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Horizonte-Countdown 2016 | Johan Bävman

Es gibt diese Strecken, die sofort Hirn, Herz und Humorzentrum ansprechen: Die Arbeit »Swedish Dads« ist genau so eine. Johan Bävman, seines Zeichens auch mittlerweile zweifacher Vater und vielfach ausgezeichneter Fotograf, hat den Alltag der schwedischen Väter – die wie nirgendwo sonst auf der Welt von Staats wegen in ihrer Elternzeit unterstützt werden – portraitiert und dabei ebenso urkomische wie liebevolle Szenen festgehalten. Und auf dem fotogloria-Blog erzählt Johan mehr über seine Arbeit – Viel Spaß!

Achja: Zu sehen ist die großartige Arbeit ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Johan Beavman 2

WHAT
Sweden’s parental benefit system is one of the most generous in the world, allowing parents to stay home with their children and receive compensation from the state. One child entitles parents to 480 days of benefits. For the first 390 days parents are entitled to nearly 80 per cent of their pay, up to a maximum level. The remaining 90 days are paid at a lower fixed rate. Of the first 390 days, 90 are reserved for each parent while the rest can be transferred freely.

Sweden was the first country in the world to replace maternity leave with parental leave, in 1974. More than 40 years later, fathers take roughly 25 percent of the total number of days available to the couple. If fathers’ paternity leave continues to increase at the same pace it has kept so far during the 21st century, the use of parental leave will not be gender equal until 2040.

Swedish Dads is a photo exhibition based on portraits of a select group of fathers who choose to stay home with their babies for at least six months. I examined why these fathers have chosen to stay home with their children, what the experience has given them, and how their relationship with both their partners and their children has changed as a result. The exhibition aims to show the effects of gender equality in parenting on both individuals and society.

WHERE
In my neirborhood and around in the region of South of Sweden

WHY
I use portraits of fathers with their children in everyday situations, and interviews with dads to aim the spotlight on fathers who prioritise the connection to their children and family before their job and career. But the focus is also on the universal and loving aspects of parenting, regardless of whether you are the mother or father.

During my own paternity leave, I had trouble finding information about parenting from a father’s perspective. From reading and seeing other dads who share thoughts and ideas about parenting, perhaps more men will start to think about their role as a father and as a partner. I think that is an important step on the road towards a more equal society

HOW
With digital camera (Canon Mark 3) and with a lens of 35 mm. All pictures are standing and cropped.

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WHO
Johan Bävman, born in 1982, is a freelance photographer based in Malmö, Sweden. The photo project Swedish Dads has had a huge impact as it has been shown around the world and been published in book form in English. Johan has received many awards for his images, including World Press Photo, POY, the Sony Award, NPPA, UNICEF Photography Award, Swedish news agency TT’s grand prize, and Picture of the Year in Sweden.

P.S.:
Das Buch »Swedish Dads« von Johan Bävman kann man HIER bestellen.

P.P.S.: Wer die Ausstellung in Zingst verpasst, es gibt noch viele Möglichkeiten, Johans Arbeit zu sehen: Zur Zeit läuft die Ausstellung »Swedish Dads« in Bukarest, Kampala, Washington und Hanoi. Ab dem 1. Juni 2016 läuft sie dann in Bern, ab dem 6 Juni in Peking, ab dem 18 Juni in Hannover auf dem Lumix-Festival und weiterhin im Laufe des Jahres in Tel Aviv, Maputo, Paris, Addis Adeba…

Horizonte-Countdown 2016 | Dietmar Baum

»Visuelles Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen«  – das ist der inhaltliche Leitfaden der großen Gruppenausstellung »One World« im Rahmen des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« .

Und damit ist die Arbeit von Dietmar Baum auch genau richtig in der Schau aufgehoben, beschäftigt sie sich mit der griechischen Vergangenheit (mit mystischen Bilder des verlassenen Königspalasts Tatoi) ebenso, wie mit der Gegenwart (mit Bestandsaufnahmen zum Zeitpunkt des Referendums). Im fotogloria-Blog erzählt er mehr über die Enstehung der Serie und warum ihn das Thema gereizt hat.

© Dietmar Baum 3

WAS
Griechenland gestern und heute.

WO
Den Glanz vergangener Zeiten lässt die Baukunst nur noch erahnen: Unweit von Athen liegt in einem weitläufigen, teils verwilderten Park das Anwesen des letzten, bis 1974 amtierenden griechischen Königs Konstantin der II – Tatoi. Langsam und unaufhörlich erobert sich die Natur das Refugium zurück. Das Volk, so scheint es, möchte seinen letzten König nur noch vergessen. Das Schloss mit seiner großen Liegenschaft, in dem einst reges Treiben war, vermodert, die Landschaft verwildert, nichts und niemand scheint sich mehr für diesen wundervollen Fleck Erde zu interessieren.

