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Über die professionelle Fotografie – im Industrieanzeiger

Der Industrieanzeiger – die Fachzeitschrift für die verarbeitende Industrie – hat uns gebeten, seiner Leserschaft das Thema professionelle Fotografie näher zu bringen. Haben wir doch gerne gemacht:

Professionelle Fotografie als Kommunikationsinstrument

Fotografie ist ein vielseitiges Marketing- und Kommunikationsinstrument. Doch wie findet man in dem Überangebot den richtigen Weg für das eigene Unternehmen? Dieser Artikel möchte einige Hinweise darauf geben, wie sich Firmen dem Thema annähern oder es für ihre Zwecke gezielt ausbauen können.

Bilder sind und bleiben für den ersten Eindruck zuständig, nur dass sie mittlerweile eine noch viel breitere Verwendung als je zuvor finden. Eine klassische Messewand will heute genauso bespielt werden, wie die sozialen Medien. Das viel beschworene Content Marketing soll gleichermaßen bestückt sein, wie herkömmliche Flyer und Broschüren. Die Website ist ebenso Aushängeschild wie Produktkatalog oder die hauseigene B2B- oder B2C-Publikation.
Für eine erfolgversprechende Kommunikation mittels Fotografie ist ein schlüssiges und auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnittenes Bild-Konzept die Voraussetzung. Im Wesentlichen sollte es die folgenden Fragen aufgreifen und beantworten:
• Wofür werden Bilder benötigt?
• Was soll gezeigt werden?
• Wie sollen die Bilder wirken?
• Wo sollen die Bilder eingesetzt werden?
Ist ein Unternehmen beispielsweise auf die Fertigung von Produkten spezialisiert, die es außerdem mit eigens erbrachter Serviceleistung montiert, wartet und instand setzt, kann es mithilfe von Fotos zeigen, dass Kunden bei ihm höchste Funktionalität, beste Qualität und den dazu passenden zuverlässigen Service bekommen.

Wie könnten die Fotos aussehen?

Möglichkeit 1: Zeigen Sie in Ihrer Unternehmenskommunikation, wer Sie sind und was Sie können! Für das passende Motiv sollten Unternehmen sich über die Schulter schauen lassen und so potenzielle Kunden mit in ihre Produktion nehmen. Mit Hilfe einer gezielten Bildsprache – beispielsweise durch Mitarbeiterportraits oder Produktfotos – lassen sich Kunden begeistern.
Möglichkeit 2: Sie bringen alle aufgezählten Eigenschaften auf die Symbolebene und entwickeln für jede Kompetenz ein illustrierendes Bild. Für zuverlässigen Service steht beispielsweise ein kräftiger Händedruck. Entsprechende Einzelbilder sind mit etwas Glück bei Bilddatenbanken zu finden, können aber natürlich auch – und damit wesentlich gezielter – nach individuellen Vorstellungen, mit eigenen Mitarbeitern und in einer einheitlichen Bildsprache fotografiert werden.
Möglichkeit 3: Entwickeln Sie eine Kampagne, die auf einem individuell auf Ihr Unternehmen und Ihr Produkt zugeschnittenen Bildkonzept – meist in Verbindung mit Text – basiert. Mit starken Bildern können Unternehmen zeigen, wie sie denken, was sie können und wer sie sind. Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, eine fotografische Unternehmenskommunikation auszurichten – am Wichtigsten dabei ist, dass die individuellen Ziele dabei im Fokus stehen.

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Wie findet man den richtigen Fotografen?

Über die einschlägigen Suchmaschinen oder Mundpropaganda lassen sich zahlreiche Fotografen finden, von denen natürlich jeder davon überzeugt ist, sein Handwerk zu beherrschen und der Richtige zu sein. Unternehmen sollten bei der Auswahl berücksichtigen, dass es gerade in der Industriefotografie sehr gute und hoch spezialisierte Profis gibt. Und genau diese sollte man auch für die eigenen Ideen buchen, denn ausgewiesene Industriefotografen wissen, wie man sich in Werkshallen & Co. bewegt. Sie wissen, welche Fragen sie stellen müssen, damit das Bildergebnis exakt ist. Sie haben den richtigen Umgangston, der jeden Mitarbeiter davon überzeugt, gut und gerne Model zu stehen. Sie wissen, wie man ein gutes Bild von der kleinsten Schraube bis zur größten Produktionshalle bekommt. Und vor allem: Sie sind neugierig und interessieren sich für das, was sie fotografieren. Gleiches gilt natürlich auch für Fotografen, die sehr gut Menschen fotografieren können, oder Produkte inszenieren, oder große Kampagnen begleiten.

