir statt der immergleichen Bilder, Geschichten und Sterotypen mehr Diversität abbilden und mehr Inklusion im Arbeitsprozess leisten. Ich wünsche mir in fotografischen Projekten einen visuellen Dialog auf Augenhöhe – insbesondere im Umgang mit Minderheiten. Ich wünsche mir mehr Frauen, LGBTIQ* und People of Color als Fotografie-Professor*innen an den Universitäten und in Entscheidungspositionen. Und ich wünsche mir, dass mehr Menschen aus dem globalen Süden einen besseren Zugang zu einer fotografischen Ausbildung und Equipment erhalten, um ihre fotografische Sicht der Dinge auch im globalen Norden zeigen können. Ich halte es für enorm wichtig, dass nicht-europäische Sichtweisen hier stärker publiziert und ausgestellt werden.

Und warum hast Du genau das Bild als Selbstportrait gewählt?
Momentan durchforste ich mein Archiv aus den 90ern. Dabei bin ich auf dieses Selbstportrait gestoßen. Ich erinnere mich gut an die Situation. Es war Winter in Berlin. Ich fuhr mit der U9 von der UdK nach Hause. Am Westhafen stieg nie jemand ein oder aus. Also stieg ich aus und stand im kalten Schneegestöber auf einer Brücke im industriellen Niemandsland. Zuversicht gab mir vor allem die Vorstellung, in wenigen Minuten wieder in meiner Wohnung zu sein und eine alte Hildegard Knef Platte auflegen zu können.

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