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Frauen auf Bäumen – oder wie aus einer Sammelleidenschaft ein Buch wurde

Es ist fast ein modernes Märchen: Seit bereits 25 Jahren sammelt fotogloria-Mitbegründer und Geschäftsführer Jochen Raiß historische Amateuraufnahmen – um sie vor dem Vergessen zu retten, zu seiner eigenen Freude, einfach, weil es schöne Bilder sind. Nach all den Jahren beschließt er, auch mal andere Menschen einen Blick auf seine Kollektionen werfen zu lassen und tippt auf der Frankfurter Buchmesse der erstbesten Frau auf dem Stand des renommierten Verlages Hatje Cantz auf die Schulter. Wie sich herausstellt, ist er in dem Moment auf Ulrike Ruh getroffen, ihres Zeichens Programmchefin des Verlages. Der Rest ist das Happy End des Märchens: Nur knapp 6 Monate später ist der Bildband »Frauen auf Bäumen« erschienen.

Wir haben mit Jochen und mit Ulrike Ruh über das Buch gesprochen.

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fotogloria:  Jochen, Du sammelst seit 25 Jahren historische Amateuraufnahmen – kannst Du Dich an Deine erste Frau auf einem Baum erinnern?
Jochen Raiß: Ja, das kann ich. Das war in Frankfurt, während meines Studiums vor etwa 24 Jahren. Es zeigt eine Frau auf einem Baum in einem Kleid. Es sind eher Tanzschuhe mit Absatz, als geeignetes Schuhwerk zum Erklimmen eines Baumes. Das war natürlich ein toller Fund. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen.

Und was hast Du gedacht, als Du die zweite, dritte, vierte… Frau auf einem Baum gefunden hast?
Da habe ich mich sehr gefreut. Beim ersten Mal dachte ich »Super, toller Schnappschuss«. Beim zweiten, dritten und vierten habe ich mich zwar gewundert, dachte aber immer noch nicht an eine Serie.

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Wie viele Frauen auf Bäumen hast Du denn insgesamt im Laufe der Zeit zusammen getragen? Und wo hast Du sie gefunden?
Im Vorwort zum Buch schreibe ich 91 Motive. Das war im März, mittlerweile habe ich über 100, was auch daran liegt, dass mir aufgrund des Artikels bei SPON über die Strecke einige nette Menschen  »Frauen auf Bäumen« geschickt oder im Scan zur Verfügung gestellt haben. Auch Tipps und Hinweise zu »Frauen auf Bäumen« auf Verkaufsplattformen im Internet habe ich erhalten!

Die Bilder lagen die ganzen Jahre über in Deinem Archiv, wie kam es dazu, dass Du sie aufgearbeitet hast?
Ich sammele ja wirklich schon sehr, sehr lange. Und lange Zeit nur für mich im Stillen. Ich dachte, dass das ein Hobby ist, das nicht wirklich andere Menschen interessiert. Das dem doch so ist, habe ich im Sommer 2014 erfahren, als ich meine erste Ausstellung hatte.
Zu der Ausstellung kam es eigentlich durch einen Zufall. Ich hatte zu der Zeit gerade mit dem Scannen einiger meiner Bilder begonnen, um sie einmal auf dem Bildschirm anzuschauen. Und auf dem ersten Scan entdeckte ich auf dem Bildschirm in der Vergrößerung eine Person im Fenster, die ich zuvor nie gesehen hatte. Das war natürlich unheimlich aufregend. In diesen Tagen lernte ich auf einer Party eine Frau kenne, die eine kleine Galerie betreibt. Ich erzählte Ihr von meiner Entdeckung, weil ich so begeistert davon war. Sie brachte mich schließlich dazu, bei ihr auszustellen.
Normalerweise erzählte ich zu dieser Zeit gar nicht oft von meinem Sammeln. Selbst Freundinnen und Freunde haben sich  gewundert, als sie dann eine Einladung zu der ersten Ausstellung bekommen haben. Und die Ausstellung war für mich ein prägendes Erlebnis.
Ich hatte so viele tolle Gespräche und Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen. Leute, die extra zu der Ausstellung kamen, zufällig vorbeikommende, Anwohner, etc. Junge Menschen, Alte, in meinem Alter und so weiter. Wirklich jeder, der in die kleine Galerie kam, hat ein Foto gefunden, das ihn/sie auf irgendeine Weise angesprochen hat – das war einfach wunderbar. »Meine« Bilder, die ich schon so lange besitze, waren auf einmal öffentlich und ich durfte/konnte/musste mich darüber austauschen. Klasse! Super Erfahrung.
So kam es dann, dass ich mir eine Website gestaltet habe und die verschiedenen Kollektionen dort zum Teil jetzt vorstelle. Von Anfang an war »Frauen auf Bäumen« eine, oder gar die Lieblingskollektion!

