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Horizonte Zingst 2016 | Reinhard Dirscherl

Das Fotofestival »horizonte« in Zingst hat eine Botschaft: Die Welt mit ihren Bewohnern in allen Facetten und ihrer einzigartigen Schönheit zu zeigen. Und damit vor allem auch darauf hinzuweisen, wie fragil unsere Umwelt ist und wie schützenswert Flora und Fauna sind. Darum ist das Fotofestival eben auch nicht einfach nur ein Fotofestival, sondern ganz bewusst ein Umweltfotofestival.

In diesem Jahr ist eines der Hauptthemen: »Rettet die Meere« Gezeigt werden dazu in der großen Outdoor-Ausstellung vor dem Max-Hünten-Haus großartige Bilder von Reinhard Dirscherl, seines Zeichens mehrfach ausgezeichneter Unterwasserfotograf – kuratiert von Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Edda Fahrenhorst (fotogloria).

Nun aber erst einmal ein kleiner, aber feiner Einblick in die Arbeitsweise von Reinhard Dirscherl – Viel Spaß!

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fotogloria: Seit wann bist Du Unterwasserfotograf?
Reinhard Dirscherl: Ich habe im Frühjahr 1989 tauchen gelernt und bereits ein Jahr später meine erste Unterwasserkamera gekauft. Damals eine Motomarine 2 mit externem Blitz und einer Weitwinkelvorsatzlinse. Die fotografischen Ergebnisse waren nach heutigen Maßstäben ernüchternd aber der Anfang war gemacht.
Ein Jahr später kaufte ich mir schon eine Spiegelreflexkamera mit Unterwassergehäuse und einen Amphibienblitz. Ich fotografierte unter Wasser sooft ich konnte, auch in heimischen Gewässern. Die Fotos konnten sich langsam sehen lassen und ich gewann mit meinen Aufnahmen die ersten Fotowettbewerbe.
Nach und nach interessierten sich auch Zeitschriften und Agenturen für meine Fotos und langsam gelang der Einstieg in die prof. Fotografie.

Warum hast Du Dich dafür entschieden?
Ich habe vor der Taucherei ein wenig an Land fotografiert. Aber dies hat mich persönlich nicht so sehr gefesselt. Mit dem Tauchen in heimischen Gewässern und natürlich in tropischen Meeren hatte ich plötzlich so zahlreiche fantastische Erlebnisse, dass ich diese einfach auf Fotos festhalten wollte.

Was fotografierst Du am Liebsten in den Meeren?
Zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn waren es die tropischen Riffe, die mich begeistert haben. Zwischenzeitlich faszinieren mich vor allem die großen Jäger unter Wasser: Haie, Wale, jagende Segelfische – ich bin da nicht wählerisch.

Deine Ausstellung in Zingst läuft unter dem Oberbegriff „S.O.S. – Save our Seas“ – Hast Du im Laufe Deiner Berufsjahre eine Veränderung der Ozeane festgestellt?
Ja allerdings – leider keine positiven. Die Meere verarmen und verdrecken zusehends: Alle Fische, die kommerziell verwertbar sind, werden gnadenlos mit immer größeren Flotten gejagt. Es gibt keine abgelegenen Meeresregionen mehr, in denen nicht kommerziell gefischt wird. Besonders schlimm ist der Fang von Thunfischen und Haien. Der Bestand an Haien ist in den letzten zwei Jahrzehnten um ca. 80 % geschrumpft. Weit über 100 Millionen Haie werden weltweit jährlich getötet. Das sind rund 250.000 jeden Tag und drei bis sechs pro Sekunde. Kein anderes wildlebendes Tier wird momentan so brutal und in so großen Mengen abgeschlachtet. Und das wegen einer „Suppe“! Eine weitere Problematik ist natürlich die Verschmutzung und Vermüllung der Meere.

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Was hat Dich in puncto Verschmutzung der Ozeane am meisten beeindruckt/erschüttert?
Ich reise oftmals an Orte, die fern jeglicher Zivilisation sind. Mich hat vor einigen Jahren wirklich erschüttert, dass sogar die abgelegen Inseln der Marshall Islands inmitten des Pazifiks vermüllt sind. Der Zivilisationsmüll ist zwischenzeitlich überall in allen Ozeanen und Meeren sichtbar.

Was ist Dein privater Ansatz zum Schutz der Meere?
Mein Job als Unterwasserfotograf erfordert natürlich, dass ich viel reise. Meine persönliche CO2-Bilanz ist daher mit Sicherheit kein Vorbild. Ich versuche aber, so wenig Müll als möglich zu erzeugen. Man muss nicht jede Banane einzeln in eine Tüte verpacken. Wenn aber Müll anfällt, muss er vernünftig entsorgt und nicht einfach in die Landschaft oder ins Meer geworfen werden.