Was kostet das?

Die Frage ist natürlich an dieser Stelle nicht in Beträgen zu beantworten, aber generell ist es wie in jedem anderen Bereich auch: Für Qualität lohnt es sich, ein wenig mehr auszugeben, denn Profis liefern meist in kurzer Zeit zufriedenstellende Ergebnisse, die den Vorstellungen der Auftraggeber entsprechen.

Fazit

Qualitativ hochwertige und gezielt eingesetzte Fotografie ist ein perfektes Marketinginstrument. Um das individuell beste Ergebnis zu erreichen, ist es aber unerlässlich, Zeit und Geld in die Hand zu nehmen – beides fließt mithilfe der produzierten Fotos aber bestimmt wieder zurück in die Unternehmenskasse.

Praktische Hinweise

Augen auf beim Rechtekauf: Die Lizenzierung von Bildmaterial (vor allem bei bereits vorhandenen Fotos über Bildagenturen) ist ein sehr komplexes Thema, das – wenn man damit keine oder wenig Erfahrung hat – zu einem unangemessenem Geld- und Arbeitsaufwand führen kann. Darum sei hier ausdrücklich dazu geraten, Profis mit dem Thema Lizensierung zu beauftragen, die sich in allen Bereichen damit auskennen. Eine weitere Möglichkeit ist es, eine Schulung zu organisieren – es gibt von verschiedenen Institutionen und Agenturen entsprechende Angebote, auch Inhouse.

Releases & Co.: Jegliches Bildmaterial (ob neu, archiviert oder dazu gekauft), dass in der Unternehmenskommunikation Verwendung findet, braucht ein Model- und/oder Property-Release (Freigabe für die Verwendungsrechte). Lassen Sie sich in diesem Punkt ausführlich beraten, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Archivarbeit: Es lohnt sich, für Ihre Fotos ein Bildarchiv aufzusetzen. Das bedeutet zwar eine Anfangsinvestition, aber danach über Jahre eine Arbeitserleichterung. Mit einem vernünftigen Archiv lassen sich Fotos schnell auffinden, können übergreifend (also von verschiedenen Standorten oder Abteilungen) genutzt werden und sind mit allen nötigen Infos zu Releases, Rechten & Co. versehen. Es gibt verschiedene Archivierungssysteme auf dem Markt, lassen Sie sich auch hier gut beraten. Das Wichtigste dabei ist allerdings die Verschlagwortung – sprechen Sie dafür Profis an.

 

*Die Autorin dieses Textes – Edda Fahrenhorst – gehört zu den drei Gründern und Geschäftsführern von fotogloria | büro für fotografische zusammenarbeit. Die Hamburger Agentur hat sich auf die Dienstleistung rund um das Thema Fotografie spezialisiert – mit den Schwerpunkten Industriefotografie und Unternehmenskommunikation. Vom fotografischen Konzept, über die gezielte Fotografenvermittlung (deutschlandweit und international) und die kreativ-administrative Shootingbegleitung bis hin zur Beratung in allen Fragen zu den Themen Bildredaktion oder Bildarchiv ist fotogloria der richtige Ansprechpartner für Unternehmen in jeder Größenordnung. Das Team von fotogloria arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich für seine Kunden und freut sich auch auf Ihre Anfrage – schauen Sie sich gerne unter www.fotogloria.de um und melden sich jederzeit unter info@fotogloria.de oder +49 (0)40 609 42 906 -0

42.800 Besucher beim neunten Fotofestival Horizonte Zingst

Was für ein phantastischer Erfolg für das neunte Umweltfotofestival Horizonte Zingst : 42.800  Besucher haben sich in neun Tagen von der Fotografie mit- und hinreißen lassen!

Zu sehen gab es am Bodden sehr viel, aber vor allem auch sehr gute Fotografie, wie beispielsweise in der großen Gruppenschau »One World« oder in der Open-Air-Ausstellung »Rettet die Meere« von Reinhard Dirscherl – beide kuratiert von Klaus Tiedge (Kurator Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Edda Fahrenhorst (fotogloria).