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Und nun hat der Verlag Hatje Cantz einen Bildband mit den »Frauen auf Bäumen« herausgebracht – wie kam es dazu?
Ich war letzten Herbst für fotogloria auf der Buchmesse. Auf dem iPad hatte ich ein PDF der »Frauen auf Bäumen« dabei, weil ich einfach einmal herausfinden wollte, wie Kunstbuchverlage dem Thema Amateurfotografie, beziehungsweise historischer Amateurfotografie gegenüber stehen. Ich ging also an den Messestand von Hatje Cantz und sah eine Dame, die nicht im Gespräch war. Ich sprach sie an – wie sich später herausstellen sollte, war es Ulrike Ruh, Programmchefin bei Hatje Cantz. Auf die Frage hin, ob sie einen Moment Zeit hätte, antwortete sie sinngemäß »natürlich nicht«, denn ihre Termine waren alle vergeben. Worum es denn ginge, fragte sie mich. Ich erklärte ihr daraufhin, dass ich seit etwa 25 Jahren historische Amateuraufnahmen sammeln würde und hätte ein PDF mit dem Titel »Frauen auf Bäumen« dabei, das ich ihr gerne einmal zeigen möchte. Ihre Reaktion war, wie bei vielen noch dieser Tage, wenn ich von den »Frauen auf Bäumen« erzähle, ein Schmunzeln! Sie sagte mir dann, dass ihr Termin etwa eine halbe Stunde dauern würde und ob ich nicht danach nochmal kommen wolle, dann würde sie es sich gerne einmal anschauen.
Nun ja, und dann ging ich nach der verabredeten Zeit nochmal hin und wir unterhielten und sehr lange und angeregt über das Sammeln, Fotografie – und über die »Frauen auf Bäumen«!
Irgendwann sagte sie dann zu mir, »wissen sie was Herr Raiß, ich möchte gerne etwas mit den Bildern machen. Muss aber einschränkend sagen, dass ich sie zunächst meinem Team in Stuttgart vorführen will, um heraus zu finden, ob sie auch so spontan begeistert sind, wie ich gerade«. Waren sie.

Frau Ruh, Jochen Raiß ist ganz spontan auf der Frankfurter Buchmesse auf Sie zugekommen – was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie die »Frauen auf Bäumen« gesehen haben?
Ulrike Ruh: Beim ersten schnellen Durchklicken der Fotos auf dem Tablet habe ich erstmal gelacht und mich gefragt, wie es die Frauen mit Seidenstrümpfen ohne sichtbare Laufmaschen und im Rock – nur wenige tragen Hosen – überhaupt auf die Bäume geschafft haben…
Doch war ich beeindruckt von der Qualität dieser Amateuraufnahmen bezüglich Komposition und Ausdruck. Jedes Foto hat eine andere Atmosphäre. Gesichtsausdruck, der ausgewählte Baum und die Art der Pose, scheinen auch etwas über die Persönlichkeit der Frauen zu verraten – manche stehen auf dem Ast wie Kapitäninnen auf ihrem Schiff, andere stehen mit wildem Blick auf einem zerzausten Ast…

Wie und warum haben Sie sich entschieden, das Buch zu verlegen?
Ulrike Ruh: Für mich war sehr schnell klar, dass ich mit den Fotos ein Buch machen wollte und hatte von Anfang an eine konkrete Vorstellung davon, wie es aussehen sollte. Letztlich konnten sich dann auch die Kollegen dem Witz und Charme des Materials nicht entziehen, und wir haben uns dazu entschlossen, dieses außergewöhnliche Bändchen zu publizieren.

 

Jochen, wie war die Zusammenarbeit an dem Bildband?
Die Zusammenarbeit war und ist bis heute sehr eng und sehr gut. Denn selbst jetzt, wo das Buch erschienen ist, habe ich noch Kontakt zur Presseabteilung und zum Vertrieb. Es kommen immer neue Anfragen, bisher vor allem aus dem Ausland.
Aber von vorne: Ende Februar kam der Anruf, dass Hatje Cantz ein Buch mit den Frauen auf Bäumen machen möchte. Ulrike Ruh rief mich an und sagte mir außerdem, dass der Verlag es gerne zur Art Basel fertig haben möchte. Also von da an noch ungefähr 14 Wochen. Nicht unmöglich, aber knackig. Zunächst mussten die Bilder nochmals von einem Profi gescannt und bearbeitet werden, ein Vorwort musste geschrieben werden. Der Profi zum Scannen war Jan Scheffler. Ich bin dann also nach Berlin gefahren, im Gepäck die historischen Fotos der Frauen auf Bäumen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, sie in einem  Paket auf die Reise zu schicken. Alles richtig gemacht, denn Jan empfing mich und die Bilder sehr herzlich und erläuterte mir sehr genau die einzelnen Schritte, scannen, bearbeiten, welches Papier er für das Buch dem Verlag vorgeschlagen hatte, etc. Und die Scans wurden ausgezeichnet. Vorher sah man – etwas übertrieben ausgedrückt – einen Baum, auf dem eine Frau saß. Nun sah man sogar die feinste Maserung der Baumrinden – unglaublich was da noch an Zeichnung möglich war. Bei diesem Berlin-Aufenthalt lernte ich auch Frauke Berchtig kennen, die mein Buch als Projektmanagerin von Anfang an begleitete. Die tolle Gestaltung hat Gabriele Sabolewski umgesetzt. Mit ihr besprach ich dann auch Titelmotiv, Andrucke, Satzfahnen, Blaupausen, Korrekturen, etc. Dem ganzen Team von Hatje Cantz also nochmals: Herzlichen Dank!

Wie war es für Dich, als Du das erste Mal das Buch in den Händen gehalten hast?
Es war natürlich sehr aufregend. Es ist ja mein erstes Buch! Anlässlich des Fotofestivals »Horizonte« in Zingst an der Ostsee Ende Mai, wo auch einige meiner »Frauen auf Bäumen« in der Gruppenausstellung »One World« gezeigt wurden, sah ich das Buch etwa zwei Stunden vor der Ausstellungseröffnung zum ersten Mal. Es wurde direkt von der Druckerei dorthin geliefert. Im wahrsten Sinne des Wortes druckfrisch. Vielen Dank auch hier nochmal an das ganze Team von Hatje Cantz, die dazu beigetragen haben! Es war ein ganz wunderbarer Tag!