Was war Deine gefährlichste und was Deine schönste Erfahrung beim fotografieren unter Wasser?
Gefährliche Situationen beim Fotografieren unter Wasser hatte ich noch keine. Selbst große Haie stellen in der Regel, sofern man sich richtig verhält, keine oder nur eine geringe Gefahr da.
Gefährlicher ist da schon eher der Transport zu den Tauchgebieten. Einmal ist vor Papua Neuguinea unser 12 Meter Stahlboot durch eine riesige Welle gekentert. Dabei zog ich mir Knochenbrüche und eine ausgekugelte Schulter zu. Glücklicherweise hatte ich zum Zeitpunkt des Unglücks schon meinen Taucheranzug angezogen. Ohne den Auftrieb des Neoprenanzuges hätte ich die mehrstündige Schwimmeinlage mit nur einem Arm und ohne Flossen zur Küste nicht geschafft. Eine sehr schöne Erfahrung hatte ich vor einigen Jahren mit einer Buckelwaldame nördlich der Dominikanischen Republik. Sie stand kurz vor der Paarung und verhielt sich wie eine rollige Katze. Ich war zwei Stunden mit der zwanzig Meter langen Dame im Wasser und schoss zum ersten und einzigen mal in meiner fotografischen Laufbahn die 32 Gigabyte Karte meiner Digitalkamera voll.

Und las but not least: Welches Bild in der Zingster Ausstellung ist Dein liebstes und warum?
Ich liebe das Foto mit dem neugierigen Brauntölpel, der von der Wasseroberfläche nach unten sieht. Das Foto entstand nach einem tiefen Wracktauchgang im Bikini Atoll, wo die Amerikaner mit Atombomben zahlreiche Kriegsschiffe versenkt haben. Nach einem Tauchgang zum Flugzeugträgerwrack Saratoga und einer einstündigen Dekopause in neun, sechs und drei Metern Wassertiefe mit reinem Sauerstoff blickte mich der Vogel an der Wasseroberfläche neugierig an. Ich tauchte direkt unter ihn, hielt die Luft an und schoss das Foto.

Horizonte-Countdown 2016 | Lars Borges

Fotografen machen sich aus allen Teilen Deutschlands auf den Weg, Reden werden geschrieben und die letzten Bilder an die Wand gebracht – morgen beginnt das neunte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst«!

Damit verabschiedet sich auch der Horizonte-Countdown 2016 – mit einer Liebeserklärung an die Fotografie, an die Menschen, an das Leben. Und zwar mit Lars Borges Arbeit »A Kiss Is Still A Kiss« die auch in der Gruppenschau »One World« zu sehen ist. Wir sehen uns in Zingst!

© Lars Borges 2

WAS
Junge, sich küssende Paare auf den Straßen von…

WO
…Los Angeles

WARUM
Ich wollte an einem der kommerziellsten Orte der Welt einen romantischen Gegenentwurf anbieten. Es ist nur eine kleine Idee und doch gibt es kaum wichtigeres und intimeres in unseren menschlichen Beziehungen als einen Kuss. Also habe ich echte Paare aus allen Gesellschaftsschichten und mit unterschiedlicher sexueller Orientierung gebeten, sich für mich vor der Kamera zu küssen.

WIE
Ich fotografiere alle meine persönlichen Projekte mit Leica M, in diesem Fall mit meiner M9, 50mm, available light.

© Lars Borges 1

WER
Ich bin freier Fotograf aus Berlin, Kreuzberg. Ich versuche den Spagat zwischen
Dokumentarfotografie, Mode, Portrait und Werbung zu meistern.

Horizonte-Countdown 2016 | Daniel & Geo Fuchs

Wer hatte noch nie den Wunsch, einfach mal ungestört in den Kellern und Archiven von Museen zu stöbern und dabei Skurrilitäten zu entdecken, Schätze zu bergen, Schrecklichkeiten zu begegnen und Schönheiten zu genießen? Das Künstlerpaar Geo und Daniel Fuchs hat sich diesen Wunsch erfüllt und durfte im Naturhistorischen Museum Wien die Arbeit »Family Groups« zusammen stellen und fotografieren.

Zu sehen ist die großartige Arbeit jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© DanielGeoFuchs 2

WAS
Das Zusammenstellen und Gruppieren von Exponaten hat schon immer einen großen Reiz auf uns ausgeübt.

WO
Bis auf das Bild »flowers & leaves« sind die ausgestellten Arbeiten in den Archiven des Naturhistorischen Museums Wien entstanden.

WARUM
Schon von Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir das Fotografieren in Archiven immer geliebt. Es sind wunderbare geheime Welten die sich in all den Jahren aufgetan haben und immer eine große Faszination auf uns ausgeübt haben.