In der »One World« – die Klaus Tiedge liebevoll »mein kleines Welttheater« nennt und damit die konzentrierte Ausrichtung der Ausstellung auf internationale zeitgenössische fotografische und gesellschaftliche Phänomene meint – waren in diesem Jahr 112 spannende Bilder von 14 Fotografen zu sehen. Mit dabei waren: Daniel & Geo Fuchs, Lars Borges, Frank Stöckel, Florian Müller, Jochen Raiß, Darius Ramazani, Johan Bävman, Dietmar Baum, Nicoló Minerbi, Malte Jäger, Caio Vilela, Bernd Jonkmanns, Josef Fischnaller und Walter Schels. Eine besondere Freude war es in diesem Jahr, dass acht der »One World«-Fotografen nach Zingst gekommen sind!

Der Erfolg des Festivals ist aber natürlich vor allem dem tollen Festival-Team zu verdanken, darum gilt unser Dank für die grandiose Fotografiewoche und für die Gastfreundschaft an dieser Stelle: Ralf-Peter Krüger, Rico Nowicki, Anne Crämer, Stefanie Schiller, Sascha Oemcke, Simone Marks, Martin Dankert, Maria Fechtner, Daniel Hammer, Judith Schallwig, Jens Redecker, dem Filmteam, dem gesamten Bilderflut-Team, Anke Großklaß und allen anderen, die für ein weiteres unvergessliches Festival gesorgt haben.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr – das zehnte Umweltfotofestival »Horizonte Zingst« findet am 20. bis zum 28. Mai 2017 (in der Verlängerung über Pfingsten bis zum 5. Juni) statt.

P.S.: Wer das Festival verpasst hat – hier gibt es einen Einblick in die Ausstellungen »One World« und »Rettet die Meere«

Die Fotos haben gemacht: Mike Gamio, Nicoló Minerbi, Lars Borges & Edda Fahrenhorst.

Horizonte-Countdown 2016 | Die Kuratoren

112 Bilder von 14 Fotografen – das ist die Gruppenausstellung »One World«, die im Rahmen des neunten Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« gezeigt wird. An den Wänden werden kontroverse Arbeiten, politische Strecken, skurrile Sammlerstücke, humorvolle Menschenbegegnungen oder auch traumhafte Landschaften hängen, sie alle sind mit der inhaltlichen Klammer »Das visuelle Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen« zusammen gefasst.

In jedem Fall verspricht die Schau gute Unterhaltung auf der einen Seite und auf der anderen eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der Fotografie. Kuratiert wurde die Schau auch in diesem Jahr von Klaus Tiedge, seines Zeichens Kurator der »Erlebniswelt Fotografie Zingst« gemeinsam mit Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst, Gründerin und Mitinhaberin von fotogloria | büro für fotografische zusammenarbeit. Wir haben die beiden zu der Ausstellung und zu ihrer Zusammenarbeit befragt.

Aus der Serie »Family Groups« von Daniel & Geo Fuchs.

Aus der Serie »Family Groups« von Daniel & Geo Fuchs.

fotogloria: In nur einigen Tagen startet das neunte Fofofestival Horizonte Zingst – was erwartet die Besucher?
Klaus Tiedge: Ein Programm, das so weitgefächert ist, dass jeder Interessenlage an der Fotografie gerecht wird. Ein Spektrum mit 20 Ausstellungen, dazu Workshops und Podien für alle Themengebiete, Knowhow-Bereiche und Kenntnisstände, Multmediashows, ein Fotomarkt und sehr viel Spielräume für fachliche und menschliche Begegnungen mit dem täglichen Höhepunkt der »Bilderflut« am Strand auf der Megaleinwand.

Die größte Gruppenausstellung des Festivals ist die Schau »One World« – welchen inhaltlichen Ansatz verfolgt die Ausstellung?
Klaus Tiedge: In diesem Jahr geben »Das visuelle Gedächtnis – Spurensuche und Entdeckungen« die Navigation der Themen vor. Es sind Zeitphänomene, die von Fotografen visualisiert wurden. Da kommen junge, moderne Väter ebenso vor, wie das Reisen als Couchsurfer, die Renaissance der Vinyl-Platten, kuriose Sammelleidenschaften und vieles mehr. Ich verspreche hohen niveauvollen Unterhaltungswert und wichtige Denkanstöße…

Die »Frauen auf Bäumen« stellt Jochen Raiß aus.