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Frau Ruh, die »Frauen auf Bäumen« sind offenbar ein international interessantes Phänomen.Haben Sie damit gerechnet?
Ulrike Ruh: Da kann man sich ja nie ganz sicher sein, aber ich hielt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich so entwickeln würde, für hoch. Dass es nun auch so eingetroffen ist, macht uns im Verlag sehr glücklich.

Mittlerweile berichten internationale Medien wie Vogue Italien, AnOther Magazine & Co. über das Buch, Du gibst Radio-Interviews und Anfragen vom Fernsehen hat es auch schon gegeben – wie fühlt sich das an?
Es passiert gerade soviel – nationale und internationale Presse berichtet darüber. Ich habe Libération aus Frankreich ein Interview gegeben, Vogue Italien, SZ-Magazin, Gala, Radio-Interview für den Bayerischen Rundfunk um nur einige zu nennen, dazu die Anfrage vom Fernsehen… alles richtig klasse! Aber ich freue mich am meisten darüber, dass die Frauen auf den Bäumen jetzt einem breiteren Publikum vorgestellt werden. Gerade wenn ich Bilder auf auf dem Flohmarkt finde, dann sind sie kurz davor verloren zu gehen, weggeworfen zu werden. Ich habe dies schon sehr oft erlebt, wenn der Flohmarkt zuende geht und die Händler aussortieren nach »noch gut fürs nächste Mal« oder »wegwerfen«. Ist das nicht tragisch? Da achten wir das ganze Leben darauf, unsere Fotos – die Erinnerungen und die damit verbundenen Geschichten – gut zu behandeln und dann kann es sein, dass sie im Müll landen… Für mich ist all das Sammeln also auch eine Verbindung zur Vergangenheit. Und gegen das Vergessen.

Welches ist denn Ihr persönliches Lieblingsbild, Frau Ruh?
Ulrike Ruh: Da gibt es viele, aber zu meinen Favoriten gehört ein Foto, auf dem eine Frau mit einem Arm übermütig am Ast baumelt. Es ist auf der Rückseite des Umschlages abgebildet.

Und Jochen, was wünscht Du Dir außerdem für Deine »Frauen auf Bäumen«?
Einen Wunsch habe ich tatsächlich. Dass sie alle zusammen einmal nebeneinander an der Wand hängen, eine Ausstellung also. Verdient haben sie es!

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P.S.: Selbstverständlich kann man die Bilder über fotogloria lizensieren oder direkt für die Wand als Print bestellen, bitte HIER entlang.

Das BESTE Bild von… Ezequiel Scagnetti

Zeit, Ruhe und der perfekte Augenblick – das sind die Ingredienzien, aus denen das BESTE Bild von Ezequiel Scagnetti entstanden ist.

Where and when did you take your best picture?
Stone Town, Zanzibar, 03. November 2010.

How did it come about?
After finishing an assignment for a client in Daressalaam.
I took a ferry to Stone Town where I spent four days taking pictures of the city, that have the particularity of being a historic hub where​ iImmigrant communities from Oman, Persia and India lived ​there. The town was the centre of trade on the East African coast between Asia and Africa before the colonisation of the mainland in the late 19th century. From 1840 to 1856​ it was the​ capital of the Omani Empire​; ​for many years Stone Town was a major centre for the slave trade; slaves were obtained from mainland Africa and traded with the Middle East.
​The picture was taken in front of the sea where the fishermen are, the 2 kids were walking close to the shore in order to pick up one of the boats, it was a hard backlight that I intentionally overexposed and turned in black & white in postproduction.

For whom did you take your best picture?
​Just for me.​

Why do you consider this picture in particular your best picture?
​Because it reflects a peaceful moment and reminds me my childhood, where everything was calmness, friendship ​and innocence.

Retrospectively, is there anything in the picture that you would change?
​No.

 

* Ezequiel Scagnetti ist – wenn er nicht gerade traumhafte Bilder in Sansibar fotografiert – Portraitfotograf durch und durch. Ob Prominenz oder Mitmensch, er geht offen und neugierig auf sein Gegenüber zu. Und ist innerhalb kürzester Zeit in der Lage, die Besonderheit des Portraitierten zu erfassen – persönlich und mit der Kamera. Ezequiel Scagnetti lebt in Brüssel, Belgien, und arbeitet überall.

fotogloria vertritt Ezequiel Scagnetti weltweit. Über fotogloria können Sie ihn gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.

7 Fragen an… Isabela Pacini

Isabela Pacini fotografiert mit dem Herzen. Ganz gleich, ob bei ihren ungezählten Aufträgen im Corporate- oder Magazin-Bereich oder bei ihren freien Arbeiten: Sie liebt, genießt, leidet oder lacht mit Ihrem Gegenüber und lässt jede Umgebung mit allen Sinnen auf sich wirken. Und selbstverständlich meistert sie dabei auch alle anderen Facetten des Fotografendaseins mit Bravour.

Wir freuen uns, dass wir ab sofort exklusiv und weltweit mit Isabela zusammen arbeiten und haben Ihr zum Einstieg die »7 Fragen an…« gestellt. Herzlich Willkommen Isabela!