WIE
Mittelformat-Kamera mit digitalem Rückteil. Die »family groups« zusammen zu stellen ist ein zeitaufwendiges Projekt – es dauert lange bis jedes Exponat millimetergenau an seinen richtigen Ort platziert und ins rechte Licht gerückt ist.

© DanielGeoFuchs 3

WER
Daniel & Geo Fuchs arbeiten seit fast 20 Jahren zusammen an ihren freien konzeptionellen Projekten, die seitdem mit großem Erfolg in internationalen Museumsausstellungen, Galerien und Kunstmessen zu sehen sind.

Horizonte-Countdown 2016 | Josef Fischnaller

Lichteinfall, Komposition, Ausdruck: Es gibt einfach Themen, deren Beherrschung nicht nur unerlässlich für ein gutes Bild sind, sondern sowohl für die Werke der Alten Meister von Belang waren und es heute auch immer noch für Fotografen sind. Warum also nicht die Erkenntnisse von Malerei und Fotografie zusammen bringen und einfach was neues daraus machen?

Eben daran arbeitet Josef Fischnaller und stellt bekannte Gemälde von Tizian, Caravaggio & Co. nach. Natürlich in allen Details Kostüme und Requisiten betreffend (obwohl er sich hier eine sehr eigene humoristische Note erlaubt). Aber vor allem geht es ihm um die Umsetzung des Lichts (in beiden Disziplinen geht es dabei um die hohe Kunst des Handwerks) und des Ausdrucks. Zur Umsetzung desselben unterscheiden sich beide, ist letztlich für die Fotografie der direkte und im Vergleich sehr kurze menschliche Kontakt für das gute Ergebnis ausschlaggebend.

So oder so: Die Arbeiten von Josef Fischnaller machen Spaß und Lust auf den nächsten Museumsbesuch.

Zu sehen sind Josef Fischnallers historische Portraits jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Josef Fischnaller _3

WAS
Ich mache mit meinen Bildern einen künstlerischen Zeitensprung über mehrere Jahrhunderte und orientiere mich dabei an den Bildern der Alten Meister, die in den Museen dieser Welt zu sehen sind. Die von Hand gefertigten, aufwändigen Kostüme und Schmuckstücke meiner Protagonisten sind dabei aus heutigem, recyceltem Material und immer mit ironischen Elementen gespickt – der Betrachter soll nicht nur immer wieder neue, versteckte Details entdecken, sondern auch auf den zweiten oder gar erst dritten Blick erkennen, woraus die einzelnen Schmuckstücke, Blumen, Früchte oder Insignien der Macht tatsächlich gefertigt sind.
Wichtig ist mir jedenfalls, dass die Gesichter und Figuren immer zum Original passen müssen und nicht umgekehrt. Und dass der Betrachter die Magie und Kraft der Werke meinen Vorbildern neu entdeckt und bewundern kann.

WO
Die Portraits entstehen in meinem Berliner Studio, meist mit Tageslicht. Die Anfertigung der Kostüme aus Papier nimmt im Schnitt 2-3 Tage in Anspruch, das Shooting selbst dauert meist nur ein paar Stunden.
Die Hintergründe werden in der Postproduktion eingefügt, soweit es sich um Landschaften handelt. Stoffe und dergleichen werden beim Shooting mit fotografiert. Die Hintergrundbilder sind übrigens Aufnahmen, die extra für diesen Zweck gemacht werden, viele davon in Berlin, aber auch in  Afrika (Namibia, Südafrika, Äthiopien), Italien, Österreich, Süddeutschland, Mallorca und Ibiza usw.

WARUM
es war an der Zeit die Arbeiten der berühmten Renaissance-Maler neu zu Interpretieren und dies mit einem modernen »Twist« zu versehen – eben etwas neues, was noch nicht da gewesen ist.

WIE
Ich fotografiere mit der Phase One Kamera 645AF+, mit 150 mm Optik und Tageslicht, wenn möglich.

© Josef Fischnaller _1

WER
Josef Fischnaller (*1964), Ausbildung zum Fotografen 1982-1986 in Wien an der HGBLVA,
seit 1986 selbständig in den Bereichen Mode, Werbung und Portrait. Wohnt und arbeitet in Berlin.

Horizonte-Countdown 2016 | Die Kuratoren

112 Bilder von 14 Fotografen – das ist die Gruppenausstellung »One World«, die im Rahmen des neunten Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« gezeigt wird. An den Wänden werden kontroverse Arbeiten, politische Strecken, skurrile Sammlerstücke, humorvolle Menschenbegegnungen oder auch traumhafte Landschaften hängen, sie alle sind mit der inhaltlichen Klammer »Das visuelle Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen« zusammen gefasst.