Die »Frauen auf Bäumen« stellt Jochen Raiß aus.

Seit 2011 arbeitest Du jedes Jahr für die „One World“ mit fotogloria und seit 2013 mit Edda Fahrenhorst als Co-Kuratorin zusammen – wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Klaus Tiedge: fotogloria ist ja weit mehr als eine Fotoagentur. fotogloria ist ein Forum für zeitgerechte Auseinandersetzung über Fotografie. fotogloria hat den Wandel in der Fotowelt ideenreich vollzogen, interaktiver Web-Auftritt, social Networks inklusive. Und ganz wichtig: der direkte menschliche Kontakt kommt dabei trotzdem nicht zu kurz.

Wie findet Ihr die Arbeiten, die für die »One World« in Frage kommen?
Klaus Tiedge:  Ich nenne mich ja selbstironisch »Trüffelschwein«. Da ist in der Jahrzehnten der redaktionellen Arbeit und dem Wirken als Kurator ein sehr tragfähiges Netzwerk entstanden.
Edda Fahrenhorst: Ich halte immer meine Augen und meinen email-Account offen. Das ganze Jahr hindurch schaue ich mir sehr viel an, vornehmlich im Netz, in Publikationen verschiedenster Art oder bei den einschlägigen Netzwerken. Dazu spreche ich natürlich viel mit Fotografen und höre nach, woran sie arbeiten oder welche Arbeiten in Schubladen verschwunden sind. Um in die engere Wahl zu kommen, braucht eine Arbeit letztlich »das gewisse Etwas« – das allerdings kann aus den verschiedensten Richtungen kommen: Humor, technisches Können, eine außergewöhnliche Themenidee, eine politische Aussage, Schönheit… Alles ist möglich. Was wir allerdings sehen und spüren wollen sind Herzblut und Konsequenz.

Lars Borges zeigt die Strecke »A Kiss Is Still A Kiss«

Lars Borges zeigt die Strecke »A Kiss Is Still A Kiss«

Nach welchen Kriterien werden die Arbeiten final für die Ausstellung ausgewählt?
Edda Fahrenhorst: Im ersten Schritt sitzen wir viele, viele Stunden zusammen und sichten das Material, das sich jeder von uns in der »One World« vorstellen kann. Daraus entwickelt sich die inhaltliche Ausprägung – die Strecken werden dann entsprechend ausgewählt und zusammen gestellt. Das ist natürlich der schwierigste Teil, denn für ein gutes Gesamtergebnis fliegt auch eine tolle Strecke einfach mal wieder raus…

Seid Ihr Euch immer einig?
Edda Fahrenhorst: Oh nein, ganz im Gegenteil. Aber wir beide streiten uns leidenschaftlich gerne um die Qualität von Fotografie. Das macht Spaß, ist aber vor allem auch immer wieder sehr konstruktiv, denn wir haben schon einen recht unterschiedlichen Blick auf die Fotografie…
Klaus Tiedge: Ach wie langweilig, wäre ständige Einigkeit. Nein, da ist schon eine sehr intensive Auseinandersetzung notwendig. Das Zusammenraufen gehört unbedingt dazu. Die Suche nach Qualitäten tut oft auch richtig weh. Eigentlich haben wir immer viel zu wenig Raum, um alles, was sehenswert wäre zu zeigen.

Und was gibt es in diesem Jahr in der Ausstellung zu sehen?
Klaus Tiedge: Wir haben One World in diesem Jahr nach Phänomenen gegliedert…
Edda Fahrenhorst: …und das reicht von dem Thema der Völkerwanderung, über das Phänomen der Fußballleidenschaft bis hin zum Phänomen Liebe.

Florian Müller lässt in seiner Arbeit »REM« Bäume schweben

Florian Müller lässt in seiner Arbeit »REM« Bäume schweben

Du kuratierst das gesamte Fotofestival das neunte Jahr in Folge – was magst Du besonders an Deiner Aufgabe?
Klaus Tiedge: Wichtig ist mir, dass – bei aller Wertschätzung künstlerischen Ausdrucks – inhaltliche Aspekte Vorrang haben. Das Umweltfotofestival »horizonte« Zingst hat im Titel schon eine programmatische Aussage. Das ist mir wichtig.