Warum bist Du Fotografin geworden?
Fotografieren und Reisen kamen zusammen in mein Leben. Ich fing an zu reisen – allein mit Rucksack durch Europa, und die Kamera wurde zu einem wunderbaren Reisebegleiter. Es ging mir damals schon um die Begegnungen mit Menschen. Dabei erwies sich die Kamera als ein toller Vermittler, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Durch einen großen Zufall erhielt ich die Möglichkeit, meine Reisebilder in einem Café in Berlin auszustellen. Mehrere Bilder
wurden verkauft, und dann ist es mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich mein Hobby zu meiner Arbeit, meine Berufung zum Beruf machen könnte. Kurz danach habe ich Dortmund angefangen, Fotodesign zu studieren…

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Kannst Du Dich an Deinen ersten Job erinnern?
Ja, sogar ganz genau. Ich war noch nicht mal fertig mit dem Studium. Damals hatte der stern ein »Austausch-Magazin« namens Oskar´s für deutsche und nordamerikanische Schüler und Studenten. In jeder Ausgabe gab es eine Portraits-Strecke von Schülern, die sich zu einem ausgewählten Thema äußerten. Dafür durfte ich zusammen mit der Fotografin Valeska Achenbach quer durch Deutschland reisen.

Was war Dein schönstes Erlebnis als Fotografin?
Ich habe 2008 ein freies Projekt in Brasilien gemacht »Daspu-Prêtá-porter aus dem Puff«.
Ein Dutzend Prostituierte aus Rio de Janeiro hatte eine eigene Modemarke gegründet: Daspu. Damit stahlen sie den Supermodels die Show und kämpften für eine gerechtere Gesetzgebung – mit ihrem Erfolg verschafften sich die Frauen vom Altstadtstrich endlich Respekt.
Ich habe diese Frauen begleitet: Zuhause, im Bordell oder auf dem Strich und in ihrem neuen Leben als Model auf dem Laufsteg. Es waren sehr einzigartige Frauen voller Träume, die dabei waren, ihr Selbstbewusstsein zu entdecken.
Die Begegnung mit Nilza, eine 50 jährige Prostituierte, die an dem harten LKW-Strich an der Autobahn zwischen Rio und São Paulo arbeitete, war für mich wahrscheinlich das schönste Erlebnis als Fotografin. Ich habe sie tagelang begleitet und zuletzt lud sie mich zu sich nach Hause ein. Sie erzählte mir, dass ihr größter Traum wäre, einmal ein Brautkleid anzuziehen. Heiraten wolle sie nicht, aber einmal wie eine Braut aussehen… Diese naive, nicht verlorene Romantik einer älteren Prostituierte hat mich sehr gerührt. Als ich auf dem Weg zu ihr in einem weit entfernten Vorort von Rio war, habe ich ganz zufällig ein handschriftliches Schildchen an einem ganz einfachen Häuschen gesehen, auf dem stand: „Wir vermieten Brautkleider, Kommunionkleider…“. Ohne zu überlegen bin ich hineingegangen und habe ein Brautkleid ausgeliehen. Wie Nilza sich darüber gefreut hat, ist kaum in Worte zu fassen. Am Schluss standen wir alle da: Nilza in Brautkleid, ihre Tochter, ihre Enkelin, ihre Nachbarin und ich und haben alle geheult.

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Wie  arbeitest Du am Liebsten?
Unterwegs. Immer wieder aufs Neue: neue Orte, neue Menschen, neue Herausforderungen…

Was verbindest Du mit fotogloria | büro für fotografische zusammenarbeit?
Teamwork! Einfach die Möglichkeit, Ideen, Ziele, Herausforderungen zusammen zu erleben und zu meistern.

Wie hast Du Deinen eigenen fotografischen Schwerpunkt / Standpunkt entwickelt?
Es war ein sehr natürlicher Prozess, der sich im Grunde wie von alleine entwickelt hat. Ich habe Menschen gesucht und fotografiert. Das Studium, die verschiedenen Aufträge und nicht zuletzt die daraus gewonnene Erfahrung haben meinen Schwerpunkt immer tiefer gefestigt.

Brasilien Tour

Für welchen Kunden würdest Du gerne einmal arbeiten?
Da fallen mir ein paar ein: für das grüne Geo, das Greenpeace Magazin, National Geographic… Und auch sehr gerne für Hilfsorganisationen. Ich lasse mich aber gerne überraschen!

* fotogloria vertritt Isabela Pacini exklusiv und weltweit – Sie können sie gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen. Melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 oder info@fotogloria.de.

 

Charmant und stark – Fussballfotografie in der Schweizer Illustrierten

Über Außenseitermannschaften und Fußballerfrauen, von Torchancen und Trikotfragen bis hin zu Spielanalysen und Spielfeldrandphänomenen – es gibt dieser Tage wohl kaum eine Publikation, die sich nicht mit dem Thema Fußball befasst.

Eine besonders charmante Bildstrecke indes hat die Schweizer Illustrierte zum Start der Europameisterschaft in ihr Sonderheft gehoben: Amateurspieler in ganz Europa. In herzerwärmenden, witzigen und vor allem starken Bildern – Fussballfotografie vom Allerfeinsten.

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Andreas Wilhelm, der betreuende Bildredakteur von 13photo sagt dazu: »Mir ist fotogloria immer wieder im FIFA-Magazin mit besonderen Bildern aufgefallen und ich habe dann einfach mal in Hamburg angerufen. Im Ergebnis habe ich sehr viele, sehr tolle und vor allem passgenaue Bilder für meine Strecke bekommen.«

Und so ist auch der Aufmacher der Strecke ein wirklich gutes Bild – fotografiert von fotogloria-Mitbegründer Mike Gamio: »Bei meiner Reise nach Barcelona im letzten Jahr wollte ich unbedingt das Schwimmbad über der Stadt sehen, das ich seit so vielen Jahren von so vielen Bilder kenne. Natürlich hat es mich dann auch gereizt, mein eigenes Foto davon mitzubringen. Hat geklappt.« Sein Bild hat es übrigens nicht zum ersten Mal auf eine Doppelseite geschafft, siehe HIER.