In jedem Fall verspricht die Schau gute Unterhaltung auf der einen Seite und auf der anderen eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der Fotografie. Kuratiert wurde die Schau auch in diesem Jahr von Klaus Tiedge, seines Zeichens Kurator der »Erlebniswelt Fotografie Zingst« gemeinsam mit Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst, Gründerin und Mitinhaberin von fotogloria | büro für fotografische zusammenarbeit. Wir haben die beiden zu der Ausstellung und zu ihrer Zusammenarbeit befragt.

Aus der Serie »Family Groups« von Daniel & Geo Fuchs.

Aus der Serie »Family Groups« von Daniel & Geo Fuchs.

fotogloria: In nur einigen Tagen startet das neunte Fofofestival Horizonte Zingst – was erwartet die Besucher?
Klaus Tiedge: Ein Programm, das so weitgefächert ist, dass jeder Interessenlage an der Fotografie gerecht wird. Ein Spektrum mit 20 Ausstellungen, dazu Workshops und Podien für alle Themengebiete, Knowhow-Bereiche und Kenntnisstände, Multmediashows, ein Fotomarkt und sehr viel Spielräume für fachliche und menschliche Begegnungen mit dem täglichen Höhepunkt der »Bilderflut« am Strand auf der Megaleinwand.

Die größte Gruppenausstellung des Festivals ist die Schau »One World« – welchen inhaltlichen Ansatz verfolgt die Ausstellung?
Klaus Tiedge: In diesem Jahr geben »Das visuelle Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen« die Navigation der Themen vor. Es sind Zeitphänomene, die von Fotografen visualisiert wurden. Da kommen junge, moderne Väter ebenso vor, wie das Reisen als Couchsurfer, die Renaissance der Vinyl-Platten, kuriose Sammelleidenschaften und vieles mehr. Ich verspreche hohen niveauvollen Unterhaltungswert und wichtige Denkanstöße…

Die »Frauen auf Bäumen« stellt Jochen Raiß aus.

Die »Frauen auf Bäumen« stellt Jochen Raiß aus.

Seit 2011 arbeitest Du jedes Jahr für die „One World“ mit fotogloria und seit 2013 mit Edda Fahrenhorst als Co-Kuratorin zusammen – wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Klaus Tiedge: fotogloria ist ja weit mehr als eine Fotoagentur. fotogloria ist ein Forum für zeitgerechte Auseinandersetzung über Fotografie. fotogloria hat den Wandel in der Fotowelt ideenreich vollzogen, interaktiver Web-Auftritt, social Networks inklusive. Und ganz wichtig: der direkte menschliche Kontakt kommt dabei trotzdem nicht zu kurz.

Wie findet Ihr die Arbeiten, die für die »One World« in Frage kommen?
Klaus Tiedge:  Ich nenne mich ja selbstironisch »Trüffelschwein«. Da ist in der Jahrzehnten der redaktionellen Arbeit und dem Wirken als Kurator ein sehr tragfähiges Netzwerk entstanden.
Edda Fahrenhorst: Ich halte immer meine Augen und meinen email-Account offen. Das ganze Jahr hindurch schaue ich mir sehr viel an, vornehmlich im Netz, in Publikationen verschiedenster Art oder bei den einschlägigen Netzwerken. Dazu spreche ich natürlich viel mit Fotografen und höre nach, woran sie arbeiten oder welche Arbeiten in Schubladen verschwunden sind. Um in die engere Wahl zu kommen, braucht eine Arbeit letztlich »das gewisse Etwas« – das allerdings kann aus den verschiedensten Richtungen kommen: Humor, technisches Können, eine außergewöhnliche Themenidee, eine politische Aussage, Schönheit… Alles ist möglich. Was wir allerdings sehen und spüren wollen sind Herzblut und Konsequenz.

Lars Borges zeigt die Strecke »A Kiss Is Still A Kiss«

Lars Borges zeigt die Strecke »A Kiss Is Still A Kiss«

Nach welchen Kriterien werden die Arbeiten final für die Ausstellung ausgewählt?
Edda Fahrenhorst: Im ersten Schritt sitzen wir viele, viele Stunden zusammen und sichten das Material, das sich jeder von uns in der »One World« vorstellen kann. Daraus entwickelt sich die inhaltliche Ausprägung – die Strecken werden dann entsprechend ausgewählt und zusammen gestellt. Das ist natürlich der schwierigste Teil, denn für ein gutes Gesamtergebnis fliegt auch eine tolle Strecke einfach mal wieder raus…

Seid Ihr Euch immer einig?
Edda Fahrenhorst: Oh nein, ganz im Gegenteil. Aber wir beide streiten uns leidenschaftlich gerne um die Qualität von Fotografie. Das macht Spaß, ist aber vor allem auch immer wieder sehr konstruktiv, denn wir haben schon einen recht unterschiedlichen Blick auf die Fotografie…
Klaus Tiedge: Ach wie langweilig, wäre ständige Einigkeit. Nein, da ist schon eine sehr intensive Auseinandersetzung notwendig. Das Zusammenraufen gehört unbedingt dazu. Die Suche nach Qualitäten tut oft auch richtig weh. Eigentlich haben wir immer viel zu wenig Raum, um alles, was sehenswert wäre zu zeigen.