Und was erwartet den Besucher zum 10-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr?
Klaus Tiedge: Ich habe mir als ein zentrales Thema die Warnung vor dem Plastikmüll in unseren Ozeanen vorgenommen. Die weltweit wichtige Botschaft aus Zingst dazu heißt zum Jubiläum: »S.O.S. – SAVE OUR SEAS«

 

* Wenn auch Sie eine Ausstellung planen und dabei tatkräftige und fachkundige Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne und jederzeit unter +49 (0)40 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.

 

Nicoló Minerbis Vernissage in der Leica Galerie Zingst

Eine tolle Ausstellung in schicken Räumen mit perfekten Gastgebern – was wünscht sich der geneigte Vernissage-Besucher mehr. Und so war die Vernissage von Nicoló Minerbis Schau »The Visual Soundtrack of My American Years« am sonnigen Karfreitag in der Leica-Galerie Zingst ein voller und gleichzeitig gut besuchter Erfolg.

Zur Einführung sprachen gleich drei Fotokenner: Zuerst Rico Nowicki, seines Zeichens der Geschäftsführer der Erlebniswelt Fotografie Zingst, dann Klaus Tiedge, der Kurator aller Fotoschauen in Zingst. und als Dritte Edda Fahrenhorst, Mitinhaberin und Geschäftsführerin von fotogloria | büro für fotografische zusammenarbeit, durch die die Ausstellung ihren Weg nach Zingst fand. Hier ihre Rede:

fotogloria_Eroeffnung_Leica_Minerbi

Guten Tag!

Vielen Dank für die einleitenden Worte. Und vielen Dank auch für die Einladung, über diese Ausstellung zu sprechen, ist sie mir doch eine große persönliche Freude!

Mein Dank gilt vor allem Rico Nowicki und Peter Krüger – ich freue mich, dass wir immer wieder hier nach Zingst kommen dürfen, um die Bilder von den fotogloria-Fotografen zu zeigen und vorzustellen.

Danken möchte ich auch Klaus Tiedge für die jahrelange SO gute Zusammenarbeit – ich bin immer wieder glücklich darüber, dass wir uns in puncto Fotografie beinahe blind verstehen.

Vielen Dank außerdem natürlich an das ganze Team, an Steffi Schiller, Simone Marke, Jens Redecker, Doreen Meyer und allen anderen für die immer wieder reibungslose Organisation.

Was ist es, das Nicolos Fotografie so außergewöhnlich macht? Dieser Frage versuche ich auf den Grund zu gehen, seitdem ich angefangen haben, seine Bilder anzuschauen – und ich kann Ihnen versichern, es sind SEHR viele Bilder, Nicoló ist ein sehr produktiver Fotograf.

Und das ist natürlich auch die Frage, die ich in diesem Rahmen so gerne beantworten möchte.

Natürlich könnte ich jetzt auf formale Aspekte eingehen und könnte begeistert sein über Nicolòs perfekten Umgang mit etwa der Bildaufteilung – und darüber bin ich wirklich begeistert, denn ich habe selten einen Fotografen gesehen, der aus vermeintlich uninteressanten, farblosen und langweiligen Szenen und Momenten so viele gute Bilder rausholt.

Ich könnte auch darüber sprechen, wie mühelos er diverse Techniken beherrscht – tatsächlich arbeitet er mit jeder Kamera, die ihm in die Finger kommt – von der Jahrhundertwende-Balgenkamera bis zum Smartphone. Obwohl die Leica schon sein liebstes Stück ist. Vor allem aber sind es seine Leica-Optiken, die aus den 40er und 50er Jahren stammen.

Ich könnte mich auch darüber freuen, wie wenig er sich an vermeintlich gut funktionierende formale Kriterien hält, denn er springt mühelos durch Stile, Methoden, Sujets und experimentiert dabei hemmungslos.

Aber eigentlich geht es bei einem Fotografen – fernab von formalen Kriterien – darum, welche Ideen er zur Welt hat. Und wie er denkt, wie er fühlt.

The Scooter Coast. Where Vespas and Lambrettas rock America

In der Vorbereitung auf den heutigen Tag habe ich also noch einmal alle emails durchgelesen, die seit Monaten zwischen Nicoló und mir hin- und hergehen. Und habe dabei beschlossen, dass es wahrscheinlich das Sinnvollste ist, Nicoló selber zu Wort kommen zu lassen – ich möchte Ihnen also ein paar Auszüge aus unsere Korrespondenz vorlesen. Ich war so frei, und habe sie übersetzt:

Frage: Gibt es eigentlich irgendetwas in der Fotografie, dass Du nicht magst oder nicht bewältigen kannst?

