Horizonte-Countdown 2016 | Josef Fischnaller

Lichteinfall, Komposition, Ausdruck: Es gibt einfach Themen, deren Beherrschung nicht nur unerlässlich für ein gutes Bild sind, sondern sowohl für die Werke der Alten Meister von Belang waren und es heute auch immer noch für Fotografen sind. Warum also nicht die Erkenntnisse von Malerei und Fotografie zusammen bringen und einfach was neues daraus machen?

Eben daran arbeitet Josef Fischnaller und stellt bekannte Gemälde von Tizian, Caravaggio & Co. nach. Natürlich in allen Details Kostüme und Requisiten betreffend (obwohl er sich hier eine sehr eigene humoristische Note erlaubt). Aber vor allem geht es ihm um die Umsetzung des Lichts (in beiden Disziplinen geht es dabei um die hohe Kunst des Handwerks) und des Ausdrucks. Zur Umsetzung desselben unterscheiden sich beide, ist letztlich für die Fotografie der direkte und im Vergleich sehr kurze menschliche Kontakt für das gute Ergebnis ausschlaggebend.

So oder so: Die Arbeiten von Josef Fischnaller machen Spaß und Lust auf den nächsten Museumsbesuch.

Zu sehen sind Josef Fischnallers historische Portraits jedenfalls ab Ende Mai in der großen Gruppenausstellung »One World« während des Umweltfotofestivals »Horizonte Zingst« – zusammen gestellt von Kurator Klaus Tiedge (Erlebniswelt Fotografie Zingst) und Co-Kuratorin Edda Fahrenhorst (fotogloria).

© Josef Fischnaller _3

WAS
Ich mache mit meinen Bildern einen künstlerischen Zeitensprung über mehrere Jahrhunderte und orientiere mich dabei an den Bildern der Alten Meister, die in den Museen dieser Welt zu sehen sind. Die von Hand gefertigten, aufwändigen Kostüme und Schmuckstücke meiner Protagonisten sind dabei aus heutigem, recyceltem Material und immer mit ironischen Elementen gespickt – der Betrachter soll nicht nur immer wieder neue, versteckte Details entdecken, sondern auch auf den zweiten oder gar erst dritten Blick erkennen, woraus die einzelnen Schmuckstücke, Blumen, Früchte oder Insignien der Macht tatsächlich gefertigt sind.
Wichtig ist mir jedenfalls, dass die Gesichter und Figuren immer zum Original passen müssen und nicht umgekehrt. Und dass der Betrachter die Magie und Kraft der Werke meinen Vorbildern neu entdeckt und bewundern kann.

WO
Die Portraits entstehen in meinem Berliner Studio, meist mit Tageslicht. Die Anfertigung der Kostüme aus Papier nimmt im Schnitt 2-3 Tage in Anspruch, das Shooting selbst dauert meist nur ein paar Stunden.
Die Hintergründe werden in der Postproduktion eingefügt, soweit es sich um Landschaften handelt. Stoffe und dergleichen werden beim Shooting mit fotografiert. Die Hintergrundbilder sind übrigens Aufnahmen, die extra für diesen Zweck gemacht werden, viele davon in Berlin, aber auch in  Afrika (Namibia, Südafrika, Äthiopien), Italien, Österreich, Süddeutschland, Mallorca und Ibiza usw.

WARUM
es war an der Zeit die Arbeiten der berühmten Renaissance-Maler neu zu Interpretieren und dies mit einem modernen »Twist« zu versehen – eben etwas neues, was noch nicht da gewesen ist.

WIE
Ich fotografiere mit der Phase One Kamera 645AF+, mit 150 mm Optik und Tageslicht, wenn möglich.

© Josef Fischnaller _1

WER
Josef Fischnaller (*1964), Ausbildung zum Fotografen 1982-1986 in Wien an der HGBLVA,
seit 1986 selbständig in den Bereichen Mode, Werbung und Portrait. Wohnt und arbeitet in Berlin.