Und was gibt es in diesem Jahr in der Ausstellung zu sehen?
Klaus Tiedge: Wir haben One World in diesem Jahr nach Phänomenen gegliedert…
Edda Fahrenhorst: …und das reicht von dem Thema der Völkerwanderung, über das Phänomen der Fußballleidenschaft bis hin zum Phänomen Liebe.

Florian Müller lässt in seiner Arbeit »REM« Bäume schweben

Florian Müller lässt in seiner Arbeit »REM« Bäume schweben

Du kuratierst das gesamte Fotofestival das neunte Jahr in Folge – was magst Du besonders an Deiner Aufgabe?
Klaus Tiedge: Wichtig ist mir, dass – bei aller Wertschätzung künstlerischen Ausdrucks – inhaltliche Aspekte Vorrang haben. Das Umweltfotofestival »horizonte« Zingst hat im Titel schon eine programmatische Aussage. Das ist mir wichtig.

Und was erwartet den Besucher zum 10-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr?
Klaus Tiedge: Ich habe mir als ein zentrales Thema die Warnung vor dem Plastikmüll in unseren Ozeanen vorgenommen. Die weltweit wichtige Botschaft aus Zingst dazu heißt zum Jubiläum: »S.O.S. – SAVE OUR SEAS«

 

* Wenn auch Sie eine Ausstellung planen und dabei tatkräftige und fachkundige Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne und jederzeit unter +49 (0)40 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.

 

Horizonte-Countdown 2016 | Walter Schels

Noch fast jeder Fotograf hat sich von der Traumwelt des Zirkus verlocken lassen, um die Magie der Manege einzufangen. Aber nur wenigen ist das so gut gelungen wie Altmeister Walter Schels – auf der einen Seite stehen die sehr reduzierten schwarzweiß-Bilder und auf der anderen Seite die opulenten und eigens von ihm bemalten Prints. Eine Kombination, die jede Zirkus-Phantasie erlaubt und möglich macht.

Zu seinem 80-jährigen Geburtstag (und passend zum 40-jährigen Roncalli-Jubiläum) zeigt das Fotofestival »Horizonte Zingst« seine Arbeit im Rahmen der Gruppenschau »One World«.

© Walter Schels 1

WAS
Vor 35 Jahren fotografierte ich den Circus Roncalli in München. Es entstand das Buch »Die Reise zum Regenbogen«. Ein weiteres Buch, war geplant. Ich hatte alle Artisten mit Großbild 9×12, in  Farbe und s/w fotografiert Dafür übermalte ich die  9×12 Kontakte.

WO
In München 1981

WARUM
Roncalli erfüllte schon damals seit einigen Jahren die Kinderträume der Circus-Besucher.
Ich träumte weiter und übermalte die Bilder wie ein Kind.
Ein Unfall verhinderte dann leider das zweite Roncallibuch. Das Thema war für mich gelaufen. Erst jetzt habe ich die Bilder aus dem Keller geholt – das 40-jährige Roncalli-Jubiläum ist für mich ein Grund, die Bilder neu zu beleben.

WIE
Technik: ARCA SWISS Großbildformat. Bemalte 9×12 s/w Kontaktabzüge auf A2 neu geprinted und übermalt.

Weißclown - Martin Ender

WER
Meine Fotografie ist vielseitig. Bekannt  sind eher meine ernsten, klassischen Porträts von Menschen und Tieren. Zum Ausgleich dazu gibt es viele humorvolle, verrückte Serien, die noch nie gezeigt wurden. Am wichtigsten ist mir die Freude am Arbeiten.

Horizonte-Countdown 2016 | Frank Stöckel

Die Natur inspiriert, das wissen Kreative seit Generationen. Im Falle Frank Stöckels und im Zuge seiner Wanderungen durch das Zittauer Gebirge führte das allerdings mitnichten zu romantisierenden Bildern (obschon das vorerst angedacht war), sondern zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und in der Folge zu einer politischen Fotoarbeit.

Zu sehen ist Frank Stöckels Arbeit jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Frank Stoeckel 3

WAS
Landschaftsaufnahmen, die zu einer politischen Fotoarbeit wurden.

WO
Die Arbeiten sind 2014 im Zittauer Gebirge entstanden, im Drei-Länder-Eck zwischen Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik.