Antwort: Alles hängt von der Stimmung ab – gute Vibrations, gute Bilder. Die Kunst ist, die Magie zu erkennen, die einen Augenblick einzigartig macht.

Frage: Hast Du denn Ziele als Fotograf?

Antwort: Ich sehe mich nicht als Fotograf. Ich benutze meine Kamera als einen Stift, um meine Geschichten zu schreiben und meine Fotos sind die Wörter.

Frage: Und wie sieht es mit fotografischen Vorbildern aus?

Antwort: Wahrscheinlich habe Tausende von fotografischen Vorbildern, aber das ist so, als hätte ich keine. Meine wirklichen Vorbilder sind in den Museen zu finden, so liebe ich etwa Dürer für seine vielschichtigen Bilder. Oder Edward Hopper – in seinen Bildern kann ich die Stille hören.

Frage: Wann und warum hast Du mit der Fotografie angefangen?

Antwort: 2001 habe ich angefangen zu fotografieren und ich glaube, ich konnte gar nicht anders, denn: Ich kann die Welt um mich herum nur verstehen, wenn ich sie sehe. Ich sehe Bilder. In Farbe in schwarzweiss. Andere Menschen hören, riechen, schmecken. Ich sehe. Also war es ein natürlicher Prozess, zur Kamera zu greifen, obwohl ich einst als Schreiber angetreten bin.

Frage: Zur aktuellen Ausstellung: Du hast sieben Jahre in San Francisco gelebt, das fotografische Ergebnis dieser Jahre wird hier nun ausgestellt. Wie haben Dich die Jahre in den USA geprägt?

Antwort: Am Anfang war ich geschockt. Allerdings auf eine gute Art: Ich war glücklich, wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Alles war verrückt, interessant und neu für mich. Es war, als hätte ich mich verliebt – Du verstehst nichts und nimmst alles, was kommt. Nach und nach habe ich dann angefangen, hinter die Fassaden zu schauen, habe angefangen, zu verstehen. Und das war dann der Moment, in dem in angefangen habe, die Menschen und ihre Reaktionen auf ihre Umwelt mit ihren Einflüssen etc. zu fotografieren. Und zwar immer mit diesem Gedanken im Hinterkopf: Um die USA zu verstehen, muss man sich eigentlich nur amerikanische Filme ansehen, denn US-Amerikaner leben die Schauspielerei, sie schauspielern das Leben.

Frage: Worum also genau geht es Dir in Deiner Fotografie?

Antwort: Die eigentliche Herausforderung ist es, die Seele von etwas oder von jemanden einzufangen.

In diesem Sinne: Viel Spaß bei Nicoló Minerbis »Visual Soundtrack of my American Years“!

 

P.S.: Nicolo Minerbi ist ein fotografisches Ausnahmetalent: Keine Szene, kein Thema, keine Situation, keine Idee, aus der er nicht – fast im vorbeigehen – ein Bild komponiert. Für seine Fotografie mixt er intelligente Gedanken, visuelle Visionen, spitzfindigen Humor, stilistischen Überschwang und schlicht Spaß zu ganz eigenen Bildwelten – und das alles entlang der perfekt beherrschten Klaviatur fotografischer Ausdrucksformen. Nicolò Minerbi lebt derzeit in Modica/ Sizilien und arbeitet weltweit.

P.P.S.: Schauen Sie sich die ganzen Geschichten hinter den in der Leica Galerie Zingst ausgestellten Serien von Nicolò Minerbi auf der fotogloria-Bilddatenbank an: »Scooter Coast« | »Lebowsky Fest« | »American Graffiti« | »Camel Race« | »How the Evolution Turned the Frontyard Into an Iconic Quotation«  – selbstverständlich können Sie alle Motive auch über fotogloria lizensieren.

P.P.P.S.: fotogloria vertritt Nicoló Minerbi weltweit. Über fotogloria können Sie ihn gerne für Ihre Ideen und Aufträge buchen – melden Sie sich jederzeit unter 040 609 42 906 -0 oder info@fotogloria.de.