Dietmar Baum (in Zusammenarbeit mit Tini Papamichalis) konstruiert ein Stillleben über die Überbleibsel einer vergangenen Zeit im Jetzt: Erschütternd und doch zugleich poetisch verrottet hinter vernagelten Fensterläden eine ganze Epoche. Unwillkürlich stellt sich der Betrachter die fotografierten Räumen mit Leben vor, die konstruiert vor seinem inneren Auge den Prunk und die Aura, die die Zimmer ausgestrahlt haben müssen, darstellen. Eine glanzvolle Zeit modert in den Bildern von Tatoi vor sich hin.

Im Gegenzug dazu die Reflexion der Referendums-Entscheidung. Kein Lachen auf eine Entscheidung die keine war. OXI sagt ein Volk zur Ungerechtigkeit doch immer wieder JA zum Leben, und zur Hilfsbereitschaft. Gegenseitig, aber auch innerhalb Europas.

WIE
Hasselblad Mittelformat H5D 50  H4D 60 ,  Nikon KB ,
Sigma ART und das fantastische SIGMA 120 -300 , 2,8

© Dietmar Baum 2

WER
Dietmar Baum ist ein Lebenskünstler und Entrepreneur, der seit jeher erfolgreich macht, was ihm gefällt. Sein Geheimnis: Die Lust und den Antrieb Neues zu entdecken, Veränderungen zu bewirken und das zu optimieren, was das Leben bereithält. Seit über dreißig Jahren ist er ein anerkannter, kreativer Kopf in der interkulturellen Kommunikation. Dabei geht er oft unkonventionelle Wege. »Die Fotografie ist für mich die unmittelbarste, die direkteste Form, die Welt so zu kommunizieren, wie ich sie sehe«, so Baum über seine fotografischen Projekte. »Die Kamera schiebt sich zwischen die Wirklichkeit und ihren Betrachter und mit ihrer Hilfe kann man die äußere Welt und die innere Welt abgleichen. Man kann in der Fotografie zeigen, wie der eigene Blick darauf ist.“ Zentrale Themen sind für ihn dabei Menschen und ihre Werte, sowie die Kraft der Natur und den kritischen Blickwinkel darauf.

Baum setzt in seinen Werken seit 2012 die Fotografie stark zum interkulturellen Dialog ein.
Dabei sind Dialoge nach Argentinien, Indonesien, China und in die Antarktis ein Teil seiner Arbeit. Dietmar Baum arbeitet weltweit und in seinem Studios Hamburg, Athen sowie in seiner Wahlheimat Neustadt OH.

 

Horizonte-Countdown 2016 | Florian Müller

Es gibt diese Bilder, an denen die Gedanken hängen bleiben, selbst nach nur einem flüchtigen Blick, selbst wenn die Augen eigentlich schon längst wieder mit anderen Themen beschäftigt sind. Und es sind genau diese Bilder, zu denen man einfach wieder zurückkehren muss, um sie doch noch einmal intensiver anzuschauen.

Die Serie »REM« von Florian Müller hat eben diesen erstmal irritierenden Moment. Beim zweiten Blick dann löst sich die Irritation allerdings mitnichten auf, nein, sie wird sogar größer. Aber gleichzeitig beginnt auch das Spekulieren: Was ist das? Warum? Und vor allem: Wie ists gemacht? Einige Antworten dazu hat uns Florian Müller im fotogloria-Blog gegeben.

Zu sehen ist die Arbeit »REM« jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Florian Mueller 1

WAS
Die Serie zeigt Bilder aus dem Wald mit scheinbar schwebenden Baumstämmen und Ästen.
REM steht für »Rapid Eye Movement«, was die schnelle Augenbewegung des Auges während
der Tiefschlafphase, der Phase des Träumens, kennzeichnet. Zu sehen ist an sich nichts Ungewöhnliches: Wald, Bäume, Moos. Das Ungewöhnliche entsteht durch das surreale Schweben der Stämme. Es ist kein Fremdkörper im Raum aber »irgendwetwas stimmt nicht«. Das ist die Verbindung zwischen den Bildern und dem Titel.

WO
Entstanden sind die Bilder in der Eifel, nahe der »Hohen Acht« bei Adenau, dem höchsten Gipfel
der Eifel. Auf der Hohen Acht liegt das Naturschutzgebiet Hohe Acht, 1970 ausgewiesen und 1,67 km² groß. Zudem liegen dort Teile des Landschaftsschutzgebiets Rhein-Ahr-Eifel und des Vogelschutzgebiets Ahrgebirge.

WARUM
Zwei Gründe: Erstens hat mich das Erforschen des Träumens immer fasziniert. Vor allem die Träume in denen man die Vermutung hat, dass es ein Traum sein könnte, sich aber nicht sicher ist. Eben dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Umgebung ist nicht ungewöhnlich, es ist kein Fremdkörper anwesend, trotzdem ist etwas nicht in Ordnung.
Zweitens sind die fotografierten Stämme Reste von Baumfällarbeiten. Baumfällarbeiten in einem Naturschutzgebiet. Natürlich sind solche Arbeiten sinnvoll und notwendig, trotzdem wirken sie in solch einem Areal absurd. So absurd wie 30 Kilogramm schwere, schwebende Stämme.