WARUM
Ich kannte die Gegend schon von einem früheren Besuch und war beeindruckt von
den auf mich fast bühnenhaft wirkenden Felsformationen in den Wäldern des Zittauer Gebirges. Eine »romantische« Bildidee war in meinem Kopf entstanden, die ich versuchen wollte bei diesem zweiten Aufenthalt in Bildern umzusetzen. Erst einmal ganz naiv, schön sollten die Bilder werden. Ich bewege mich oft fotografierend durch die mich umgebenden Landschaften, mal mit, mal ohne Kamera und entspanne dabei ganz ziellos.

Bei meiner Motivsuche stieß ich allerdings dann auf Wegbeschreibungen »entlang der Bunkerlinie«. Was für »Bunker« fragte ich mich damals und warum hier? Die Bunker am »Westwall« kannte ich, oder auch die, der Maginot-Linie aus dem ersten Weltkrieg.
Ich begann zu suchen und fand, wenige Kilometer weg von den Orten meiner »romantischen« Landschaftsfotos, die auf der deutschen Seite der Grenze schon zum Teil entstanden waren, auf der tschechischen Südseiten der Grenze, eine ganze Kette von kleinen Bunkern.

Sie waren, wie ich im Rahmen weiterer Recherche, zu meiner Überraschung, herausfand, zwischen 1934 und 1938 errichtet worden, entstanden als Bollwerk gegen einen schon damals befürchteten deutschen Überfall. Welche weitsichtigen und furchtsamen tschechischen Politiker haben eigentlich schon so früh, mehr als eine Vorahnung dessen gehabt, was in den kommenden Jahren geschehen könnte, wo doch so viele Deutsche von dem angeblich nichts gewusst haben. Tapfere tschechische Soldaten hätten hier, eingepfercht in diese engen Betonfelsen, die aus dem Norden kommenden tapferen deutschen Soldaten, in Ihrem Vormarsch aufhalten sollen. Es kam ganz anders, wie wir heute wissen. 1938/39 annektierte Hiltler das »Sudetenland« und besetzte die Tschechoslowakei.

Meine Bildpaare mit Ihren jeweiligen, so nah beieinander stehenden Felsen aus Stein und Beton, tragen in Ihrer formalen Analogie, für mich die offenen Fragen von Damals ins Heute. Wo waren die Dichter und Denker, die so geschätzten Romantiker? Wo die so begeisterten Liebhaber ihrer Werke und warum haben sie nicht schlimmeres verhindern können? Auch heute sollten wir uns, unserer so geschätzten (humanistischen) Wurzeln mehr erinnern und besonnener handeln.

WIE
Die Aufnahmen sind digital fotografiert mit Canon- und Fuji-Kameras, aber das ist eigentlich völlig unwichtig.

© Frank Stoeckel 1

WER
Frank Stöckel (geb. 1959) arbeitet in Hamburg und lebt mit seiner Familie in Eutin.
In seinem Studio im Hamburger Schanzenviertel beschäftigt er sich in seinem fotografischen Alltag vornehmlich mit Stilllife-, Food- und Interieur-Fotografie für verschiedenste Kunden aus dem werblichen und redaktionellen Bereich. Seine Verbundenheit zur Landschaftsfotografie hat Ihren Ursprung in ersten fotografischen Ausflügen, die er in seiner Heimat, der schönen Holsteinischen Schweiz rund um Eutin, als Jugendlicher unternahm.

Horizonte-Countdown 2016 | Malte Jäger

Reisen heißt neugierig sein – auf fremde Länder und vor allem auf fremde Menschen. Und wie lernt man eben jene Menschen und die Art wie sie leben am besten kennen? Man geht zu ihnen nach Hause, wird willkommen geheißen, übernachtet auf deren Sofa und nimmt so an Ihrem Leben teil – zumindest für einen Moment.

Malte Jäger war von eben jener Neugierde getrieben, als er sich für seine Arbeit »Couchsurfin‘ The World« auf den Weg machte – mit verschiedenen Reisegefährten, auf abenteuerlichen Routen durch fünf Kontinente. Er ließ sich mit seiner Kamera durch die Wohnzimmer der Welt treiben, beobachtete die Menschen, die ihn aufnahmen ebenso wie die Menschen, mit denen er unterwegs war. Und in seiner Fotografie sieht man vor allem zwei Dinge: Malte Jäger liebt die Menschen. Und reisen heißt auch frei zu sein.

Zu sehen ist die Arbeit »Couchsurfin‘ The World« jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

WAS
»Couchsurfin‘ The World« ist ein fotodokumentarisches Buchprojekt über webbasierte Hospitality Communities.

WO
Für das Projekt »Couchsurfin‘ the World« habe ich reisende Couchsurfer in unterschiedlichsten Erdteilen auf ihren Trips von Sofa zu Sofa begleitet. Eine Reise fühte mich an der Seite eines Deutsch-Ägypters mit dem Auto von Berlin nach Benin in Westafrika, eine andere mit einer Koreanerin und einer Algerierin durch Indien, eine dritte mit einem Italiener quer durch Brasilien, eine vierte mit einem Indisch-Neuseeländischen Sikh durch Zentral Asien (Tadschikistan, Kirgiesistan, Kasachstan) und eine fünfte per Anhalter mit einer Französin und einer Kalifornierin quer durch die USA.