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Aber auch die meisten der anderen Motive kommen von fotogloria – etwa von Diana Bagnoli oder Caio Vilela – denn: »Bei so einer Anfrage setzen wir einfach alles in Bewegung: Wir stecken die Köpfe zusammen und beraten, wer welches spannende Material schon mal gesehen hat, wir kontakieren Fotografen rund um den Globus, befragen unser Agenturen-Netzwerk und beschaffen damit dann genau das Material, das gesucht wird – da kommt uns unser Know-How im Bereich Bildredaktion mehr als zugute.«

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*Planen auch Sie ein besonderes Thema und benötigen dafür starkes Bildmaterial? Melden Sie sich gerne bei uns, denn wir sind Experten darin, tolle Bilder zu beschaffen. Und sie bei Bedarf natürlich auch direkt zu lizensieren. info@fotogloria.de oder +40 (0)40 609 42 906 -0

** Mehr zu unserem Arbeitsbereich Bildredaktion erfahren Sie HIER.

P.S.: Die Fotografen-Doppelseite-Freude lohnt es immer, im Bild festzuhalten.

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42.800 Besucher beim neunten Fotofestival Horizonte Zingst

Was für ein phantastischer Erfolg für das neunte Umweltfotofestival Horizonte Zingst : 42.800  Besucher haben sich in neun Tagen von der Fotografie mit- und hinreißen lassen!

Zu sehen gab es am Bodden sehr viel, aber vor allem auch sehr gute Fotografie, wie beispielsweise in der großen Gruppenschau »One World« oder in der Open-Air-Ausstellung »Rettet die Meere« von Reinhard Dirscherl – beide kuratiert von Klaus Tiedge (Kurator Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Edda Fahrenhorst (fotogloria).

In der »One World« – die Klaus Tiedge liebevoll »mein kleines Welttheater« nennt und damit die konzentrierte Ausrichtung der Ausstellung auf internationale zeitgenössische fotografische und gesellschaftliche Phänomene meint – waren in diesem Jahr 112 spannende Bilder von 14 Fotografen zu sehen. Mit dabei waren: Daniel & Geo Fuchs, Lars Borges, Frank Stöckel, Florian Müller, Jochen Raiß, Darius Ramazani, Johan Bävman, Dietmar Baum, Nicoló Minerbi, Malte Jäger, Caio Vilela, Bernd Jonkmanns, Josef Fischnaller und Walter Schels. Eine besondere Freude war es in diesem Jahr, dass acht der »One World«-Fotografen nach Zingst gekommen sind!

Der Erfolg des Festivals ist aber natürlich vor allem dem tollen Festival-Team zu verdanken, darum gilt unser Dank für die grandiose Fotografiewoche und für die Gastfreundschaft an dieser Stelle: Ralf-Peter Krüger, Rico Nowicki, Anne Crämer, Stefanie Schiller, Sascha Oemcke, Simone Marks, Martin Dankert, Maria Fechtner, Daniel Hammer, Judith Schallwig, Jens Redecker, dem Filmteam, dem gesamten Bilderflut-Team, Anke Großklaß und allen anderen, die für ein weiteres unvergessliches Festival gesorgt haben.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr – das zehnte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst« findet am 20. bis zum 28. Mai 2017 (in der Verlängerung über Pfingsten bis zum 5. Juni) statt.

P.S.: Wer das Festival verpasst hat – hier gibt es einen Einblick in die Ausstellungen »One World« und »Rettet die Meere«

Die Fotos haben gemacht: Mike Gamio, Nicoló Minerbi, Lars Borges & Edda Fahrenhorst.

Horizonte Zingst 2016 | Reinhard Dirscherl

Das Fotofestival »horizonte« in Zingst hat eine Botschaft: Die Welt mit ihren Bewohnern in allen Facetten und ihrer einzigartigen Schönheit zu zeigen. Und damit vor allem auch darauf hinzuweisen, wie fragil unsere Umwelt ist und wie schützenswert Flora und Fauna sind. Darum ist das Fotofestival eben auch nicht einfach nur ein Fotofestival, sondern ganz bewusst ein Umweltfotofestival.

In diesem Jahr ist eines der Hauptthemen: »Rettet die Meere« Gezeigt werden dazu in der großen Outdoor-Ausstellung vor dem Max-Hünten-Haus großartige Bilder von Reinhard Dirscherl, seines Zeichens mehrfach ausgezeichneter Unterwasserfotograf – kuratiert von Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Edda Fahrenhorst (fotogloria).

Nun aber erst einmal ein kleiner, aber feiner Einblick in die Arbeitsweise von Reinhard Dirscherl – Viel Spaß!

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fotogloria: Seit wann bist Du Unterwasserfotograf?
Reinhard Dirscherl: Ich habe im Frühjahr 1989 tauchen gelernt und bereits ein Jahr später meine erste Unterwasserkamera gekauft. Damals eine Motomarine 2 mit externem Blitz und einer Weitwinkelvorsatzlinse. Die fotografischen Ergebnisse waren nach heutigen Maßstäben ernüchternd aber der Anfang war gemacht.
Ein Jahr später kaufte ich mir schon eine Spiegelreflexkamera mit Unterwassergehäuse und einen Amphibienblitz. Ich fotografierte unter Wasser sooft ich konnte, auch in heimischen Gewässern. Die Fotos konnten sich langsam sehen lassen und ich gewann mit meinen Aufnahmen die ersten Fotowettbewerbe.
Nach und nach interessierten sich auch Zeitschriften und Agenturen für meine Fotos und langsam gelang der Einstieg in die prof. Fotografie.