WIE
Alle Bilder sind Collagen, entstanden mit einer D800 Vollformatkamera auf einem Stativ und entfesselten Blitzen.

WER
Florian Mueller (1974), Köln. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und veröffentlicht. In seinen Arbeiten ist eine Tendenz zum Abstrakten erkennbar, nicht als Gegenentwurf zur Realität, mehr als Abbildung des Tatsächlichen in Korrespondenz mit den Empfindungen und subjektiv eingegrenzten Wahrnehmungen des Betrachters. In einer Zeit der unbegrenzten Bilderflut und der Gier nach unbedingter Perfektion sieht er den Weg in eine andere Richtung: Das Bild alleine reicht nicht, es ist die Abstraktion und der individuelle Blick des Betrachters, zusammen greifen sie unter die Oberfläche der gewohnten Muster und Perspektiven.

Horizonte-Countdown 2016 | Bernd Jonkmanns

Es ist wieder soweit: In nur 15 Tagen startet das neunte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst«. Und eine der größten Gruppenausstellungen während des Festivals ist traditionellerweise die Schau »One World«, die humorvolle, nachdenkliche, skurrile, politische, liebevolle und auf jeden Fall großartige Strecken zeigt.

In diesem Jahr stellt die Schau unter dem Motto »Visuelles Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen« Arbeiten von 14 nationalen und internationalen Fotografen gegenüber – kuratiert von Klaus Tiedge (Kurator Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Edda Fahrenhorst (Mitbegründerin von fotogloria).

Und da die Ausstellung auch in diesem Jahr wieder eine ganz besondere ist, stellen wir ab heute bis zum Festivalstart jeden Tag eine der gezeigten Arbeiten aus.

Belgien Brüssel Arlequin Centre

WAS
Ein freies Projekt über die Kultur der Recordstores, an dem ich von 2009-2015 gearbeitet habe.

WO
Ich habe über die sechs Jahre in ca. 180 Recordstores in 35 Städten und auf fünf Kontinenten fotografiert, etwa in: New York, Tokyo, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Stockholm, Sydney, Oslo, London, Paris, Brighton, Berlin, Newcastle, Glasgow, Reykjavik, Los Angeles, San Francisco etc.

WARUM
Seit über 85 Jahren gibt es die Vinyl-Schallplatte und seit mehr als 34 Jahren die Compact Disc.
Es gab in jeder Kleinstadt mindestens einen Plattenladen und in der Großstadt zu jeder Musiksparte spezielle Läden. Durch Aufkommen des Internets und der MP 3 Dateien ist es nun möglich, innerhalb von Sekunden an die gesamte Musik der Welt zu kommen. Das macht das Kulturgut Tonträger und die Plattenläden fast überflüssig – in rasender Geschwindigkeit sterben Platten- und CD-Läden, die ein großer Bestandteil der Popkultur sind.
Deshalb gibt es nur noch wenige dieser Orte, die für viele Musikliebhaber ein Stück Heimat und auch Religion sind. Diese Orte habe ich besucht und die Atmosphäre bzw. das Besondere der Plattenläden mit Ihren Besitzern und Käufern fotografisch festgehalten.

WIE
Fotografiert habe ich mit einer Digital Spiegelreflexkamera Nikon D3X, Nikon D800 und D810. Diese Kameras mit Ihren hochauflösenden Chips und ihrer wahnsinnig guten Qualität im hohen Iso-Bereich haben mir es erst möglich gemacht in den doch sehr dunklen Recordstores zu fotografieren. Die Enge und die in Plastik eingepackten Plattencover haben mir es unmöglich gemacht mit einer Blitzanlage im Laden zu arbeiten. Atmosphärische Bilder dieser Musikszene zu machen, war nur möglich wenn ich mit meiner Technik und damit auch ich als Fotograf nicht groß auffiel.

WER
Nach der Ausbildung zum Werbefotograf und dem Studium der Fotografie in Dortmund, begann Bernd Jonkmanns 1996 die Welt zu bereisen – und die Menschen, die er traf, zu fotografieren. Seine eigenen Themen und vor allem hochkarätige Aufträge seiner Kunden aus dem Corporate- und Magazin-Bereich brachten ihn in die Callcenter von Bangalore, zu den Designern Schwedens oder in die Software-Industrie von Hyderabad. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt, u. a. in der Robert Morat Galerie in Hamburg, beim Noorderlicht-Festival in den Niederlanden, bei der Photobiennale in Südkorea und bei der Paris Photo. Bernd Jonkmanns lebt in Hamburg.

P.S.: Aus dem freien Foto-Projekt »Recordstores« ist ein großartiger und umfassender Bildband entstanden –  ein Muss für Vinyl-Liebhaber! HIER gibt es mehr Details dazu.

P.P.S.: fotogloria vertritt Bernd Jonkmanns exklusiv und weltweit – Sie können ihn gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen. Melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.