WARUM
Als ich zum ersten Mal von der Idee der webbasierten Gastfreundschaftsnetzwerke hörte, war ich begeistert. Was für eine großartige Idee die Welt auf diese Weise ein wenig zu verbessern! Allerdings war ich mir nicht sicher, ob diese Mission wirklich immer so reibungslos funktioniert. Also musste ich es ergründen und dabei selbst die Welt kennen lernen.

WIE
Dieses Projekt war als mein Abschied von der analogen Fotografie, mit der ich beruflich aufgewachsen bin, geplant. Also war mein wichtigstes Werkzeug eine Mittelformatkamera. Daher auch das quadratische Format der Bilder. Als ich aber zufällig in der Redaktion bei GEO zu Gast war und von meiner baldigen Abreise zu dem Projekt erzählte, wurde ich gefragt, ob ich nicht einen projektbegleitenden Blog für GEO.de machen wolle. Ich willigte ein und konnte damit aber die Digitalkamera nicht zu Hause lassen…

WER
Malte Jäger ist ein Berliner Fotograf. In seiner Arbeit versucht er vor allem, die menschliche Natur zu ergründen – mit welchen Zielen leben Menschen ihr Leben? Er versucht tagtäglich, dieser großen Frage auf den Grund zu gehen und seine Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Mit der Fotografie begann Malte einst weder aus technischen Gründen, noch, weil er sie als Hobby betrieb – seit jeher benutzt er das Medium Fotografie, um hinter die Kulissen schauen zu können, die ihm ohne seine Kamera verschlossen bleiben würden. Und natürlich liebt er es, andere Menschen zu treffen und sie kennen zu lernen. Und weil es die Menschen sind, für die er sich  interessiert, wird man auch in jeden seiner Bilder ein Portrait finden.

Horizonte-Countdown 2016 | Caio Vilela

Die Faszination Fußball kennt keine Grenzen, keine Altersbeschränkung, keine Religionszugehörigkeit, keine Nationalität. Fußball wird einfach gespielt und das überall auf der Welt.

Mehr als 100 Länder hat Caio Vilela bereist und in jedem dieser Länder hat er Kinder gesucht und beim Fußballpielen gefunden. Daraus entstanden ist eine beeindruckende Sammlung von Straßenfußballbildern

Zu sehen ist die Arbeit »Straßenfußball« jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

Alle Bilder aus der Ausstellung und noch ein paar mehr können Sie übrigens über die fotogloria-Bilddatenbank lizensieren – bitte HIER entlang.

© Caio Vilela _ fotogloria 3

WHAT
Project Football Without Borders was born by accident in 2003 during an assignment trip in central Iran. After taking picture of kids playing football in the main square of Yazd I had the spark: from now on, I will keep my eyes open for street football kids out there. As I travel very often on journalism assignments or guiding groups, I had the chance of seeing and shooting street football in several places.

WHERE
So far I have pictures of street football in more than 100 countries (all continents plus Antarctica) and in all 27 brazillian states.

WHY
Soccer happens. Not only in Brazil but all over the world. Every single day, anywhere, at anytime. It doesn’t choose its players based on religion or race. Far from the football match on our TV screen, the World Cup events and the championships of the mega-sponsors with their billions of dollars competitions, there’s another – and more truthful –  football: the football played by children on any open field. To me these images shows unique shining moments of unknown weekend players in action on golden days to some people’s childhood or youth.

What fascinates me most about the set of images chosen for this exhibition is that I have registered golden moments of some anonymous talented kids. All these boys and girls have now an opportunity to shine in these enlargements, just like they shine every single day in a dirt pitch, away from the eyes of a talent scout. The plays displayed in these prints are the result of pure chance. They are here because there was a photographer in that pitch at the very moment they were playing.

On any given improvised squad, gathered in the hit of the moment just for fun, there was a boy that in near future will no longer live close to that field. Another one will start to work and probably will stop playing. They will all grow up. Maybe some of them will keep playing together for some years. Maybe some of them will turn into professional footballers. But there’s no way that the same game, with the same plays and players will ever repeat themselves the same way and on the same ground, like in the day I took their pictures.

Imagine how many brilliant goals Tostão, Pelé, Zico or Ronaldo must have scored as kids on an improvised dusty pitch with no TV cameras there to show the world.
I wish I had seen those guys playing during their childhood and had the chance to register their shine with the same vibe I felt while photographing what you see in this exhibition.