Warum hast Du Dich dafür entschieden?
Ich habe vor der Taucherei ein wenig an Land fotografiert. Aber dies hat mich persönlich nicht so sehr gefesselt. Mit dem Tauchen in heimischen Gewässern und natürlich in tropischen Meeren hatte ich plötzlich so zahlreiche fantastische Erlebnisse, dass ich diese einfach auf Fotos festhalten wollte.

Was fotografierst Du am Liebsten in den Meeren?
Zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn waren es die tropischen Riffe, die mich begeistert haben. Zwischenzeitlich faszinieren mich vor allem die großen Jäger unter Wasser: Haie, Wale, jagende Segelfische – ich bin da nicht wählerisch.

Deine Ausstellung in Zingst läuft unter dem Oberbegriff „S.O.S. – Save our Seas“ – Hast Du im Laufe Deiner Berufsjahre eine Veränderung der Ozeane festgestellt?
Ja allerdings – leider keine positiven. Die Meere verarmen und verdrecken zusehends: Alle Fische, die kommerziell verwertbar sind, werden gnadenlos mit immer größeren Flotten gejagt. Es gibt keine abgelegenen Meeresregionen mehr, in denen nicht kommerziell gefischt wird. Besonders schlimm ist der Fang von Thunfischen und Haien. Der Bestand an Haien ist in den letzten zwei Jahrzehnten um ca. 80 % geschrumpft. Weit über 100 Millionen Haie werden weltweit jährlich getötet. Das sind rund 250.000 jeden Tag und drei bis sechs pro Sekunde. Kein anderes wildlebendes Tier wird momentan so brutal und in so großen Mengen abgeschlachtet. Und das wegen einer „Suppe“! Eine weitere Problematik ist natürlich die Verschmutzung und Vermüllung der Meere.

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Was hat Dich in puncto Verschmutzung der Ozeane am meisten beeindruckt/erschüttert?
Ich reise oftmals an Orte, die fern jeglicher Zivilisation sind. Mich hat vor einigen Jahren wirklich erschüttert, dass sogar die abgelegen Inseln der Marshall Islands inmitten des Pazifiks vermüllt sind. Der Zivilisationsmüll ist zwischenzeitlich überall in allen Ozeanen und Meeren sichtbar.

Was ist Dein privater Ansatz zum Schutz der Meere?
Mein Job als Unterwasserfotograf erfordert natürlich, dass ich viel reise. Meine persönliche CO2-Bilanz ist daher mit Sicherheit kein Vorbild. Ich versuche aber, so wenig Müll als möglich zu erzeugen. Man muss nicht jede Banane einzeln in eine Tüte verpacken. Wenn aber Müll anfällt, muss er vernünftig entsorgt und nicht einfach in die Landschaft oder ins Meer geworfen werden.

Was war Deine gefährlichste und was Deine schönste Erfahrung beim fotografieren unter Wasser?
Gefährliche Situationen beim Fotografieren unter Wasser hatte ich noch keine. Selbst große Haie stellen in der Regel, sofern man sich richtig verhält, keine oder nur eine geringe Gefahr da.
Gefährlicher ist da schon eher der Transport zu den Tauchgebieten. Einmal ist vor Papua Neuguinea unser 12 Meter Stahlboot durch eine riesige Welle gekentert. Dabei zog ich mir Knochenbrüche und eine ausgekugelte Schulter zu. Glücklicherweise hatte ich zum Zeitpunkt des Unglücks schon meinen Taucheranzug angezogen. Ohne den Auftrieb des Neoprenanzuges hätte ich die mehrstündige Schwimmeinlage mit nur einem Arm und ohne Flossen zur Küste nicht geschafft. Eine sehr schöne Erfahrung hatte ich vor einigen Jahren mit einer Buckelwaldame nördlich der Dominikanischen Republik. Sie stand kurz vor der Paarung und verhielt sich wie eine rollige Katze. Ich war zwei Stunden mit der zwanzig Meter langen Dame im Wasser und schoss zum ersten und einzigen mal in meiner fotografischen Laufbahn die 32 Gigabyte Karte meiner Digitalkamera voll.

Und las but not least: Welches Bild in der Zingster Ausstellung ist Dein liebstes und warum?
Ich liebe das Foto mit dem neugierigen Brauntölpel, der von der Wasseroberfläche nach unten sieht. Das Foto entstand nach einem tiefen Wracktauchgang im Bikini Atoll, wo die Amerikaner mit Atombomben zahlreiche Kriegsschiffe versenkt haben. Nach einem Tauchgang zum Flugzeugträgerwrack Saratoga und einer einstündigen Dekopause in neun, sechs und drei Metern Wassertiefe mit reinem Sauerstoff blickte mich der Vogel an der Wasseroberfläche neugierig an. Ich tauchte direkt unter ihn, hielt die Luft an und schoss das Foto.

Horizonte-Countdown 2016 | Lars Borges

Fotografen machen sich aus allen Teilen Deutschlands auf den Weg, Reden werden geschrieben und die letzten Bilder an die Wand gebracht – morgen beginnt das neunte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst«!

Damit verabschiedet sich auch der Horizonte-Countdown 2016 – mit einer Liebeserklärung an die Fotografie, an die Menschen, an das Leben. Und zwar mit Lars Borges Arbeit »A Kiss Is Still A Kiss« die auch in der Gruppenschau »One World« zu sehen ist. Wir sehen uns in Zingst!