© Caio Vilela _ fotogloria 2

HOW
My method is simple: I ride around (on a taxi, rental car or bycicle) at 5pm, loking for kids with football jerseys. Then I ask where there may be people playing (in late afternoon there is always people playing! You can fly me to arctic Russia and I’ll be able to find the football kids!). Then, if the match is already happenning by the time I arrive at the football pitch, I just ask permission for the goalkeeper, sit on th ground and wait for the action to happen in front of my lens. If it is a serious match, I keep myself out of the field limits. If it a fun kids game, I feel confortable to get inside and take closer shots.

I approach the pitch like an eager striker and nervous as a defender, willing to see the ball being kicked towards the goal like a forward. At the end of the match, I am sweating and covered in dust, feeling like a player who has just scored a goal.

Taking pictures during a soccer match is at the same time similar and totally opposite of photographing a dance presentation: both are an exercise of agility, timing and blending in with the environment, with no interference. During a ballet, the lens points to a small limited space, where choreographed predictable moves will take place. While in a soccer pitch, action is everywhere. Anarchy and improvisation runs the show and that can drive dizzy the most experienced photographer. You have to foresee the right moment to press the button, predict when one body unblock the sight of another, in that split second when productivity struggles against the clock.

Just like dancers, amateur soccer players will probably not run, jump, fall on the ground and bring out their bodies best performance for more than one hour. Whenever I come across a thrilling spontaneous match, I have to run and hopefully produce two or three really good pictures. You can never tell if that game has just started or is about to come to an end.

P.S.: Die großartigen Fußballbilder von Caio Vilela sind 2015 in einem Buch zusammengefasst unter dem Titel »Straßenfußball« im Spielmacher-Verlag erschienen – mehr Infos gibt es HIER.

Horizonte-Countdown 2016 | Darius Ramazani

Es passiert sehr selten, dass man vor einer Fotoarbeit steht und anfängt zu schmunzeln. Und das nicht etwa, weil etwas sarkastisches, absurdes oder freches abgebildet ist, sondern schlicht reine Symapthie. Und ansteckende Lebensfreude.

Eine dieser seltenen Arbeiten ist die Strecke »Old People« von Darius Ramazani – offenbar mit viel Spaß und einem sehr liebevollen Blick hat er ältere Menschen portraitiert. Und was die Zahlen zu sagen haben…

Zu sehen ist die Arbeit »Old People« jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

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WAS
In der Fotoreihe »Old People« habe ich Senioren portraitiert

WO
Die Idee dafür ist mir während eines Castings in Kapstadt gekommen.

WARUM
In den ausdrucksstarken Gesichtern der älteren Menschen habe ich so viel Potenzial gesehen, dass ich aus dem Casting kurzerhand ein Porträtshooting machte. Dabei blieben die Models exakt so, wie sie zum ursprünglichen Casting erschienen waren: ohne professionelles Styling und Make-up. Denn genau diesen unverbrauchten Erstkontakt zwischen Model und Fotograf wollte ich einfangen. »Old People« zeigt authentische Gesichter, die, fernab von Schönheitsmaßstäben, die Biografien älterer Menschen erzählen. So steckt hinter jeder Lachfalte, jedem Altersfleck und grauem Haar eine Geschichte, über die der Betrachter mehr erfahren möchte.

WIE
Die Porträts sind in verschiedenen Altenheimen in Kapstadt entstanden,
wir haben vor Ort ein mobiles Studio aufgebaut und die Aufnahmen sind vor weißem Hintergrund mit der Contax 645 / auf Film (Kodak 160NC) fotografiert.

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WER
Darius Ramazani aus Berlin ist ein freier Fotograf mit Schwerpunkt auf Menschen und Porträts. Seine Fotoreportagen, Porträts und Werbekampagnen haben viele Preise gewonnen, wie den ADC Award, iF design award, red dot award und Deutscher Design Preis. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Iran, bevor er nach Deutschland zog. Seine Leidenschaft für die Fotografie wurde in seiner Schulzeit geweckt. Vor allem zwei Klassenfahrten nach Warschau und Krakau beeinflussten ihn nachhaltig. Mit seinen Mitschülern erkundete er die Städte und fotografierte alles, was für ihn interessant war.  Heute arbeitet Darius Ramazani national und international für namhafte Kunden wie Nokia, Diakonie, Allianz und Deutsche Bahn. Er ist an vielen verschiedenen sozialen und freien Projekten beteiligt. Ein Projekt, das ihm sehr wichtig ist, ist seine Arbeit mit älteren Menschen. Auf der einen Seite faszinieren ihn die vielen Lebensgeschichten, die ganze Bibliotheken füllen könnten; auf der anderen Seite ist er auch mit den negativen Seiten ihres Alters, wie Krankheit oder Tod, konfrontiert. Sein Fotografie-Stil kann als real und authentisch beschrieben werden.