© Lars Borges 2

WAS
Junge, sich küssende Paare auf den Straßen von…

WO
…Los Angeles

WARUM
Ich wollte an einem der kommerziellsten Orte der Welt einen romantischen Gegenentwurf anbieten. Es ist nur eine kleine Idee und doch gibt es kaum wichtigeres und intimeres in unseren menschlichen Beziehungen als einen Kuss. Also habe ich echte Paare aus allen Gesellschaftsschichten und mit unterschiedlicher sexueller Orientierung gebeten, sich für mich vor der Kamera zu küssen.

WIE
Ich fotografiere alle meine persönlichen Projekte mit Leica M, in diesem Fall mit meiner M9, 50mm, available light.

© Lars Borges 1

WER
Ich bin freier Fotograf aus Berlin, Kreuzberg. Ich versuche den Spagat zwischen
Dokumentarfotografie, Mode, Portrait und Werbung zu meistern.

Horizonte Countdown 2016 | Jochen Raiß

Jedermanns Fotos entstehen, wenn ein flüchtiger Moment für die vermeintliche Ewigkeit festgehalten werden soll. Gefühle werdem konserviert, ebenso wie Erinnerungen. Doch was passiert, wenn die Menschen mit ihren Gefühlen und Erinnerungen auf den Fotos längst tot sind, wenn die Abzüge in Schachteln landen? Wo bleiben dann all diese besonderen Augenblicke?

Fotos füllen sich immer dann mit Leben, wenn sie einen Betrachter finden. Einen, der sich in die längst vergangenen Zeiten vertiefen mag und diese Geschichten sammelt, odnet, immer wieder anschaut. Genau so jemand ist der Sammler Jochen Raiß, der seit Jahren besondere Augenblicke aus Jedermanns Fotoschachteln zieht und sie durch seine Themen-Projekte letztlich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt – um sie wieder mit Leben zu füllen und ihnen damit die Magie des besonderen Augenblicks wieder zu geben.

Jochen Raiß Projekt »Frauen auf Bäumen« ist in der großen Gruppenausstellung »One World« im Rahmen des neunten Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« zu sehen – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Jochen Raiss _ fotogloria _1

WAS
Ich sammele seit etwa 25 Jahren historische Amateuraufnahmen. Mein  Interesse gilt dabei Bildern von »Menschen in ungewöhnlichen Situationen« – besondere Schnappschüsse also. Ich finde die Fotos auf Flohmärkten und wühle dort in alten Schuhkartons, die vollgestopft sind mit Fotos unbekannter Herkunft. Eine Flohmarktschachtel voller Fotos hat für mich etwas geradezu Herzzerreißendes: Da haben Menschen Momente festgehalten, die für sie wichtig und besonders waren – glückliche, lustige, kuriose oder auch scheinbar banale Szenen und jetzt liegen sie alle wahllos zusammengewürfelt in einem alten Karton. Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder Fotos von »Frauen auf Bäumen« gefunden. Ein Motiv, das mich von Anfang an fasziniert hat. Es hat in mir viele Fragen und Gedanken ausgelöst: Welches Leben lebte diese Frau im Baum? Mit wem ist sie spazieren gegangen? Wer kam auf die Idee, dass sie in einen Baum klettert und sich auf einen Ast setzt?

WO
Ich habe mittlerweile 95 Aufnahmen von »Frauen auf Bäumen«. 95 verschiedene Frauen, 95 verschiedene Fotograf/Innen, 95 verschiedene Orte.

WARUM
Genau, das ist einer der Aspekte, der das Sammeln für mich so interessant macht: dass ich meistens gar nichts über die Personen, Orte, Fotografen/Innen und Umstände weiß.
Wenn ich Bilder auf Flohmärkten, Trödelläden, etc. finde, sind die »genauen« Informationen längst verloren. Manchmal ist auf der Rückseite ein Ort, eine Jahreszahl, oder ein Name notiert, meistens aber nichts. Das allerdings lässt wiederum viel Raum für eigene Geschichten – meistens fängt mein Kopfkino dann sofort an, dagegen kann ich mich gar nicht wehren. Will ich aber auch gar nicht, denn genau das mag ich sehr.
Susan Sontag schrieb einmal: »Fotografien sammeln, heißt die Welt sammeln«. (Susan Sontag, On Photography, 1977.) Ich verstehe diesen Ausspruch für mich so, dass es beim Betrachten von Bildern so viele unterschiedliche Möglichkeiten der Interpretation gibt, wie Menschen auf der Welt leben. Und dass jede Betrachtungsweise ihre Daseinsberechtingung hat.

WIE
In der Regel sind das alles relativ kleine Papierabzüge – von sehr klein bis Postkartenformat. Unterschiedlich sowohl in der Art von Fotopapier, als auch in der Qualität des Zustands.

© Jochen Raiss

WER
Ich bin seit vielen, vielen Jahren in der Foto-Branche unterwegs und arbeite als Mitbegründer und Geschäftsführer von fotogloria jeden Tag mit professionellen Fotografen zusammen, die  auf dem neuesten Stand der Technik sind, deren Know-How riesig ist, die immer auf dem Sprung sind, um Kundenwünsche erfüllen… Das ist eine tolle Arbeit, die ich sehr mag. Aber ich mag es ebenso sehr, an den Wochenenden ganz in Ruhe und nur für mich nach fotografischen Schätzen zu schauen, die mit dem Business, dem Alltag und der täglichen Geschwindigkeit  nichts zu tun haben – sondern nur mit den abgebildeten Menschen und mit meinen fiktiven Geschichten, die ich mit ihnen erlebe.

P.S.: In diesen Tagen erscheint das Buch »Frauen auf Bäumen« im Hatje Cantz-Verlag, bitte HIER entlang.

P.P.S.: Selbstverständlich kann man die Bilder über fotogloria lizensieren oder direkt für die Wand als Print bestellen, bitte HIER entlang.

Horizonte-Countdown 2016 | Daniel & Geo Fuchs

Wer hatte noch nie den Wunsch, einfach mal ungestört in den Kellern und Archiven von Museen zu stöbern und dabei Skurrilitäten zu entdecken, Schätze zu bergen, Schrecklichkeiten zu begegnen und Schönheiten zu genießen? Das Künstlerpaar Geo und Daniel Fuchs hat sich diesen Wunsch erfüllt und durfte im Naturhistorischen Museum Wien die Arbeit »Family Groups« zusammen stellen und fotografieren.

Zu sehen ist die großartige Arbeit jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

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WAS
Das Zusammenstellen und Gruppieren von Exponaten hat schon immer einen großen Reiz auf uns ausgeübt.

WO
Bis auf das Bild »flowers & leaves« sind die ausgestellten Arbeiten in den Archiven des Naturhistorischen Museums Wien entstanden.

WARUM
Schon von Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir das Fotografieren in Archiven immer geliebt. Es sind wunderbare geheime Welten die sich in all den Jahren aufgetan haben und immer eine große Faszination auf uns ausgeübt haben.

WIE
Mittelformat-Kamera mit digitalem Rückteil. Die »family groups« zusammen zu stellen ist ein zeitaufwendiges Projekt – es dauert lange bis jedes Exponat millimetergenau an seinen richtigen Ort platziert und ins rechte Licht gerückt ist.

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WER
Daniel & Geo Fuchs arbeiten seit fast 20 Jahren zusammen an ihren freien konzeptionellen Projekten, die seitdem mit großem Erfolg in internationalen Museumsausstellungen, Galerien und Kunstmessen zu sehen sind.

Horizonte-Countdown 2016 | Josef Fischnaller

Lichteinfall, Komposition, Ausdruck: Es gibt einfach Themen, deren Beherrschung nicht nur unerlässlich für ein gutes Bild sind, sondern sowohl für die Werke der Alten Meister von Belang waren und es heute auch immer noch für Fotografen sind. Warum also nicht die Erkenntnisse von Malerei und Fotografie zusammen bringen und einfach was neues daraus machen?

Eben daran arbeitet Josef Fischnaller und stellt bekannte Gemälde von Tizian, Caravaggio & Co. nach. Natürlich in allen Details Kostüme und Requisiten betreffend (obwohl er sich hier eine sehr eigene humoristische Note erlaubt). Aber vor allem geht es ihm um die Umsetzung des Lichts (in beiden Disziplinen geht es dabei um die hohe Kunst des Handwerks) und des Ausdrucks. Zur Umsetzung desselben unterscheiden sich beide, ist letztlich für die Fotografie der direkte und im Vergleich sehr kurze menschliche Kontakt für das gute Ergebnis ausschlaggebend.

So oder so: Die Arbeiten von Josef Fischnaller machen Spaß und Lust auf den nächsten Museumsbesuch.

Zu sehen sind Josef Fischnallers historische Portraits jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

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WAS
Ich mache mit meinen Bildern einen künstlerischen Zeitensprung über mehrere Jahrhunderte und orientiere mich dabei an den Bildern der Alten Meister, die in den Museen dieser Welt zu sehen sind. Die von Hand gefertigten, aufwändigen Kostüme und Schmuckstücke meiner Protagonisten sind dabei aus heutigem, recyceltem Material und immer mit ironischen Elementen gespickt – der Betrachter soll nicht nur immer wieder neue, versteckte Details entdecken, sondern auch auf den zweiten oder gar erst dritten Blick erkennen, woraus die einzelnen Schmuckstücke, Blumen, Früchte oder Insignien der Macht tatsächlich gefertigt sind.
Wichtig ist mir jedenfalls, dass die Gesichter und Figuren immer zum Original passen müssen und nicht umgekehrt. Und dass der Betrachter die Magie und Kraft der Werke meinen Vorbildern neu entdeckt und bewundern kann.

WO
Die Portraits entstehen in meinem Berliner Studio, meist mit Tageslicht. Die Anfertigung der Kostüme aus Papier nimmt im Schnitt 2-3 Tage in Anspruch, das Shooting selbst dauert meist nur ein paar Stunden.
Die Hintergründe werden in der Postproduktion eingefügt, soweit es sich um Landschaften handelt. Stoffe und dergleichen werden beim Shooting mit fotografiert. Die Hintergrundbilder sind übrigens Aufnahmen, die extra für diesen Zweck gemacht werden, viele davon in Berlin, aber auch in  Afrika (Namibia, Südafrika, Äthiopien), Italien, Österreich, Süddeutschland, Mallorca und Ibiza usw.

WARUM
es war an der Zeit die Arbeiten der berühmten Renaissance-Maler neu zu Interpretieren und dies mit einem modernen »Twist« zu versehen – eben etwas neues, was noch nicht da gewesen ist.

WIE
Ich fotografiere mit der Phase One Kamera 645AF+, mit 150 mm Optik und Tageslicht, wenn möglich.

© Josef Fischnaller _1

WER
Josef Fischnaller (*1964), Ausbildung zum Fotografen 1982-1986 in Wien an der HGBLVA,
seit 1986 selbständig in den Bereichen Mode, Werbung und Portrait. Wohnt und arbeitet in Berlin.